Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: 184 000 junge Menschen erhielten erzieherische Hilfe

Eugen Prinz, Monday, 30.08.2004, 15:05 (vor 7830 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Re: 184 000 junge Menschen erhielten erzieherische Hilfe von Andreas am 29. August 2004 21:32:53:

Das wundert mich überhaupt nicht, wenn ich mir so anschaue, was in Deutschland unter "Jugendarbeit" verstanden wird. Die "Jugendarbeit" entpuppt sich nämlich sehr schnell als "Mädchenarbeit".

Hallo Andreas,

die Jugendarbeit hat sehr große Probleme. Sie wird rigoros zusammengestrichen. Während für irgendwelche größenwahnsinnigen Stadtprojekte viele Millionen hingeblättert werden, streicht man den Einrichtungen der Jugendarbeit die Stellen zusammen.

Ein Haus, dem ich verbunden bin, sucht händeringend männliche Mitarbeiter. Sie kriegen keine. Weder Männer noch Frauen. Einstellungsstop! Natürlich muss man unter den obwaltenden Bedingungen eine bevorzugte Einstellung von Männern fordern. Aber an der hiesigen FH für Soz.Päd. zum Beispiel ist unter den Studienanfängern nur ein sehr geringer Anteil von Männern und nicht vorhandene Bewerber kann man nicht bevorzugen. Wir sind also auf dem richtigen Weg, wenn wir eine geförderte Berufsorientierung (Boys-Day) speziell für Jungs und für erzieherische und soziale Berufe verlangen. Das müssen wir aber bei den Politikern einfordern. Bei den Praktikern rennen wir offene Türen ein.

Das Angebot an die Jungs oder Mädchen hat aber damit wenig zu tun. Ich habe nachgefragt bei einer Einrichtung in einem sozialen Brennpunkt mit hohem Ausländeranteil unter den Kindern. Die Jungs hatten eine zeitlang die Mädchen bei sportlichen und Spielangeboten recht vehement verdrängt, so dass der Mädchenanteil unter den Besuchern gegen Null ging. Das ging natürlich gegen Selbstverständnis und Auftrag der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter(!), die ein Angebot für Jungs und Mädchen machen müssen und wollen. Daher das Sonderangebot für die Mädchen. Für die Jungenangebote, die es dort auch gibt, brauchte man dagegen nicht besonders zu werben. Das kann in anderen Einrichtungen sicher anders motiviert und gehandhabt sein, aber die Sache sieht halt vor Ort immer anders aus.

Die Probleme entstehen eher in der Schule, die mädchentypische Verhaltensweisen belohnt, so dass die Jungs in Rückstand geraten. Hier ist es wichtig, eine stärkere Berücksichtigung der Eigenheiten von Jungs mit speziellen Maßnahmen zu fordern, wozu wiederum auch ein höherer Anteil von männlichen Lehreren gehört.

Einen schönen Gruß von
Eugen


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