Re: heute schon gekotzt?
Als Antwort auf: heute schon gekotzt? von Leser am 31. Mai 2004 09:16:00:
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Mädchen werden auf grund ihres Geschlechts gerin geschätzt,benachteiligt oder vernachlässigt. Der Zugang zu Bildung, Ernährung und medizinischer Versorgung wird ihnen erschwert.
Ich glaube das ist im Großen und Ganzen schon richtig. Jungen sind in Entwicklungsländern für eine Familie wichtiger weil sie später die Aufgabe haben, die Eltern zu ernähren. Ein Mädchen dagegen heiratet und nützt mit ihrer Arbeitskraft der Familie ihres Ehemannes. Demzufolge sind Aufwendungen für ärztliche Versorgung und Bildung für Mädchen aus rein wirtschaftlichen Gründen unsinnig. Die Eltern haben ja im Endeffekt nicht davon.
Wenn ein Junge krank wird läuft man in Gefahr, einen späteren Ernährer zu verlieren. Was verliert man - rein wirtschaftlich gesehen - bei einem Mädchen? Eigentlich doch nichts, weil das Mädchen das, was ihre Familie in sie investiert hat, aufgrund der - meist sehr frühen Heirat - nicht zurückgeben kann. Schickt man einen Jungen zur Schule verdient er später vielleicht mehr. Dieses Geld kommt dann normalerweise auch den eigenen Eltern mit zugute. Wenn ein Mädchen gebildet ist und arbeitet profitiert normalerweise die Familie des Ehemannes davon.
Diese Vorgänge sind natürlich nicht unbedingt ein Zeichen von Geringschätzigkeit. Es ist zumeist die Armut die ihre Eltern dazu zwingt, die Söhne in manchen Bereichen vorzuziehen.
Ich habe auch schon von europäischen Kinderärzten gehört, dass ihnen meist die Jungen zuerst gereicht werden und die Eltern oftmals kein so großes Interesse an der Gesundheit der Mädchen zu haben scheinen. Ich selbst habe so etwas aber noch nicht erlebt, und ich habe einige Freunde, die diesem Kulturkreis entstammen. Wahrscheinlich wird auch hier wieder übertrieben.
Was man aber öfter hört sind Verbote für Frauen und Mädchen, zum Arzt zu gehen. Von so einem Verbot für alle (!) Männer und Jungen habe ich noch nie gehört.
Auch der heute nicht mehr so verbreitete Brauch, erstgeborene Mädchen zu töten sollte erwähnt werden. Zwar werden sicherlich auch Jungen getötet, aber schon Mohammed sprach ausdrücklich gegen die Tötung von weiblichen Neugeborenen, woraus ich schließe dass diese häufiger vom Kindsmord betroffen ware als Jungen.
Auf der Homepage von Unicef las ich dass in Indien Mädchen häufiger von Unterernährung betroffen seien wie Jungen. Und da ich doch noch ein bischen Vertrauen in die Menschen habe glaube ich nicht dass dieses Ergebnis erfunden wurde.
Was die Geringschätzigkeit angeht, hier ein paar Sprichwörter zum Thema Töchter:
Mit einem Mädchen schwanger zu sein, heißt, mit einem Problem schwanger zu sein (Sudan)
Es ist ein Glück,eine Tochter zu Grabe zu tragen (Jordanien)
In Indien wünscht man einer Braut Glück, indem man sagt "Mögest Du viele Söhne gebären", wünscht man ihr Pech, sagt man "Mögest Du Töchter bekommen".
Wenn man einen Mann im Jemen nach der Zahl seiner Kinder fragt, wird häufig nur die Zahl der Söhne angegeben.
Im Tschad sagen die Frauen bei der Geburt einer Tochter, sie hätten eine Fremde aufgenommen.
In Indien gibt es mobile Abtreibungscenter. Sie führen eine Fruchtwasseruntersuchung zur Bestimmung des Geschlechtes durch. Und je nachdem was die Frau erwartet hat kann sie dann abtreiben. Und über 2/3 der abgetriebenen Föten sollen weiblich gewesen sein.
In Ländern in denen agressiv die Ein-Kind-Politik betrieben wird wie z. B. China wünschen sich auch die meisten Eltern einen Jungen. Hier in Deutschland war es früher genauso. Auf die Frage, was sie sich als Erstgeborenes wünschen antworteten 1960 noch 72% der Eltern: einen Jungen. Heute hält es sich wohl eher die Wage.
Gebräuche und Sprichwörter kann man nun auf verschiedene Art deuten. Wenn ein Vater nur die Zahl seiner Söhne angibt kann das auch eine Art Schutz für die Mädchen sein. Wo (offiziell) keine Tochter ist kann theoretisch auch keine umgebracht werden. Und was man ja auch nicht vergessen darf ist die schon oben erwähnte wirtschaftliche Bedeutung der Söhne.
Sie werden als billige Arbeitskräfte ausgebeutet [die Jungs natürlich nicht istja klar] oder gegen ihren Willen verheiratet.
Ich glaube was die Ausbeutung durch Kinderarbeit angeht hält sich das wohl die Waage. Vielleicht müssen Mädchen häufiger arbeiten weil die Jungen zur Schule gehen, aber die körperlich schwerere Arbeit wird wohl den Jungen aufgehalst. Auf den Baustellen in Singapur z. B. trifft man laut einem Ärzte-ohne-Grenzen-Bericht nur Jungen.Gegen ihren Willen verheiratet werden natürlich auch beide Geschlechter. Und das hat für jedes so seine Auswirkungen.
terres de hommes setzt sich weltweit dafür ein, dass die Rechte und Bedürfnisse von Mädchen geachtet werden. Mädchen werden gestärkt, damit sie ihr Leben in die eigenen Hände nehmen können.
Ich denke, terres de hommes sollte sich um die Belange aller Kinder kümmern. In Bereichen in denen die Mädchen im Nachteil sind (und die gibt es sicherlich) müssen diese eben etwas mehr unterstützt werden, in anderen Bereichen wieder die Jungen. Denn keiner kann mir erzählen dass in Gegenden, in denen Mädchen nicht genug zu essen und eine mangelhafte medizinische Versorgung bekommen, es den Jungen blendend geht. Armut und Gesellschaftliche Probleme wirken sich immer auf beide Geschlechter aus. Benachteiligungen eines Geschlechts sind wohl meistens aus der Not heraus geboren.
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Leser,
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