Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Gestern bei "PHOENIX"

Ekki, Friday, 22.10.2004, 12:49 (vor 7776 Tagen)

Hallo allerseits!

Man klagt doch alle Nase lang darüber, daß die beiden großen Volksparteien nicht mehr unterscheidbar seien und dies zur Politikverdrossenheit sowie zum Erstarken radikaler Parteien führe.

Gestern kam frohe Kunde auf PHOENIX. Wir kriegten ein einer Angelegenheit, die zum Forenthema gehört, einen knallharten ideologischen Unterschied vor die Schnauze gehauen, daß es krachte. (Für Interessierte und Nachtschwärmer: Wiederholungen Dienstagnacht, 00.00, 02.30, 05.00 Uhr)

Es ging um "Bilden statt Bauen", m.a.W.: Soll man die Eigenheimzulage streichen, um die Bildung zu finanzieren.

Diskutanten waren:

Bundesbildungsministerin Edelgard Buhlman

und

der Staatsminister für Wissenschaft und Forschung des Freistaates Bayern, Thomas Goppel.

Goppel sagte in seinem ersten Beitrag Sätze, die man in dieser dankenswerten Klarheit selten zu hören bekommt:

1.) "Die wichtigste Ressource unseres Landes ist nicht Bildung. Die wichtigste Ressource unseres Landes sind Kinder."

2.) "Wenn es schon so ist, daß es immer weniger Familien gibt, dann muß man die wenigen, die es gibt, besonders fördern. In 80% aller Fälle sind es junge Familien, die eine Eigenheimzulage in Anspruch nehmen wollen, wodurch sie ihren Kindern die optimale Geborgenheit schaffen, innerhalb derer sich die Gaben eines Kindes richtig entfalten können."

Den Satz unter 1 kann man ohne allzugroße Böswilligkeit folgendermaßen umschreiben:

"Die Leute sollen nicht denken, sondern zeugen, und die gezeugten Kinder sollen keine Bildungskoryphäen werden, sondern zu Hause die Milch der frommen Denkungsart einsaugen und treue Kirchgänger sowie brave Unionswähler werden."

Ab mit Goppel nach Südamerika, da findet er sein Ideal in den Slums verwirklicht! Wie bitte, ein Slum ist kein Eigenheim? Äh, eigentlich schon, und außerdem: Hauptsache, es wird ausgekalbt. Das einzig wirklich Schlimme sind diese intellektuellen Intelligenzbestien, die nicht zeugen wollen.

Was den Satz unter 2 betrifft, so habe ich damit endlich die klare Antwort auf eine Frage erhalten, die ich in verschiedenen Foren schier bis zum Überdruß strapaziert habe:

Wieso treibt angesichts der Versingelung der Gesellschaft niemand profunde Ursachenforschung? Warum spricht man von der Förderung der Familie, während die Familien immer weniger werden?

Jetzt hab' ich die Antwort aus berufenstem Munde:

Man muß dafür sorgen, daß die verdammten Zeugungsunwilligen grün und gelb vor Neid werden:

"Boah ey, so ein geiles Eigenheim will ich auch haben. Wo krieg' ich jemand zum Begatten her?"

Und außerdem muß man den Bau der Art von Wohnungen, die sich die verdammten Zeugungsunwilligen wünschen würden, gezielt vernachlässigen. Sollen die doch zusehen, wo sie bleiben! Sozialneid + Leidensdruck = Zeugungswilligkeit.

Das Letztere wird nicht funktionieren, da braucht man sich keine Sorgen zu machen. Für die überwältigende Mehrheit der willentlich Kinderlosen wird eine Familiengründung immer das größere Übel sein.

Bedrohlicher dagegen ist der erste Punkt.

Die gezielte Vernachlässigung von Bildung zugunsten des Junge-Werfens ist tatsächlich eine Bedrohung für die Gesellschaft.

Im Übrigen stehen Goppels Worte in merkwürdigem Widerspruch zu der im Freistaat Bayern betriebenen Politik, die bekanntlich konsequent auf Leistungsprinzip setzt und die bundesweit höchsten Anforderungen im Abitur hat.

Und auch die Linken haben sich in dieser Hinsicht schwer versündigt, indem sie die Larifari-Bildung ohne Leistungsprinzip predigten und durchsetzten.

Mit anderen Worten: Notwendig sind

- eine konsequent am Leistungsprinzip und der Elitenbildung ausgerichtete Bildungspolitik;

- eine Bevölkerungspolitik, die angesichts des sowieso schon krassen Mißverhältnisses zwischen angebotenenen Arbeitsplätzen und Arbeitssuchenden nicht blindlings auf ein "Seid fruchtbar und mehret euch" setzt, sondern ausländischen hochqualifizierten Arbeitskräften (mitsamt Familien) den roten Teppich ausrollt.

Gegenwärtig ist vor allem der letzte Punkt nicht gegeben. Vielmehr besteht eine äußerst unappetittliche Allianz zwischen konserativem "Wir-Deutschen-wollen-unter-uns-bleiben" und linkem "Bloß-keine-hoch-qualifizierten-Ausländer-die-uns-zeigen-wie-blöd-wir-selber-sind".

Um zum Ausangspunkt zurückzukommen:

Wir haben hier einen der seltenen und wertvollen Punkte, bei denen dem Wähler von den großen Volksparteien kraß gegensätzliche Alternativen angeboten werden.

Die Worte von Goppel sollte man tagtäglich auf allen Sendern wiederholen.

Und die Linken sollten Goppel und Konsorten diese Worte um die Ohren hauen und der Union einen Dauerwahlkampf zu diesem Thema liefern, der sich mehr als gewaschen hat.

Gruß

Ekki


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