Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Neue Väter - gibt es sie wirklich?

Odin, Friday, 14.05.2004, 14:49 (vor 7938 Tagen)

"Neue Väter" - gibt es sie wirklich ?

Überall hört und liest man von ihnen. Die "neuen" Väter sind im Kommen, heißt es. Aber gibt es sie wirklich? Welche Rolle spielt heute eigentlich der Vater in der jungen Familie? Und fühlt er sich dabei wohl in seiner Haut?

"Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr." Diesem Zitat von Wilhelm Busch stimmen sicherlich die meisten Väter zu. Und so ist meist schon der positive Schwangerschaftstest der Anfang einer langen Kette neuer Erfahrungen. Unsicherheit, Angst, Überforderung, aber auch Freude, Begeisterung und Teilnahme lassen die Psyche Achterbahn fahren.
Die Vaterpflichten beginnen heute so früh wie nie zuvor. Unsere Großväter kümmerten sich in der Regel erst um ihre Kinder, wenn diese ähnliche Interessen aufweisen konnten. Unsere Väter schoben dagegen auch schon mal den Kinderwagen. Und der heutige Vater? Von ihm wird eine Menge mehr erwartet. Natürlich soll er - mehr oder weniger plötzlich - eine Familie versorgen können, eigene Interessen klaglos zurückstellen - oder auch "opfern" - ein verständnisvoller Partner sein und über Nerven aus Stahl verfügen. Er sollte sämtliche Atemtechniken zur Schmerzlinderung kennen, Windelpreise vergleichen können und über Vor- und Nachteile diverser Arten von Säuglingsmilch informiert sein. Er muß sich stundenlang mit seiner Partnerin über die Vermeidung von Blähungen bei Neugeborenen auseinandersetzen und auch noch tatkräftig im Haushalt zupacken. Wen wundert es, daß viele Männer damit schlichtweg überfordert sind?

Und doch sieht es so schlecht mit der väterlichen Courage nicht aus: Zieht man z.B. diejenigen ab, die sich nach der freudigen Nachricht direkt aus dem Staub machen und diejenigen, die sich zwar über den Nachwuchs freuen, allerdings nicht einsehen, warum sie jetzt ihr Leben ändern sollten, bleibt eine große Anzahl Männer übrig, die sich aufmachen, ein guter Vater zu werden. Und das ist gut so.

Denn die verstärkte Erforschung der Vater-Kind-Beziehung seit Mitte der 70er Jahre zeigt, wie wichtig Väter für ihre Kinder sind. Die Psychologin Penelope Leach, Vorsitzende der britischen Gesellschaft für Kindheitsentwicklung, erklärt dazu:" Vater und Mutter ergänzen sich in ihren Unterschieden; das ist nicht nur spannend, sondern auch nützlich... entscheidend ist das Komplementäre."

Väter und Mütter gehen, jeder auf seine eigene Weise, ganz unterschiedlich mit ihren Kindern um. Das aufregende Herumtoben mit dem Vater ist dabei für ein Kind genauso wichtig wie die zärtliche Fürsorge der Mutter. Während Mütter eher ein bißchen ängstlich sind, geht es beim Spielen mit dem Vater richtig zur Sache. Dabei erhalten Kinder die Gewißheit, sich fallen lassen zu können und jederzeit aufgefangen zu werden, eine wichtige Erfahrung für einen selbstbewußten Weg durchs Leben.

Ältere Kinder werden durch den Vater in ihrem Dasein als Mann oder Frau unterstützt. Kinder lernen durch den Umgang der Eltern miteinander den Umgang mit dem anderen Geschlecht. Jungen erhalten Zugang zu ihrer eigenen Männlichkeit, Mädchen erhalten durch den Vater Zugang zur männlichen Welt. Untersuchungen bei Alleinerziehenden haben gezeigt, daß sich Jungen wie Mädchen "Ersatzväter oder -mütter" suchen, um eventuell vorhandene Defizite aufzufangen. Das können Lehrer, Freunde der Eltern, Verwandte oder auch der Fußballtrainer sein.

Entscheidend ist allein, daß Väter so oft wie möglich anwesend sind und aktiv mit ihren Kindern umgehen. Daß berufstätige Väter sich damit schwertun, konnte jetzt durch eine Studie des Instituts für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Zusammenarbeit mit dem Haunerschen Kinderspital in München widerlegt werden. Kinder haben am Spiel mit dem Vater genauso viel Freude wie bei der Mutter. Die Väter spielten im Schnitt zwar weniger, aber dafür besonders intensiv und phantasievoll.

Also scheint es sie doch zu geben - die neuen Väter. Zumindest hat sich im Umgang der Männer mit ihren Kindern einiges geändert. Und wer hätte sich schon vor 30 Jahren vorstellen können, daß Männer zur Geburtsvorbereitung mitgehen und auch vor dem Kreißsaal nicht Halt machen. Aktuellen Umfragen zufolge liegen zwar auch heute noch die "Versorgungsaufgaben" hauptsächlich bei der Mutter, doch dürfte das in erster Linie darin begründet sein, daß sie diejenige ist, die sich zu Hause um das Kind kümmert, während der Mann arbeiten geht. Immerhin wurden 1996 von den 400.000 Erziehungsurlauben bereits 6000 von Männern genommen. Tendenz steigend.

Doch eine große Anzahl der Männer, die mit großer Euphorie in das "Unternehmen Baby" gestartet sind, fallen über kurz oder lang auf den Boden der Tatsachen zurück. Der Arbeitgeber versteht nicht - oder will nicht verstehen, warum man dringend um fünf zu Hause sein muß und legt einem noch schnell einen Stapel Akten auf den Schreibtisch. Die Windeln, die Papi nach Feierabend trotzdem noch schnell kaufen konnte, erweisen sich unter Mamis Augen als falsch, später wird die Flasche wird nicht richtig gehalten und zum Toben ist keine Zeit mehr, weil das Baby gleich ins Bett muß - und so weiter und so fort. Schließlich resigniert so manchen Papi vor der Übermacht des Arbeitgebers, der Umwelt und vor allem der Mutter.

Dabei ist es gerade wichtig, daß der Vater seinen eigenen selbstbewußten Umgang mit dem Kind entwickelt. Daß er dafür Zeit braucht und sie sich auch nimmt. Und daß er vor allem Rückhalt bei der Mutter hat, die ihn gewähren läßt. Das Kind profitiert von der Unterschiedlichkeit des Umgangs, der Vater bereichert sein Leben.

Immer mehr Männer erkennen, was für eine Bereicherung Kinder für ihr eigenes Leben und für die gesamte Gesellschaft sind. Sie begreifen, daß Kinder nicht nur nehmen, sondern auch sehr viel zurückgeben. Und wer würde diese Gaben schon freiwillig nur der Mutter überlassen!

Ute Lang


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