Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger
Als Antwort auf: Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger von Max am 21. Oktober 2004 18:40:22:
Lieber König Max,
ich erinnere mich an eine abendliche Taxifahrt durch Verona vor gut 3 Jahren. Der Taxifahrer hatte den Kassettenrecorder laufen. Es sprach - Silvio Berlusconi. Von Band! Das muß man sich mal vorstellen! Da wirkt ersichtlich der Duce noch nach in der 3. oder 4. Generation und rührt so einen dummen Jungen fast zu Tränen der Verehrung für den starken Mann. Soviel naiver, pathetischer Staatsfetischismus ist in Deutschland absolut undenkbar.
Das notorische Phänomen der "staatstragenden Belehrungen", das du erwähnst, hat meinem Dafürhalten nach wenig mit dem Staat, aber alles mit der Regression auf's eigene Ego zu tun, das so in Mode gekommen ist. Für diesen schmuddeligen Zweck wird dann eben auch der Staat gerne mal eingespannt, wenn es sich halt so ergibt. Mit dem Staat selbst als Ideal hatten es die Deutschen aber eigentlich nie so besonders. Sie hatten nur in jüngerer Zeit leider öfter mal einen Staat, der es mit ihnen hatte. Und Schreihälse, die lange schreien konnten, bevor sie heiser wurden. Das war unser großes Pech.
Die Deutschen haben die Neigung, viel mehr als andere "bei sich" zu sein (sogar während des Weltuntergangs): ihre berühmte 'Innerlichkeit'. Das scheint ein Fluch, ist aber im Wahrheit eine Begabung, die es zu erlösen gilt. Der Nationalismus und ganz besonders Adolf Hitler waren gerade nicht "typisch deutsch"! Deshalb haben die Leute es zum Beispiel auch erst nachher richtig mitbekommen, was da eigentlich die ganze Zeit alles abgelaufen ist während ihrer eigenen Apokalypse und schämen sich nun, sogar für etwas, was sie gar nicht selber gemacht haben...
Ein weites Feld. Aber über den Staat versteht man die Deutschen eben gerade nicht. Im Grunde ist er uns nämlich viel gleichgültiger als allen anderen europäischen Völkern. Unter pragmatischen Gesichtspunkten ist das natürlich höchstens ein Vorzug und ein Nachteil zugleich. Schade ist's aber, wenn unsere Neigung zum 'Ich' nun in so geistlosem, kleinlichem Egoismus verkümmert, wie wir es wieder erleben - gerade weil es die Möglichkeit gäbe, zur "selbstlosen Person" [paradox?] zu reifen.
Das sind jedoch immer individuelle, ganz persönliche Entwicklungen, jedenfalls niemals kollektiv vermittelte, die dazu führen könnten, sein Leben freiwillig für andere zu leben, ohne daß dies eigens durch einen Staat erzwungen wird, wie es sonst überall üblich und notwendig ist. Daß es völlig verrückt ist, sein Leben "nur für sich selbst zu leben", erkennt man, sobald es massenhaft geschieht (wir reden hier darüber, namentlich wo es die Weiber betrifft).
"Rein politische" Lösungen haben in Deutschland aus o.g. Gründen immer die fatale Neigung zum Desaster. Auch deshalb wird es meiner Ansicht nach keine "staatlichen" Lösungen in Deutschland für derartige Probleme geben. Am besten ist es, wenn der Staat möglichst wenig 'löst'. Jedenfalls darf man nie die individuelle Seite der Problematik übersehen, sowohl für das Gelingen des eigenen Lebens(!), als auch für die Überwindung kollektiver Fehlentwicklungen, wie es der gegenwärtige Genderwahn selbstverständlich darstellt. Man muß Klarheit darüber gewinnen, was gut und recht ist und es dann konsequent und unbekümmert leben. Das geht! Und in Deutschland kann man damit tatsächlich "die Welt verändern": die Form wird dem Inhalt folgen, sobald die Sache einmal wirklich klar ist.
Die Frage: "Wohin kämen wir, wenn...?", ist manchmal auch nur die Stimme der Vernunft. Das muß man ggf. sauber unterscheiden.
Das sind diesmal recht ideelle, vielleicht sogar etwas "abstrakte" Argumente dafür, warum ich persönlich vom Staat wenig fordere (und gefordert sehen will) - außer daß er sich rigoros heraushält aus allen Angelegenheiten, die nur mich (und ihn nichts!) angehen. Entgegen dem allgemeinen Klischee halte ich diese Haltung für "typisch deutsch". Man müßte dazu nur wieder mehr ermutigen. Dann wird das schon wieder... 
Meint und findet
der Nick
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- Frohe Kunde für Unterhaltssklaven! -
Mischa,
19.10.2004, 17:52
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Peter,
19.10.2004, 18:22
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Max,
19.10.2004, 21:48
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Rüdiger,
20.10.2004, 22:57
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Max,
21.10.2004, 00:14
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Rüdiger,
21.10.2004, 00:58
- Worte zur Mitternacht -
Nick,
21.10.2004, 03:35
- Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger -
Max,
21.10.2004, 21:40
- Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger -
Nick,
22.10.2004, 05:43
- Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger - Max, 24.10.2004, 12:19
- Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger -
Nick,
22.10.2004, 05:43
- Re: Worte zur Mitternacht /...auch @ Ruediger -
Max,
21.10.2004, 21:40
- Worte zur Mitternacht -
Nick,
21.10.2004, 03:35
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Rüdiger,
21.10.2004, 00:58
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Max,
21.10.2004, 00:14
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Rüdiger,
20.10.2004, 22:57
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Max,
19.10.2004, 21:48
- Auszug aus dem neuen Duden... -
Martin,
19.10.2004, 20:34
- Re: Auszug aus dem neuen Duden... - So neu ist das nicht: - Ekki, 19.10.2004, 21:04
- Inwiefern ist das eine frohe Kunde fuer Unterhaltssklaven? n/t - Maesi, 19.10.2004, 22:17
- Re: kaum Aenderung für Unterhaltssklaven! -
Peter,
19.10.2004, 18:22