Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: "Asexuelle": Menschen, die "es" nicht brauchen

Jolanda, Monday, 18.10.2004, 05:28 (vor 7781 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: "Asexuelle": Menschen, die "es" nicht brauchen von Ekki am 17. Oktober 2004 17:20:41:

Lieber Ekki

Ich möchte dazu nur auf einen Punkt eingehen, weil ich finde, hier erzählst du etwas, dass so einfach nicht stimmt.

Du meinst also die strenge Moral und damit auch die Kirche ist im Endeffekt dafür verantwortlich für sogenannte Extreme, die die Menschen so ausleben. Sie werden dann sozusagen "pervers", "abartig" "nicht der Norm entsprechend". Habe ich das richtig verstanden?

Ich möchte dir dazu einfach sagen, dass ich ein Forum führe, auf dem sehr, sehr unterschiedliche Gruppen von Menschen sich begegnen, es sind Transvestiten dabei, Transsexuelle, Fetischisten, etc.

Ich kenne einige davon persönlich, ihre ganzen Lebensgeschichten. Bei allen hat das schon in der frühesten Kindheit angefangen und hatte nicht das geringste mit der Kirche oder der strengen Moral zu tun. Kennst du dich denn gut aus in diesen Bereichen. Keiner ist so geworden, weil er nicht frei seine Sexualität ausleben konnte. Nicht ein einziger. Die merkten schon ganz früh, dass sie eben diese normale Sexualität gar nicht suchten. Du interpretierst hier aber ganz schön frei hinein, findest du nicht?

Weisst du, wie ein Fetischist empfindet, wie Geschichten von solchen Menschen aussehen.

Es ist so, dass es heute gar nicht viel mehr von diesen Menschen gibt als vor 20 Jahren. Heute trauen sie sich einfach es zu sagen, es zu leben. Es ist die lockerere Moral, die dazu geführt hat, dass Schwule heute viel eher ein Outing wagen, oder dass Transvestiten ein Outing wagen.

Hier stecken überall lange Leidenswege dahinter. Aber nicht wegen der Kirche, sondern weil der Mensch schon immer seit Menschen bestehen ablehnend auf das meiste reagiert hat, was nicht der Norm entspricht. Diese Menschen aber seit ihrer Kindheit gegen etwas ankämpfen, nur weil sie glauben "nicht normal" zu sein. Nicht so empfinden, wie man empfinden sollte. Wie alle es erwarten. Das hat mit viel zu tun, aber sicher nicht damit, dass sie ihr sexuelles Leben nicht frei leben können und deshalb dann in Extreme abdriften. Was sie mögen und wollen, das erscheint uns eben extrem, wir behandeln sie dann wie kranke. Und wir suchen einen Schuldigen, der sie dahin getrieben hat.

Dabei sind es Menschen wie du und ich, egal ob sie andere sexuelle Vorlieben haben, das macht sie noch lange nicht zu Tieren oder kranken Gestalten. Mir gefällt einfach nicht, wie das rüber kommt, verzeih, aber ich bin hier wohl zu persönlich involviert, habe zu viel mit Randgruppen zu tun. Ich reagiere hier wohl zu empfindlich, aber mir kommt das nicht gut rein.

Ich weiss nicht. Ich bin inmitten von diesen Menschen und ich kenne sie und kann dir sagen, sie wären wohl nicht damit einverstanden, was du hier schreibst und die Art und Weise wie du über die Love Parade und die Schwulen geschrieben hast, das würde sie verletzen, mit Sicherheit.

Ich kann mich in deinen Aussagen nicht finden und auch nicht die Menschen, die du hier erwähnst.

Hier betrachten wir das auch ganz anders.

Herzlicher Gruss
Jolanda


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