Re: Vermuttert
Als Antwort auf: Vermuttert von Odin am 12. Mai 2004 11:31:38:
Lebenszeichen
Vermuttert
Harald Martenstein fürchtet die Männer der Zukunft
Im Grunde mag ich Mütter. Trotzdem ist es an der Zeit, einmal eine Lanze gegen die Mütter zu brechen. Es gibt nicht genug Kind. Aber es gibt zu viel Mutter. Früher mussten sich drei oder sieben Kinder eine Mutter teilen. Heute sind es ein bis zwei. Der Mutterquotient, also der Prozentsatz von Mütterlichkeit pro Kind, ist in unserer Gesellschaft seit Jahren ununterbrochen gestiegen. Das einzige wertvolle Gut, von dem es in Deutschland pausenlos immer mehr gibt, ist Mutter.
Man sagt, dass Männer mit einer engen Mutterbeziehung häufig sonderlich werden. Wenn stimmt, was man sagt, kommt auf unser Land in den kommenden Jahrzehnten eine Springflut von sonderlichen Männern zu. In 30 Jahren sitzen morgens in der U-Bahn nur noch Sonderlinge. Sie schauen sich gegenseitig sonderbar an. Sie haben sonderbare Flecken auf dem Hemd, tragen sonderbare Frisuren und zwei verschiedenfarbige Socken. Ihre uralten Mütter bringen sie ins Büro. Der deutsche Kanzler wird reden und aussehen wie Mr. Bean. Ich hoffe sehr, dass ich dann nicht mehr da bin.
Ich habe über Mütter im Internet recherchiert. Wer Mütter eingibt, landet bei Mütter online. Bei Mütter online glotzt dich ein Typ an, von dem es heißt, er sei der Matze. Darunter steht: »Matzes Sprache ist derb und schmutzig.« Matze gehört zu der Comedy-Truppe Eure Mütter. Außerdem gibt es jede Menge Anzeigen auf der Mütterseite von Google. Ganz oben: »Frauen kennenlernen. Tausende Steckbriefe mit Bild.« Es folgt: »Traumfrau. Erotikfrau. Sie bekommen passende Vorschläge.« Anschließend: »Alleinerziehend und Single? Wir helfen gerne.« Das also findet man über Mütter im Internet. Ich glaube, der Ödipuskomplex hat sich auf eine Weise radikalisiert, die niemand auszusprechen wagt.
Eine Reihe von Frauen, die ich kenne, sind in letzter Zeit Mutter geworden. Ich rede von Claudia Schiffer, Verona Feldbusch, Frau Beckham, Madonna, Catherine Zeta-Jones. Ein paar Tage vor der Geburt haben sie sich fotografieren lassen, wie sie mit tiefem Dekolleté auf Partys einen draufmachen. Einen Tag nach der Geburt haben sie sich fotografieren lassen, wie sie in Sektlaune ein Bündel im Arm schwenken, das später einmal extrem sonderlich sein wird. 14 Tage nach der Geburt haben sie sich im Bikini beim Squashspielen fotografieren lassen oder wie sie an der Costa Smeralda mit Leonardo di Caprio nackt Bungee jumpen. Zum Muttertag kriegen sie von ihrem Mann einen Satz japanische Wurfmesser geschenkt, von ihrem Lover eine Einladung zum Einhandsegeln und von ihrem Fitnesstrainer ein mit Brillanten besetztes Kondom. Vor solchen Müttern habe ich Angst. Das ist wahrscheinlich reaktionär. Aber es ist ein authentisches Gefühl.
* Hören Sie diesen Artikel unter http://www.zeit.de/audio
http://www.zeit.de/2004/20/Titel_2fMartenstein_20
recht hat er ;).
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Odin,
12.05.2004, 14:31
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Max,
12.05.2004, 14:53
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Emmalein,
12.05.2004, 19:50
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Darki,
13.05.2004, 12:38
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Emmalein,
12.05.2004, 19:50
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Max,
12.05.2004, 14:53