Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Ein gutes Beispiel für Krieg an dem sich Frauen beteiligen

Sebastian, Saturday, 01.05.2004, 13:48 (vor 7951 Tagen)

ist der irak krieg. da gab es ja in letzter zeit diesen skandal um misshandelte irakische gefängnisinsassen (soweit ich weiss durchweg männlich).
sehr schön zeigt sich dabei das krieg an dem frauen beteiligt sind genauso grausam und menschenverachtend ist wie einer der nur von männern geführt wird.
wer will kann sich ja mal den artikel im orginal anschauen, dort sind auch ein paar heldenhafte soldatinnen zu sehen.

naja bevor ich mich richtig aufrege (auch über ai), hier der artikel:

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http://www.heise.de/tp/deutsch/special/irak/17327/1.html

Sadistische KZ-Spiele

Florian Rötzer 01.05.2004

Nicht nur amerikanische, sondern auch britische Soldaten haben auf brutale Weise irakische Gefangene gedemütigt: die Befreier aks Sadisten

Dass ein Krieg die Beteiligten verroht, ist nicht schwer nachzuvollziehen. Wenn Menschenleben zum Abschuss beiderseits frei gegeben ist, fällt sein Preis gegen Null. Lieber schnell einmal sicherheitshalber geschossen, als selbst Opfer zu werden. Noch viel weniger wert ist die Würde des Menschen. Das haben im Irak beide Seiten gezeigt. Dass aber ausgerechnet die amerikanischen und britischen Befreier nun auch als Sadisten kenntlich werden, dürfte den sowieso bereits angerichteten Schaden in der Region noch weiter vertiefen.

Einige US-Medien sind schon seit einiger Zeit wieder aus ihrem Betäubungszustand nach dem 11.9. aufgewacht. Dass CBS die Bilder gezeigt hat, auf denen zu sehen ist, wie US-Soldaten, <strong>Männer und Frauen</strong>, mit wehrlosen Gefangenen umgehen, ist Zeichen dafür, dass die Medien wieder frei werden geworden sind und ihre Rolle als Korrektiv einnehmen können.

Natürlich versichert US-Präsident Bush, dass es sich bei den sadistischen Inszenierungen der US-Soldaten nur um Einzelfälle handelt und dass er dies verabscheut. Aber womöglich zeigen die Bilder der gedemütigten irakischen Gefangenen die Einstellung der Befreier, die ständig in Angst vor manchen der Befreiten leben müssen: (feindselige oder machtlose) Iraker sind für sie Menschen zweiter Klasse. Das ist an sich auch wenig verwunderlich. Soldaten, die zu Killermaschinen ausgebildet wurden und angeblich auf eine Befreiungsmission geschickt wurden, die auf wenig Begeisterung, wachsenden Widerstand und zunehmende Ablehnung stößt, können ihren Hass auf ihre Lage nur gegen ihre unterlegenen Widersacher richten. Zudem sind es oft junge Menschen, die in eine fremde Welt geraten und die schlicht Angst haben, während sie für den Umgang mit den Angehörigen einer anderen Kultur nicht ausgebildet wurden und für lange Zeit weit weg von der Heimat stationiert werden, ohne Verbindung mit einem normalen, zivilen Leben.

Offenbar waren die jungen Gefängniswärter nicht einmal mit den Regeln der Genfer Konventionen oder dem Umgang mit Gefangenen vertraut gemacht worden. Mit 18 Jahren oder so müssen sie auf einmal Aufgaben übernehmen, die viel Disziplin, Reife und Verständnis verlangen. Und dass gerade in einer Situation, in der ein Land von einer lange feindlich dargestellten Macht erobert wurde, ein besonders sensibles Vorgehen erforderlich ist, um nicht weitere Ressentiments zu schüren, ist nicht nur ein Verschulden der jungen Soldaten, sondern des Pentagon und der US-Regierung.

Andenkenfoto einer US-Soldatin

Im Krieg oder auch in den Kämpfen zwischen einer militärisch weit überlegenen Besatzungsmacht und dem deswegen asymmetrisch, d.h. auch terroristisch agieernden Widerstand werden Rechtlosigkeit und Grausamkeit systematisch geschürt. Zur Einschüchterung des Widerstands greifen die Besatzungstruppen, deren Mitglieder ja nur einen "Job" ausführen, zu Maßnahmen, die auch Unbeteiligte treffen, zumal Feinde und Zivilisten nicht wirklich auseinander gehalten werden können, die militärisch Aufständischen hingegen nehmen sich auch die Ziele, die sie erreichen können und die für sie mit der Besatzungsmacht zusammen hängen. Auf beiden Seiten entlädt sich die Spannung in Grausamkeiten: in die Ermordung und Demütigung von Geiseln oder auch von Leichnamen wie in Falludscha ( Triumph der Grausamkeit) sowie in die Demütigung von Gefangenen, die keinerlei Rechte haben und ganz dem Belieben der "Herren" ausgesetzt sind.

Feixend fürs Publikum: welch tolle Helden und Heldinnen

Dass die "humanitäre" Aktion der Koalitionstruppen, die den Irak von einem Diktator befreit haben, der die Menschen gefoltert, gequält und ermordet hat, nun in Vorgänge mündet, wie sie in sadistischen Fantasien über KZ-Wärter auftreten, siehe Pasolinis "Salo", mag wenig überraschend sein. Aber das zeigt noch einmal auf, dass Kriege, die angeblich zur Befreiung und Erlösung der Menschen geführt werden, unter einem erhöhten moralischen Anspruch stehen und auch entsprechend geplant und vorbereitet werden müssen.

I shared a deep disgust that those prisoners were treated the way they were treated. Their treatment does not reflect the nature of the American people. That's not the way we do things in America. And so I -- I didn't like it one bit. But I also want to remind people that those few people who did that do not reflect the nature of the men and women we've sent overseas. That's not the way the people are, that's not their character, that are serving our nation in the cause of freedom. And there will be an investigation. I think -- they'll be taken care of.
Präsident Bush am 30.4.

Natürlich werden wie üblich nur die untersten Mitglieder einer Organisation identifiziert und bestraft, aber zur Verantwortung gezogen werden müssten eigentlich auch jene, die die jungen und unerfahrenen Soldaten in diese Lage gebracht haben. Die von oberster Stelle offenbar von Anfang an akzeptierte Maßnahme, Gefangene ihres Blickes durch Kapuzen zu berauben, fördert den Sadismus. Ein Mensch, der nur noch wehrlose Körper ist und nicht mehr zurück schauen kann, ist kein Mensch mehr, sondern nur noch Objekt. Und wenn dann die "kleinen" Soldaten noch glauben dürfen, dass ihre Demütigung und Einschüchterung der Gefangenen weiter oben anerkannt wird, weil die verängstigten Gefangenen dann aussagewillig sind, dann lässt sich die Verantwortung nicht mehr so einfach abschieben und beschränken.

Zu den amerikanischen Soldaten und Soldatinnen, die ihren Sadismus endlich einmal ausleben und ihn zugleich dummerweise in Aufnahmen dokumentieren mussten, gesellen sich nun britische Soldaten, die einen mutmaßlichen Dieb nicht nur geschlagen, sondern in einer animalischen Weise gedemütigt haben, indem sie auf ihn pissten. Auch hier heißt es wieder, dass Regierung und Verteidigungsministerium entsetzt seien und dass es sich nur um weniges gehandelt habe. Aber wer Krieg und Besatzung will, muss mit solchen Übergriffen rechnen, wenn er seine Soldaten nicht streng auswählt und schult - und sie auf die schwierige Mission vorbereitet, in einem Unrechtszustand für Recht und Gerechtigkeit zu stehen.

Die britischen Soldaten, die die Bilder em Daily Mirror zugespielt haben, wollten damit zeigen, warum im Irak der Widerstand so groß ist: "We are not helping ourselves out there", wird ein Soldat zitiert: "We are never going to get them on our side. We are fighting a losing war."


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