Feminismus ist "frauen-ethisch" - und deshalb menschen-feindlich
Nick, Thursday, 29.04.2004, 18:10 (vor 7950 Tagen)
Liebe Dorfbevölkerung!
Verbindlicher Ausgangspunkt jeder humanen Ethik kann einzig die Tatsache sein, daß alle Menschen gleiche Würde[/u] besitzen - und nicht etwa, daß sie alle "gleich" seien! Das sind sie nämlich nicht.
Es gibt Gesunde und Kranke, Dumme und Kluge, Kinder und Erwachsene, Föten und Demente (die beide ohne Ich-Bewußtsein leben), Starke und Schwache, Melancholiker und Sanguiniker, Poeten und Pragmatiker, Künstler und Techniker, Krieger und Krämer, Mütter und Väter, Buben und Mädchen, Frauen und Männer...
Das einigende Band, das alle Menschen miteinander verbindet, besteht darin, sich gegenseitig zu ergänzen und einander zu dienen. Das setzt Ungleichheit voraus! Was der Eine nicht kann, das vermag die Andere, und umgekehrt. Nur als Gemeinschaft ist der Mensch ein Ganzes. Eine humane Gesellschaft kann deshalb nur auf dem Anerkennen, Würdigen und Respektieren dieser Ungleichheiten beruhen.
Gleichheit gibt es nur hinsichtlich der Würde, ein Mensch zu sein. Ein Mensch mit Würde ist indes gerade nur derjenige, der seinen konkreten Platz auch tatsächlich ausfüllt und akzeptiert und seine Aufgaben für die Nächsten getreulich erfüllt. Wer "sich selbst verwirklicht", gegen und auf Kosten seines Nächsten, der ist ein Monstrum, ein Parasit, und verspielt damit (selbst!) seine humane Würde. Er wird ausgespuckt und schwimmt als Auswurf die Gosse entlang in den Gulli.
Die Idee der Gleichheit aller Menschen (vor Gott, und in Beziehung zu ihm voreinander) ist im Judentum geboren und im Christentum gereift, in einem langen, schmerzhaften, wechselvollen historischen Prozeß. Sie konnte nur in einer christlichen Welt entstehen und heranwachsen - das ist historisch nun mal so gewesen, und das hat auch ganz präzise Gründe - aber sie geht unter, wenn die Wurzel, von der sie lebt, verdorrt. Die zahllosen Narren, die heute wütend wie ahnungslos das "popelige" Christentum bekämpfen und stattdessen lieber im Delirium aus dem Flieger ihres Höhenrausches mit dem Schlafsack abspringen, die springen in ihren eigenen Tod.
Unsere Kultur ist nicht aus äußeren Gründen in ihre tödlichste Krise geraten, sondern durch die Pervertierung der Idee der "Gleichheit"! Das "Streben nach Glück", wie es in der amerikanischen Verfassung erstmals und exemplarisch kodifiziert wurde, ist ein Irrweg, denn dieses Streben ist eben individuell aufgefaßt, als "Recht auf Egoismus" nämlich. Dieses "Recht" indes beendet die Kulturentwicklung. Die Gesellschaft wird in Millionen Egopartikel zersprengt und rieselt als Staub zu Boden. Wir wohnen diesem dramatischen Prozeß als Zeitzeugen und Mittäter bei.
Aus der so aufgefaßten Idee der Gleichheit folgt mit Notwendigkeit der Kampf um die "Gleicherheit". War es früher die Andersartigkeit, die Anlaß für Kriege und Kämpfe war, so ist es heute genau diese Gleichheit. Das ist der Eintritt in eine völlig neue Stufe der Barbarei: eine feminisierte, weichgespülte Wohlfühlwelt, in der die Menschen einander restlos entfremdet und als sochermaßen Vereinzelte dem Staat unterworfen werden. Der Prozeß der Gleichmacherei kippt in sein Gegenteil und Feminismus ist einfach die ideale Ideologie für diesen Umschlagpunkt. Deshalb hat sie einen solchen "Erfolg". Sie ist nur Begleiterscheinung dieser Dekadenzstufe und hat mit Frauen im Grunde genommen nichts zu tun.
Frauenrechte sind keine(!) Menschenrechte (sowenig wie es "Männerechte" wären, oder "Negerrechte", oder "Ami-Rechte", oder "Herrenmenschenrechte", oder "islamisches Recht"), sondern das ist die Negation der Menschenrechte! Feminismus ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, weil diese Ideologie wieder mal eine "spezielle Ethik" (für Frauen) postuliert, besondere Rechte für ihr Geschlecht politisch durchsetzt - so wie die ethnischen Rassisten Sonderrechte für eine Rasse, eine Ethnie betreiben - und damit die Einheit des Menschen zerbricht. Daß die Frauen selbst die Hauptverlierer dieses Wahns sind, das stört die Ideologen natürlich so wenig, wie es Hitler störte, daß seine völkische Ideologie das Ende Deutschlands herbeiführte (seine letzten Sätze waren übrigens, das deutsche Volk sei "seiner nicht würdig gewesen"). Und daß die meisten Frauen heute nicht bemerken, was ihnen da eigentlich geklaut wurde - denn sie haben uns inzwischen unrettbar verloren und "es macht ihnen garnichts aus" - das entspricht der Erfahrung, daß die meisten Deutschen die KDF-Dampfer und die Autobahnen und ihre neue "Würde" als arische Herrenmenschen eigentlich auch ganz prima fanden (vor 1941/42, meine ich; danach wurde das dann ja anders). Der Mensch ist eben korrumpierbar - und Frauen sind es wegen ihres Narzißmus und ihrer empirischen Neigung zum inkonsequenten, subjektivistischen (= "hochvernetzten") Denken ganz besonders.
"Konsens-Ethik"! Pah!
Nick
(Seifenkistenprediger und Weltuntergangsprophet)
P.S.: Speziell für unsere feministischen Mitleserinnen bringe ich mal als Beispiel für eine der zahllosen unterdrückten, humorlosen, vom Katholizismus verbogenen und geknechteten Frauengestalten einen Text der Heiligen Teresa von Avila (1515 - 1582):
"Herr, du weißt, daß ich von Tag zu Tag älter werde - und eines Tages alt. Bewahre mich vor dem Drang, bei jeder Gelegenheit etwas sagen zu müssen. Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen. Lehre mich, nachdenklich und hilfreich, aber nicht beherrschend zu sein. Mein umfangreiches Wissen sollte eigentlich nicht brachliegen, sondern weitergegeben werden. Aber du verstehst, Herr, daß ich mir ein paar Freunde erhalten möchte. Bewahre mich davor, endlos Einzelheiten aufzuzählen ohne auf den Kern der Sache zu kommen. Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden. Sie nehmen zu, und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr. Ich erflehe nicht die Gabe, Krankheitsschilderungen anderer mit Genuß zu lauschen. Aber lehre mich, sie wenigstens geduldig zu ertragen. Lehre mich die wunderbare Weisheit, daß ich mich irren kann. Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Ich möchte kein Griesgram sein, aber auch keine Heilige, denn mit ihnen lebt es sich so schwer."
Damals hatten Frauen eben noch einen guten Humor. Das waren Zeiten, kann ich euch sagen...
Re: Feminismus ist ...
Eugen Prinz, Thursday, 29.04.2004, 21:06 (vor 7950 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Feminismus ist "frauen-ethisch" - und deshalb menschen-feindlich von Nick am 29. April 2004 15:10:47:
"Konsens-Ethik"! Pah!
Nick
(Seifenkistenprediger und Weltuntergangsprophet)
...da du dir den Schuh nun mal angezogen hast: Bring´ noch ein paar Unterschriften für unsere Petition bei, und ich nehme - dich betreffend - alles zurück 
Eugen Prinz
(Pragmatiker)
Re: Feminismus ist "frauen-ethisch" - und deshalb menschen-feindlich
Emmalein, Friday, 30.04.2004, 14:38 (vor 7950 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Feminismus ist "frauen-ethisch" - und deshalb menschen-feindlich von Nick am 29. April 2004 15:10:47:
Lieber Nick,
ich bin keine Katholikin. Und ich halte nichts von einer Gesellschaft, in der die katholische Kirche zu viel Macht bekommt. Die katholische Kirche ist mir als Verein suspekt. Ich halte sie in vielen Punkten für extrem unmoralisch; sie verdient Geld an einem Konzern, der die Pille herstellt, verbietet aber jede Empfängnisverhütung bis auf die sogenannten "natürlichen Methoden".
Die katholische Kirche war in der Vergangenheit an Ausrottung von Kulturen (Maya, Azteken etc.) durch Absegnen der Kolonialherrschaft beteiligt. Sie hat sich sogar nicht gescheut, mit den Nationalsozialisten zu paktieren. Nicht einmal das Töten von Behinderten hat den damaligen Papst von seinem offiziellen Kurs abgebracht! Nur einige wenige katholische Priester haben ggen diese Tötung von Behinderten protestiert. Aber die katholische Kirche als solche hat sich nicht dagegen gestellt. Bis heute fehlt in diesem Punkt ein Schuldbekenntnis der Katholischen Kirche - und ein Zeigen von echter Reue.
Soll ich mir von solchen Leuten sagen lassen, was meine Ethik zu sein hat und was nicht? Nee danke!
Aber: Ich möchte, dass Du Deinen Glauben frei leben kannst. Ich bin sogar bereit, mit meinem Leben dafür zu kämpfen, dass Du es kannst.
Denn: Ich bin Konsens-Ethikerin. Ich stelle meine Vorstellungen nicht über Deine. Deine Vorstellungen zu leben sind mit den meinen für mich gleichrangig.
Ich möchte gemeinsam mit Atheisten, Christen, Feministen, Maskulisten und mit allen anderen Regeln entwickeln, mit denen das Leben für uns alle einigermassen erträglich wird.
Du möchtest nur Deine Vorstellungen gelten lassen.
Liebe Atheisten unter den Männerrechtlern: Mit wem würdet Ihr lieber in einem Staat leben: Mit jemandem, der Euch offen atheistisch sein lässt - oder mit jemandem, der Euch das Recht auf eine eigene Ethik abspricht, indem er Euch die katholische aufzwingt, und Euch dazu zwingt, Euren Atheismus zu verstecken?
Es lebe die Konsens-Ethik!
Es grüsst den Katholiken
das Emmalein
Re: Feminismus ist "frauen-ethisch" - und deshalb menschen-feindlich
Max, Friday, 30.04.2004, 16:12 (vor 7950 Tagen) @ Emmalein
Als Antwort auf: Re: Feminismus ist "frauen-ethisch" - und deshalb menschen-feindlich von Emmalein am 30. April 2004 11:38:07:
Hi Emmalein,
Ich möchte gemeinsam mit Atheisten, Christen, Feministen, Maskulisten und mit allen anderen Regeln entwickeln, mit denen das Leben für uns alle einigermassen erträglich wird.
...träum´weiter. Mit Feministen entwickle ich gar nichts. Mit Rechtsradikalen, Sozialisten, Ökologisten und einigen anderen übrigens auch nicht. Wenn das nämlich ginge, bräuchte es diese Differenzierungen gar nicht zu geben. Es gibt sie aber...
Und "einigermassen erträglich" reicht mir sowieso nicht. Klasse soll´s werden!
Gruß - Max
Re: Feminismus ist "frauen-ethisch" - und deshalb menschen-feindlich
Emmalein, Friday, 30.04.2004, 16:40 (vor 7950 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Re: Feminismus ist "frauen-ethisch" - und deshalb menschen-feindlich von Max am 30. April 2004 13:12:37:
Hi, Max,
bei unseren doch sehr unterschiedlichen Ansichten kann ich mir vorstellen, dass das, was für Dich klasse wäre, für mich die Hölle auf Erden wäre.
Klug wäre es wirklich, dann wenigstens ein "einigermassen erträglich" hinzubekommen.
Bei uns zweien wird das schon allein sehr schwierig sein. Das weiss ich wohl sehr genau.
Aber da weder ich Dich noch Du mich aus der Bundesrepublik ausweisen kannst (obwohl es bei mir bald der Fall sein kann, dass ich freiwillig gehe, wenn einige Dinge hier so bleiben wie sie sind), ist das die einzig praktikable Lösung.
Es grüsst
das Emmalein
Re: Feminismus ist "frauen-ethisch" - und deshalb menschen-feindlich
Max, Friday, 30.04.2004, 23:05 (vor 7949 Tagen) @ Emmalein
Als Antwort auf: Re: Feminismus ist "frauen-ethisch" - und deshalb menschen-feindlich von Emmalein am 30. April 2004 13:40:28:
Hi Emmalein,
bei unseren doch sehr unterschiedlichen Ansichten kann ich mir vorstellen, dass das, was für Dich klasse wäre, für mich die Hölle auf Erden wäre.
...ach was! Ganz unbegründete Befürchtung. Du hättest das Paradies auf Erden, sowie du begriffen hättest, daß du in der Vergangenheit nur Flausen im Kopf hattest.
Klug wäre es wirklich, dann wenigstens ein "einigermassen erträglich" hinzubekommen.
...nochmal ach was! Für so begriffsstutzig halte ich dich dann auch wieder nicht.
Bei uns zweien wird das schon allein sehr schwierig sein. Das weiss ich wohl sehr genau.
...ist doch eh nur theoretisch.
Aber da weder ich Dich noch Du mich aus der Bundesrepublik ausweisen kannst (obwohl es bei mir bald der Fall sein kann, dass ich freiwillig gehe, wenn einige Dinge hier so bleiben wie sie sind), ist das die einzig praktikable Lösung.
...ausweisen? - Pah! Einsperren!....Spässchen....
Es grüsst
das Emmalein
...Gruß zurück - Max
Lauterkeit?
Nick, Sunday, 02.05.2004, 02:15 (vor 7948 Tagen) @ Emmalein
Als Antwort auf: Re: Feminismus ist "frauen-ethisch" - und deshalb menschen-feindlich von Emmalein am 30. April 2004 11:38:07:
Hallo Emmalein,
ich bin keine Katholikin.
Dacht ich mir's doch!
Und ich halte nichts von einer Gesellschaft, in der die katholische Kirche zu viel Macht bekommt.
Ich auch nicht! Die Kirche ist nicht zum "Macht haben" da, sondern zum Gott suchen, Vergebung erlangen, Frieden finden. Und das sieht sie auch selbst so, glaub mir.
Die katholische Kirche ist mir als Verein suspekt.
Mir nicht.
Ich halte sie in vielen Punkten für extrem unmoralisch.
Ich halte sie für die oberste moralische Instanz. Sie hat sehr viel Weisheit gesammelt in zwei Jahrtausenden. Unmoral gibt es jedoch auch bei "denen", klar, aber eben nicht systematisch. Ich meine, das ist doch keine Verbrecherorganisation. Die Meisten bei "denen" bemühen sich redlich, sich zu bessern. Sei geduldig!
Sie verdient Geld an einem Konzern, der die Pille herstellt, verbietet aber jede Empfängnisverhütung bis auf die sogenannten "natürlichen Methoden".
Jetzt fängt's an, dumpf zu werden! Du meinst also, die Kurie hat sich zusammengesetzt und beschlossen: "Jetzt produzieren wir Ovulationshemmer im großen Stil, machen ein Bombengeschäft damit, und dann sagen den Leuten: Ätsch! Falsch gemacht! Ihr durftet die garnicht nehmen! Reingelegt!"
Die katholische Kirche war in der Vergangenheit an Ausrottung von Kulturen (Maya, Azteken etc.) durch Absegnen der Kolonialherrschaft beteiligt.
Soso, die Mayas haben "die" also ausgerottet? Naja, die Maya-Kultur ging 500 Jahre vor Columbus unter. Aber das macht ja nix, weibliche Logik ist ja nicht an irgend so ein läppisches, positives Wissen gebunden, sondern schöpft ihre Inspiration aus eigenen, inneren Quellen. Waren es eben die Eskimos oder die Maori oder sonstwer. Irgend eine Kultur haben "die" jedenfalls ausgerottet. Ist doch wurscht, wen jetzt genau. Durch Absegnen der Kolonialpolitik, logo. Wenn ich schon sonst nix genaues weiß, dann weiß ich wenigstens genau, was jeder weiß! Weißt du, Emmalein, die Geschichte ist in Wahrheit etwas widersprüchlicher und eine klitzekleine Idee komplizierter als 'ne Sit-Com auf RTL2. So viel verrat ich dir: "die" waren gegen die Ausbeutung der Ureinwohner, "die" haben dagegen protestiert, gemahnt, sogar exkommuniziert (die Höchststrafe, die "die" verhängen konnten; mehr Macht hatten "die" nämlich, außerhalb des Kirchenstaates, auch damals nicht). Aber Karl V. (das war nicht der Papst, sondern der Kaiser) hatte so immense Schulden bei den Welsern und den Fuggern, daß ihm nichts übrig blieb, als die gerade entdeckten Kolonien an diese Banken zu verpfändet und die haben sich dann erst recht nicht an irgendwelche päpstlichen Weisungen gehalten. Karl V. wollte gerne, hat Dekrete dagegen erlassen etc., konnte aber nicht. Die spanische und die portugiesische Krone wollten in der Folgezeit keinen Grund sehen, das zu ändern, weil die Geschäfte einfach zu gut liefen.
Das hat die Kirche seinerzeit ziemlich beschäftigt (neben 'ner Menge anderen Ärger, den sie zeitgleich hatte). Batholomé de las Casas ist doch eigentlich Pflichtlektüre an deutschen Schulen, soviel ich weiß, oder? Warum haben "die" aber dann nicht härter durchgegriffen? Ich sag's dir: im Jahr 1530 ist ihnen, wegen der Reformation in Deutschland, das Kerosin ausgegangen, weil Martin Luther nämlich eine Bombe ins zentrale Tanklager nördlich von Rom geschmuggelt hat. Nachdem die hochgegangen war, blieben die päpstlichen Bombergeschwader notgedrungen am Boden und konnten nicht aufsteigen, um in der Neuen Welt aufzuräumen und das Conquistadorenpack zusammenzubomben. Die Lage besserte sich auch in den Folgejahren nicht, weil wegen der Türkenkriege die Erdölversorgung Roms aus dem arabischen Raum über viele Jahrzehnte völlig unterbrochen wurde. Jetzt weißt du's!
Sie hat sich sogar nicht gescheut, mit den Nationalsozialisten zu paktieren.
Das ist der komplette Blödsinn, der wieder mal durch keinerlei Kenntnis getrübt wird. Die Archive bis 1939 sind inzwischen geöffnet und werden gerade von den Historikern aufgearbeitet. Das gibt ein eindeutiges Bild über Pius XI. und seinen Kardinalsstaatssekretär Eugenio Pacelli, den späteren Pius XII., der zuvor Apostolischer Nuntius im Deutschen Reich gewesen war. Die ersten Publikationen sind auf dem Markt. In einigen Jahren ist diese haarsträubende und böswillige Verdrehung der Wirklichkeit restlos vom Tisch. Ob Rolf Hochhuth, der Initiator, sich dann entschuldigen wird für seinen "Stellvertreter"? Natürlich nicht, ich wette jeden Betrag. Aber er hat seinen Zweck erreicht: die "Gebildeten" "wissen" nicht nur, daß Donald Duck drei Neffen hat, sondern seit seinem Stück wissen sie auch, das Pius XII. ein Nazi war. Haarsträubend! Aber passend für profund gebildete Leute wie dich. Die Juden in Rom zum Beispiel, die seinerzeit dort lebten, sagen zwar seit 60 Jahren durchgehend das genaue Gegenteil, aber was sind schon römische Juden gegen einen deutschen Gutmensch-Dramaturgen und Kirchenfeind?
Nicht einmal das Töten von Behinderten hat den damaligen Papst von seinem offiziellen Kurs abgebracht! Nur einige wenige katholische Priester haben gegen diese Tötung von Behinderten protestiert. Aber die katholische Kirche als solche hat sich nicht dagegen gestellt.
Umwerfend! Emmalein weiß einfach alles! Wie kann ein einzelner Mensch so ungeheuer viel Wissen in sich vereinigen? Mein Großonkel saß jahrelang im KZ deswegen. Und ich verrat dir was: seine Mitbrüder haben ihn da reingebracht, logo... nee, noch viel schlimmer, Papst Pius XII. persönlich hat den Hitler angerufen und gesagt: "Steck mal den Pater Vinzenz in ein KZ. Der ist gegen eure Euthanasie, hab ich selbst von ihm gehört!" So war's, Emmalein! So sind "die", weiß ja jeder! - In Wahrheit saß der Papst mitten im faschistischen Reich drin, und er kann halt nicht einfach ein paar hundert Millionen Katholiken mal so eben das Martyrium verordnen (das kann er keinem Einzigen), sondern er muß schon sehen, daß die nicht selber alle massakriert werden. Diese Sorge ist keine Schandtat, sondern seine Pflicht. Der Vatikan hatte genaue Kenntnisse über den Nationalsozialismus und wußte, daß nach dem Endsieg und der Endlösung der Judenfrage eine Endlösung der Religionsfrage geplant war, um das "verjudete Christentum", dem die meisten Deutschen anhingen, durch eine neuheidnisch-nordische Nazireligion zu ersetzen. Die Kirche und ihre Führer konnten doch nicht öffentlich zum Umsturz aufrufen, oder wie stellst du dir das vor? Du hättest dich wahrscheinlich anders entschieden, da du viel mutiger, weiser, gebildeter und intelligenter bist, aber das war ja nur der Papst, der hat das natürlich nicht gebracht. Wundert dich bestimmt nicht. Man weiß ja, wie "der" war...
Bis heute fehlt in diesem Punkt ein Schuldbekenntnis der Katholischen Kirche - und ein Zeigen von echter Reue.
Im Jahr 2000 hat der Papst öffentlich vor aller Welt um Vergebung gebeten für alle Sünden der Kirche, die sie in zwei Jahrtausenden begangen hat. Er ist dabei sehr konkret geworden. Ja, Irrwege und Sünden hat es in der Tat gegeben. Nicht selten mischt sich Gutes mit Schlechtem, manchmal gab es Zeiten schlimmster Finsternis an der Spitze der Kirche, aber es gab dann eben auch immer Leute wie zum Beispiel Franz von Assisi, friedfertig ohne Ende, ein himmlisches Kind, der alles wieder von vorne beginnen ließ. Das waren doch immer alles Menschen in der Kirche - und die irren sich nun mal, deren Gewissen kann erblinden, sie können sich verrennen - und die haben sich tatsächlich manchmal schlimm verrannt. Der Unterschied ist nur: alle anderen Institutionen, die es sonst gegeben hat in der Geschichte, sind untergegangen, nur die Kirche hat sich immer wieder erholt, auch aus tiefen Abstürzen. Das ist eine historische Singularität, vergleichbar nur mit der dauerhaften Existenz der Juden. Wir glauben, daß der Heilige Geist die Kirche korrigiert, wenn sie abirrt. Deswegen ist sie für uns heilig, nicht wegen der Menschen, die sie jeweils am laufen halten.
Der Papst hat übrigens Ende 2001 ausdrücklich angeordnet, daß auch eine Delegation zum Emmalein in Deutschland gesandt wird, um auch ihr angemessene Zeichen der Reue persönlich zu übermitteln. Es lag ihm viel daran. Offenbar ist da was übersehen worden. Ich werd sofort Bescheid sagen, daß das nachgeholt wird. Der Papst war nämlich sehr beeindruckt davon, daß das Emmalein in Deutschland, als eine der wenigen Menschen auf der Welt, um Vergebung gebeten hatte für die Verbrechen ihrer Vorfahren aus dem 11. Jahrhundert. Das haben sonst nur ganz wenige Leute getan.
Soll ich mir von solchen Leuten sagen lassen, was meine Ethik zu sein hat und was nicht? Nee danke!
Bloß nicht, das Gefälle ist viel zu groß! Am besten gar nicht hingucken in die gähnende Tiefe! - Sag mal, haben "die" denn eigentlich überhaupt die Macht, dir irgend etwas sagen zu können? Eben! Und ich verrat dir was: das finde ich voll in Ordnung so! Du bist nur als Katholikin zum Befolgen der Regeln und Gebote der Kirche verpflichtet, sonst nicht. Deshalb kann dir keiner etwas sagen. Verantworte du also deine Entscheidungen selber: genau so lautet die Regel. Ich konfrontiere dich allenfalls mit meiner Vorstellung zur Ethik. Allerdings liefen (conjunctivus irrealis) solche Debatten nicht nach dem Schema: "Der Eine sagt 1+1=2, die Andere sagt 1+1=3 und man einigt sich dann, daß es zweieinhalb ist"! Warum "conjunctivus irrealis"? Nun, wir wissen inzwischen alle, daß so ein Ansinnen in deinen Augen einem Mordversuch gleichkommt. Außerdem sind mir inzwischen die Eisbeutel ausgegangen.
Aber: Ich möchte, dass Du Deinen Glauben frei leben kannst. Ich bin sogar bereit, mit meinem Leben dafür zu kämpfen, dass Du es kannst.
Das würde mich anrühren, ohne Ironie jetzt und ganz ohne Scheiß, wenn es glaubwürdig wäre. Der einstmals treue Augenaufschlag ist heute aber fast immer taktisch, lauernd und berechnend... und wir merken das natürlich... und das Gift hängt fest in der Welt. Aber ich will den Funken, der vielleicht noch unter der Asche glimmt, aufgreifen, und mich bei dir revanchieren: ich verspreche dir, daß ich dein Recht, niemals ohne dein Einverständnis in irgend eine Kirche gehen zu müssen, meinerseits mit meinem Leben zu verteidigen bereit bin! Sollte das also einer von "denen" jemals von dir verlangen, mit oder ohne Androhung von Waffengewalt, dann ruf mich sofort an! Ich lasse alles stehen und liegen und hau dich da raus! Ehrenwort!
Denn: Ich bin Konsens-Ethikerin. Ich stelle meine Vorstellungen nicht über Deine. Deine Vorstellungen zu leben sind mit den meinen für mich gleichrangig.
Für dein bzw. mein Einzel-Leben: JA! Da verantwortet nämlich jeder selbst (und zahlt auch selbst), was er oder sie anrichtet. Als Richtschnur einer allgemeinen Ethik (das ist sehr viel mehr, als ein paar subjektive Vorstellungen und Meinungen von "irgendwas"): NEIN! Da wäre nämlich sehr sauber und sehr diszipliniert und detailliert zu klären, was eigentlich objektiv Bestand hat und was subjektivistischer Mumpitz ist. Da gibt es keine "Konsens-Ethik"! Meine Lebenserfahrung hat mich gelehrt, daß Frauen ihrem Wesen nach niemals wirklich objektiv sind! Nicht, daß ihr nicht felsenfest davon überzeugt sein könnt, daß ihr "sehr wohl" objektiv wäret! Ihr seid es aber (gerade dann) einfach nicht, ihr kriegt es nicht hin. Und weil ihr euch trotzdem so sehr anstrengt, so zu scheinen, wie ihr nicht seid, werdet ihr leider so oft unehrlich, fies und heimtückisch. Ich kenne kluge Frauen, die wissen das, die kenne sich, die hauen nicht auf die Pauke, sondern sind "subjektiv" und belassen es dabei. Aber diese Art stirbt aus. Was nachwächst, hat einfach einen mächtigen Hau weg.
In der Abtreibungsfrage gibt es zwei hierarchisierte Ebenen, die man sauber trennen muß: erstens die objektive, nämlich die Frage der Norm, daß man menschliches Leben nicht töten darf! §218 steht zurecht in der Reihe der "Verbrechen gegen das menschliche Leben" (Mord, Totschlag etc.) Das ist völlig unverrückbar, das darf nicht angetastet werden. Denn was geschieht ist fürchterlich! Danach erst kommt die Frage, wie die Gesellschaft konkret damit umgehen soll, wenn es trotzdem zu einer Abtreibung kommt, welche Konflikte es gibt, wie man den Notlagen wehrt, in die eine Frau durch eine Schwangerschaft geraten kann, wie jemand schuldig werden kann, wie man das bewerten soll, wie man es sanktioniert, wie man Vergebung finden kann und so weiter - all "eure" Ausnahmen eben, die bei "euch" immer so einseitig im Vordergrund stehen. So eisern ich die Norm verteidigt sehen will, so vorsichtig bin ich jedoch beim Urteil im konkreten Einzelfall. Es geht nämlich überhaupt nicht darum, Frauen fertig zu machen, die abgetrieben haben, wie immer unterstellt wird, sondern darum, nicht Wahr und Falsch durcheinander zu würfeln.
Die gegenwärtige Regelung bedeutet ja mitnichten, daß Abtreibung "erlaubt" ist. Aber viele meinen, es sei so und es gäbe ein Recht auf Abtreibung. Weil es nämlich faktisch darauf hinausläuft. Abtreibung bleibt de jure eine Straftat, ein Verbrechen gegen das Leben, aber sie wird, bei Einhaltung von formalen Prozeduren, nicht bestraft. Das ist hanebüchen! Analog wäre die Regelung, daß Banküberfälle verboten sind und es auch bleiben, daß aber der, der sich vorher beraten ließ, das erbeutete Geld behalten darf, wenn man ihn ertappt. Wie viele Menschen in echter, großer Not, die kaum über Geld verfügen, für die dieses Leben am Existenzminimum eine enorme Härte bedeutet, würden dann wohl eine staatliche Beratungsstelle aufsuchen und danach ihren Bruch durchziehen? Natürlich in autonomer Entscheidung, ohne sich vom Patriarchat oder anderen unterdrückerischen Kräften dreinreden zu lassen, da sie die moralischen Konsequenzen ihrer Tat ja ganz alleine für sich tragen müssen, ohne daß ihnen irgend einer dabei hilft? Eben! Und würde das dann dazu führen, daß die Gesetzestreue und die Achtung des Eigentums anderer zu- oder abnimmt? Genau! Und was wäre das schlimmste Problem, falls es zu einer solchen Entwicklung käme? Ja, richtig, die seelische Belastung der Bankräuber, vor der man Achtung und Respekt haben muß!
Ich meine, das Hauptproblem ist, daß nun einmal Schuld entstanden ist! Diese Seite verschwindet heute jedoch, wegen der faktischen Umkehrung in der Reihenfolge der Ebenen, hinter den Problemen der Frau, die abtreibt. Die stehen ganz ausschließlich im Mittelpunkt. Natürlich gibt es diese Probleme. Übrigens auch der Männer, die daran beteiligt sind. Ich habe als Student, Anfang zwanzig, einer Abtreibung zugestimmt, nachdem "es" geschehen war und meine damalige Freundin schwanger wurde. Wir haben gemeinsam so entschieden und sind von Anfang bis Ende beide gemeinsam durch gegangen, ich kenne das Elend und die Hektik und die Gewissensbisse also genau. Für mich ist es bis heute ein bleibendes Schlüsselereignis meines Lebens, der ich doch vieles gesehen und erlebt habe. Die entscheidende Frage ist einfach nicht, was für Streß, Ärger, Zweifel, Kummer usw. wir beide damals hatten. Die zentrale Tatsache dieses Ereignisses ist und bleibt die Schuld an dieser Seele, die zur Welt kommen wollte / sollte... und niemals leben konnte.
Kann man denn nicht begreifen, daß alle Probleme, die die Eltern selbst, oder die Frau, wenn sie es allein durchziehen muß, mit dieser ihrer Entscheidung haben, radikal nachgeordnet sind? Daß es insbesondere einfach nicht angeht, proletend um den Capitol Hill in Washington zu ziehen, "spaßig", schrill, mit Fähnchen und bunten Luftballons, und dumpfbrutal für das Recht auf Abtreibung zu krakelen? "Mein Bauch gehört mir" ist keine böswillige Erfindung von irgendwelchen Maskus! "Ob Kinder oder keine, bestimmen wir allein!" ist grausige, vernichtende Wahrheit geworden. Wir gehen im Wortsinne kollektiv zugrunde, weil jedes Jahr Hunderttausende Kinder getötet werden, bevor sie überhaupt geboren werden. Faktum! Alles einmalige Entwürfe des Menschseins, die sich nie wiederholen, die es nie gegeben haben wird, die jetzt nicht da sind, die uns allen fehlen, aber unbedingt da sein müßten, da jedes eine einmalige Aufgabe hatte. Das alles ist ein gigantisches Gebirge an Schuld ohnegleichen. Es ist erschütternd, wie marginal dieser zentrale Aspekt des Problems in fast JEDER Äußerung von Frauenseite dazu ist.
Sage mir, aus welchem Grund sollte ein Mann keine Verachtung für diese Blindheit, diese Arroganz, diese eitle Hybris empfinden? "Schnauze, ihr patriarchalen Säcke! Wir sind eure Opfer, denn sonst wären wir ja nicht schwanger!" Was für eine Anmaßung zu sagen, daß das ein reines "Frauenproblem" sei und Männer sich raus zu halten hätten! Diese lächerliche Latrinenparole vom "unterdrückenden Patriarchat"! Ich gebe zu bedenken, daß die meisten Frauen möglicherweise nicht bei klarem Verstand sind, wenn sie darüber schwadronieren, daß sie das mit sich ausmachen wollen, da sie es ja auch auszubaden hätten. Merkt keine, wie schauerlich und monströs es ist, wenn gar so eine Art Aura von "Anrecht auf ein Mutterkreuz" für ein nicht geborenes Kind durchschimmert, weil man ja so mutig und autonom und selbstbestimmt gehandelt hat? Gibt es mal irgend eine andere Reaktion als Überheblichkeit, Selbstmitleid, Anklagen, Selbstbeweihräucherung, "Frauensolidarität" und gegenseitiges Schulterklopfen?
Eine Norm, die mit Ernst und Maß verteidigt wird, schützt nicht nur das Leben der ungeborenen Kinder. Es schafft auch einen Rahmen für Schuld und Sühne, an dem entlang der einzelne Mensch damit fertig werden kann, was er angerichtet hat. Ich rede nicht von oben herab, weil jeder von uns schuldig wird, unausweichlich. Das einzige, was da rettet, ist das Gewissen, denn es ist die Basis einer Freiheit, die mehr ist, als eine närrische Illusion.
Ich hege große, begründete Zweifel, daß das mit dem "entscheiden wir alleine" wirklich das letzte Wort ist. Da kommt immer was nach, die Erynnien lassen sich nicht "wegdemonstrieren". Im Gegenteil. Dieser Aspekt wird, wie ich finde, viel zu wenig bedacht in seinen Konsequenzen. Er ist aber auf lange Sicht der entscheidende. Denn das Leben geht ja weiter. Und es endet auch einmal. Für uns, die wir die Sonne gesehen und die Nachtigall gehört haben: irgendwann nach unserer Geburt. Ziemlich kurz danach, wenn man es genau betrachtet, denn das Leben ist ein jäher Blitz und sinkt zurück in den Staub, aus dem es geschaffen ist, kaum daß man seiner Bedeutung richtig gewahr zu werden beginnt.
Das ist das, was ich patriarchaler Sack dazu zu sagen habe.
Ich möchte gemeinsam mit Atheisten, Christen, Feministen, Maskulisten und mit allen anderen Regeln entwickeln, mit denen das Leben für uns alle einigermassen erträglich wird.
Max sagte, es ginge um mehr. "Klasse soll's werden!" Nun gut, mag sein, warum nicht. Ich würde eher sagen: Würde soll es geben und Respekt. Davon habe ich bei dir bisher selten etwas gemerkt. Vielleicht solltest du das ändern?
Du möchtest nur Deine Vorstellungen gelten lassen.
Das lasse ich so nicht gelten 
Liebe Atheisten unter den Männerrechtlern: Mit wem würdet Ihr lieber in einem Staat leben: Mit jemandem, der Euch offen atheistisch sein lässt - oder mit jemandem, der Euch das Recht auf eine eigene Ethik abspricht, indem er Euch die katholische aufzwingt, und Euch dazu zwingt, Euren Atheismus zu verstecken?
Ist das ein Aufruf zum Volksentscheid? Oder ein netter, kleiner Schmähruf: "Seht da, den Lump! Zwingen will er euch! Entmündigen will er euch!" Ich würde mal sagen, daß ich einfach freimütig über meine Sicht der Welt schreibe. Das nennt man Recht der freien Rede.
Es lebe die Konsens-Ethik!
Nimm an, du besuchtest deine beste Freundin und träfest sie an ihrem Küchentisch sitzend an, mit einem Glas Burgunder und einem gebratenen Arm samt Hand daran, an welchem sie genüßlich herumknabbert. Sie bietet dir freundlich eine Scheibe davon zu essen an. Was tust du? Denkst du: "Ich bin Konsens-Ethikerin. Ich stelle meine Vorstellungen nicht über ihre. Ihre Vorstellungen zu leben sind mit den meinen für mich gleichrangig"? Oder sagst du ihr klipp und klar: "Es gibt eine ethische Norm, die besagt unumstößlich und allgemeingültig, daß man keinen Kannibalismus betreiben darf. Die gilt auch für dich, völlig unabhängig davon, welche kranken Vorstellungen du selbst darüber hast!"
An den Haaren herbeigezogener Nonsense, den ich hier schreibe? Wir hatten das doch erst vor einigen Monaten: der eine läßt sich vom anderen töten und schlachten, damit der ihn esse. Konsens-Ethik?
Wenn es demgemäß überhaupt absolute ethische Normen gibt, dann geht es um die Grenzen, jenseits derer diese Normen Gültigkeit haben.
Abtreibung liegt jenseits dieser Grenzen, denn es ist Tötung menschlichen Lebens.
"Konsens-Ethik" - Wohin führt das?
Fragt der Nick
Re: Lauterkeit?
Garfield, Tuesday, 04.05.2004, 18:17 (vor 7945 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Lauterkeit? von Nick am 01. Mai 2004 23:15:32:
Hallo Nick!
Schon mal vorab: Ich bin auch kein Katholik. Und ich gehöre auch keiner anderen Religionsgemeinschaft an.
Ich bin mir nicht sicher, was genau du unter "Kirche" verstehst. Ist das für dich eine Grundidee von einer menschlicheren Gesellschaft, wie sie die Urchristen einst vertreten haben? Sind das für dich die Gläubigen? Oder ein Gott? Oder ist es für dich der Machtapparat der katholischen Kirche?
Das allein sind nämlich schon vier ganz verschiedene Dinge, die man keinesfalls in einen Topf werfen darf.
Heute scheint das alles eins zu sein. Ganz so ist das aber auch heute nicht. Und in der Vergangenheit, als die katholische Kirche viel mehr weltliche Macht besaß als heute, war es noch viel weniger so.
Macht korrumpiert. Dagegen ist man auch nicht gefeiht, wenn man Kardinals- oder selbst Papst-Kleidung trägt. Was glaubst du, wieso Papst Urban II. zum ersten Kreuzzug aufgerufen hat? Es ging dabei noch nicht einmal wirklich um Jerusalem, denn das war ja schon länger von den Moslems besetzt. Es ging dem Papst vor allem um Byzanz. Er wollte die griechisch-orthodoxe Kirche in seinen Machtbereich holen. Die Byzantiner wurden in der Zeit vor allem von den Seldschuken bedrängt, und Urban II. hoffte, daß der byzantinische Kaiser ihm die Oberhoheit über die Christen in Byzanz verschaffen würde, wenn er ihm Unterstützung gegen die nicht-christlichen Völker verschafft, die Byzanz so schwer zu schaffen machten. Andere Päpste haben dann später weitere Kreuzzüge initiiert - manchmal mußten sie Könige oder Kaiser regelrecht dazu zwingen, Kreuzzüge zu unternehmen. Und die Kreuzzüge selbst waren mit allen dabei angerichteten Gräueln keineswegs eine rein weltliche Angelegenheit, mit denen die katholische Kirche nichts zu tun hatte. Oft war ein Beauftragter des Papstes dabei. Auch Bischöfe sind mitgezogen, und sie haben sich in den Kämpfen gegen Moslems und andere Nicht-Christen keineswegs passiv verhalten. Zwar war es kirchlichen Würdenträgern offiziell verboten, Blut zu vergießen, aber das Problem lösten sie, indem sie nicht mit Schwertern, sondern mit Keulen bewaffnet in die Schlacht zogen. Damit konnten sie die Gegner erschlagen, ohne dabei viel Blut zu vergießen, und der Form war Genüge getan.
Als einige deutsche Fürsten keine Lust auf einen Kreuzzug nach Palästina hatten, erlaubte man ihnen, stattdessen Kriegszüge in von Slawen besiedelten Gebieten im heutigen Ost-Deutschland zu unternehmen. Das taten sie auch, und die Menschen in den so eroberten Gebieten wurden häufig vor die Wahl gestellt, den christlichen Glauben anzunehmen oder zu sterben.
Die katholische Kirche hat immer auch weltliche Macht besessen, allein schon, weil sie über große Ländereien verfügte, die ihr viel Geld einbrachten. Daß ihr Einfluß dann zurück ging, lag unter anderem auch daran, daß sie viel von dieser weltlichen Macht verlor, als die Bedeutung der Landwirtschaft mit zunehmender Industrialisierung sank. Aber auch heute noch hat die Kirche weltlichen Besitz, und zwar fast überall in der Wirtschaft. Daß sie auch Anteile an Unternehmen hat, die Rohstoffe für Verhütungspillen herstellen, ist mir neu. Ich habe mal gehört, daß die katholische Kirche sich an Unternehmen im Pharma-Bereich nicht beteiligt, gerade weil die Pharma-Industrie eben auch Verhütungspillen herstellt.
Und was das Konkordat mit dem Dritten Reich angeht: Dabei ging es dem Papst vor allem um den Kampf gegen den Kommunismus. Er wußte genau, daß die deutschen Kommunisten, wenn sie in Deutschland an die Macht kommen würden, nach sowjetischem Vorbild auch die katholische Kirche auf deutschem Boden weitgehend enteignen würden. Da Hitler ihm versprach, das nicht zu tun, sah er in Hitler den richtigen Mann, um dieser Gefahr zu begegnen. Damit stand die katholische Kirche übrigens nicht allein, sondern es gab viele Gruppierungen in Deutschland und auch im Ausland, die zwar nicht direkt mit den Nazis sympathisierten, aber auf jeden Fall eine Machtübernahme der Kommunisten verhindern wollten und deshalb Hitler unterstützten. Wie üblich dachte Hitler aber tatsächlich gar nicht daran, sein der katholischen Kirche gegebenes Versprechen letztendlich auch einzuhalten. Das Konkordat mit dem Papst trug jedoch mit dazu bei, die Nazis innerhalb Deutschlands und auch international salonfähig zu machen.
Man muß dabei allerdings auch bedenken, daß die späteren Gräuel der Nazi-Diktatur anfangs für viele Menschen noch gar nicht vorhersehbar waren. Hitler hat sich nach seiner Machtübernahme zunächst bewußt zurückgehalten und alles getan, um die wildesten Chaoten in der NSDAP zu bändigen, wobei er auch vor Mord nicht zurück schreckte. Solange nämlich Hindenburg noch Reichspräsident war, bestand die Gefahr, daß er die Regierung auflöste, damit auch Hitler als Reichskanzler entließ und die Reichswehr anwies, gegen die NSDAP vorzugehen, falls die irgendwelchen Widerstand leistete. Das wäre das Ende von Hitlers Karriere gewesen. Hitler war das sehr bewußt, und so zügelte er vorläufig sogar seinen krankhaften Antisemitismus. Vielen Menschen im In- und im Ausland vermittelte er das Gefühl, daß die NSDAP sich vom radikalen Weg abgewandt hätte und nun Recht und Gesetz achten würde. Sogar manche Juden in Deutschland sympathisierten anfangs mit den Nazis. Entgegen den Behauptungen der Nazis waren die Juden nämlich keineswegs eine homogene und einige Gruppe, sondern es gab auch unter Juden sehr wohl Standesunterschiede. Manche vermögende Juden sahen auf arme, jüdische Einwanderer aus dem Osten herab und forderten sogar, diese nicht mehr ins Land zu lassen, da sie durch ihr Verhalten Antisemitismus in Deutschland fördern würden.
Mitte der 1930er Jahre fand das nationalsozialistische Deutschland auch international sehr viel Anerkennung. Nicht nur überall in Europa, sondern auch z.B. in den USA und in China fanden die Nationalsozialisten Nachahmer. Selbst Mussolini, der Hitler und seinen Nationalsozialismus anfangs verachtet hat, änderte seine Meinung unter dem Druck der Umstände bald. Wäre Hitler 1936 gestorben, dann wäre er als einer der größten Staatsmänner in die Weltgeschichte eingegangen.
Vor diesem Hintergrund sollte man das Konkordat zwischen der katholischen Kirche und der Nazi-Regierung sehen.
Als dann später alles ganz anders kam, hatte der Papst keinerlei Einflußmöglichkeiten mehr. Und als die Nazis auch noch den "totalen Krieg" propagiert hatten, fielen bei ihnen sowieso fast alle Hemmungen. Da hätte weder Hitler noch irgendein anderer NSDAP-Führer auf den Papst gehört.
Heute gibt sich die katholische Kirche volksnah, aber das muß sie ja auch tun, wenn sie nicht noch mehr Anhänger verlieren möchte. Aber das war nicht immer so.
Die christlichen Werte sind an sich positiv. Deshalb wurden die Urchristen ja auch verfolgt. Mit ihrem Glauben an sich hätten z.B. die Römer wohl kaum Probleme gehabt. Für sie gab es viele Götter, und auf einen mehr oder weniger kam es ihnen nicht an. Aber die Urchristen foderten auch Nächstenliebe, Unterstützung für die Armen usw. Das gefiel den herrschenden Kreisen in Rom ganz und gar nicht. Den unterdrückten Schichten dagegen gefielen diese Thesen umso mehr, und deshalb schaffte man es auch mit Gewalt nicht, das Christentum auszurotten. Es dann zur Staatsreligion zu erklären, war ein genialer Schachzug. Weil Macht eben korrumpiert. Von da an löste sich die Kirche zunehmend von den frühchristlichen Werten. Für das einfache Volk sollten die zwar weiterhin gelten, weil sie nun einmal in der Bibel standen, aber die kirchlichen Würdenträger genehmigten sich selbst immer wieder Sonderrechte. Daß viele Menschen nicht lesen konnten - und wenn doch, dann häufig kein Latein - und daß sie somit auch gar nicht wußten, was wirklich in der Bibel stand, war den katholischen Kirchenfürsten sehr recht. Deshalb sträubten sie sich auf deutschem Gebiet auch mit Händen und Füßen gegen eine deutsche Bibelübersetzung und selbst gegen Predigten in deutscher Sprache.
Ich glaube zwar nicht an Gott, aber wenn ich an einen Gott glauben würde, dann würde ich trotzdem keinen Sinn darin sehen, mich irgendeiner Glaubensgemeinschaft anzuschließen. Das bedeutet allerdings nicht, daß ich anderen Menschen das ausreden möchte oder sie dafür verachte oder so etwas in der Art. In der heutigen Zeit wirken sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche durchaus positiv. Bei der katholischen Kirche stört mich allerdings ihre Intoleranz gegen andere Religionen (der Papst hat ja z.B. kürzlich wieder das gemeinsame Abendmahl von katholischen und evangelischen Christen untersagt, und auch bei Eheschließungen zeigt sich die katholische Kirche sehr intolerant) und der Schwachsinn mit dem Verbot von Verhütungsmitteln. Okay, in der Bibel steht "seid fruchtbar und mehret euch", aber in der Bibel steht vieles, und manches davon wurde in der Vergangenheit auch gern von der katholischen Kirche ignoriert.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Lauterkeit?
Anti-Sexistin, Tuesday, 04.05.2004, 19:00 (vor 7945 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Lauterkeit? von Garfield am 04. Mai 2004 15:17:58:
Ein säkular-historischer Überblick, Garfield.
Was die Sache mit der Verhütung angeht, so kann ich Deine persönliche Meinung durchaus nachvollziehen, allerdings entspricht sie nicht dem Verständnis der Ehe in Gott durch die Kurie. Diese setzt die Gleichheit von Mann und Frau in der Ehe voraus und die gegenseitige Hingabe, die als "Gnadengeschenk" Gottes bezeichnet wird. Mit dem Begriff der "Hingabe" läßt sich Verhütung nicht vereinen, da Hingabe die permanente Offenheit für Kinder einschließt. Insofern kann in der Ehe, wenn ich es recht verstehe, auch nicht mal eine zweitweise, akute Verhütung gebilligt werden, da dies schon die "Hingabe" zerstört. Psychologisch interpretiert: ein Präser und ich nehme Distanz von meinem Mann. Oder ein umgekehrter Fall, den Papst Johannes Paul II in der "Würde der Frauen" zum marianischen Jahr schildert: die Frauen, die von ihrem Mann zur Abtreibung gedrängt werden, nehmen ebenfalls Distanz und versündigen sich, während die Öffentlichkeit nur die Sünde der Frau sieht. (Hier war er richtig liberal, doch er sieht das nicht ganz so, sondern beruft sich auf Jesus und die Steinigung der Ehebrecherin).
Obwohl andere Kongregationen (Homosexuellenehe etc.) durchaus einen Unterschied zwischen der kirchlichen bzw. katholischen Ehe und der Ehe als staatliche Institution erkennen lassen, sind auch staatliche Instanzen laut Heiligem Stuhl der allgemeinen Moral und gesunden Vernunft verpflichtet. Diese "gesunde und allgemeine Vernunft" ist klar in der katholischen Lehre grundlegend. Staatliches Recht ist beschränkter und begrenzter als die allgemeine Sittlichkeit, muß aber auf diese aufbauen. Kritisch betrachtet (also ungesund) würde dies heißen, daß die Trennung von Kirche und Staat von der Seite des Heiligen Stuhls aus nicht so ganz akzeptiert ist, sondern über die Eselsbrücke der Vernunft der Invesiturstreit weiter fortgesetzt wird, wenn auch abgedämpft. Das legt die Konsequenz nahe, daß selbst bloß auf dem Standesamt geschlossene Ehen sich ebenfalls (dazu sind die Gesetzgeber mehrfach ausdrücklich aufgefordert) sich allgemeiner Vernunft zu beugen haben, für welche die Kurie leuchtendes Vorbild ist. Diese Grauzone ist in den Publikationen allerdings nicht explizit aufgeführt, so weit ich sehe. Doch es hieße eben auch, daß Ungläubige der allgemeinen Vernunft zuliebe, sich hinzugeben hätten und bitteschön auch nicht verhüten, denn es geht um neues Leben und den Fortbestand der Menschheit.
Im weiteren ist das nicht so neu. Selbst mit Kant kann gegen Verhütung und Abtreibung argumentiert werden, wenn man den kategorischen Imperativ richtig durchdekliniert, denn demnach könnte es kaum im Sinne der Menschheit sein, wenn jeder so handelte.
Und es ist sicherlich sehr volksnah, wie Du schreibst, daß sich die Kirche einer Aufklärungsterminologie und -argumentation bedient. Vermutlich in der Hoffnung, doch noch irgendwo universalistische Geltungsansprüche auf naturrechtlicher und allgemein vernunft-ethischer Basis geltend zu machen. Diese sind - wie man in der Philosophie sagen würde - axiomatisch gesetzt, nicht weiter begründbar, unmittelbar evident, ein Hinterfragen dieser Axiome schon eine Verirrung, wobei nur ein Blick in die Geistesgeschichte genügt, um zu zeigen, wie austauschbar solche Axiomata je schon waren. Aber besser nicht hinsehen.
Anti-Sexistin
Re: Lauterkeit?
Garfield, Tuesday, 04.05.2004, 19:48 (vor 7945 Tagen) @ Anti-Sexistin
Als Antwort auf: Re: Lauterkeit? von Anti-Sexistin am 04. Mai 2004 16:00:42:
Hallo Anti-Sexistin!
Sehr interessant, was du hier schreibst. Als Atheist verfolge ich die Verlautbarungen des Papstes und der katholischen Kirche allgemein nicht so intensiv.
In unserer modernen Welt empfinde ich die Aufforderung zur ungehemmten Fortpflanzung jedenfalls nicht mehr als zeitgemäß. Zwar würde es uns Deutschen gut tun, wenn es wieder mehr Kinder gäbe, aber in Ländern wie China sieht das anders aus.
Die Menschheit muß schließlich auch ernährt werden, und mit der heutigen Technologie können nun einmal nicht unbegrenzt viele Menschen die Erde bevölkern. In früheren Zeiten war das meist kein Problem. Damals starben die Menschen früher, die Kinder- und Müttersterblichkeit war auch deutlich höher, und so brauchte man viele Geburten, um die Art zumindest zu erhalten.
Heute werden die Menschen immer älter, es sterben weniger Kinder und Mütter, und diesen Tatsachen sollte sich auch die katholische Kirche endlich anpassen. Immerhin hat sie es auch geschafft, sich von der Vorstellung zu lösen, daß die Erde eine Scheibe wäre, und sogar von dem Irrglauben, daß die Erde als Mittelpunkt der göttlichen Schöpfung von allen anderen Himmelskörpern umkreist wird. Da sollte der Papst sich nun auch einen Ruck geben und die Realitäten endlich anerkennen. Ansonsten müßte man - vorausgesetzt, die Technologie ist nicht in naher Zukunft in der Lage, eine unbegrenzte Zahl von Menschen zu ernähren und es gibt auch in naher Zukunft nicht die Möglichkeit, andere Planeten zu besiedeln - irgendwann dazu übergehen, Menschen zum 40. Geburtstag grundsätzlich zu töten. Wäre das im Sinne der katholischen Kirche? Ich glaube es nicht, denn damit würden sie einige gute Kirchensteuerzahler verlieren. Aber vielleicht liegt im Vatikan ja schon ein Gesetzentwurf in der Schublade, den der Papst dann, wenn wir durch Überbevölkerung die weltweite Hungersnot und enorme Probleme durch Umweltverschmutzung haben, den Regierungen der christlichen Welt vorschlagen wird und der vorsieht, nur Atheisten und Angehörige anderer Religionen mit 40 zu töten... Noch bequemer wäre es natürlich, das Problem einfach durch das altbewährte Faustrecht lösen zu lassen. Dann überleben eben wie in früheren Zeiten nur die Starken, und die Schwächeren werden ausselektiert.
Wenn das die Zukunftsvision des Papstes ist, kann ich noch leichter darauf verzichten.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Lauterkeit?
Anti-Sexistin, Tuesday, 04.05.2004, 20:31 (vor 7945 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Lauterkeit? von Garfield am 04. Mai 2004 16:48:04:
Hallo Anti-Sexistin!
Sehr interessant, was du hier schreibst. Als Atheist verfolge ich die Verlautbarungen des Papstes und der katholischen Kirche allgemein nicht so intensiv.
In unserer modernen Welt empfinde ich die Aufforderung zur ungehemmten Fortpflanzung jedenfalls nicht mehr als zeitgemäß. Zwar würde es uns Deutschen gut tun, wenn es wieder mehr Kinder gäbe, aber in Ländern wie China sieht das anders aus.
Die Menschheit muß schließlich auch ernährt werden, und mit der heutigen Technologie können nun einmal nicht unbegrenzt viele Menschen die Erde bevölkern. In früheren Zeiten war das meist kein Problem. Damals starben die Menschen früher, die Kinder- und Müttersterblichkeit war auch deutlich höher, und so brauchte man viele Geburten, um die Art zumindest zu erhalten.
Heute werden die Menschen immer älter, es sterben weniger Kinder und Mütter, und diesen Tatsachen sollte sich auch die katholische Kirche endlich anpassen. Immerhin hat sie es auch geschafft, sich von der Vorstellung zu lösen, daß die Erde eine Scheibe wäre, und sogar von dem Irrglauben, daß die Erde als Mittelpunkt der göttlichen Schöpfung von allen anderen Himmelskörpern umkreist wird. Da sollte der Papst sich nun auch einen Ruck geben und die Realitäten endlich anerkennen. Ansonsten müßte man - vorausgesetzt, die Technologie ist nicht in naher Zukunft in der Lage, eine unbegrenzte Zahl von Menschen zu ernähren und es gibt auch in naher Zukunft nicht die Möglichkeit, andere Planeten zu besiedeln - irgendwann dazu übergehen, Menschen zum 40. Geburtstag grundsätzlich zu töten. Wäre das im Sinne der katholischen Kirche? Ich glaube es nicht, denn damit würden sie einige gute Kirchensteuerzahler verlieren. Aber vielleicht liegt im Vatikan ja schon ein Gesetzentwurf in der Schublade, den der Papst dann, wenn wir durch Überbevölkerung die weltweite Hungersnot und enorme Probleme durch Umweltverschmutzung haben, den Regierungen der christlichen Welt vorschlagen wird und der vorsieht, nur Atheisten und Angehörige anderer Religionen mit 40 zu töten... Noch bequemer wäre es natürlich, das Problem einfach durch das altbewährte Faustrecht lösen zu lassen. Dann überleben eben wie in früheren Zeiten nur die Starken, und die Schwächeren werden ausselektiert.
Wenn das die Zukunftsvision des Papstes ist, kann ich noch leichter darauf verzichten.
Freundliche Grüße
von Garfield
Hallo Garfield,
Deine Argumentation klingt ein wenig nach Malthus und nach der berühmten Falle. Ich sehe die keineswegs so krass, da durchaus schon in der Vergangenheit (sei es Dreifelderwirtschaft, Intensivierung der Landwirtschaft etc.) zunehmend mehr Ertrag für mehr Menschen geschaffen wurde. Ich sehe das Problem eher in der Verteilung, denn auch heute noch ist in den Entwicklungsländern die Kindersterblichkeit sehr hoch.
Dennoch: wenn man es radikal weiterdenkt, was da steht, dann müßte man durchaus fremde Planeten besiedeln. Allerdings haben auch von Seite der Kurie her Frauen auch noch eine Top-Alternative: nämlich das jungfräuliche Leben als Braut Christi. Insofern wäre ein endloses Wachstum unter beschränkten Ressourcen durchaus auch ein möglicher Programmpunkt. Da man dank Genesis von der Gleichheit der Geschlechter ausgeht, haben Männer selbstverständlich in einem solchen Falle auch das Recht auf ein enthaltsames Leben.
Ich lese diese Schriften vielleicht etwas arg liberal und zu modern, aber wenn ich beispielsweise das mit dem Gnadengeschenk der Liebe und Hingabe, ohne das keine Ehe Bestand hat, da sie nicht in Gott stattfindet, mal weiterinterpretiere, kann dies auch bedeuten, daß ich ohne dieses Gnadengeschenk gar nicht heiraten muß. Insofern wären Männer und Frauen auch vom Kinderkriegen "befreit". Allerdings auch mit entsprechenden Konsequenzen: Sex ohne Ehe wäre sündhaft, nicht gebilligt, auch nicht recht verboten, aber Sünde. Ohne diese Gnade ist der Mensch, so wie der Schöpfungsbericht interpretiert wird, auch zur Einsamkeit verdammt und hat keine Nähe und Hilfe von einem nahen Partner.
Einen Ehezwang kann ich also aus den Texten nicht herauslesen. Ich würde aber auch nicht so weit gehen zu behaupten, daß die katholische Position allzu viele Tests zuläßt, so nach dem Motto: Huch, ich dachte, ich hätte die Gnade und nach der Hochzeitsnacht waren es doch nur die Hormone. Das hieße dann Scheidung. Das ist nicht so unbedingt katholisch.
Ich würde vielmehr ein gesundheitliches Problem im Verhütungsverbot sehen wollen. Im Zeitalter von HIV könnte man nun mal sagen, ist das völlig absurd. Doch aus das entspricht kaum dem katholischen Eheverständnis. Die Hingabe schließt eben auch die Keuschheit mit ein. Keuschheit meint in dem Zusammenhang nicht etwa, keine körperliche Liebe zu haben (die wird im Gegenteil gerade als Ausdrucksdimension der Liebe zueinander verstanden, die wiederum Hingabe, d.i. Gnadengeschenk Gottes ist), sondern Treue, die Abwesenheit von Ehebruch und Versuchung zum Ehebruch. Nach katholischem Verständnis ist Keuschheit nur möglich, weil eben Gottes Gnade die Menschen füreinander bestimmt. Erst dadurch wird eine Ehe in Keuschheit möglich. Eine gewisser ikonodulischer Zug, ebenfalls aus der älteren Schöpfungsgeschichte abgeleitet, ist hierbei ebenfalls wichtig: sowohl Mann als auch Frau sind gleiche Abbilder Gottes. Sie erkennen somit durch die Gnade sich auch ineinander als diese Abbilder. Die Offenheit für ein Kind hat wiederum eine Abbildfunktion: die Dreifaltigkeit wird in der Familie abgebildet. Radikal gelesen heißt das: durch den Gnadenakt ist erst die wahre Ehe mit nur einem Partner, nämlich dem Richtigen möglich. Wenn Dein Glaube stark ist, gerätst Du nicht vorher schon auf Abwege, sondern trittst erst wirklich mit der richtigen Person in den "heiligen Bund". Das HIV-Risiko dürfte dann äußerst gering sein und zur Not tut es vielleicht auch ein Test (frei interpretiert).
Daß dieses Ideal nicht unbedingt die pure Empirie war, war übrigens schon bei dem gallischen Bischof Caesarius von Arles im 6. Jahrhundert bekannt, der darüber klagte, daß so "unermeßlich viele" seiner Schäfchen vor der Ehe im Konkubinat lebten, daß er doch unmöglich seine ganze Gemeinde exkommunizieren könne. Das aber nur als humorvolle Anekdote aus der Kirchengeschichte.
Ich will Dich ja jetzt nicht enttäuschen, aber mir bleibt höchstens der Universalanspruch dahinter als kritischer Punkt. Für den Rest haben die eine recht logische Lösung, wenn sie auch wie im Falle der Gnade auf Glaubenssätzen basiert.
Freundliche Grüße zurück
Anti-Sexistin
Re: Lauterkeit?
Nick, Wednesday, 05.05.2004, 16:46 (vor 7945 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Lauterkeit? von Garfield am 04. Mai 2004 15:17:58:
Lieber Garfield,
ich antworte hier mal summarisch, weil die Diskussion sich sonst zu sehr verteilt. Ich habe schon kaum noch den Überblick.
Ich danke auch dem Andreas erstmal herzlichst für die Mühe, die er sich macht! Andreas, du bist ein Fachmann auf deinem Gebiet, ich bin nur Arzt, habe nicht systematisch Philosophie studiert und möchte dir deshalb gerne das ganze Fachlich-Philosophische für 'ne Weile "überlassen", ok? Falls du möchtest...
Ich gehe jetzt nicht groß ein auf die muntere "Vermischung von allen möglichen Ebenen", die sich bei einigen Diskutanten finden. Da steht die "Nichtexistenz Gottes" (die sich so wenig beweisen läßt wie das Gegenteil und die noch dazu nicht einmal erfahrbar ist im Gegensatz zur entgegengesetzten Position) unverbunden neben irgendwelchen wahllosen, historischen Zufälligkeiten, die überhaupt nichts mit Ethik zu tun haben. Da wird der historische Prozeß in der Entstehung der Bibel überhaupt nicht beachtet (oder nicht gewußt). Da steht die Feindesliebe wahllos neben dem Schweinefleisch und der Sklavenhaltung, es wird geredet von "den" Christen und "ihrer" Wort-zum-Sonntag-Moral...
Nee, also das nenne ich doch eher "geballtes Vorurteil", genauer: selbstgerechtes Spießertum (andere Bezeichnugnen unterlasse ich bewußt, Tommy hat da ganz nette Ausdrücke dafür) und gehe darauf nicht im Einzelnen ein. Wer will, darf annehmen, daß mir die Argumente ausgegangen sind.
Nur ein einziges Beispiel greife ich zur Illustration heraus: das 10. Gebot legitimiere angeblich die Sklavenhaltung, hieß es. Eine Analogie soll zeigen, wie haltlos, unreflektiert, unhistorisch und unwissend dieser Einwand ist. Man nehme an, das massenhafte Verwenden von Verbrennungsmotoren erscheine in 100 Jahren allen als grandioses Verbrechen (nicht ganz unwahrscheinlich). Ist das heutige Verbot, ein Auto zu klauen, also eine Legitimierung des Verbrennungsmotors? Das ist genau analog! In einer Welt, deren gesamte Ökonomie auf Sklaverei beruhte, konnte es keine Frage nach der Legitimität der Sklaverei geben. Um so bemerkenswerter, daß die hebräische Bibel - und NUR die Bibel - eben doch Regeln enthält, Sklaven systematisch nach 7 Jahren freizulassen.
Ich habe mal einen getroffen, der nannte die griechische Philosophie "unethisch, weil die alten Griechen Sklaven hatten"! Das war ähnlich tiefschürfend. Ironischerweise war der Typ ein Ami. Der schwieg betreten, als ich ihn darauf hinwies, daß die Väter der amerikanischen Verfassung selbst auch Sklavenhalter waren. So geht das auch auch hier bei einigen immer munter drunter und drüber, Hauptsache man "meint" heftig genug und drückt seinen antichristlichen Abscheu aus, wo man doch einfach überhaupt gar nichts weiß, außer daß man seine Vorurteile eben kennt. Es ist eine schiere Zumutung, auf so etwas im Einzelnen einzugehen, tut mir leid, werde ich in Zukunft ganz und gar unterlassen.
Gern habe ich, wie immer, Garfield gelesen
Deine geschichtlichen Ausführungen sind im Großen und Ganzen richtig, natürlich waren die Kreuzzüge letztlich ein Irrweg. Es stimmt, daß die Folgen des Schismas mit Konstantinopel (ca. 50 Jahre zuvor) in den machtpolitischen Überlegungen Urban's II. bestimmend waren. Aber ich möchte doch kurz darauf hinweisen, daß die weitverbreitete Vorstellung von irgendwelchen "friedlichen Moslems, die von den bösen Christen völlig grundlos überfallen wurden" schon auch Unsinn ist. Die kriegerische Agression geht vom Islam aus (und hält bis heute an), nicht von den Christen, die im Orient von den Muslims seit Jahhunderten wie die Hausschweine gehalten worden waren. So völlig aus der Luft gegriffen war der Casus belli also nicht, wie die Nichtwisser immer "meinen".
Macht korrumpiert, das ist wahr - eine christliche Basisaussage. Alle Beteiligungen der Kirche an weltlicher Macht waren deshalb verkehrt, sie widersprachen dem Prinzip der Trennung von Kirche und Staat, die im Chistentum von Anfang an angelegt ist (im totalen Gegensatz zum Islam). So ist dies eine historische Abirrung von der Regel und nicht die Regel selbst. Ich denke aber, man kann das heutige Papsttum grundsätzlich nur für das verantwortlich machen, was es heute tut und unterläßt, nicht für Ereignisse, die vor 900 Jahren stattfanden.
Kurze Anmerkung zum Konkordat: er wurde im Wesentlichen in der Zeit vor Hitler ausgehandelt, am 20.7.33 ratifiziert und am 12.9.33 im Gesetzblatt veröffentlicht. Ein Konkordat ist etwas völlig Normales, er soll einfach die Lage der Katholiken in einem Land auf gesetzlich gesicherte Basis stellen. In der Phantasie vieler Ahnungsloser geistert das Ding trotzdem als "Pakt mit den Nazis" rum. Zudem erschien die Machtergreifung der Nazis, wie du richtig sagst, den Zeitgenossen eben als ein "normaler" Regierungswechsel, wo ein etwas unappetitlicher Kerl neuer Reichskanzler geworden war. Die historischen Konsequenzen waren damals in keiner Weise erkennbar.
Letzte Bemerkung speziell zu Garfield: das Ding mit dem "Abendmahl" ist keine Intoleranz gegen Andere und erst recht keine Machtfrage. Es ergibt sich schlicht aus katholischem Glaubensverständnis, daß die Eucharistie der katholischen Kirche, das Herz unseres Ritus, nun mal nicht dasselbe ist, wie das Abendmahl der Protestanten. Letzteren wird das ihre ja keineswegs "verboten" (ginge ja sowieso nicht), es wird lediglich den Katholiken die Teilnahme daran untersagt. Ich glaub, man muß mal grundsätzlich festhalten, daß die katholische Kirche ganz selbstverständlich berechtigt ist festzulegen, was Inhalt dessen ist, was man katholisch nennt. Es ist eine rein innere Angelegenheit! Wer soll es denn sonst festlegen? Emmalein und Daddeldu? Oder die Uno? Kein Mensch ist gezwungen, katholisch zu sein. Wer dem partout nicht folgen mag, der tritt eben aus, wenn es ihm ernst damit ist, mehr kann man dazu nicht sagen. Ich glaube, an dem Punkt sitzt auch du leider selbst einem gedankenlosen Vorurteil auf. Ähnliches gilt übrigens für die anderen Regelungen der katholischen Kirche für Katholiken (z.B. Verhütung): für Nicht-Katholiken im Grunde genommen ein Null-Thema, da sie ja nicht davon betroffen sind. Man kann schlicht sagen: es geht sie überhaupt nichts an. Oder geht es zum Beispiel Nichtjuden etwas an, daß orthodoxe jüdische Ehefrauen eine Perücke tragen?
Ich versuche jetzt eine summarische Darlegung, was mir zu der Hauptfrage aus meiner Sicht wichtig erscheint. Zunächst etwas ganz Banales: Ethik sagt nicht, wie der Mensch ist (oder war), sondern wie er sein soll. Kant's Kategorischer Imperativ zum Beispiel ist keine Beschreibung des Menschen, sondern ein Appell an ihn, der so nicht ist, aber so sein könnte und sollte (und es bekanntlich immer noch nicht ist)...
Historischer Ausgangspunkt und Basis all unseres ethischen Bemühens sind die zehn Gebote des Mose, die in der Bibel stehen. Es ist bis heute einsehbar (augustinische Zählung), daß der Mensch nicht morden (5), nicht stehlen (7), nicht lügen (8) und nicht zerstörerisch in die Liebe zweier Menschen eindringen soll (ehebrechen, 6.Gebot), daß er nicht Neid und Habsucht in seinem Herzen hegen und seinem Nächsten nicht das Seine streitig machen soll ("du sollst nicht begehren..." / 9. und 10. Gebot), daß er dankbar sein soll seinen Eltern gegenüber, die ihn einst zeugten und gebahren, ihn liebevoll großzogen, ihn nährten, behüteten und ihn alles lehrten, als er noch ein Kind war, dankbar auch seiner Heimat, seinem Herkommen und der Kultur, in die er hineingeboren wurde (4.Gebot). Warum ist das alles unmittelbar einsichtig? Weil jeder leidet, der ermordet, bestohlen, belogen wird, dessen Intimität und Vertrautheit zu seinem Liebespartner von einem Dritten zerstört wird, der von Neid und Habsucht anderer verfolgt wird oder gar rechtlos vegetieren muß, der von seinen Kindern im Alter vergessen, alleingelassen, kalt und grausam behandelt wird bzw. der seine Heimat, seine Geschichte, seine Identität verliert (z.B. durch Exil, Vertreibung, ethnische Säuberung etc.). Gegen diese 7 Gebote für das menschliche Zusammenleben kann keiner vernünftige Einwände erheben, denke ich, egal wann und egal wo er lebt. Es sei denn, er ist verrückt oder ein Ungeheuer.
Die ersten 3 Gebote beziehen sich exklusiv auf das Verhältnis des Menschen zu Gott. Für wen Gott eine nichtexistente Größe ist, für den sind sie natürlich nicht einsichtig. Für einen gottgläubigen Menschen hingegen sind sie die wichtigsten und die Basis für die übrigen sieben (und außerdem die schönsten
):
1. Du sollst geistig vollkommen frei sein von allen Götzen und Dämonen, von geistiger Sklaverei, von Eitelkeit und Gefallsucht, von Besitz und Habsucht, von Süchten und Obsessionen, von Ideologien, Fremdbestimmung, Depressionen und Ängsten etc., sondern nur deinem Schöpfer allein ganz frei gegenüber stehen. Du sollst ein freier und glücklicher Mensch sein!
2. Du sollst das Vertrauensverhältnis zu Gott, deinem Schöpfer, der dich aus Staub nach seinem Bild gemacht hat, nicht mutwillig mißbrauchen und seine Freundschaft nicht hinterhältig ausnutzen, denn auch Gott ist schwach und verwundbar in seiner Liebe - so wie eben jede Liebe wehrlos und verletzbar ist.
3. Du sollst dir, mit den anderen Menschen, einen Tag in der Woche nur für Gott Zeit nehmen. Du sollst dann Abstand von allem hektischen Getriebe deines gewöhnlichen Alltags gewinnen, damit du mit Gott redest, ihr euer Liebesverhältnis miteinander feiert und du Frieden in ihm findest.
Die 10 Gebote sind nicht "die christliche Ethik", wie Andreas deutlich genug erklärt hat, sondern gewissermaßen nur die elementare Mindestausstattung für Juden und Christen (welch Letztere ja mal als Juden angefangen haben) - sowie (Nr. 4-10) für alle anderen Menschen auch. Man findet diese Grundelemente nämlich im Prinzip in allen Hochreligionen und es ist meiner Ansicht nach in keiner Weise begründbar, daß sie in irgendeiner Gesellschaft oder Epoche falsch oder überflüssig sein könnten. Es ist allerdings sehr wohl wahr, daß sie in manchen Zeiten wenig oder gar nicht beachtet wurden. Das waren immer Zeiten der Finsternis gewesen. Es sieht so aus, daß wieder eine besonders düstere davon bevorsteht. Die Mehrheit will es offenbar so und läßt es sich nicht mehr ausreden. Wenn es dabei bleibt, wird es wohl dazu kommen...
In der Geschichte aller Religionen haben natürlich dauernd Weiterentwicklungen und Entfaltungen - auf Grundlage ihrer jeweiligen Geschichte - stattgefunden. Neue Umstände, neue Erfahrungen, historische Ereignisse, Erfindungen, Entdeckungen, Umbrüche usw. haben jeweils entsprechende Anpassungen notwendig gemacht; das braucht Zeit und bleibt manchmal hinter einer besonders rasanten Entwicklung eine ganze Weile lang zurück. Geistliche Erfahrungen und die Entwicklung der Menschheit, des Denkens, der Philosophie haben aber immer zu Vertiefungen, Entfaltungen (und Krisen), Blütezeiten (und Niedergängen) geführt - der religiöse Bestand jedoch blieb stets erhalten. Er blieb essentiell und wurde nie durch etwas anderes "ersetzt". So entstand im Laufe der Zeit z.B. der Talmud in der rabbinischen Tradition der Juden, oder die lebendige Überlieferung der Kirche, die beides ungeheuer große Reichtümer sind. Die dummen Ignoranten, die das heute so läppisch und leichthin mit Füßen treten, müssen sich wenigstens sagen lassen, daß auch Schäbigkeit "im Auge des Betrachters" liegt... und mit der Schande ihrer Unwissenheit selber fertig werden.
Berühmt für das Christentum - und auch bei vielen Außenstehenden wenigstens dem Naman nach bekannt - ist Jesu "Bergpredigt". Ich bring mal die ersten 8 Sätze nach Matthäus (5,1 ff):
Selig, die arm sind, aber Gott kennen, denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich.
Ist das sinnvoll - oder reiner Quatsch? Könnte das etwa gar Grundlage einer "allgemeingültige Ethik" sein? Oder doch nur eine "Spezial-Ethik" für Christen, noch dazu eine lächerliche und weltfremde? Zur Gegenprobe drehe ich die Sätze einfach mal um:
Selig, die reich und berühmt sind, denn sie leben im Überfluß und werden beneidet.
Selig, die stets gut drauf sind, denn sie sind auf keinen angewiesen, der sie tröstet.
Selig, die Gewalt anwenden, denn sie werden viele Länder unterwerfen.
Selig die Ungerechten, denn sie werden satter werden als die andern.
Selig die Unbarmherzigen, denn sie sind nicht auf das Erbarmen anderer angewiesen.
Selig, die ein trübes Herz haben, denn sie werden "interessante Zeiten" schauen.
Selig, die Unfrieden stiften, denn sie werden Söhne der Hölle genannt werden.
Selig, die um ihrer Ungerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihnen gehört der Knast und sie enden am Galgen.
Erkennbar ist dies die Beschreibung einer Welt, in der, klaren Verstandes, wohl kaum ein Mensch leben möchte. Andererseits ist die reale Welt aber eben oft so. Ist das deswegen ein "Ideal"? Wirklich? Es gibt auch hier in den Foren einige, die gelegentlich so daherreden. Wohl durchdacht? Ist das eigentlich auch dann erstrebenswert, wenn man selber nicht zur kleinen Minderheit der "Sieger", sondern zur großen Mehrheit der "Verlierer" gehört? Welche Bedeutung hat es dabei, daß am Ende seines Lebens jeder von diesen "Siegern" notwendig zu den totalen Verlierern gehört? Ich habe als Arzt viele, viele Menschen sterben sehen - da gibt es gewaltige "Qualitätsunterschiede", möcht ich mal sagen, außerdem erweist sich für manche wirklich erst hier, was ihre "festen Überzeugungen" eigentlich tatsächlich taugen. Wäre der Tod bei uns nicht so lückenlos in die sterile Anonymität "entsorgt", sondern würde er konkret erfahren und erlebt, dann würde weniger oft so sagenhaft dumm dahergeplappert.
Lesen sich in der obigen Gegenüberstellung die "absurden" Sätze des Originals jetzt vielleicht doch etwas anders?
Es ist Folge eben dieser Bergpredigt (bzw. allgemeiner der christlichen Kulturentwicklung), daß es bei den meisten Menschen, seien sie auch noch so atheistisch, heute doch mehr oder weniger Konsens ist, daß eine solche Welt (Nr.2) im Grunde nicht erstrebenswert sein kann. In der politischen Debatte tauchen diese "Leitbilder" jedoch immer wieder auf, gerade in letzter Zeit wieder vermehrt. Auf welcher Basis will man eigentlich sonst dagegen argumentieren?
Noch eine Frage: wie kann einer gegen Unrecht, das er durch andere erfährt, eintreten, wenn er selbst das Begehen von Unrecht bejaht, sofern er die Gelegenheit dazu hat? Man darf so jemanden mit gutem Recht ein dreckiges Schwein nennen. Es erweist sich also, daß Nr.2 schon aus rein logischen Gründen keine Basis für irgendeine "Ethik", welcher Art auch immer, sein kann. Es ist eben unethisch. Punkt. Die Bergpredigt ist vielleicht doch nicht die "Sonderethik für Christen", die sie, wie "gemeint" wurde, angeblich sei.
So könnte man jetzt das ganze Neue Testament durchdeklinieren (und auch das "Alte" oder den Talmud) und stieße hinter manchen zeitbedingten Verhüllungen (die unseren Großeltern aber noch geläufig waren, die nur wir mehrheitlich nicht mehr verstehen) auf einen Schatz nach dem anderen. Viele, viele Jahrhunderte lang haben Menschen genau dieses mit Geduld und Hingabe getan. Wir Heutigen zehren (noch) davon und ernten die Früchte all dieser Mühen. Aber sorgen wir noch dafür, daß sie auch nachwachsen? Sind wir als Gesellschaft dazu überhaupt noch in der Lage? Die Genderdebatten, die wir hier führen, sind für mich, in Inhalt und Niveau, ein Beweis unter vielen anderen, daß wir das nicht mehr können, sondern im Grunde total degeneriert und entwurzelt sind und an zahllosen, völlig obskuren Ideologien des Egoismus hängenbleiben. Vielen fällt als Antwort doch auch nur ihr eigener Egoismus ein: eine Lösung, wirklich? Oder einfach nur Barbarei? "Feminismus" ist schließlich nur eine Spielart unter zahllosen anderen Egoismen, wenn auch die zur Zeit vorherrschende; aber das ändert sich schneller, als man denkt...
Nochmals die Frage von oben: wie kann einer gegen Unrecht, das er durch andere erfährt, eintreten, wenn er selbst das Begehen von Unrecht bejaht, sobald er nur die Gelegenheit dazu hat?
Wie verträgt sich das z.B. mit dem Krieg? Nehmen wir also als Beispiel die Feindesliebe, die angeblich "in der Praxis undurchführbar" sei. Da wurde nicht zuende gedacht. "Undurchführbar" ist es zwar gelegentlich, keine Feinde zu haben. Man hat sie eben, wenn man sie hat, und nirgends wird verlangt, auf einfältige Art "lieb zu sein" gegen diese Feinde. Das wäre verrückt. Im Gegenteil, klare Worte - und auch Handlungen - können dann notwendig werden. Konfrontieren wir also die Feindesliebe mit der Tatsache des Krieges - eine extreme Spannung, gewiß.
Selbst wenn Krieg unvermeidlich sein sollte (das kann es geben, hat es immer wieder gegeben; zum Beispiel war der Krieg gegen Hitler unvermeidlich / Thema "gerechter Krieg", ja, sowas gibt es tatsächlich...): welches Ziel verfolgt man dabei? Vernichtungskrieg? Oder (zum Beispiel) Entwaffnung? Das ist ein großer Unterschied. Muß man sich nicht die Frage stellen, welcher Weg Aussicht hat, irgendwann zum Frieden zu führen? Oder will man so lange "totalen" Krieg führen, bis man selber tot ist (wie Hitler es tat, als perfekter Antityp)?
In der Bergpredigt heißt es dazu (am Ende): "Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Sünder?
Feindesliebe ist nicht schwächlich. Es ist im Gegenteil eine unüberwindliche Offensiv-Strategie. Und so ist das auch gemeint. Es bedeutet ganz schlicht, im Feind nicht den zu sehen, der er nach eigenem Willen ist, sondern den, der er sein könnte. Ein Freund und Bruder. Gerade in den fürchterlichen Erfahrungen des vergangenen Jahrhunderts ist dies als unabweisbare Notwendigkeit klar geworden. Es hat sich als ethische Forderung ersten Ranges erwiesen, weil sonst die Selbstvernidchtung des Menschen unausweichlich wäre. Früher war es ganz normal, daß man einen besiegten Feind möglichst grausam und langwierig quälte. Das das heute anders gesehen wird, liegt am Gebot der Feindesliebe.
Allgemein kann man sagen, daß es nicht dem Ideal vorzuwerfen ist, wenn es sich nur mühsam durchsetzt. Vielmehr ist zu loben, wer daran festhält, auch in Zeiten, in denen es verloren scheint. In meinen Augen ist genau das der Weg und die Aufgabe des Christentum.
Das bisher gesagte sollte auch für Atheisten im Prinzip einsehbar sein. Das spezifisch Christliche ist jedoch der Glaube, daß in der konkreten, historischen Person Jesu Christi Gott selbst zu uns Menschen gekommen ist, daß er einer wie wir wurde, unter uns lebte, alles Menschliche ohne "Sonderbevorzugung" erlebte und mit einer unerhörten, alles Denkbare und Undenkbare radikal übergreifenden Tat (seine Hingabe in den Tod und seine Auferstehung) einen Weg gezeigt und geöffnet hat, auf dem ihm Menschen folgen können, um dem Tod, dem verzweifelten Verlöschen im Nichts, zu entrinnen in eine zeitfreie Ewigkeit seliger Gottesnähe (deshalb ist die berühmte Frage nach dem "Leben nach dem Tod" im Grund falsch gestellt - oder sagen wir besser: nicht ganz richtig gestellt). Natürlich ist das alles keine allgemeine Empirie, es läßt sich nicht objektivieren oder extrasubjektiv verifizieren, sondern es ist gewissermaßen reine Vertrauenssache, beruht aber auf sehr realen intrasubjektiven Erfahrungen, die Glaubende v.a. in der Feier der Heiligen Eucharistie mit letzter Evidenz machen. Wer das nicht kennt, kann im Grunde nichts Sinnvolles darüber sagen (z.B. kann er nicht sagen, daß das Quatsch sei) - sowenig wie es sich umgekehrt allgemeinverständlich vermitteln läßt. Ich könnte nur (mit Christus) sagen: "Komm und sieh!" - die Gegenseite kann nur sagen: "Ich komme nicht und sehe nichts!", bzw. umgekehrt: "Ich sehe nichts und komme nicht!". Deshalb endet natürlich jede sinnvolle Diskussion darüber an diesem Punkt. Das ist für mich überhaupt kein Problem.
Das Christentum ist seinem innersten Wesen nach nicht vor allem eine Theorie, eine Lehre, eine Philosophie... sondern eine ganz unmittelbare Erfahrung. Erfahrungen kann man bekanntlich lediglich mitteilen, nicht hingegen "übertragen", das ist unmöglich. Es gibt aber "daneben" bzw. darauf gründend eine 2000 Jahre lange Tradition der Theologie mit all ihren Einzeldisziplinen, ihren historisch geprägten Entwicklungen in der Zeit, spekulative Philosophien über Transzendenz und Dieseits, politische, soziale, kulturelle, künstlerische, pädagogische, juristische, ethische, weltanschauliche, wissenschaftliche usw. usf. Systeme, ein komplexes kulturelles Kontinuum eben, es gibt eine Tradition der Wüsteneremiten, der Klöster, der Einsiedler, der Mönchs- und Bettelorden, es gibt Brauchtum, Frömmigkeit, Volksglaube, Aberglaube, Unsinn... alles Mögliche. Das ist ein gigantisches Universum, das den Reichtum unserer kulturellen und historischen abendländischen Traditionen ausmacht(e).
Alle Diskussionen mit Nicht-Christen über "das Christentum" bewegen sich notwendigerweise im geistigen Raum dieses (äußeren) Universums der historischen Formen (wenn sie sich nicht im Absurdistan der allgegenwärtig gewordenen Verblödung und Ignoranz verlieren, wie es immer mehr die Regel wird). Eine davon, und zwar die zentrale Form, ist "die Kirche" (daß es deren neben der römisch-katholischen einige weitere gibt, koptische, chaldäische, orthodoxe, protestantische, zahlreiche freikirchliche Gemeinschaften usw. lasse ich jetzt mal bewußt außer Betracht: nach Auffassung aller Christen gibt es - oder sollte es - nur EINE Kirche geben => naja, "der Mensch" halt...
) Ich rede hier stets von meiner eigenen, der römsich-katholischen Kirche, der größten und - neben der Orthodoxie - ältesten. Daß die Kirche angreifbar ist wie alles Historische, ist völlig klar. Neben einem Haufen hanebüchhenen Unsinns, der über die Kirchengeschichte in Umlauf ist, bleibt dennoch gewiß mehr als genug übrig, wo einem wirklich nur die Haare zu Berge stehen können. Nein, ihre Irrtümer, Fehler, Verbrechen... machen die Kirche keineswegs heilig - da ist sie so fragwürdig wie irgendeine beliebige andere Form, die Menschen geschaffen haben und gestalten (und so fragwürdig wie jeder ihrer Kritiker, das "vergessen" die oft). Macht korrumpiert - und viel Macht korrumpiert viel... das ist sehr wahr. Die historische Erfahrung lehrt, daß Kardinals- oder Papst-Kleidung sogar besonders dazu verleitet haben. Von daher ist es unbedingt richtig und heute von allen Katholiken zu teilende Auffassung, daß die Kirche keine weltliche (z.B. Regierungs-) Macht ausüben soll. Die Kirche hat die Trennung von Kirche und Staat, die im Christentum eigentlich von BEginn an wesentlich ist, dogmatisiert. Allerdings sagen wir freimütig, was zu sagen ist: das ist nämlich unser Bürgerrecht! Wo das in Frage gestellt wird, etwa durch die Behauptung, daß Religion "Privatsache" sei und deshalb nichts in der öffentlcihe Diskussion zu suchen habe, da wird nicht etwa die Freiheit verteidigt, sondern da redet einer der "Demagogen-Verfolgung" metternich'schen Stils das Wort: politische Ansichten waren damals auch Privatsache, öffentliches Räsonieren darüber wurde verfolgt. Manche hätten das gerne so. Manche davon heißen glaub ich Ekki.
Die Kirche hat aber, unserem Glauben nach, neben dieser weltlichen noch eine andere, ungleich viel wichtigere, transzendente Seite. Sie ist das "Gefäß", das auf Christus zurückgeht, in dem der Glaube historische Beständigkeit behalten hat, in dem er gereift ist, sich entfaltet hat, bewahrt und weitergegeben wurde. Diese Kirche ist nach unserer Auffassung "heilig" in dem Sinne, daß es das Heil nicht gäbe, wenn es dieses Gefäß nicht gäbe. Irgendjemand hat mal gesagt: "Die Kirche ist wie eine Hure: sie hat viel gesündigt, aber auch viel geliebt". Für mich trifft diese Pointierung in gewisser Weise ganz gut... Es bleibt immerhin eine Singularität, das diese "Form" Bestand hatte über 2000 Jahre hinweg, in allen sagenhaften Turbulenzen und Umbrüchen, daß sie es immer wieder geschafft hat, Fühlung zu ihrem Ursprung und ihrer heilenden Lebendigkeit zu halten. Und daß sie das auch heute ungebrochen tut. Sie ist deshalb unkaputtbar 
Ich wundere mich immer, wenn Leute, die selber absolut nichts mit der Kirche zu tun haben, sich als völlig hysterische Kirchenfeinde aufführen. Wenn heute viele Leute bei uns aus der Kirche austreten, dann hat das, auf's ganze gesehen, längst nicht die Relevanz für die Kirche, wie die Leute, die austreten, oft annehmen (nur für sie selbst hat es allerdings eine Relevanz). Es gibt über eine Milliarde Katholiken auf der Welt. Es gab Zeiten, in denen die Kirche unvergleichlich viel gefährdeter und elender dastand als heute. Heute sehe ich eher eine heilvolle Schrumpfung auf das Wesentliche, Echte, Wahre. Das begrüße ich ausdrücklich. Und zu meinen, die Kirche gäbe es "wegen der Kirchensteuer"? Es gibt nichts, was nicht von irgendwem "gemeint" wird. Ich ätte auch nichts gegen eine Kirche ohne Kirchensteuer einzuwenden, da wäre noch mehr Ballast weg. Nur die Gesellschaft allerdings würde etwas verlieren, was sie dann irgendwie selbst organisieren müßte. Also, liebe Karteileichen: tretet massenhaft aus (bzw. gar nicht erst ein), wenn ihr damit nichts anfangen könnt! Es ist wirklich das Beste, was uns geschehen kann.
Zuletzt ein "Mea culpa": Schon wieder! Mein impulsives Temperament und mein unchristlicher Zornesmut werden mir wohl weiter massenhafte und elende Scherereien bereiten, solange ich lebe. Allerdings ist es gelegentlich auch ein Vorteil, so drauf zu sein - oft aber auch nicht, das weiß ich wohl. Also, erstens, ich nehm's zurück: tretet doch lieber nicht aus...
Zweitens bitte ich mal prophylaktisch alle ganz summarisch um Vergebung, die ich in letzter Zeit beleidigt habe.
Außer diejenigen natürlich, die es sich redlich verdient haben *grmpf*
)
Man bleibt ja Mensch.
Sagt der
Nick
Re: Lauterkeit?
Peter, Wednesday, 05.05.2004, 18:39 (vor 7944 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Lauterkeit? von Nick am 05. Mai 2004 13:46:10:
Hallo Nick,
ich danke dir fuer deine ausfuehrliche Apologetik. Als Mit-Katholik fand ich viele deiner Formulierungen gut gelungen. Vielleicht schreibst du sie ja mal in ein anderes Forum, wo die Diskussion darueber Forenthemea ist. Ich hoffe, dass das Forum hier nun wieder zu unserem gemeinsamen Anliegen zurueckehrt, die Diskriminierung von Männern in Deutschland zu beseitigen.
Gruß,
Peter
Re: Lauterkeit?
Nick, Wednesday, 05.05.2004, 18:57 (vor 7944 Tagen) @ Peter
Als Antwort auf: Re: Lauterkeit? von Peter am 05. Mai 2004 15:39:13:
Hallo Peter,
Ich hoffe, dass das Forum hier nun wieder zu unserem gemeinsamen Anliegen zurueckehrt, die Diskriminierung von Männern in Deutschland zu beseitigen.
Naja, ich denke, daß wir gerade darin nur Erfolg haben werden, wenn auch über solche Fragen eine gewisse Klarheit besteht.
Die "Ethik-Debatte" stört in dem Sinne eigentlich nicht, wie ich meine, sondern sie ist vielmehr unverzichtbar.
Ich sehe zudem nicht, daß dadurch jemand von irgendwas abgehalten wird, oder?
Gruß an dich
vom Nick
Re: Lauterkeit?
Garfield, Wednesday, 05.05.2004, 19:39 (vor 7944 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Lauterkeit? von Nick am 05. Mai 2004 13:46:10:
Hallo Nick!
Im Großen und Ganzen sehen wir die Dinge durchaus ähnlich. Wie schon geschrieben, ist mir schon klar, daß die Grundgedanken der urchristlichen Bewegung positiv waren und daß die echten Christen es geschafft haben, diese positiven Ideale bis heute zu bewahren, obwohl sie von manchen Kirchenfürsten zuweilen mit Füßen getreten wurden.
Trotzdem sehe ich bei solchermaßen religiös verbrämten positiven Idealen eine Gefahr:
Viele Religionen gehen davon aus, daß es ein Leben nach dem Tod gibt. Das legt den Glauben daran nahe, daß nach dem Tod die Guten ins Himmelreich eingehen, während die Bösen in die Hölle fahren.
Und genau das hat es den Mächtigen in früheren Zeiten sehr einfach gemacht, Profit aus den übrigen Menschen herauszupressen. Man sagte ihnen, daß die Armen selig wären und ins Himmelreich kommen würden, während diejenigen, die auf Kosten anderer Reichtum anhäuften, in der Hölle landen würden. Getreu dem Motto "wen Gott liebt, den läßt er leiden", ertrugen viele Menschen ihr mühseliges Leben, in der Hoffnung, dafür nach ihrem Tod zu Gott in den Himmel zu kommen, während diejenigen, die sie unterdrückten und ausbeuteten, doch sicher nach dem Tod dafür bestraft werden würden...
Ich ziehe es aber vor, schon hier auf Erden diese positiven Ideale verwirklicht zu sehen und nicht erst auf irgendein imaginäres Himmelreich oder gar ein jüngstes Gericht zu warten.
So könnten wir ja nun auch geduldig den Einfluß des Radikalfeminismus auf unsere Gesellschaft hinnehmen und den Radikalfeministinnen freundlich lächelnd immer wieder auch noch die zweite Backe hinhalten, wenn sie uns auf die erste schlagen. Und wenn dann eines Tages die von Valerie Solanas in ihren Gewalt-Fantasien herbeigewünschten Gaskammern für Männer tatsächlich existieren, könnten wir auch alle fröhlich singend dort hinein wandern, denn auch Jesus hat sich für die Sünden der Menschen ans Kreuz schlagen lassen...
Du hast geschrieben, daß der Krieg gegen Hitler vermeidbar gewesen wäre. Das sehe ich anders. Alle die Leute, die an das Gute in ihm geglaubt haben, haben mit dazu beigetragen, daß sein Wahnsinn immer mehr die Oberhand gewann. Weil er sich durch die Nachgiebigkeit seiner Gegenspieler nur noch mehr in seinem Sendungswahn bestätigt fühlte. Nachdem sein Putschversuch 1923 gescheitert war, hat er sich schon ein wenig zum Positiven geändert, denn zumindest hat er dabei gelernt, daß die Erfahrungen der italienischen Faschisten nicht so ohne weiteres auf Deutschland übertragbar waren und daß es für ihn günstiger ist, seine Ziele auf legalem Wege zu erreichen. Aber danach gingen für lange Zeit alle seine innen- und außenpolitischen Abenteuer gut aus, und so glaubte er schließlich tatsächlich, daß er eine Art Messias wäre, den die Vorsehung dazu bestimmt hat, die "arische Rasse" zur Weltherrschaft zu führen. Millionen Anhänger (darunter übrigens viele Frauen) bestärkten ihn in diesem Wahn noch.
Wenn er - z.B. bei der militärischen Besetzung des Rheinlands - einen Reinfall erlebt hätte, dann hätte ihn das vielleicht dazu gebracht, sich zu bescheiden, und vielleicht hätte er dann letztendlich sogar noch Gutes bewirkt.
Es stimmt also nicht, daß man irgendwelche Konflikte immer am besten mit Sanftmut lösen könne. Wenn die Klügeren immer nachgeben, gewinnen zwangsläufig die Dümmeren die Oberhand. Genau das ist eines unserer derzeitigen Probleme. Momentan läuft vieles nach dem Motto "alle Macht der Dummheit" ab.
Alle Strömungen der Gutmenschen-Bewegung beruhen ja auch auf positiven Idealen und Zielen. Frieden, Umweltschutz oder Gleichberechtigung der Geschlechter sind positive Ziele. Aber viele der Organisationen, die sich ursprünglich dafür einsetzten, wurden von selbstgerechten und oft wirklich unintelligenten Gutmenschen unterwandert, was dann oft dazu führte, daß ihre ursprünglichen Ziele komplett ausgehöhlt wurden. Die Grünen sind dafür ein Paradebeispiel.
Ein Patentrezept gibt es selten, und Nächstenliebe um jeden Preis ist für dieses Problem definitiv keines.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Garfield, hast du gelesen, was ich schrieb?
Nick, Thursday, 06.05.2004, 02:47 (vor 7944 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Lauterkeit? von Garfield am 05. Mai 2004 16:39:07:
Lieber Garfield,
jetzt bin ich etwas ratlos, weil ich an vielen Punkten nicht so ganz verstehe, warum du mir eigentlich widersprichst. Es scheint mir, daß du nicht gelesen hast, was ich schrieb, sondern von deinen Vorstellungsbildern davon, was ich geschrieben haben könnte, berichtest. Ergo: alle deine Ausführungen zu Hitler, Krieg, Sanftmut, Gutmenschen etc. decken sich eins zu eins mit meinen Auffassungen, aber du scheinst das nicht zu bemerken. *barthaarekräusel*
Du sagst mir: "Du (Nick) hast geschrieben, daß der Krieg gegen Hitler vermeidbar gewesen wäre."
Aber: das genaue Gegenteil ist zutreffend! Ich schrieb (wörtliches Zitat): "Selbst wenn Krieg unvermeidlich sein sollte (das kann es geben, hat es immer wieder gegeben; zum Beispiel war der Krieg gegen Hitler unvermeidlich (sic!) / Thema "gerechter Krieg", ja, sowas gibt es tatsächlich...): welches Ziel verfolgt man dabei?"
Host mi?
Ich hätte da eher mit einem allgemeinen Aufschrei der Empörung (allerdings nicht von dir) gerechnet, da ich mich ja ganz eindeutig für Krieg (unter ganz bestimmten Umständen) ausspreche...
In der Tat: je früher und je härter England und Frankreich einen unerbittlichen Krieg gegen Nazideutschland begonnen hätten, desto besser wäre es gewesen. Ich weiß, daß das realpolitisch illusorisch und nicht möglich war, aber es geht ja hier (fiktiv) um's grundsätzliche. Die Besetzung des Rheinlandes wäre so eine gute Gelegenheit für einen Kriegsbeginn gewesen. Die Sudetenkrise war die letzte Chance, die Initiative zu behalten und Deutschland mit relativ geringen Verlusten niederzukämpfen, die Naziführung abzusetzen und als Verbrecherbande abzuurteilen, nach einer gewissen Besatzungszeit eine nichtfaschistische Regierung zu installieren (zumal die Wehrmachtsführung bereitstand, Hitler abzusetzen, sobald die Westmächte mit Krieg gedroht hätten, wie wir heute wissen). Da all das nicht rechtzeitig geschehen war, war letztlich sogar der unendlich grausame 2. Weltkrieg unvermeidbar, da die Alternative (ein Nazireich vom Atlantik zum Ural "und darüber hinaus") völlig inakzeptabel gewesen wäre.
Also vergiß das mit meiner "Sanftmut" mal ganz schnell! Ich habe versucht darzulegen, daß Feindesliebe eben genau NICHS mit kritikloser Sanftmut zu tun hat, daß es aber sehr wohl darum geht, welches ZIEL ein evtl. zu führender Krieg hat: Auslöschen und Zerschlagen Deutschlands als europäische Macht versus Befreien des Landes von einer ungeheuerlich verbrecherischen Regierung.
Daß Letzteres in der öffentlichen Debatte inzwischen die einzig akzeptierte Option für einen Krieg ist, bezeichnete ich als Ausdruck des Erfolgs des Prinzips Feindesliebe - unbeschadet, daß die Realpolitik versucht, hinter dieser Phrase versteckt, weiter Machtpolitik zu betreiben (s. USA im Iraq) - aber die Normen haben sich radikal verändert. Es ging mir darum, darauf hinzuweisen!
Also geh ich halt noch auf die berühmte Backe ein, die die blöden Christen angeblich jedem dahergelaufenen Depp hinhalten. Warum wissen heutzutage eigentlich alle überhaupt nichts mehr? Das ist geradezu zum Verzweifeln! Was ist die Bedeutung dieses Satzes: "Wenn dir jemand auf die rechte(!) Wange schlägt, dann halte ihm auch noch die linke hin". Tja, und warum also das Ganze? Die Menschen der Antike verstanden das unmittelbar: Sklaven schlug man mit dem Handrücken der rechten Hand auf deren rechte Wange, Freie dagegen gaben einander (wenn's denn sein mußte) wie zu allen Zeiten eine gewöhnliche Backpfeife - mit der rechten Handfläche auf die linke Wange. Bedeutung des Gleichnisses mithin: "Wenn dich jemand quasi als sein Sklave behandeln will, um dich zu erniedrigen (bildlich gemeint! da muß nicht die "Hand" real in Betrieb sein!), dann zwinge ihn durch Verdopplung seiner Anmaßung, dich als Ebenbürtigen zu akzeptieren und sich selbst damit ins Unrecht zu setzen."
Ob's was hilft, daß ich das hier schreibe? Deine Ausführungen über Radfems, bei denen ich angeblich dafür plädiere, ihnen dämlich die Wange hinzuhalten, ist nicht nur theoretisch völliger Blödsinn, es ist auch das absolute Gegenteil dessen, was ich hier im Forum ununterbrochen dazu geschrieben habe, das Gegenteil, was ich ihn meinen Aktionen und Äußerungen praktisch tue - mit einem Wort: du gibst leider lediglich deine Vorurteile wieder, wie sich deiner Meinung nach "ein Christ" verhalten "müßte" *haarerauf*
Ähnliches Mißverstehen (Nichtlesen?) hinsichtlich "Leben nach dem Tod"! Ich schrieb, es gehe darum, "dem Tod, dem verzweifelten Verlöschen im Nichts, zu entrinnen in eine zeitfreie(!) Ewigkeit seliger Gottesnähe (deshalb ist die berühmte Frage nach dem "Leben nach dem Tod" im Grund falsch gestellt(!) - oder sagen wir besser: nicht ganz richtig gestellt).
Und du liest, daß ich auf ein "Jenseits nach dem Tod" vertröste. Warum schreib ich das dann eigentlich? Es ist doch Hochdeutsch. Man kann es doch ganz gut verstehen, ohne Wörterbuch...
*kopfschüttel*
Damit steht und fällt übrigens deine ganze materialistische Religionskritik. Im Übrigen mag Feuerbach vor 170 Jahren Ausgebeutete vor Augen gehabt haben, die man tatsächlich mit der Vertröstung auf ein imaginäres Jenseits besser auszupressen hoffte - was auch damals, wenn überhaupt, eine Abirrung, nicht aber die Regel, und schon garnicht das "Wesen" der Religion war! - so ist das in heutiger Zeit einfach nur albern! Meinst du tatsächlich, daß sowas heute irgendwo in Europa noch die geringste Rolle spielt? Eben!
Also: was soll das dann?
*grmpf*
Nick
Re: Garfield, hast du gelesen, was ich schrieb?
Garfield, Thursday, 06.05.2004, 14:12 (vor 7944 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Garfield, hast du gelesen, was ich schrieb? von Nick am 05. Mai 2004 23:47:27:
Hallo Nick!
Du hast mich falsch verstanden, was allerdings wohl vor allem darauf zurück zu führen ist, daß ich mich mißverständlich ausgedrückt habe. Ich stimme deiner vorherigen und auch deiner letzten Antwort an mich durchaus zu. Es ging mir nur ganz allgemein darum, zu erklären, was mich an Religionen allgemein stört.
Es ist mir schon klar, daß der Glauben an das Himmelreich die Massen nicht immer ruhig gehalten hat. Wenn es so gewesen wäre, dann hätte es beispielsweise die Bauernkriege nie gegeben. Die Gefahr, daß sich Menschen mit der Hoffnung auf ein besseres Leben nach dem Tod begnügen, besteht jedoch grundsätzlich bei allen Religionen, die davon ausgehen, daß es solch ein Leben nach dem Tod gibt. Und so hat es auch immer Menschen gegeben, die darauf verwiesen, daß man die gottgewollte Ordnung nicht zerstören dürfe und daß diejenigen, die ihre Machtstellung zum Schaden anderer mißbrauchen, dafür nach ihrem Tod schon bestraft werden würden.
Was du über die linke und die rechte Backe und die Entstehung dieses Spruchs geschrieben hast, ist ja auch richtig. Nur bin ich mir sicher, daß viele Menschen das heute gar nicht mehr wissen. Und die verstehen das dann ganz anders. Nämlich so, daß man in jedem Fall sanftmütig sein und sich alles gefallen lassen soll. Der liebe Herrgott wird's schon richten...
Bei der Sache mit Hitler ist mir ein Tippfehler unterlaufen. Ich habe schon verstanden, daß du meintest, daß der Krieg gegen Hitler unvermeidlich war. Irgendwie hab ich dann aber versehentlich "vermeidbar" statt "unvermeidlich" geschrieben. Das kommt dabei heraus, wenn man unter Zeitdruck schreiben muß...
Im übrigen hätten Engländer und Franzosen Hitler vielleicht auch ohne einen echten Krieg im Zaum halten können. Als deutsche Truppen das Rheinland besetzten, hatten sie Befehl, sich im Falle eines Einmarsches der französischen Armee kämpfend zurück zu ziehen. Hitler selbst war sich auch keineswegs sicher, ob die Franzosen nicht doch militärisch intervenieren würden, und ihm war sehr bewußt, daß die deutsche Armee zu diesem Zeitpunkt auf einen Krieg mit Frankreich überhaupt nicht vorbereitet war. Wenn die Franzosen das Rheinland militärisch besetzt hätten, dann hätte Hitler klein bei gegeben und alle französischen Forderungen erfüllt. Noch gravierender wären die innenpolitischen Folgen gewesen. Dann hätten viele Deutsche in Hitler nämlich nicht mehr den genialen Führer gesehen, sondern den Abenteurer, der er nun einmal war.
Problematisch war aber, daß der ganze Versailler Vertrag ja schon ungerecht war. So hatten auch im Ausland viele Menschen Verständnis für diese und andere Aktionen Hitlers. Ein britischer Politiker sagte dazu, daß die Deutschen doch nichts weiter tun würden, als ihren Vorgarten zu besetzen. Und so war es ja eigentlich auch. Daß Hitler durch diesen Erfolg zum einen in seinem Sendungswahn bestärkt wurde und zum anderen noch mehr Bewunderung und Zustimmung in Deutschland und teilweise auch im Ausland fand, hat man nicht bedacht.
Man hätte die Machtübernahme der Nationalsozialisten und den Zweiten Weltkrieg ja auch schon 1918 durch einen fairen Frieden mit Deutschland verhindern können. So wie Bismarck es nach dem preußisch-österreichischen Krieg durchgesetzt hat. Und wie er es eigentlich auch nach dem deutsch-französischen Krieg durchsetzen wollte. Da wäre es durchaus sinnvoll gewesen, das christliche Prinzip der Nächstenliebe anzuwenden, um für die Zukunft Feinde in Freunde zu verwandeln. Stattdessen haben sich die Regierungen Frankreichs und Englands durch ihre durch die Kriegspropaganda aufgeputschte Bevölkerung dazu verleiten lassen, Deutschland die alleinige Schuld am Ersten Weltkrieg zuzuweisen und den Deutschen unfaire Bedingungen für den Frieden zu diktieren.
Aber leider läßt sich dieses Prinzip der Nächstenliebe eben nicht überall anwenden. Wenn man es mit Irren zu tun hat, ist Nächstenliebe oft nicht angebracht. Das beweist uns ja auch Hannibal mit seinen erfolglosen Anbiederungsversuchen bei Radikalfeministinnen immer wieder.
Ich verstehe schon, daß du das ähnlich siehst - aber es gibt Christen, die das anders sehen und sich willig in das Heer der Gutmenschen einreihen.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Garfield, hast du gelesen, was ich schrieb?
Nick, Thursday, 06.05.2004, 15:28 (vor 7944 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Garfield, hast du gelesen, was ich schrieb? von Garfield am 06. Mai 2004 11:12:25:
Lieber Garfield!
Im übrigen hätten Engländer und Franzosen Hitler vielleicht auch ohne einen echten Krieg im Zaum halten können. Als deutsche Truppen das Rheinland besetzten, hatten sie Befehl, sich im Falle eines Einmarsches der französischen Armee kämpfend zurück zu ziehen. Hitler selbst war sich auch keineswegs sicher, ob die Franzosen nicht doch militärisch intervenieren würden, und ihm war sehr bewußt, daß die deutsche Armee zu diesem Zeitpunkt auf einen Krieg mit Frankreich überhaupt nicht vorbereitet war. Wenn die Franzosen das Rheinland militärisch besetzt hätten, dann hätte Hitler klein bei gegeben und alle französischen Forderungen erfüllt. Noch gravierender wären die innenpolitischen Folgen gewesen. Dann hätten viele Deutsche in Hitler nämlich nicht mehr den genialen Führer gesehen, sondern den Abenteurer, der er nun einmal war.
Problematisch war aber, daß der ganze Versailler Vertrag ja schon ungerecht war. So hatten auch im Ausland viele Menschen Verständnis für diese und andere Aktionen Hitlers. Ein britischer Politiker sagte dazu, daß die Deutschen doch nichts weiter tun würden, als ihren Vorgarten zu besetzen. Und so war es ja eigentlich auch. Daß Hitler durch diesen Erfolg zum einen in seinem Sendungswahn bestärkt wurde und zum anderen noch mehr Bewunderung und Zustimmung in Deutschland und teilweise auch im Ausland fand, hat man nicht bedacht.
Man hätte die Machtübernahme der Nationalsozialisten und den Zweiten Weltkrieg ja auch schon 1918 durch einen fairen Frieden mit Deutschland verhindern können. So wie Bismarck es nach dem preußisch-österreichischen Krieg durchgesetzt hat. Und wie er es eigentlich auch nach dem deutsch-französischen Krieg durchsetzen wollte. Da wäre es durchaus sinnvoll gewesen, das christliche Prinzip der Nächstenliebe anzuwenden, um für die Zukunft Feinde in Freunde zu verwandeln. Stattdessen haben sich die Regierungen Frankreichs und Englands durch ihre durch die Kriegspropaganda aufgeputschte Bevölkerung dazu verleiten lassen, Deutschland die alleinige Schuld am Ersten Weltkrieg zuzuweisen und den Deutschen unfaire Bedingungen für den Frieden zu diktieren.
Das genau ist die Genesis der Tragödie unseres Vaterlands im 20. Jahrhundert. Früher hat so etwas dann bekanntlich immer zu weiterer Revanche und neuen Kriegen geführt. Heute führt es hauptsächlich zu neurotischer Gutmenschlichkeit - ich sehe in der kollektiven Nichtverarbeitung dieses ultimativen nationalen Zusammenbruchs die psychologische Grundlage für die penetrante Gutmenschsucht in D-Land, aufruhend auf gleichgerichteten Vorerfahrungen: Reformation, 30-jähriger Krieg, politische Zerstückelung, osmotische Auflösung des Reiches, napoleonische Umpflügung des Landes mit reflektorischer Entstehung eines äußerst fiebrigen, bösen Nationalismus (der den Deutschen vorher immer ganz fremd gewesen war), die erdrückende Vormacht Preußens und der Ausschluß der katholischen Habsburger aus Deutschland, die Wende von Bismarck zu Wilhelm II., Versaille, Weimar, Hitler...).
Wünschenswert nach alledem wäre die souveräne Klarheit eines geläuterten Herzens in Europas Mitte, frei von allen Opfer- und Täterneurosen, die daraus die geistige Basis eines Europas der Gerechtigkeit schüfe. Das war möglich, den Willen und die Klarheit dazu gab es (Schumann, de Casperi, Adenauer, de Gaulle). Heute bin ich skeptisch: die Kal-cul's und Wirtschafts-Fuzzis haben ihre Schmutzfinger in alle Löcher gesteckt, es wird wohl eine Anal-Orgie werden. Auf deutsch: Scheiße wird's (wieder) werden! Und warum? Weil Europa seine geistigen Wurzeln verraten hat. Europa kann nur als christliche Welt seine Identität bewahren - oder es wird eben verlöschen. My two cents...
Aber leider läßt sich dieses Prinzip der Nächstenliebe eben nicht überall anwenden. Wenn man es mit Irren zu tun hat, ist Nächstenliebe oft nicht angebracht. Das beweist uns ja auch Hannibal mit seinen erfolglosen Anbiederungsversuchen bei Radikalfeministinnen immer wieder.
Ich bitte dich: wer ist Hannibal? In Fragen von Bedeutung indes geht's immer um die Nächstenliebe - oder eben um Fortsetzung des Wahns. Die Anwendung der Nächstenliebe kann allerdings völlig anders aussehen, als man sich das gemeinhin zu denken pflegt. Augustinus hat mal gesagt: "Liebe - und tu was du willst!" Ein ungemein gefährlicher Satz, in der Tat. Aber wenn er auf Wahrheit und Gerechtigkeit gründet und nicht die eigene Eitelkeit zum Handelsobjekt macht, dann liegt darin eine große Kraft und unermeßliche Freiheit, die nicht an bestimmte Formen gebunden ist. Nur fehlen solche Menschen heute an allen Orten. Es ist eben alles sehr "feminisiert" bei uns... und ganz "wirtschaftsorientiert"...
Ich verstehe schon, daß du das ähnlich siehst - aber es gibt Christen, die das anders sehen und sich willig in das Heer der Gutmenschen einreihen.
Die muß man da eben wieder "ausreihen", genauso wie die anderen Gutmenschen. Die meisten Christen schlafen einfach zu tief, das ist wahr. Dabei ist es eigentlich sehr einfach: ein guter Mensch ist man nicht deshalb, weil man zu den guten Menschen gehört, sondern weil man ein guter Mensch ist. Punkt. Die erste Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit zur Askese, zur Einsamkeit, Einsamkeit auch gegenüber sich selbst. Der Glaube war immer ein Weg mitten in diese Askese hinein. Alles von Bestand ist daraus erwachsen, aus nichts anderem, zu allen Zeiten.
Es werden sich wieder Wege finden.
Gruß an dich
vom Nick
Re: Garfield, hast du gelesen, was ich schrieb?
Garfield, Thursday, 06.05.2004, 21:21 (vor 7943 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Garfield, hast du gelesen, was ich schrieb? von Nick am 06. Mai 2004 12:28:24:
Hallo Nick!
"Europa kann nur als christliche Welt seine Identität bewahren - oder es wird eben verlöschen."
Das sehe ich anders, aber vielleicht hast du da in gewisser Weise tatsächlich recht. Ich kann mir gut vorstellen, daß Jesus seine Botschaft ganz bewußt religiös verbrämt unter's Volk gebracht hat, weil er genau wußte, daß Menschen weniger durch Logik, dafür aber mehr durch Emotionen beeinflusst werden können. Auch Hitler hat sich diese Tatsache ganz bewußt zunutze gemacht, nur leider hat er seinen so gewonnenen Einfluß auf die Menschen, also eben ihren Glauben an ihn, dann überwiegend zum Negativen genutzt.
"Augustinus hat mal gesagt: "Liebe - und tu was du willst!" Ein ungemein gefährlicher Satz, in der Tat. Aber wenn er auf Wahrheit und Gerechtigkeit gründet und nicht die eigene Eitelkeit zum Handelsobjekt macht, dann liegt darin eine große Kraft und unermeßliche Freiheit, die nicht an bestimmte Formen gebunden ist. Nur fehlen solche Menschen heute an allen Orten."
Dieser Satz von Augustinus gefällt mir. Was wir brauchen, ist eine Bewegung, die möglichst viele Schichten der Bevölkerung umfaßt und die sich deshalb auch ganz bewußt nicht in irgendeine geistige Schublade stopfen läßt. Man wird die Menschen aber nicht durch logische Argumente dazu bringen, sich dieser Bewegung anzuschließen. Man wird das nur schaffen, wenn man ihnen Ideale bietet, an die sie glauben können.
Das Christentum könnte diese Rolle einnehmen, aber dann besteht die Gefahr, daß letztendlich christlicher Fundamentalismus wie in den USA - oder noch schlimmer - dabei herauskommt.
Diese Gefahr besteht allerdings auch, wenn man eine nicht-religiöse Ideologie aufbaut. Man müßte dafür Sorge tragen, daß selbsternannte Gutmenschen und auch nur an Macht und Reichtum interessierte Abzocker zumindest aus der Führung dieser Bewegung herausgehalten werden. Die Abzocker könnte man fernhalten, indem man ihnen keine Bereicherungsmöglichkeiten bietet. Mit den Gutmenschen wird's schon schwieriger...
Freundliche Grüße
von Garfield
Demut?
Der Frankfurter, Wednesday, 05.05.2004, 22:14 (vor 7944 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Lauterkeit? von Nick am 05. Mai 2004 13:46:10:
Lieber Nick!
Danke!
Der Frankfurter
Von eingebildeten Göttern und eingebildeten Menschen
Daddeldu, Friday, 07.05.2004, 05:25 (vor 7943 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Lauterkeit? von Nick am 05. Mai 2004 13:46:10:
Hallo Nick,
zunächst einmal danke für Deine ausführliche Antwort auf meinen Beitrag.
Wer die christliche Ethik kritisiert oder ablehnt, der fordert nicht automatisch immer das Gegenteil von jeder christlichen Norm. Das Du mich in dieser Hinsicht so grob missverstehst, zeugt von ganz erstaunlicher Arroganz.
Überhaupt macht es sich nicht so gut, wenn man im abfälligen Tonfall grenzenloser Überheblichkeit über Sinn und Durchführbarkeit der Feindesliebe doziert.
Da wird der historische Prozeß in der Entstehung der Bibel überhaupt nicht beachtet
Stellt sich die Frage, ob man ihn beachten darf, ist die Bibel doch nach weit verbreiteter Auffassung in allen ihren Teilen das Wort Gottes und unter dem Anhauch des Heiligen Geistes entstanden. So jedenfalls die Amtskirchen. Dann käme es auf den historischen Kontext gar nicht an.
Man kann natürlich, wie ich als Atheist es notwendigerweise tue, die Bibel als bloßes historisches Dokument betrachten. Dann werden die Texte leicht erklärbar. Sie sind dann eben nur von Menschen verfasste Texte, bei der Auslegung muss man sich fragen, wer ihn geschrieben haben könnte, was derjenige oder diejenigen bezweckt hat oder hatten, wie der historische Hintergrund ist und so weiter. Die Bibeltexte verlieren damit aber auch ihre erhöhte Begründungskraft für moralische Normen. Für ethische Entscheidungsfindungen sind sie dann genauso wertvoll wie andere geschichtliche Quellen bzw. die Geschichtsschreibung selbst: Man kann sich fragen, was sich andere Menschen bereits ausgedacht haben und was das für Wirkungen hatte.
Die meisten Christen machen aber beides. Im einen Moment ist die Bibel das Wort Gottes und sie wissen besser als jeder Ungläubige was moralisch richtig ist, weil sie die Bibel lesen. Im nächsten Moment, nämlich wenn man sie mit den unangenehmen Stellen konfrontiert, ist die Bibel nur noch historisch zu betrachten, und diese Stellen erklären sich zwanglos aus dem historischen Zusammenhang, aus dem heraus die menschlichen Verfasser die Texte niedergeschrieben haben.
Da steht die Feindesliebe wahllos neben dem Schweinefleisch und der Sklavenhaltung
Sie standen natürlich nicht wahllos nebeneinander. Sie waren jeweils Beispiele für eine mögliche Kritik an den moralischen Forderungen der Bibel.
das 10. Gebot legitimiere angeblich die Sklavenhaltung, hieß es. [
] Man nehme an, das massenhafte Verwenden von Verbrennungsmotoren erscheine in 100 Jahren allen als grandioses Verbrechen (nicht ganz unwahrscheinlich). Ist das heutige Verbot, ein Auto zu klauen, also eine Legitimierung des Verbrennungsmotors?
Schönes Beispiel. Zunächst eine Präzisierung: Das 10. Gebot legitimiert die Sklaverei nicht, sondern setzt die Legitimität schon voraus. Das zeigt, dass der Normgeber (der liebe Gott) sie für legitim erachtet.
Dass das allgemeine Verbot des Diebstahls (§ 242 StGB) auch Autos umschließt, ist für sich genommen schon ein starkes Indiz, dass der Normgeber (der deutsche Gesetzgeber) den Besitz von Autos für legitim hält. Wenn man dann aber sieht, dass in § 248b StGB darüber hinaus sogar der unbefugte Gebrauch eines Fahrzeuges noch einmal extra erwähnt und unter Strafe gestellt wird, und dass dies (außer bei Fahrrädern) nur und ausdrücklich Fahrzeuge betrifft, die durch Maschinenkraft angetrieben werden (so Absatz 4 der Vorschrift), so kann man überhaupt nicht mehr im Zweifel sein. Wer sieht, dass der deutsche Gesetzgeber eine unerlaubte Spritztour mit einem fremden Motorboot oder Auto unter Strafe stellt, nicht aber mit einem Ruderboot oder einer Pferdedroschke, muss anerkennen, dass der Normgeber offensichtlich den Besitz von Verbrennungsmotoren für legitim erachtet. (Außer es findet sich noch eine gegenteilige Norm.)
So ist es auch mit dem 10. Gebot, das noch einmal ausdrücklich den Sklaven und die Sklavin im Eigentum des Mitmenschen erwähnt, und verbietet, zu versuchen, diese zu erlangen.
In einer Welt, deren gesamte Ökonomie auf Sklaverei beruhte, konnte es keine Frage nach der Legitimität der Sklaverei geben.
So? Ein großes Vorstellungsvermögen scheint der liebe Gott damals ja nicht gerade gehabt zu haben, wenn er sich eine Welt ohne Sklaverei nicht vorstellen konnte. Ökonomischen Sachverstand übrigens auch nicht, denn Sklaverei ist volkswirtschaftlich eher schädlich. Aber na ja, ein jeder ist nun mal ein Kind seiner Zeit, nicht wahr?
Gern habe ich, wie immer, Garfield gelesen
Deine geschichtlichen Ausführungen sind im Großen und Ganzen richtig
Über das Lob wird er sich freuen.
natürlich waren die Kreuzzüge letztlich ein Irrweg.
Na, na, na, ist das nicht eine ein bisschen zu harte Formulierung? (Ironie)
Die kriegerische Agression geht vom Islam aus (und hält bis heute an), nicht von den Christen,
Also letztlich doch nur ein Verteidigungskrieg. Wieso dann aber ein Irrweg?
Macht korrumpiert, das ist wahr - eine christliche Basisaussage.
Du hast ja schon erkannt und auch immer wieder in aller Deutlichkeit geschrieben, dass ich und jeder, der nicht Deiner Meinung ist, ein ignoranter Nichtwisser ist. Und jetzt muss ich Dir sogar recht geben dass Macht korrumpiert eine Basisaussage des Christentums ist, das ist bisher völlig an mir vorbei gegangen.
Nein, Spaß beiseite. Dies ist so ein typisches Beispiel, dass man in das Christentum alles hineinlesen kann. Das meine ich, wenn ich sage, das Christentum ist flexibel bis zur völligen Beliebigkeit. Die Aussage, dass Macht korrumpiere, dürfte recht neuen Datums sein. Da dies heute weithin anerkannt ist, muss es natürlich flugs zur Basisaussage des Christentums ernannt werden. Oh, und ich bin sicher, dass sich dies auch mit der Bibel und der Tradition belegen lässt. Sollten in 100 Jahren Verbrennungsmotoren allgemein verpönt sein, wird sicher der ein oder andere Christ behaupten, dass dies schon immer christliche Kernaussage war, und alles andere letztlich ein Irrweg.
Alle Beteiligungen der Kirche an weltlicher Macht waren deshalb verkehrt, sie widersprachen dem Prinzip der Trennung von Kirche und Staat, die im Chistentum von Anfang an angelegt ist.
Wie auch dessen genaues Gegenteil.
Ein Konkordat ist etwas völlig Normales, er soll einfach die Lage der Katholiken in einem Land auf gesetzlich gesicherte Basis stellen.
Dafür sind die Verfassung und die restlichen Gesetze da (die für alle gleich gelten), das Konkordat regelt die Rechte der Katholischen Kirche. In Bayern zum Beispiel erhalten die Bischöfe aufgrund des Konkordates vom Freistaat ein Ministergehalt bezahlt.
daß die Eucharistie der katholischen Kirche, das Herz unseres Ritus, nun mal nicht dasselbe ist, wie das Abendmahl der Protestanten.
Stimmt. Ihr esst ja jedes mal ein Stück Fleisch von Jesu Körper und trinkt sein Blut. Bei den Protestanten gibt es nur Oblaten und Wein, die als Symbole dafür stehen.
Ähnliches gilt übrigens für die anderen Regelungen der katholischen Kirche für Katholiken (z.B. Verhütung): für Nicht-Katholiken im Grunde genommen ein Null-Thema, da sie ja nicht davon betroffen sind. Man kann schlicht sagen: es geht sie überhaupt nichts an.
Solange keine Konsequenzen für die allgemeine Gesetzgebung gezogen werden, ist das richtig und in Ordnung.
Die 10 Gebote sind [
] gewissermaßen nur die elementare Mindestausstattung [
] sowie (Nr. 4-10) für alle anderen Menschen auch. Man findet diese Grundelemente nämlich im Prinzip in allen Hochreligionen und es ist meiner Ansicht nach in keiner Weise begründbar, daß sie in irgendeiner Gesellschaft oder Epoche falsch oder überflüssig sein könnten.
Stimmt, sie sind wirklich nix besonderes, sondern nur ganz allgemein gehaltene Grundregeln, auf die sich sowieso jeder einigen kann.
"Bergpredigt nach Matthäus (5,1 ff):
Selig, die arm sind, aber Gott kennen, denn ihnen gehört das Himmelreich. [
]
Ist das sinnvoll - oder reiner Quatsch? Könnte das etwa gar Grundlage einer "allgemeingültige Ethik" sein? Oder doch nur eine "Spezial-Ethik" für Christen, noch dazu eine lächerliche und weltfremde? Zur Gegenprobe drehe ich die Sätze einfach mal um:
Selig, die reich und berühmt sind, denn sie leben im Überfluß und werden beneidet. [
]
Hier wird es jetzt ganz gruselig. Die Bergpredigt ist sinnvolle Grundlage einer allgemeinen Ethik, weil das exakte Gegenteil eine schlimme Welt darstellt! Wie ich oben schon sagte: Wer die christliche Ethik kritisiert oder ablehnt, der fordert nicht automatisch immer das Gegenteil von jeder christlichen Norm.
Andererseits ist die reale Welt aber eben oft so. Ist das deswegen ein "Ideal"? Wirklich?
Hat das jemand behauptet? Wirklich?
Noch eine Frage: wie kann einer gegen Unrecht, das er durch andere erfährt, eintreten, wenn er selbst das Begehen von Unrecht bejaht, sofern er die Gelegenheit dazu hat?
Noch mal: Wer die christliche Ethik als unsystematisch ablehnt, der will nicht überall das genaue Gegenteil jeder christlichen Forderung. Nicht jeder, der das Christentum ablehnt ist auch ein Teufelsanhänger. Oder Berufsverbrecher aus Überzeugung. Oder was immer Du Dir in Deiner maßlosen christlichen Arroganz vorstellst. Wer bejaht denn das Begehen von Unrecht? So ein Quatsch!
Es erweist sich also, daß Nr.2 schon aus rein logischen Gründen keine Basis für irgendeine "Ethik", welcher Art auch immer, sein kann.
Da haste recht. Und das ist auch der entscheidende Punkt: Ethische Normen sind durch Logik, auf der Grundlage der Vernunft, und durch Empirie zu finden, nicht vom lieben Gott oder dem lieben Jesuskindlein zu empfangen.
Die Bergpredigt ist vielleicht doch nicht die "Sonderethik für Christen"
Ihre Begründung, ihre Grundlage macht sie zu einer. Vernunftbasierte und allgemeingültige ethische Systeme werden in vielen Punkten zu gleichen oder ähnlichen Normen kommen, aber die Haltung, die Grundlage und die Details (und auf die kommt es nun mal an) sind anders.
Nochmals die Frage von oben: wie kann einer gegen Unrecht, das er durch andere erfährt, eintreten, wenn er selbst das Begehen von Unrecht bejaht, sobald er nur die Gelegenheit dazu hat?
Wer, bitteschön, bejaht denn das begehen von Unrecht?
Nehmen wir also als Beispiel die Feindesliebe, die angeblich "in der Praxis undurchführbar" sei. [
] nirgends wird verlangt, auf einfältige Art "lieb zu sein" gegen diese Feinde.
Nee, das ginge ja noch. Es wird, weit darüber hinausgehend, verlangt, seine Feinde zu lieben. Das geht natürlich gar nicht. Es ist, für einen normalen Menschen, eben undurchführbar. Das ist Dir auch klar. Im Folgenden interpretierst Du Jesu ausdrückliche und klare Forderung daher um, zu einer die durchführbar ist, nämlich auch seine Feinde anständig und menschlich zu behandeln, egal wie man sie hasst. Diese auf menschenmögliches Maß reduzierte Forderung kann dann natürlich auch in eine allgemeine Ethik eingehen, hätte ich nichts dagegen.
Konfrontieren wir also die Feindesliebe mit der Tatsache des Krieges
Selbst wenn Krieg unvermeidlich sein sollte welches Ziel verfolgt man dabei? Vernichtungskrieg? Oder (zum Beispiel) Entwaffnung? Das ist ein großer Unterschied. Muß man sich nicht die Frage stellen, welcher Weg Aussicht hat, irgendwann zum Frieden zu führen [
] Und so ist das auch gemeint. Es bedeutet ganz schlicht, im Feind nicht den zu sehen, der er nach eigenem Willen ist, sondern den, der er sein könnte. Ein Freund und Bruder. Gerade in den fürchterlichen Erfahrungen des vergangenen Jahrhunderts ist dies als unabweisbare Notwendigkeit klar geworden. Es hat sich als ethische Forderung ersten Ranges erwiesen, weil sonst die Selbstvernidchtung des Menschen unausweichlich wäre.
Voilà, aus dem Befehl Liebe Deinen Feind, damit Du in den Himmel kommst! hast Du ein: Behandle auch Gegner anständig und übe nicht mehr Gewalt als nötig, damit die Welt ein besserer Ort wird! gemacht.
Und das ist es was ich """"meine"""", wenn ich sage, dass die christliche Ethik flexibel bis zur Beliebigkeit ist. Du hast aus einem Gebot ein ganz anderes gemacht. Anything goes.
Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten?
Hier wird auch die größte Schwäche der jesuanischen Ethik offenbar. Der ganze Grund für das Gutsein liegt nicht im erschaffen einer besseren Welt, in einem geordneten und gedeihlichen Zusammenleben, sondern darin, im Himmel belohnt zu werden. Wenn ich einem Bettler Geld gebe, tue ich es als Christ nicht um der Sache selbst willen, sondern für Gott. Ich tue es nicht für den, der mich darum bittet, sondern aus Furcht vor dem, der es mir befiehlt. (Oh, ich bin sicher dass Du sofort eine Menge Rabulistik aus dem Hut zaubern kannst, warum dies nicht so sei, und ich nur jemand bin, der """"meint"""". Es ist aber dennoch so.)
Der Dreh- und Angelpunkt von Jesu Weltbild ist die sichere Erwartung des Weltunterganges. Es ist das einzige Dogma, das Jesus vertreten hat. Und das nicht irgendwann, sondern demnächst, vielleicht nächsten Mittwoch. Und wer dann bei der großen Sause dabei sein wollte, der sollte halt lieber jetzt alles tun, was ihm gute Karten verschafft, seine Feinde lieben, seinen Nächsten und Gott sowieso, am besten allen Besitz verschenken. Jesus hat sich geirrt, das Himmelreich kam nicht. Dafür aber die Kirche.
dem Tod, dem verzweifelten Verlöschen im Nichts, zu entrinnen in eine zeitfreie Ewigkeit seliger Gottesnähe
Tja, das ist zurzeit die Paradies-Vorstellung, die bei den gebildeteren Christen hip ist. Zeitfreie Ewigkeit bei Gott versus Verlöschen im Nichts. Die vor-aufklärerischen Vorstellungen vom Himmel mit ewigem Wohlsein und einer Hölle mit ewigen Qualen, von einem Gott, der wie ein KZ-Arzt an der Rampe die werten und die unwerten aussortiert (Arno Schmidt), sind ihnen jetzt peinlich.
Natürlich ist das alles keine allgemeine Empirie, es läßt sich nicht objektivieren oder extrasubjektiv verifizieren, sondern es ist gewissermaßen reine Vertrauenssache, beruht aber auf sehr realen intrasubjektiven Erfahrungen, die Glaubende v.a. in der Feier der Heiligen Eucharistie mit letzter Evidenz machen.
Puh, das waren jetzt aber viele Fremdworte. Da muss aber was ganz schön Tiefsinniges dahinterstecken. Ich übersetze mal: Das ist keine allgemeine Erfahrung, es lässt sich nicht objektiv bestätigen, sondern beruht darauf, dass Gläubige beim Gottesdienst spüren, dass es Gott gibt, und das reicht als Beweis dicke aus.
Hm, na ja, so tiefsinnig war es jetzt doch nicht.
Wer das nicht kennt, kann im Grunde nichts Sinnvolles darüber sagen (z.B. kann er nicht sagen, daß das Quatsch sei)
Doch, hör nur: Das ist Quatsch.
Allerdings sagen wir freimütig, was zu sagen ist: das ist nämlich unser Bürgerrecht!
Das ist in Ordnung. Nicht in Ordnung ist, wenn dem mehr Gewicht beigemessen wird als irgendeiner anderen Stimme.
Und zu meinen, die Kirche gäbe es "wegen der Kirchensteuer"? Ich ätte auch nichts gegen eine Kirche ohne Kirchensteuer einzuwenden, [
]. Also, liebe Karteileichen: tretet massenhaft aus (bzw. gar nicht erst ein)
Auch hier kann ich Dir nur wieder Recht geben und mich der Forderung anschließen.
Ich gehe jetzt nicht groß ein auf die muntere "Vermischung von allen möglichen Ebenen", die sich bei einigen Diskutanten finden
Nee, also das nenne ich doch eher "geballtes Vorurteil", genauer: selbstgerechtes Spießertum (andere Bezeichnugnen unterlasse ich bewußt, Tommy hat da ganz nette Ausdrücke dafür) und gehe darauf nicht im Einzelnen ein.
Das war ähnlich tiefschürfend.
So geht das auch auch hier bei einigen immer munter drunter und drüber, Hauptsache man "meint" heftig genug und drückt seinen antichristlichen Abscheu aus, wo man doch einfach überhaupt gar nichts weiß, außer daß man seine Vorurteile eben kennt. Es ist eine schiere Zumutung, auf so etwas im Einzelnen einzugehen, tut mir leid, werde ich in Zukunft ganz und gar unterlassen
wie die Nichtwisser immer "meinen"
In der Phantasie vieler Ahnungsloser
Wer soll es denn sonst festlegen? Emmalein und Daddeldu? Oder die Uno?
Die dummen Ignoranten, die das heute so läppisch und leichthin mit Füßen treten, müssen sich wenigstens sagen lassen, daß auch Schäbigkeit "im Auge des Betrachters" liegt... und mit der Schande ihrer Unwissenheit selber fertig werden.
Wäre der Tod bei uns nicht so lückenlos in die sterile Anonymität "entsorgt", sondern würde er konkret erfahren und erlebt, dann würde weniger oft so sagenhaft dumm dahergeplappert
Man darf so jemanden mit gutem Recht ein dreckiges Schwein nennen
wie "gemeint" wurde,
Da wurde nicht zuende gedacht
wenn sie sich nicht im Absurdistan der allgegenwärtig gewordenen Verblödung und Ignoranz verlieren, wie es immer mehr die Regel wird
Neben einem Haufen hanebüchhenen Unsinns
so fragwürdig wie jeder ihrer Kritiker, das "vergessen" die oft
Manche hätten das gerne so. Manche davon heißen glaub ich Ekki
Es gibt nichts, was nicht von irgendwem "gemeint" wird
Du bist noch nicht mal in der Lage, Deine Miniversion der Feindesliebe, Deine Gegner halbwegs anständig zu behandeln, durchzuführen. Und dabei geht es hier nur um eine Diskussion mit Andersdenkenden in einem Forum.
Zweitens bitte ich mal prophylaktisch alle ganz summarisch um Vergebung, die ich in letzter Zeit beleidigt habe.
Nur für den Fall, dass sich dies auch auf mich beziehen sollte: mangels Ernstlichkeit abgelehnt.
Außer diejenigen natürlich, die es sich redlich verdient haben
Ich nehme an, ich falle ohnehin in diese Kategorie.
Netten unchristlichen Gruß
Daddeldu
Re: Von eingebildeten Göttern und eingebildeten Menschen
Nick, Monday, 10.05.2004, 02:08 (vor 7940 Tagen) @ Daddeldu
Als Antwort auf: Von eingebildeten Göttern und eingebildeten Menschen von Daddeldu am 07. Mai 2004 02:25:18:
Hallo Daddeldu
zunächst einmal danke für Deine ausführliche Antwort auf meinen Beitrag.
dito retour.
Wer die christliche Ethik kritisiert oder ablehnt, der fordert nicht automatisch immer das Gegenteil von jeder christlichen Norm. Das Du mich in dieser Hinsicht so grob missverstehst, zeugt von ganz erstaunlicher Arroganz.
Der Vorwurf fällt auf dich selbst zurück. Habe ich das denn gesagt? Ich sage nur, daß heute viele Leute eine der christlichen entgegengesetzte Norm vertreten (oder "vertreten sehen wollen", ohne genau angeben zu können, welchen Inhalt sie denn dann überhaupt haben sollte). Diese Tatsache ist unbestreitbar. Ich kritisiere das, weil sich solche Positionen historisch durchweg als extrem unethisch erwiesen habe. Wenn du indes nicht das Gegenteil der christlichen Norm forderst, sondern dich daran hältst, auch wenn du das nicht so nennen magst, dann soll mich das freuen und ich kritisiere es dann ausdrücklich nicht.
Ich kenne nicht einen einzigen Fall, daß eine der christlichen Ethik direkt entgegengesetzte Position auch nur zwei bis drei Generation lang überlebt hätte. Die jeweiligen "Firmen" haben samt und sonders, ohne eine einzige Ausnahme, meistens schon nach wenigen Jahren, wegen geistiger Zahlungsunfähigkeit und ruinösen (Menschen-)materialverbrauchs Konkurs anmelden müssen. Wonach man es dann mit ebenso kurzlebigen "Neugründungen" unter anderem Namen versuchte - alle immer mit dem selben Schicksal. Die Geschichte der Gottlosigkeit ist, seit ihrer politischen Geburt unter der Guillotine, ein einziges, singuläres, moralisches Desaster, ein Blutbad unvorstellbaren Ausmaßes, eine geistige Ödnis des seelischen Grauens, wie es die Welt nie zuvor sah. Ein inzwischen unbestreitbares historisches Faktum.
Parallel dazu reift die Frucht des christlichen Abendlandes, unter Sperrfeuer genommen, allmählich zu universeller Form. Ein dramatischer Kairos der Weltgeschichte, dem wir beiwohnen, an dem wir teilnehmen auf der einen oder der anderen Seite.
Überhaupt macht es sich nicht so gut, wenn man im abfälligen Tonfall grenzenloser Überheblichkeit über Sinn und Durchführbarkeit der Feindesliebe doziert.
Das fällt auf dich selbst zurück, wart's ab
Wer höflich ist, erhält von mir immer eine höfliche Antwort, wer polemisch losholzt, der erlebt entsprechende Reaktionen. Ich habe da überhaupt keine Skrupel. Du meinst, das macht sich nicht so gut? Echt nun? Och, ich finde schon - wenn's doch angebracht ist. Ich überlege gerade, wie du dir wohl die Spielregeln so vorstellen magst. Etwa so vielleicht? Ich (Daddeldu) bin Atheist und darf deshalb überheblich polemisieren, daß die Schwarte kracht, ohne mich groß um Wissen, Logik und geschichtliche Wahrheit zu kümmern, so wie es sich für einen ideologischen Atheisten eben gehört. Er (Nick) ist Christ und darf das nicht, wegen (meiner Vorstellung von) seiner Feindesliebe. Das ist sehr praktisch für mich, deshalb gehe ich mal davon aus und versuche ihn darauf zu verpflichten. Da Christen doof und Atheisten schlau sind, dürfte es da keine nennenswerten Schwierigkeiten geben.
Meine Vorstellung von den Spielregeln gehen aber anders, nämlich so: wenn er (Daddeldu) nicht polemisiert, dann tue ich (Nick) es auch nicht. Tut er es aber, dann zahle ich in passender Münze zurück. Ich (Nick) finde das viel, viel gerechter, weil es nämlich gleiches Recht für alle bedeutet. Seine (Daddeldus) Regeln hingegen bedeuten ungleiches Recht. Deshalb bin ich (Nick) dagegen und verpflichte ihn (Daddeldu) auf meine Regeln. Und er (Daddeldu) kann nicht mal was dagegen machen, weil er sich festgelegt und so die Initiative aus der Hand gegeben hat. Ich (Nick) verstehe unter Feindesliebe in diesem konkreten Fall, daß ich ihm (Daddeldu) genau das klarmache. Host mi?
Stellt sich die Frage, ob man ihn (den historischen Prozeß der Entstehung der Bibel) beachten darf, ist die Bibel doch nach weit verbreiteter Auffassung in allen ihren Teilen das Wort Gottes und unter dem Anhauch des Heiligen Geistes entstanden. So jedenfalls die Amtskirchen. Dann käme es auf den historischen Kontext gar nicht an.
Wenn es so wäre: ja. Ist aber nicht so simpel. Sondern noch viel simpler. Die Bibel ist tatsächlich beides, konkreter historischer Text und Wort Gottes. Eine Analogie zum Verständnis? Ein Gemälde von van Goch ist beides: ein konkretes Gemälde von van Goch und Kunst. Wenn es auf den konkreten historischen Kontext nicht ankäme, gäbe es das konkrete Gemälde von van Goch nicht. Man darf den historischen Prozeß seiner Entstehung also nicht nur beachten, man muß es sogar. Täte man es nie, dann gäbe es überhaupt keine Kunstwerke - und somit auch keine Kunst. Es gibt sie aber. Deshalb gibt es Kunstwerke. Das geistige Prinzip geht dem konkreten Akt stets voraus. Diese empirische Tatsache widerlegt übrigens die Auffassung, der Mensch sei rein materialistisch erklärbar.
Man kann natürlich, wie ich als Atheist es notwendigerweise tue, die Bibel als bloßes historisches Dokument betrachten.
Kann man. Aber dann entgeht einem der Sinn. So wie einem der Sinn eines Gemäldes entgeht, wenn man darin bloß eine Ansammlung von Ölfarbe zu erkennen in der Lage ist. Andreas ("der Andere") hat inzwischen übrigens eine ganz vorzügliche Ausarbeitung dazu geschrieben: index.php?id=28748 (Danke, Andreas! Ganz überragend, äußerste Hochachtung, einfach brillant!)
Dann werden die Texte leicht erklärbar.
Nein, sondern sie verlieren dann, wie gesagt, ihren Sinn. Es bleibt dann gewissermaßen nur die Ölfarbe übrig.
Sie sind dann eben nur von Menschen verfasste Texte.
...eben: du siehst nur gewöhnliche Ölfarbe, und nicht die Kunst.
Bei der Auslegung muss man sich fragen, wer ihn geschrieben haben könnte, was derjenige oder diejenigen bezweckt hat oder hatten, wie der historische Hintergrund ist und so weiter. Die Bibeltexte verlieren damit aber auch ihre erhöhte Begründungskraft für moralische Normen.
Deshalb sagte ich ja, es sei sinnlos, sie ausschließlich als historische Texte zu lesen, weil sie dann eben ihren eigentlichen Sinn verlieren. Wir gehen da einig, wie ich sehe... *g*
Für ethische Entscheidungsfindungen sind sie dann genauso wertvoll wie andere geschichtliche Quellen bzw. die Geschichtsschreibung selbst: Man kann sich fragen, was sich andere Menschen bereits ausgedacht haben und was das für Wirkungen hatte.
Das ist nur dann so, wenn man sie halt verkehrt liest. Und das soll man eben nicht tun - kann man aber machen, wenn man will, weil einen ja niemand daran hindern kann. Das wäre so, als kratzte man die Ölfarbe vom van Goch runter und stellte fest, daß die Farbe jetzt genauso wertvoll ist, wie jede andere, gewöhnliche Farbe aus der Tube. Man kann sich dann fragen, was andere Maler schon alles für Bilder gemalt haben und was die für Wirkungen hatten.
Die meisten Christen machen aber beides. Im einen Moment ist die Bibel das Wort Gottes und sie wissen besser als jeder Ungläubige was moralisch richtig ist, weil sie die Bibel lesen. Im nächsten Moment, nämlich wenn man sie mit den unangenehmen Stellen konfrontiert, ist die Bibel nur noch historisch zu betrachten, und diese Stellen erklären sich zwanglos aus dem historischen Zusammenhang, aus dem heraus die menschlichen Verfasser die Texte niedergeschrieben haben.
Über die Bedeutung der Geschichtlichkeit der jüdisch-christlichen Religion und ihrer daraus erwachsenden, einzigartigen Rolle für unsere heutigen (in zunehmende Krisen geratenden) ethischen Normen hat Andreas alles notwendige gesagt. Ja, Christen machen eben beides (ich rede jetzt nicht von Fundis, wenn ich Christen meine - so wenig wie du von Robbespierre sprichst, wenn du Aufklärung meinst. Oder?). Im einen Moment ist der van Goch ein Kunstwerk und zeigt eine sonnendurchflutete, provençalische Landschaft besser und intensiver, als sie jedes Foto wiedergeben könnte. Er zeigt sogar mehr: etwas in dieser Landschaft geheimnisvoll anwesendes, was man, wenn man gar in dieser Landschaft selbst drin ist, nicht real sieht, aber spürt. Im anderen Moment, wenn man die dicken Farbaufträge betrachtet, ist die Farbschicht nur noch als Ölfarbe zu betrachten, und diese Stellen erklären sich dann zwanglos aus der Tatsache, daß Ölfarbe aus der Tube an der Luft hart wird und eine dicke Schicht bildet. Das eine ist gewissermaßen die religiöse Sicht, das andere die materialistische.
(Sklavenhaltung / Verbrennungsmotor / Autodiebstahl) Schönes Beispiel. Zunächst eine Präzisierung: Das 10. Gebot legitimiert die Sklaverei nicht, sondern setzt die Legitimität schon voraus. Das zeigt, dass der Normgeber (der liebe Gott) sie für legitim erachtet.
Völlig richtig! Das 10. Gebot setzt die Sklaverei als historische Tatsache voraus, legitimiert sie aber nicht. Wir sind einer Meinung! Daraus folgt nicht, daß der "Normgeber" sie für legitim erachtet. "Der liebe Gott" wollte eigentlich nicht, daß die Menschen einander als Sklaven halten. Sie haben es aber trotzdem getan (weil sie der Sünde verfielen, du weißt, die Sache mit dem Apfel und der Schlange: seitdem machen sie dauernd lauter Sachen, mit denen der liebe Gott eigentlich nicht einverstanden ist. Deshalb gibt es u.a. das Böse in der Welt und den freien Willen des Menschen und seine Würde: die Zusammenhänge sind ausgesprochen kompliziert. Es gibt aber im Levitikus wenigstens die Regelung, daß man als Jude seine Sklaven nach 7 Jahren frei lassen soll, weil sie nämlich Menschen sind, keine Sachen. Für andere Völker war es dagegen zu der Zeit völlig normal, Sklaven als Sachen zu betrachten. Deshalb wären die nie auf die Idee gekommen, sie freiwillig freizulassen. In der weiteren historischen Entfaltung und Reifung der jüdisch-christlichen Religion bildete sich dann - unter enormen Schmerzen - immer mehr das Verständnis vom unveräußerlichen Wert jedes einzelnen Menschen heraus, und zwar wegen der Idee seiner Gottesebenbildlichkeit, bis hin zu unseren heutigen Auffassungen über die universellen, unteilbaren, unveräußerlichen Menschenrechte. Du siehst also auch hier wieder, wie wichtig es ist, eine Entwicklung historisch zu betrachten (Kunstwerk), nicht statisch (Ölfarbe). Auch hier hat Andreas in ganz hervorragender Weise alles Nötige gesagt. Wir Christen würden über historische Prozesse sagen, daß der Schöpfer die Zeit als Mittel zur Wirkung benutzt. Ein interessantes Thema übrigens, was eigentlich die Zeit ist. Sie hat nämlich einen Anfang und ein Ende. Und sie ist nicht das, was der Wecker macht. Man nicht einmal sagen, daß es "eigentlich" wirklich gibt...
So ist es auch mit dem 10. Gebot, das noch einmal ausdrücklich den Sklaven und die Sklavin im Eigentum des Mitmenschen erwähnt, und verbietet, zu versuchen, diese zu erlangen.
Der SINN des 10. Gebotes ist es nicht, das ist nun oft genug klargestellt worden, den speziellen Status von Sklaven zu regeln, sondern die Begehrlichkeit des menschlichen Herzens nach Besitz, der einem nicht gehört. Und da Sklaven damals nunmal überall zum "Besitz" gehörten, tauchen sie eben in der Aufzählung mit auf. Ich hatte das mit meiner Analogie ja schon geklärt. Ansonsten wieder: s. Andreas.
Wahrscheinlich hat Gott sich damals gedacht: "Eigentlich ist das ganz und gar nicht ok mit dieser Sklaverei. Aber wenn ich das jetzt weglasse, dann verstehen die das wieder mal total verkehrt und meinen, sie dürften dem Nachbarn seine Sklaven wegnehmen, bloß den übrigen Besitz nicht. Und dann fangen sie prompt endlose Kriege an, um einander die Sklaven zu klauen. Dann wäre die Lage noch viel übler, auch für die Sklaven. Deshalb wende ich meinen Standardtrick an und setze auf die Zeit als Mittel der Wirkung, solange bis der eigentliche Groschen eben fällt. Das tut er ja sowieso früher oder später. Kann höchstens noch einige wenige tausend Jahre dauern."
Ich: In einer Welt, deren gesamte Ökonomie auf Sklaverei beruhte, konnte es keine Frage nach der Legitimität der Sklaverei geben.
Du darauf: So? Ein großes Vorstellungsvermögen scheint der liebe Gott damals ja nicht gerade gehabt zu haben, wenn er sich eine Welt ohne Sklaverei nicht vorstellen konnte. Ökonomischen Sachverstand übrigens auch nicht, denn Sklaverei ist volkswirtschaftlich eher schädlich. Aber na ja, ein jeder ist nun mal ein Kind seiner Zeit, nicht wahr?
So ist es, ein jeder ist ein Kind seiner Zeit. Und weil das eben bei jedem so ist, reicht das durchschnittliche Verständnis der meisten Menschen nicht weiter, als es einem durchschnittlichen Kind der Zeit eben entspricht.
Über dein Lob wird Garfield sich freuen.
Deshalb habe ich es ja geschrieben.
Ich: Natürlich waren die Kreuzzüge letztlich ein Irrweg.
Du: Na, na, na, ist das nicht eine ein bisschen zu harte Formulierung? (Ironie)
Ich: Die kriegerische Aggression geht vom Islam aus (und hält bis heute an), nicht von den Christen,
Du: Also letztlich doch nur ein Verteidigungskrieg. Wieso dann aber ein Irrweg?
Ich frage mich gerade, ob dein Denken vielleicht irgendwie digitalisiert abläuft, und zwar so, daß selbst äußerst komplizierte Fragen voraussetzungslos nur entweder die eine oder die entgegengesetzte Antwort haben können? Das fällt mir wiederholt auf... Es gibt eine Vielzahl geschichtlicher Gründe, warum diese Kriege damals begonnen wurden, einige sind gut nachvollziehbar; das wollte ich ausdrücken. Es gab und gibt tatsächlich diesen kriegerischen Islam, der die riesigen, ehedem rein christliche Gebiete im Morgenland, in Nordafrika und Spanien mit Waffengewalt unterworfen und die ansässige christliche und jüdische Mehrheitsgesellschaft wie Hausschweine behandelte und sagenhaft grausam unterdrückte. An den Kreuzzügen würde ich deshalb eher kritisieren, wie sie, und nicht daß sie geführt wurden.
Du hast ja schon erkannt und auch immer wieder in aller Deutlichkeit geschrieben, dass ich und jeder, der nicht Deiner Meinung ist, ein ignoranter Nichtwisser ist. Und jetzt muss ich Dir sogar recht geben dass Macht korrumpiert eine Basisaussage des Christentums ist, das ist bisher völlig an mir vorbei gegangen.
Ich habe niemals jemanden wegen einer von der meinen abweichenden Meinung als unwissend bezeichnet, sondern wenn, dann nur wegen erwiesenem Nichtwissen. Als einen ignoranten Nichtwisser würde ich jemanden bezeichnen, des es außerdem nicht wissen will. Aber ich glaube, den Ausdruck habe ich bisher so nie gebraucht. Ich kann mich aber irren. Vielleicht gibt es ja tatsächlich vereinzelt Menschen, die etwas nicht wissen und es auch nicht wissen wollen. Es wundert mich übrigens, daß es dir entgangen ist, wie oft und durchgängig Christus die rein weltliche Machtentfaltung ablehnte, wie sehr er die Innerlichkeit betonte und zum Beispiel immer wieder davon sprach, daß sein Reich nicht von dieser Welt sei. Läsest du die Evangelien, dann fändest du das alle Nas lang.
Nein, Spaß beiseite. Dies ist so ein typisches Beispiel, dass man in das Christentum alles hineinlesen kann.
Man kann zwar, man muß aber nicht; v.a. soll man es nicht. Warum machst du es also?
Das meine ich, wenn ich sage, das Christentum ist flexibel bis zur völligen Beliebigkeit.
Ein andermal heißt es dann, die Kirche sei unbeweglich bis zum völligen Starrsinn. Was denn nun? Beides zugleich geht nicht. Oder geht es darum, daß man eben immer das nimmt, was im Moment gerade am besten paßt, um das Christentum möglichst polemisch zu diskreditieren?
Die Aussage, dass Macht korrumpiere, dürfte recht neuen Datums sein.
Die Formulierung wohl, die Einsicht nicht.
Da dies heute weithin anerkannt ist, muss es natürlich flugs zur Basisaussage des Christentums ernannt werden.
Genau umgekehrt: es ist deshalb heute weithin anerkannt, weil es eine Basisaussage des Christentums ist - und weil es eben diese 2000-jährige christliche Entwicklung gibt, in der das allmählich zur allgemeinen Anerkennung gelangt ist. Historische Prozesse sind langwierig, kompliziert und widersprüchlich. Deshalb brauchen solche historischen Entwicklungen Zeit und es gibt im Verlauf immer wieder Phasen der Rückschläge und Fehlentwicklungen. Genau diese Fehlentwicklungen und Rückschläge indes sind das Futter, aus dem die Weiterentwicklung ihre Nahrung bezieht. Sie entwickelt sich letztlich immer nach den Gesetzen, die ihnen zugrunde liegen und nicht nach denen, die ihnen nicht zugrunde liegen. Unserer abendländischen Entwicklung lag das Christentum zugrunde, durch und durch. Deshalb ist das, was sich bei uns entwickelt hat, vom Christentum geprägt. Und nicht von "irgendwas". Zum Beispiel auch nicht vom Islam, wo das nämlich ganz anders gesehen wird.
Oh, und ich bin sicher, dass sich dies auch mit der Bibel und der Tradition belegen lässt. Sollten in 100 Jahren Verbrennungsmotoren allgemein verpönt sein, wird sicher der ein oder andere Christ behaupten, dass dies schon immer christliche Kernaussage war, und alles andere letztlich ein Irrweg.
Nein, das läßt sich nicht mit der Tradition belegen, weil es zur Zeit der Entstehung des Christentums noch keine Verbrennungsmotoren gab.
Ich: Ein Konkordat ist etwas völlig Normales, er soll einfach die Lage der Katholiken in einem Land auf gesetzlich gesicherte Basis stellen.
Du: Dafür sind die Verfassung und die restlichen Gesetze da (die für alle gleich gelten), das Konkordat regelt die Rechte der Katholischen Kirche. In Bayern zum Beispiel erhalten die Bischöfe aufgrund des Konkordates vom Freistaat ein Ministergehalt bezahlt.
Das könnte man von mir aus ändern, es ist nicht wichtig. Allerdings muß man auch bedenken, das Bayern meistenteils ein sehr katholisches Land ist, da ist die ganz überwiegende Mehrheit katholisch, so daß dadurch jedenfalls nicht eine Mehrheit durch eine Minderheit benachteiligt wird.
Stimmt. Ihr esst ja jedes mal ein Stück Fleisch von Jesu Körper und trinkt sein Blut. Bei den Protestanten gibt es nur Oblaten und Wein, die als Symbole dafür stehen.
Nein, wir essen keine "Salami" und wir trinken auch kein Blut. Du weißt, wie beleidigend und polemisch das ist. Warum tust du das? Und warum beklagst du dich eigentlich über mich?
Stimmt, die zehn Gebote sind wirklich nix besonderes, sondern nur ganz allgemein gehaltene Grundregeln, auf die sich sowieso jeder einigen kann.
Heute - auf die sich heute "sowieso jeder" einigen kann. Der Grund dafür ist, daß es diese 10 Gebote eben schon so lange gibt und daß sie schon so lange die Grundlage jeder Ethik sind. Vor 3300 Jahren war das aber eben nicht so (wieder: s. Andreas!). Damals konnte sich fast niemand darauf einigen, sondern es galt das Recht der Macht und wer halt schwächer war, hatte überhaupt keine Rechte und nichts, auf das er sich berufen konnte. Das ist heute anders, stimmt. Der Grund dafür ist die Universalität der 10 Gebote und die Entfaltung der jüdisch-christlichen Kultur. In dem Maße, wie die verschwindet, verschwindet auch die Humanität. Die Geschichte beweist es.
Hier wird es jetzt ganz gruselig. Die Bergpredigt ist sinnvolle Grundlage einer allgemeinen Ethik, weil das exakte Gegenteil eine schlimme Welt darstellt! Wie ich oben schon sagte: Wer die christliche Ethik kritisiert oder ablehnt, der fordert nicht automatisch immer das Gegenteil von jeder christlichen Norm.
Dasselbe wie oben: habe ich das denn gesagt? Ich sage nur, daß heute viele Leute eine der Bergpredigt entgegengesetzte Welt favorisieren, in der zum Beispiel der Stärkere mehr Lebensrecht hat als der Schwächere. Diese Tatsache ist unbestreitbar. Ich kritisiere das, weil ich diese Weltentwürfe für unethisch und wirklich schlimm halte. Außerdem verwechselst du wieder die Reihenfolge. Die Welt war damals so eine schlimme Welt, aber sie schien jedem "normal", als ob es nicht anders als so sein könne. In der Bergpredigt wird das kritisiert und eine Gegenwelt entworfen. Weil die Bergpredigt, als Grundlage der christlichen Ethik, bestimmend wurde für die Entwicklung des Abendlandes, nur deshalb gibt es diese schlimme Welt heute so nicht mehr. Das ist der historische Ablauf. Was findest du daran gruselig? Ich finde deine Neigung zum dichotomen Denken gruselig. Warum ist das eigentlich so bei dir? Tut das weh?
Ich: Andererseits ist die reale Welt aber eben oft so. Ist das deswegen ein "Ideal"? Wirklich?
Du: Hat das jemand behauptet? Wirklich?
Ja, das wird oft und immer wieder behauptet. Wirklich. Neoliberale Weltentwürfe sind zum Beispiel solche "Ideale". Ganz zu schweigen von faschistischen oder kommunistischen "Idealen". Oder hab ich mir die ausgedacht? Das ist doch noch nicht so lange her, daß diese "Ideale" sehr verbreitet waren, nicht wahr? Oder hattest du das gerade nur vergessen.
Noch mal: Wer die christliche Ethik als unsystematisch ablehnt, der will nicht überall das genaue Gegenteil jeder christlichen Forderung. Nicht jeder, der das Christentum ablehnt ist auch ein Teufelsanhänger. Oder Berufsverbrecher aus Überzeugung. Oder was immer Du Dir in Deiner maßlosen christlichen Arroganz vorstellst. Wer bejaht denn das Begehen von Unrecht? So ein Quatsch!
Den Vorwurf der maßlosen Arroganz lasse ich auf dich zurückfallen. Und wieder dasselbe wie oben: Habe ich das denn gesagt? Ich sage nur, daß viele Menschen, die das Christentum ablehnen, unethische Positionen vertreten. Nicht alle, du zum Beispiel nicht, sagst du, aber viele tun es eben. Das sind oft durchaus Berufsverbrecher aus Überzeugung. Die Kommunisten oder die Faschisten zum Beispiel bejahen das Begehen von Unrecht uneingeschränkt, wie allgemein bekannt ist. Die Tatsache, daß du das nicht tust, auch wenn du es gerade vergessen hast, beruht darauf, daß du die christliche Ethik eben nicht ablehnst, sondern bejahst, auch wenn du das nicht christlich nennen willst. Mußt du auch nicht. Aber die Tatsache, daß du in einer vom Christentum geprägten Kultur aufgewachsen bist, ist eben eine Tatsache und es ist der Grund dafür, daß du diese ethische Haltung in der Erziehung verinnerlichen konntest. Wärest du in Mekka aufgewachsen, dann hättest du eine andere Haltung verinnerlicht. Und hätte Hitler (fiktiv) den Krieg gewonnen, dann wärst du jetzt ein strammer Nazi. Mit absoluter Sicherheit, wenn man unterstellt, daß die Religion dann eben parteiverordnet "nordisch" - und die sog. "Ethik" arier-rassistisch wäre. Denn woher hättest du unter solchen Verhältnissen noch erfahren können, wie Scheiße deine Weltsicht eigentlich ist? Eben! Von niemandem mehr, wenn die historische, religiöse Kontinuität erst einmal ganz abgerissen gewesen wäre.
Da haste recht. Und das ist auch der entscheidende Punkt: Ethische Normen sind durch Logik, auf der Grundlage der Vernunft, und durch Empirie zu finden, nicht vom lieben Gott oder dem lieben Jesuskindlein zu empfangen. ... Ihre Begründung, ihre Grundlage macht die Bergpredigt zu einer "Sonderethik für Christen". Vernunftbasierte und allgemeingültige ethische Systeme werden in vielen Punkten zu gleichen oder ähnlichen Normen kommen, aber die Haltung, die Grundlage und die Details (und auf die kommt es nun mal an) sind anders.
Die "Details" sind anders, sagst du? Naja, so kann man es natürlich auch ausdrücken. Die historische Erfahrung v.a. der letzten zwei Jahrhunderte lehrt, daß alle Versuche, eine "bessere Welt" durch reine Logik, Vernunft und Empirie aufzurichten, seit ihrer Geburt unter der Guillotine in grauenhaftesten Blutbädern und entsetzlichen Lagerwelten mit Genickschußanlage und Gaskammer endeten. Heute erleben wir die Variante "allgemeine Verblödung" und Zerfall der Kultur in einer feminisierten, weichgespülten Wohlfühlwelt, eine Welt, die an ihrer Selbsterdrosselung und ihrem Egoismus zugrunde geht. Ist die Ur-Erfahrung des gerade vergangenen Jahrhunderts eigentlich schon aus dem Durchschnittsbewußtsein herausdiffundiert? Der Untergang des Kommunismus ist gerade ein gutes Jahrzehnt alt! Schon vergessen? Erholungsphasen gab es doch immer nur dann, wenn wieder mal so ein Exzeß vor die Wand gefahren war und man mit dem Beerdigen der Hekatomben von Leichen und dem Sortieren des verbliebenen Schutts ausgelastet war.
Das Dumme an deinem ideologischen Ansatz (im Gegensatz zum religiösen) ist nämlich, das diejenigen, die sich solche "idealen Systeme", Kraft des insuffizienten menschlichen Hirns, ausdenken, wegen ihrer Loslösung aus der Geschichte dann auch alleine darüber bestimmen wollen, was ab jetzt logisch und vernünftig ist. Die "Mitsprache" endet regelmäßig mit der jeweiligen Machtergreifung / Revolution. Es entsteht jedesmal unweigerlich eine Ideologie aus solchen "Idealsystemen". Und immer ist es den Ideologen dabei ganz besonders wichtig, daß es auf gar keinen Fall christlich zugehen darf! Das scheint mir das kennzeichnendste Element überhaupt, das ihnen allen gemein ist. Meiner Ansicht nach ist das kein Zufall, sondern liegt daran, daß eben nur durch das Abtrennen von unserer christlichen Geschichte solche Tierexperimente an der lebenden Menschheit überhaupt begonnen werden können. Es hat sich dabei stets erwiesen, daß sich Christentum und Ideologie ganz besonders schlecht vertrugen - und daß das Christentum unkaputtbar war, selsbt beim "Rekordhalter" Rußland nach über 70 Jahren Kommunismus. Wenn ausschließlich auf Logik und Vernunft gesetzt und die Religion unterdrückt wird, dann kommt immer und immer und immer eine barbarische, unethische Welt heraus, das ist die durchgängige Erfahrung der vergangenen 200 Jahre. Logik und Vernunft sind natürlich unverzichtbar wichtig, reichen aber eben nicht. Denn der Ethos hat transzendente Wurzeln und entwickelt sich nur in einem kontinuierlichen historischen Prozeß, der sich auf diese Transzendenz bezieht. Er ist nicht einfach menschengemacht. Wie viele Wahnsysteme müssen eigentlich noch ihren Bankrott anmelden, bis das endlich mal allgemein dämmert?
Wer, bitteschön, bejaht denn das begehen von Unrecht?
War das vergangene Jahrhundert nicht getränkt bis zur Sättigung mit dem Bejahen und Begehen von wahnwitzigstem Unrecht - begangen von den verschiedenen Enkeln der Guillotine. Schon vergessen? Und die nächsten Wahnwellen rollen bereits an. Über eine davon (die sich aber bald an sich selber brechen wird) reden wir hier dauernd.
(...nicht auf einfältige Art "lieb zu sein" gegen seine Feinde...) Nee, das ginge ja noch. Es wird, weit darüber hinausgehend, verlangt, seine Feinde zu lieben. Das geht natürlich gar nicht. Es ist, für einen normalen Menschen, eben undurchführbar. Das ist Dir auch klar. Im Folgenden interpretierst Du Jesu ausdrückliche und klare Forderung daher um, zu einer die durchführbar ist, nämlich auch seine Feinde anständig und menschlich zu behandeln, egal wie man sie hasst. Diese auf menschenmögliches Maß reduzierte Forderung kann dann natürlich auch in eine allgemeine Ethik eingehen, hätte ich nichts dagegen.
Ich habe etwas anderes gesagt. Ich habe dem Begriff "Feindesliebe" eine konkrete Bestimmung beigegeben: "Sie ist eine unüberwindliche Offensiv-Strategie. Sie bedeutet ganz schlicht, im Feind nicht den zu sehen, der er nach eigenem Willen ist, sondern den, der er sein könnte. Ein Freund und Bruder." Daß das für einen "normalen Menschen" undurchführbar ist, ist wahr. Gerade deshalb braucht es ja diese ethischen Ideale und ihre sichere Fundierung jenseits des politischen und sozialen Kontextes, damit es eben doch mehr und mehr "durchführbar" wird. Natürlich ist die von mir so bezeichnete "Offensivstrategie" nicht dasselbe wie "Hassen, aber anständig und menschlich behandeln". Und dennoch ist auch diese deine Maxime nur deshalb in der Welt, weil es eben dieses Ideal der "Feindesliebe" gibt. Vor 2000 Jahren war es völlig sonnenklar, daß man mit einem besiegten Feind alles, wirklich restlos alles, machen durfte - und auch machte: "Vae victis!" (Wehe den Besiegten!) - das war total normal in vorchristlicher Zeit. Und im letzten Jahrhundert wurde dann vorgeführt, unter welchen Bedingungen sich das wieder einführen ließe. Hauptbedingung dafür: Zerschlagung der Religion (Vernichtung des Judentums, später (geplant) des Christentums bei den Nazis; Atheismus als Staats-"Religion" in Rußland; totale Säkularisierung heute im Westen, etc.)
Der ganze Grund für das Gutsein liegt nicht im erschaffen einer besseren Welt, in einem geordneten und gedeihlichen Zusammenleben, sondern darin, im Himmel belohnt zu werden. Wenn ich einem Bettler Geld gebe, tue ich es als Christ nicht um der Sache selbst willen, sondern für Gott. Ich tue es nicht für den, der mich darum bittet, sondern aus Furcht vor dem, der es mir befiehlt. (Oh, ich bin sicher dass Du sofort eine Menge Rabulistik aus dem Hut zaubern kannst, warum dies nicht so sei, und ich nur jemand bin, der """"meint"""". Es ist aber dennoch so.)
Tut mir leid, aber warum beklagst du dich? Du bist hier wirklich nichts anderes als einer, der eben "meint", ohne zu wissen: woher willst du denn wissen, was einen Anderen bewegt, der einem Bettler Geld gibt? Verfügst du über die Gabe des unfehlbaren Gedankenlesens? Nur in deiner Vorstellung - und nur da - "passiert" das, was du hier mit ätzender Polemik und Apodiktik, die sich jeden Widerspruch verbittet, verkündest. Ich wundere mich sowieso, wieso du dich eigentlich so lamentierend und selbstgerecht über "erstaunliche Arroganz", "abfälligen Tonfall", "grenzenlose Überheblichkeit" etc. anderer Leute beschwerst. Du bist doch selbst der absolute Champion in diesen Disziplinen. Oder siehst du das anders? Es ist die Konsequenz deiner Auffassung von den "Spielregeln", ich weiß. Allerdings gelten die nicht zwischen dir und mir, das hatten wir oben schon geklärt.
Ich: Natürlich ist das alles keine allgemeine Empirie, es läßt sich nicht objektivieren oder extrasubjektiv verifizieren, sondern es ist gewissermaßen reine Vertrauenssache, beruht aber auf sehr realen intrasubjektiven Erfahrungen, die Glaubende v.a. in der Feier der Heiligen Eucharistie mit letzter Evidenz machen.
Du: Puh, das waren jetzt aber viele Fremdworte. Da muss aber was ganz schön Tiefsinniges dahinterstecken. Ich übersetze mal: Das ist keine allgemeine Erfahrung, es lässt sich nicht objektiv bestätigen, sondern beruht darauf, dass Gläubige beim Gottesdienst spüren, dass es Gott gibt, und das reicht als Beweis dicke aus. Hm, na ja, so tiefsinnig war es jetzt doch nicht.
Deine "Übersetzung" ist nicht tiefsinnig, das stimmt, sondern natürlich polemisch entstellend.
Doch, hör nur: Das ist Quatsch.
Es bleibt dabei, je und je: du "meinst" ohne zu wissen und urteilst hysterisch über eine Erfahrung, die du anerkanntermaßen nicht teilst, von der aber Milliarden von Menschen sagen, daß sie sie durchaus machen. Das ist in etwa so, als würde ein Blinder seinen Krückstock hysterisch zum Himmel reißen, und den Passanten widersprechen, die sich darüber unterhalten, wie schön der Regenbogen ist, der da am Himmel steht. Wer ist glaubwürdiger? Urteile selbst. Kann man dem Blinden den Regenbogen "beweisen"? Nein. Ist er deswegen inexistent und sowieso "Quatsch"? Urteile selbst.
Dein weltberühmter Atheisten-Pfarrer, Ludwig Feuerbach (von dem man auch als Christ einiges lernen - und zum genau entgegengesetzten Ergebnis kommen kann
), hat vor ca. 160 Jahren beschrieben, was einen guten, aufgeklärten Atheisten ausmacht: Laßt den andern glauben, was er will, aber fordere dafür auch von ihm, daß er dich nicht glauben läßt, was er glaubt. Diese Forderung ist gerecht und billig; aber ungerecht und verwerflich, verwerflicher noch als die Intoleranz des Gläubigen ist die Intoleranz des Aufgeklärten, welcher von den andern ohne Unterschied verlangt, daß sie zwar nicht so glauben, aber doch so denken, so frei und gescheut sein sollen, wie er selbst."
Auf dieser Grundlage verstehe ich mich mit meinen humanistischen Freunden, die Atheisten sind, ganz wunderbar. Aber eben nur auf dieser Grundlage! Das ist das, was ich dir und ähnlich hysterischen Kirchenhassern vorhalte. Von einem Atheisten erwarte auch ich, daß er eben ein guter Atheist ist, und kein dummer und hysterischer, ich erwarte, daß er wirklich aufgeklärt und tolerant ist. Dann ist auch für mich die Welt vollkommen in Ordnung. Es ist sehr bereichernd, mit Atheisten zu diskutieren (Idealbeispiel: Andreas), wenn sie klug sind und beide Seiten gelassen darauf verzichten können, einander zu "bekehren". Warum auch? Das, was sie trennt, liegt jenseits der Worte und ist reine Erfahrung. Die hat man oder man hat sie nicht, aber sie bezeichnet keine Hierarchisierung in der gemeinsamen Diskussion. Die dreht sich nämlich notwendigerweise nur um das, was für beide gleichermaßen erfahrbar ist.
Haß auf die Religion verträgt sich nicht mit Toleranz. Deswegen halte ich mich in der Auseinandersetzung mit Hysterikern an meine Spielregeln, und nicht an deren - so wie ich es am Anfang beschrieben habe. Damit erledigen sich alle Metadiskussionen über vermeintliche "Arroganz" etc. - nicht nur deshalb, weil du aufgrund deiner eigenen Polemik und Überheblichkeit sowieso kein Recht hast, solche Vorwürfe zu erheben. Wie ich es sehe trifft diese Kritik v.a. dich und Ekki. Sollte sich das einmal ändern, wäre auch meine Kritik sofort obsolet. Mit Tommy z.B. bin ich deshalb - wie ich es sehe - völlig im Reinen.
Ich verteidige immer, was mir lieb und teuer ist, sobald es angegriffen wird - keineswegs nur in Glaubensfragen - und ich tue das bedingungslos! In der Wahl der Mittel richte ich mich nach dem Gegner und halte mich an das berühmte, alttestamentarische "Auge um Auge, Zahn um Zahn": das heißt nämlich keineswegs, wie du vielleicht denkst, daß man dem anderen beliebig die Zähne einschlagen und die Augen ausstechen "soll", sondern daß man, wenn es denn unvermeidlich ist, dabei gerecht vorgeht und pro Zahn nur einen Zahn ausschlägt (und nicht zwei oder mehr) und pro Auge nur ein Auge aussticht, und nicht etwa beide. Wenn man das eine Weile lang gemacht hat - so lehrt mich meine Lebenserfahrung - dann bildet sich die religionsgeschichtliche Entwicklung meist auch im Kleinen ab und man kommt früher oder später in den "Bereich des neuen Testaments": man liebt seine Feinde! Doch, doch, das ist schon so, Daddeldu, aber Feindesliebe sieht eben völlig anders aus, als du dir das vorstellst.
Nur manchmal, da ist sie eben nicht durchführbar, das stimmt schon.
Das liegt dann aber fast immer daran, daß der Humor fehlt.
Dann geht's eben nur um die Ölfarbe, nicht um die Kunst.
Andreas' Link zum Ringelnatz folgend finde ich dies:
Kuttel Daddeldu verprügelt den Schiffsjungen:
Wenn du siehst, daß jemand ins Wasser fällt,
Dann springst du sofort hinterher.
Denn man weiß nie bestimmt,
Ob er sackt oder schwimmt.
In diesem Sinne: Ahoi!
Gruß vom
Nick
Re: Von eingebildeten Göttern und eingebildeten Menschen
Jens, Monday, 10.05.2004, 02:58 (vor 7940 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Von eingebildeten Göttern und eingebildeten Menschen von Nick am 09. Mai 2004 23:08:05:
Hi Nick,
Der Vorwurf fällt auf dich selbst zurück. Habe ich das denn gesagt? Ich sage nur, daß heute viele Leute eine der christlichen entgegengesetzte Norm vertreten (oder "vertreten sehen wollen", ohne genau angeben zu können, welchen Inhalt sie denn dann überhaupt haben sollte). Diese Tatsache ist unbestreitbar. Ich kritisiere das, weil sich solche Positionen historisch durchweg als extrem unethisch erwiesen habe. Wenn du indes nicht das Gegenteil der christlichen Norm forderst, sondern dich daran hältst, auch wenn du das nicht so nennen magst, dann soll mich das freuen und ich kritisiere es dann ausdrücklich nicht.
[quote]Ich kenne nicht einen einzigen Fall, daß eine der christlichen Ethik direkt entgegengesetzte Position auch nur zwei bis drei Generation lang überlebt hätte. Die jeweiligen "Firmen" haben samt und sonders, ohne eine einzige Ausnahme, meistens schon nach wenigen Jahren, wegen geistiger Zahlungsunfähigkeit und ruinösen (Menschen-)materialverbrauchs Konkurs anmelden müssen.[/quote]
ich habe leider noch 20 min bevor die Schreibsperre aktiv wird. Aus diesem Grund beeile ich mich und gehe nur auf den Anfang ein - kann auch nicht alles durchlesen.
Ich empfinde es sehr schwierig erstmal zu sagen, was "Christentum" eigentlich bedeutet. Wenn du mich heute fragst, so glaube ich nicht, dass es durch die zwei großen Kirchen repräsentiert wird. Außerdem unterscheiden sich die "christlichen" Wert zwischen den zwei den großen Kirchen. Im Katholizismus herrscht eine extreme Hirarchie, die selbst Jesus nicht für gut hieß. Die katholische Kirche ist ein reiner Machtapparat. Habe mal gelesen, dass lediglich 8% der Spendeneinnahmen für gemeinnützige Zwecke von der Katholischen Kirche verwendet werden. Hinzukommt das totalitäre Denken. So wurde das 1945 gefundene Thomas-Evangelium von der Katholischen Kirche lange Zeit zurückgehalten, weil sie angeblich die reinen Jesusworte beeinhalten. Ein Satz sinngemäß: "Spalte ein Stück Holz und ich bin da, Hebe einen Stein auf und du wirst mich finden. Das Reich Gottes ist überall". Auf Deutsch: Kirchen verlieren somit an Bedeutung - es benötigt keine Institution um Christ zu sein, es benötigt noch nichtmal eine Gemeinschaft, sondern allein der Glauben daran ist genug. Traurig auch, dass die Bibel im Laufe der Geschichte geändert wurde und "unglaubwürdige" Passagen herausgestrichen wurden. Warum? Die Katholische Kirchen hat unter dem Deckmantel des Christentum tausende von Jahre das Mittelalter "dunkel" gemacht. Inquisition und eine ideologischen Weltbild, welches keinen Widerspruch, kein Hinterfragen, keine Forschung beeinhaltete. Die Katholische Kirche ist unweigerlich Teil der Christlichen "Ethik" - zu verdanken haben wir ihr jahrtausendlange unterdrückung und den 30jährigen Krieg, die Kreuzzüge. etc....
Martin Luther ist auch Teil der christlichen Ethik - er war aber nicht nur großer Reformator, sondern eines der größten Antisemiten seiner Zeiten. Hilter hat mal gesagt: "Ich mache da weiter, wo Martin Luther aufgehört hat". Viele Maßnahmen, die damals die Kirche vollzogen hat, (berufsverbot für Juden, Juden haben Brunnen vergiftet etc..) wurden in unsere Kultur weitergetragen und von Hitler auf Berufung dieser "fortgeführt." Auch das ist ein Teil "christlicher" Interpretation.
Wenn jemand die Menschen zu Vernunft und Humanismus geprägt hat, dann nicht "das Chirstentum" oder "Die Kirche", sondern - sofern Bibeltreue vorhanden - die Eigeninterpretation von der Verkörperung Jesus. Ich betracht ihn eher als eine "Philosophen", der schon damals gegen bestehende "Sitten" und gesellschaftlichen Regeln verstieß und dadurch eine Position des Humanisten, Selbstkritikers und Menschenfreundes einnahm. ("Wer von euch frei von Schuld ist, der werfe den ersten Stein", "Wenn euch jemand auf eine Wange schlägt, haltet ihm die andere auch hin" etc....).
Das "Christentum" als ein "homogenes" Wertesystem darzustellen ist somit sehr schwierig. Die Unterschiede und Interpretation der Heiligen Schrift fallen zu unterschiedliche aus.
Wonach man es dann mit ebenso kurzlebigen "Neugründungen" unter anderem Namen versuchte - alle immer mit dem selben Schicksal. Die Geschichte der Gottlosigkeit ist, seit ihrer politischen Geburt unter der Guillotine, ein einziges, singuläres, moralisches Desaster, ein Blutbad unvorstellbaren Ausmaßes, eine geistige Ödnis des seelischen Grauens, wie es die Welt nie zuvor sah. Ein inzwischen unbestreitbares historisches Faktum.
Teil des historischen Faktum habe ich oben beschrieben. Jahrtausendelange Inquisition, Antisemitismus, Kreuzzüge, Glaubenskriege widerlegen - bis auf den Kommunisus - dass ein Blutbad aus der Gottlosigkeit zu schließen ist. Der Papst segnete im Mittelalter die Waffen, im dritten Reich kolaborierte die Katholische Kirche teilweise mit dem NS-Regime. Immerhin wurde Jesus ja von den Jüdischen Hohepriestern ans Kreuz geschlagen - das haben die "Christen", den Juden irgendwie nie verziehen - offenbar. Auch nicht Martin Luther - bis in seinen Tod.
Hingegen hat John Locke - als erste den Freiheitsgedanken geprägt. Als einer der ersten forderte er die strickte Teilung zwischen Staat und Kirche und forderte Gewaltenteilung. Die angehenden Amerikaner ließen sich von Locke anstecken und formulierten eine Verfassung, die den Sklavenhandel und die Sklaverei letzten Endes beendetet und besiegelte (Jeder Mensch hat ein Recht auf Freiheit...). Die Christliche Kirche hat das nicht geschaft, auch nicht der "christliche Gedanke" der Menschen, sondern eine normale Klage vor dem Bundesgericht der noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika, in einem Rechtssystem mit Gewaltenteilung ohne kirchlichen Einfluss.
Jens
Nachtrag:
Jens, Monday, 10.05.2004, 13:43 (vor 7940 Tagen) @ Jens
Als Antwort auf: Re: Von eingebildeten Göttern und eingebildeten Menschen von Jens am 09. Mai 2004 23:58:51:
Hi Nick,
Sokrates musste den Schierlingsbecher trinken, weil ihm "Gotteslästerung" vorgeworfen wird.
In Israel wird den Palästinänsern das Wasser abgedreht, bzw. vom Norden her umgeleitet. Selbst die Golanhöhen von Syrien wurden von den Israeli in einem reinen Angriffskrieg (hier vertrete ich die Meinung Bismarks: Jede Präventivkrieg ist ein Angriffskrieg) besetzt und die dortige Wasserquelle gesichert, die die Syrer in ihr Land umleiten wollten. Der Jordan fließt nun nach Israel und nicht mehr durch Palestina. Das Tote Meer bekommt nicht mehr genug Wasser und sinkt. Ein Israeli verbraucht 5 mal so viel Wasser wie ein Palestinänser. Auch darf man in Palestina nur mit einer Genehmigung einen Brunnen bauen. Das liegt daran, dass das natürliche durch den Regen spendende Wasser auf dem palestinänsischem Gebiet versickert und auf Grund des Gefälles nach Israel wandert, wo es in Quellen emporfließt. Hinzukommt die Zusiedlung des Autonomen Gebietets. Israels derzeitiger Landbesitz in der Region ist nahezu doppelt so groß wie von der UNO ürsprünglich vorgesehen. "Böse Zungen" bezeichnen das als "Erschließung neuen Lebensraumes" (siehe: "Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Mythos und Realität", Norman G. Finkelstein)
Bei all diesen Handlungen berufen sich die Israelis auf das Versprechen, dass das Jüdische Volk zurückkehren werden in ein Land wo Milch und Honig fließen. (3. Mose 19.24: Euch aber sagte ich: Ihr Land soll euch zufallen; und ich will es euch zum Erbe geben, ein Land, darin Milch und Honig fließt. Ich bin der Herr, euer Gott, der euch von den Völkern abgesondert hat, daß ihr auch absondern sollt das reine Vieh vom unreinen und die unreinen Vögel von den reinen und euch nicht unrein machet an Vieh, an Vögeln und an allem, was auf Erden kriecht, das ich abgesondert habe, daß es euch unrein sei.)
"Ihr Land soll euch zufallen" - der Krieg des "reinen Volkes" ist legitimiert.
Ebenso sind derzeitige islamische Fundamentalisten alles andere als "gottlos". Deren Glauben ist so stark, dass sie für ihn und Allah sterben. Selbst bezeichnen sie uns als "Ungläubige" - offenbar eine freie Interpretation dessen, was "Unheilbringend" ist um später vielleicht argumentieren zu können, dass die Gottlosen die Verbrecher sind. Sich selbst bezeichnen sie sich als "Gotteskrieger".
Wie dem auch sei: zur Zeit befindet sich die ganze Welt in einem Glaubenskrieg ("Ihr liebt das Leben, wir leben den Tod".) Diese Glaubenskrieg existiert schon seit anbeginn der drei großen Religionen und so war schon immer die Politik. Israel wurde unterstütz, über Völkerrechtsverletzungen wurde immer schön hinweggesehen, Vanunu ist ein Schwerverbrecher, die Ölkrise wurde von den Arabischen Staaten verhängt. Alles - der ganze Glaubenskrieg, die Terroranschläge etc. sind einzig und allein auf der Blindheit und Einseitigkeit der westlischen Politik bzgl. Israel zu begründen und der Blindheit, selbst den "wahren" Glauben zu vertreten. Jetzt müssen wir den Preis für unsere "christlisch-ideologische" Borniertheit zahlen. Aber das ist ja alles nicht so schlimm, denn wie sagte Bismark einst: "Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt!".
Jens
P.S. vielleicht sollten wir alle das Buch "Nathan der Weise" wieder hevorkramen und zur Pflichtlekture im christlichen Abendland, in Israel und den Arabischen Staaten machen. Der Gedanke der "Menschenrechte" hat offenbar noch nicht Fuß gefasst.
Nathan, der Jude
Nick, Tuesday, 11.05.2004, 18:40 (vor 7938 Tagen) @ Jens
Als Antwort auf: Nachtrag: von Jens am 10. Mai 2004 10:43:53:
Hallo Jens,
ich gebe zu bedenken, daß die Beurteilung der geschichtlichen Rolle der Kirche nur eine historische Beurteilung sein kann. Sie ist und bleibt nun einmal die "Wirbelsäule" unserer geistigen und kulturellen Entwicklung, man mag zu ihr stehen, wie man will.
Herzstück und Mitte der Kirche ist nach wie vor, auch nach 2000 Jahren, dieser Jesus Christus, den du gewissermaßen "gegen" sie ins Feld führen willst. Diese Tatsache allein rechtfertigt die Kirche (ihre Existenz, nicht alle ihre Irrtümer und Fehler, wobei aber neben denen, die sie wirklich beging, ein Vielfaches davon "hinzukommt", die man ihr zu Unrecht vorhält, "weil es bekanntlich jeder weiß"...). Von Christus wüßte heute keiner irgend etwas, wenn es diese Kirche nicht gegeben hätte - oder wenn es sie nicht mehr gäbe.
Kritik an der Kirche gab es immer, auch innerhalb der Kirche, zu allen Zeiten. Kern dieser Kritik war es immer, sie erneut auf ihren Ursprung zu verpflichten. Dies war wieder und wieder und wieder erfolgreich, sonst gäbe es sie nicht mehr.
Eine Kritik indes, die die Vernichtung der Kirche zum Ziel hat, zielt auf die Verwüstung des Bodens, auf dem wir alle stehen. Es gibt eine Art Reflex, der immer dieselben Pauschalurteile reproduziert, undiffernziert und unwissend, der ähnlich resistent gegen Vernunft ist, wie alle anderen ideologischen Bornierungen. Und wie immer fällt es demjenigen nicht auf, der davon befallen ist. Du erlebst das gerade bei manchen Antworten von ai-Gutmenschen, nicht wahr?
Ich frage dich mal, was der folgende Satz wert ist: "Habe mal gelesen, dass lediglich 8% der Spendeneinnahmen für gemeinnützige Zwecke von der Katholischen Kirche verwendet werden." Punkt.
Wenn ich jetzt hier schriebe: "Jens ist ein Päderast!" (oder ähnlichen Blödsinn), dann könnte jeder sagen: "Habe mal gelesen, daß Jens ein Päderast ist." Wenn sich das dann zu einem allgemeinen "Wissen" verdichtete, welche Chance hätte dann die Wirklichkeit deiner Existenz? Welche Chance hättest du, deine Würde zu verteidigen? Gäbe es einen anderen Weg, als jeden einzelnen, Mann für Mann, von seinem Irrtum zu überzeugen? Besser gefragt: wäre das denn überhaupt ein "Weg"?
Das ist das, was ich immer mit "meinen" bezeichne: "Habe mal gelesen..."
Die geschichtliche Wirklichkeit (noch dazu eine ungebrochene 2000-jährigen Geschichte) ist hochkompliziert, widersprüchlich, verworren und keinesfalls nach einem einfäligen "Gut-Böse"-Schema zu begreifen (wobei die Steinewerfer immer die "Guten" sind, logo). Wer die Kirche von innen kennt, der weiß, wie sehr das an der Wahrheit vorbeigeht, wie aufrichtig man sich darum bemüht, trotz der eigenen Mängel und Grenzen, deren man sich nur zu gut bewußt ist, eine Wahrheit zu bewahren und zu verteidigen, die man eben nicht "besitzt", die aber der letzte und einzige Garant dafür ist, daß wir nicht in den kollektiven Wahnsinn stürzen.
Die Kirche "herrscht" nicht! Es ist jedem ein leichtes, sich ihrer "Herrschaft" zu entziehen, es genügt ein simpler Gang zum Einwohnermeldeamt, und schon ist man frei. Sie ist auch nicht totalitär, nicht nur, weil ihr die Macht dazu (gottseidank) fehlt, sondern weil sie etwas verteidigt, was nicht eben nicht in der Verfügung des Menschen steht. Es steht jedem frei, dieses Gut abzulehnen, aber nicht, es nach "demokratischem Volkswillen" zu verändern. Ein Glaube, der "beschlossen" würde und veränderbar wäre, wäre keiner. Er wäre nichts wert und würde vergehen, wie alles andere auch.
Deshalb werden die selbstgerechten, ahistorischen "Meinungen" über die Kirche kein Ende nehmen. Und die Kirche auch nicht. Damit kann ich leben 
Das Thomas-Evangelium hat eine eigene Schönheit, das stimmt, ich mag es auch sehr. Aber es wurde eben erst kürzlich entdeckt. Bis das einmal eventuell "kanonisiert" würde, wären, bei der notorischen Vorsicht in Rom, mindestens 1000 Jahre vergangen. Das ist im Prinzip gut so. Sonst wäre die Ufologie, bei besonders ungünstigen historischen Bedingungen, evtl. auch einmal Teil der Heiligen Schrift. Der einzige Schutz vor historischen Irrtümern ist Erfahrung, Vorsicht, Geduld und Vertrauen in die Tradition. Man weiß eben, daß man "alle Zeit der Welt" hat. Das ist auch ein Wert, ein Wert in sich, der sich selbst rechtfertigt. "Irgndwen" muß es geben, der nicht ununterbrochen nur nach dem "Neuen" greift und das Alte in die Tonne tritt. Dafür sorgen schon alle anderen (und niemand hindert sie ja real daran). Man kann das Thomas-Evangelium derweil ja "einfach so" lesen - wie ich es tue, und Kardinal Ratzinger und der Papst und jeder andere auch. Das ist nämlich nicht verboten 
Ich bin jedenfalls heilfroh, daß ich es nicht mit Milliarden "Eigeninterpretationen von der Verkörperung Jesu" zu tun haben muß. Mag es sie geben! Aber es ist evident, das die "Verkörperung Jesu" sofort in Millionen Fetzen zerflöge, gäbe es nicht die "Norm", die knochentrocken auf dem beharrt, was die Tradition als wahr erwiesen hat. Also mich interessiert es nicht so sehr, was Jesus bei den Kelten für tiefsinnige Einweihungen hatte, was er von den Druiden auf den britischen Inseln erfuhr und was er auf seinem Flug zur Wega gemacht und gesagt hat. Diese Geschichten gibt es alle, als Meterware. Verstehst du, was ich sagen will?
John Locke hatte seine Ideen, weil er in der Kultur des Christentums aufwuchs und lebte. In Mekka hätte es jedenfalls keinen Abu John ben Locke geben können. Die Geschichte ist widersprüchlich, komplex, niemals zuende, bevor nicht die Zeit zuende ist. Und auch John Locke ist nur eine vergängliche Form. Es gibt kein "Ende der Geschichte". Denn wir leben in der Zeit - und deshalb in der Geschichte, in unserer Geschichte, mittendrin, die wir alle zu verantworten haben. Wir haben keinen, an den wir das delegieren können. Keinen Gott, der seinen Job etwa darin sähe, uns zu "unserem" Glück zu zwingen (denn dann wäre es nicht unser Glück: wegen dem Zwang, nicht wegen dem Urheber). Wir können es auch nicht an die "Bösen" delegieren, an die Anderen, die nicht so wollen, wie wir wollen. Das Elend unserer Geschichte rührt ja gerade daher, daß wir dies versuchen, je und je...
Ganz kurz zu Israel: der Staat ist keine "religiöse" Gründung, sondern eine politische. Nachdem die Juden 2000 Jahre lang (als einzige!) kein "Tätervolk" waren (aber trotzdem für alles und jedes als Täter verantwortlich gamacht wurden), haben sie nun einen Ort von der Größe Hessens, wo es mal "nur jüdisch zugehen soll". Ich kann das verstehen. Ich kann auch verstehen, daß das mit viel neuem Unrecht verbunden ist. Ich weiß auch, daß dem viel Unrecht vorausging. Ich weiß, daß dort immer auch Juden lebten (davon 1400 Jahre lang, wie die orientalischen Christen, als unterdrückte Underdogs der Moslems). Nun wurde diese Phase durch menschlichen Beschluß beendet. Fromme, orthodoxe Juden lehnen den Staat Israel deswegen rundheraus als Gotteslästerung ab (das wissen viele nicht). Die Geschichte ist, wie gesagt, ungemein kompliziert. Aus dem Wahnsinn dort unten wird die Menschheit wieder ein wenig mehr lernen, sich nicht wahnsinnig zu verhalten. Anders geht es nicht. Wir selbst wollten und wollen es so. Deshalb ist es so. Nur deshalb.
Denn wir hängen alle mittendrin, keiner kann uns hier rausholen. Wir müssen uns also bewähren, auf eigene Verantwortung, jeder so gut er kann, trotz aller Widesprüche, im Bewußtsein der Irrtümer und Schmerzen, die wir einander und uns selbst dabei zufügen. Wir könnten es zwar lassen. Aber wir tun es eben nicht. Keiner tut es. Deshalb ist es so, wie es ist...
Das - genau DAS - ist die Basis unserer Freiheit und unserer Würde als Menschen. Denn was wäre die Alternative? Willenlose Marionetten einer Mechanik des "Guten"? Das wäre eben nicht gut, dann wären wir keine Menschen, sondern eben Marionetten. Zu begreifen, daß dies wiederum eben kein Freibrief zum "Anything goes" ist, sondern im Gegenteil eine ungeheure Verantwortung bedeutet, die wir tragen, für uns und unsere Welt, das setzt sich eben nur ganz allmählich durch, das dauert Jahrtausende, wie man sieht. Aber es ist ohne Alternative.
Von dieser Perspektive her gesehen ist nichts von größerer Bedeutung, als die gesammelte Erfahrung von eben diesen taudsenden Jahren elender(!) Geschichte - und dem glimmenden Licht, das durch diesen Irrsinn hindurch bewahrt wird, das der einzige Garant unserer Hoffnung ist und bleibt. Genau dafür - und zwar für beides (und nicht für's "herrschen") - ist die Kirche da. Es gibt keinen "Ersatz" dafür. Nur Narren "meinen" das. Aber die "meinen" viel. Und es ist niemals wahr gewesen.
Wenn dann wieder einmal etwas Unersetzliches für immer entzwei gegangen ist, dann heißt es wieder entweder: "Tschulliung, wußten wir nicht" oder: "Wir warn's nicht, die andern warn's".
So[/u] sind wir.
Sagt
der Nick
P.S.: "Nathan der Weise" ist im christlichen Europa geschrieben worden. Moslems werden ihn, aus diesem Grund, meist ablehnen. Aber auch hier, bei uns, hat der alte Weise inzwischen wieder einen schweren Stand...
Re: Nathan, der Jude
Eugen Prinz, Tuesday, 11.05.2004, 20:02 (vor 7938 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Nathan, der Jude von Nick am 11. Mai 2004 15:40:07:
Hallo Jens,
glaube IHM kein Wort. ER will wissentlich oder unwissentlich den Leuten einen Bären aufbinden.
Die Kirche "herrscht" nicht! Es ist jedem ein leichtes, sich ihrer "Herrschaft" zu entziehen, es genügt ein simpler Gang zum Einwohnermeldeamt, und schon ist man frei.
Natürlich kannst du austreten. Aber du bezahlst weiter Steuern, die der Kirche zufließen, und die Kirche hat natürlich weiter ihren Einfluss in öffentlich-rechtlichen Institutionen, in Schulen, in der Politik..., wie immer man dazu stehen mag.
Zweifellos gibt es Menschen, die sich nur aus Angst vor der Hölle oder aus Hoffnung auf den Himmel anständig benehmen können. Für die wurden Religionen und Kirchen erfunden. Recht so!
Wir, denen die "Gabe des Glaubens" nicht gegeben ist, müssen halt selber sehen, wie wir zurecht kommen. Das ist vielleicht härter, aber es ist emanzipatorischer.
Eugen
Re: Nathan, der Jude
Jolanda, Tuesday, 11.05.2004, 20:53 (vor 7938 Tagen) @ Eugen Prinz
Als Antwort auf: Re: Nathan, der Jude von Eugen Prinz am 11. Mai 2004 17:02:36:
lächelt...nun ja Eugen, das willst du ja auch, also wo liegt der Unterschied?
Wohl einzig und alleine im Auge des Betrachters.
Ist komisch, wenn ein Mensch glaubt, dass dann immer gleich ein paar daher kommen müssen und mit Nachdruck klar machen, dass sie eben nicht glauben und überhaupt, dass Glauben nur Scheisse ist.
Woher dieser Drang, ungefragt und nicht ins Thema mit einbezogen, aufzustehen und sich gegen den Glauben auszusprechen.
Wenn ich nun böse wäre...würde ich sagen, Atheist zu sein ist genauso "trendy" wie "schwul" sein. Da ich ja aber ganz lieb bin...grinst...sage ich das natürlich nicht.
Gruss
Jolanda
Re: Nathan, der Jude
Eugen Prinz, Tuesday, 11.05.2004, 21:33 (vor 7938 Tagen) @ Jolanda
Als Antwort auf: Re: Nathan, der Jude von Jolanda am 11. Mai 2004 17:53:11:
Hallo Jolanda,
...deine Loyalität zu Nick in allen Ehren, aber inhaltlich hast du ein solches Spaghettiprogramm geschrieben, dass ich um des häuslichen Friedens Willen besser nicht drauf eingehe ... schmunzelt ...
Eugen
Re: @ Nathan , den Juden - und die anderen Diskutanten dieses Threads
Max, Wednesday, 12.05.2004, 19:29 (vor 7937 Tagen) @ Eugen Prinz
Als Antwort auf: Re: Nathan, der Jude von Eugen Prinz am 11. Mai 2004 18:33:42:
Hehehe, wo der Eugen recht hat, da hat er recht. Da gibt's nichts zu ruetteln. Dumm ist jetzt bloss, dass der Nick auch recht hat, zumindest was seine Darlegung oeffentlicher Einflussrechte anhand der Zahl eingetragener Kirchenmitglieder anbetrifft. Wem der Stil der Kirche nicht passt, der muss es eben so machen wie ich, vor langen Jahren schon: Austreten aus dem Verein! Wer noch nicht mal das hinkriegt, und sich dennoch ueber den Einfluss der Kirche in Staat und Gesellschaft echauffiert, der soll sich doch bitteschoen von seiner Mama fuettern lassen.
Aeh....ja...und Jolanda Spaghettiprogramm...*LOL*...aber sie hat es jedenfalls gut gemeint. Und das ist schon mehr, als viele Klugscheisser von sich behaupten koennen.
Der Reformationsreformator - Max
Re: @ Nathan , den Juden - und die anderen...
Eugen Prinz, Wednesday, 12.05.2004, 20:24 (vor 7937 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Re: @ Nathan , den Juden - und die anderen Diskutanten dieses Threads von Max am 12. Mai 2004 16:29:06:
Hehehe, wo der Eugen recht hat, da hat er recht. Da gibt's nichts zu ruetteln. Dumm ist jetzt bloss, dass der Nick auch recht hat, zumindest was seine Darlegung oeffentlicher Einflussrechte anhand der Zahl eingetragener Kirchenmitglieder anbetrifft.
Das ist eben nicht richtig, aber es schien mir zwecklos, Nick das darlegen zu wollen.
Die Kirchenmitglieder nehmen ihren Einfluss ja bereits über ihre politischen Mitbestimmungsrechte war. Aber gleich zweimal die Hand aufhalten gilt nicht. Das ist ein beliebter Trick. Derzeit probieren das auch andere, z.B. die Familienpartei. Dann kommt als nächstes der FC Kaiserslautern und verlangt mehr politische Mitbestimmung...
Wem der Stil der Kirche nicht passt, der muss es eben so machen wie ich, vor langen Jahren schon: Austreten aus dem Verein!
Das habe ich auch darzulegen versucht. Auch wer austritt, bezahlt noch für die Kirche mit. (Lit.Tipp: Horst Herrmann, Die Kirche und unser Geld. Daten Tasachen Hintergründe. Rasch und Röhring, ISBN 3-89136-301-X)
Und es wird schon über Modelle nachgedacht, wie die Kirchen, trotz Mitgliederschwund, weiterhin am Steueraufkommen beteiligt bleiben.
Die Kirche übt sogar auf gesetzlicher Grundlage Einfluss aus, egal ob ich Mitglied bin oder nicht - z.B. über gesicherte Plätze in den Rundfunkräten.
Natürlich geht es um Einfluss, um Macht. Ob ich diesen Einfluss gut oder schlecht finde, ist eine andere Sache. Aber wer das leugnet, bindet den Leuten einen Bären auf.
Eugen Reformmotor
Re: Nathan, der Jude
Nick, Wednesday, 12.05.2004, 12:59 (vor 7938 Tagen) @ Eugen Prinz
Als Antwort auf: Re: Nathan, der Jude von Eugen Prinz am 11. Mai 2004 17:02:36:
Glaube IHM kein Wort. ER will wissentlich oder unwissentlich den Leuten einen Bären aufbinden.
KREISCH! ...aber du willst den Menschen "die Emanzipation" bringen, logisch.
Nagelneu, nie dagewesen, unerklärlich, trotzdem einsichtig - wenn man dir das nur glauben würde...
Mag ja sogar sein, daß du mit dazu beitragen könntest, falls du dich mit Andersdenkenden fair zu verbünden in der Lage wärest - dann könnte man sogar etwas zusammen bewegen (Konjunktiv). Aber die erste, wichtigste, unverzichtbare Voraussetzung dafür ist nun einmal die Toleranz - nicht als deine "Gunst" (die brauche ich nicht; wer bist du schon?), sondern als glaubwürdige, verläßliche Grundhaltung. Daran habe ich mehr als Zweifel, wenn ich solche Sätze lese.
Schauen wir uns den "Bären" also näher an...
Zitat: Natürlich kannst du austreten. Aber du bezahlst weiter Steuern, die der Kirche zufließen, und die Kirche hat natürlich weiter ihren Einfluss in öffentlich-rechtlichen Institutionen, in Schulen, in der Politik..., wie immer man dazu stehen mag.
Deine deutsche Bevölkerung setzt sich wie folgt zusammen:
1. Eugen Prinz (72,3%)
2. Die Restbevölkerung (23,6%)
3. Die Sekte der Christen (0,1%)
Folgerichtig erscheint es dir natürlich als Zumutung, daß diese sektiererische Minderheit überhaupt irgend einen Einfluss in öffentlich-rechtlichen Institutionen, in Schulen, in der Politik hat. Und nicht du! Ich vermute, das würde bestimmt als erstes bei deiner Emanzipation geändert, oder?
Meine deutsche Bevölkerung setzt sich anders zusammen. Vielleicht sollte ich daran erinnern, daß über 53 Mio. Bürger in Deutschland Mitglied einer der beiden großen Kirchen sind? Gemessen daran ist der Einfluß der Kirchen als eher mäßig und sehr zurückhaltend zu bezeichnen (zu zurückhaltend, wie ich persönlich finde; es gibt halt noch zu viele Hasenfüße darunter, das ist leider wahr). Rein quantitativ betrachtet ließe sich somit das Christentum sogar als Staatsreligion einführen, mit verfassungsändernder 2/3-Mehrheit. Ich fände das Unsinn, bin dagegen und es denkt auch niemand daran - aber selbst das ginge eben theoretisch.
Ich will jetzt nicht unterstellen, daß du "Mehrheit" immer noch auf russisch übersetzt sehen willst ("Bolschewiki"). Aber sogar die Gewerkschaften, die kaum 10% der Mitglieder der Kirchen haben, vefügen dennoch über etwas mehr Einfluß als Eugen Prinz (72,3%). Und das ist auch gut und richtig so, das entspricht nämlich dem Prinzip der Demokratie: größere Mitgliederzahl = mehr Einfluß. Einfach, oder?
Und da stellst du dich hin und kreischt!
Das war der "Bär"!
Und der, der ihn aufzubinden versuchte...
Die Kirchen unterhalten übrigens eine große Zahl von sozialen Einrichtungen, die natürlich allen offen stehen, nicht nur Christen. Es fragt keiner nach deinem Glauben, wenn du in ein konfessionelles Krankenhaus eingeliefert wirst. Auch nicht, wenn du mal eine warme Mahlzeit brauchst, weil du kein Dach mehr über dem Kopf hast. Ich vermag nicht zu erkennen, wieso sich der Staat an solchen Projekten nun überhaupt nicht beteiligen sollte, zumal er es ja überall sonst auch tut, zu Recht.
Der "Bär" eben, wir kenne ihn ja bereits...
Zweifellos gibt es Menschen, die sich nur aus Angst vor der Hölle oder aus Hoffnung auf den Himmel anständig benehmen können. Für die wurden Religionen und Kirchen erfunden. Recht so!
Hättest du meinen Text an Jens aufmerksam gelesen und verstanden, dann wäre dieser Absatz über "Himmel und Hölle" logisch nicht möglich, denn er ist ersichtlich unsinnig. Ich gehe also davon aus, daß du dich mit deinen eigenen Vorstellungen unterhalten wolltest? Meinetwegen, warum nicht. Manche Leute tun das, wenn es ihnen nicht gut geht.
Reden wir zum Schluß von "anständigem Benehmen": das Stecken von Gegnern in Säcke, um mit gewässerten Weidenruten auf sie einzuprügeln, während man mit ihnen redet - wie du es hier wiederholt zur Sprache gebracht hast - das fände, vermute ich, eher keine Mehrheit. Was ich sehr begrüße. Aber natürlich hattest du das übehaupt nicht wirklich vor, das weiß ich genau, es war ja nur ein Witz... mit einer etwas zu deutlich erkennbaren "Freude am Detail" allerdings, finde ich. Deshalb mag ich an den "Witz" nicht so recht glauben - abgesehen davon, daß es eben keiner ist, sondern schauerlich, dümmlich und dumpf. Wen freut sowas, frag ich mich?
Wir, denen die "Gabe des Glaubens" nicht gegeben ist, müssen halt selber sehen, wie wir zurecht kommen. Das ist vielleicht härter, aber es ist emanzipatorischer.
Der erste Satz ist zutreffend, der Zweite ist es nicht. Es sei denn, man verstünde ihn "bolschewistisch". Aber das wollen wir ja alle nicht so verstanden wissen, nicht wahr? Die "persönliche Emanzipation" von Eugen Prinz (72,3%) ist jedenfalls nicht so ohne weiteres identisch mit der Entwicklung der ganzen Gesellschaft.
Ich bin äußerst hellhörig, wenn ich auf so ein "Spaghetti-Programm" (Zitat Eugen Prinz (72,3%) an anderer Stelle) treffe.
Und hernach nicht so leicht wieder zu beruhigen...
Sagt der Nick
Re: Nathan, der Jude
Eugen Prinz, Wednesday, 12.05.2004, 16:44 (vor 7938 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Nathan, der Jude von Nick am 12. Mai 2004 09:59:51:
Glaube IHM kein Wort. ER will wissentlich oder unwissentlich den Leuten einen Bären aufbinden.
KREISCH! ...aber du willst den Menschen "die Emanzipation" bringen, logisch.[/i]
Für deine anmaßenden und unangebrachten Missionierungsversuche hast du deine verdiente Züchtigung erhalten. Nimm sie in Demut hin und bessere dich.
Und bis morgen schreibst du hundertmal den Satz:
Gleichberechtigt wird man von oben - emanzipieren kann man sich nur selbst!
Aber sauber und ordentlich, sonst ... Weidenruten - du weisst schon!
Eugen Prinz
Re: Warum die Mühe?
Mirko, Wednesday, 12.05.2004, 20:12 (vor 7937 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Nathan, der Jude von Nick am 12. Mai 2004 09:59:51:
Hallo Nick,
warum gibst Du dir soviel Mühe mit den Ungläubigen hier? Die landen doch eh alle in der Hölle, zu schade, dass man ihnen den einzig wahren Glauben nicht wie früher mit Daumenschrauben und glühenden Zangen beibringen kann.
viele Grüße Mirko.
Re: Nathan, der Jude
Jens, Wednesday, 12.05.2004, 00:07 (vor 7938 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Nathan, der Jude von Nick am 11. Mai 2004 15:40:07:
ich gebe zu bedenken, daß die Beurteilung der geschichtlichen Rolle der Kirche nur eine historische Beurteilung sein kann. Sie ist und bleibt nun einmal die "Wirbelsäule" unserer geistigen und kulturellen Entwicklung, man mag zu ihr stehen, wie man will.
Das habe ich ja auch nicht bestritten. Vielmehr ging es um deine Aussage, dass es ein Faktum sei, dass die Gottlosigkeit Ursache für Übel und Qual auf der Welt waren. Das wollte und habe ich auch widerlegt, da eben Glaubenskriege, Inquisition, Islamischer Terror etc. Bestandteil unsere Geschichte und unseres Daseins ist.
Was die Zahlen und die 8% angehen: ich finde die Quelle leider nicht mehr.
Ganz kurz zu Israel: der Staat ist keine "religiöse" Gründung, sondern eine politische.
Richtig. Das bedeutet aber nicht, dass die Handlugen von Israel - einschließlich dessen 6-Tage-Angriffskrieg, die Siedlungspolitik, die Wasserklau etc. nicht auch einen religiösen Hintergrund/Rechtfertigung haben.
Nachdem die Juden 2000 Jahre lang (als einzige!) kein "Tätervolk" waren
Der Ausdruck "Tätervolk" ist unsinnig. Es gibt kein Tätervolk und hat es nie gegeben. Es gibt höchsten verbrecherische Systeme, Organisationen, Diktatorische Staatsformen etc.
haben sie nun einen Ort von der Größe Hessens, wo es mal "nur jüdisch zugehen soll". Ich kann das verstehen.
Nicht verstehen kann ich die Expansionspolitik, den Wasserklau, Landklau, das Abschlachten von Palästinänsern in keiner Verhältnismäßgikeit. Dass man sich nicht wundern braucht, wenn man mit Gewehren auf steineschmeißende Demonstranten schießt, dass daraus Terror und Vergeltung folgt, sollte jedem klar sein. Der Staat Israel begeht eine UN-Verletzung nach der anderen, wie z.b. die nahezu Vollständige Besiedelung des Autonomen Gebietets. Keinen in der westlichen Politik kümmerts - geht ja nur gegen die arabische Welt. Selbst unter Kohl wurden noch U-Boote an Israel verschenkt, die man so umgerüstet hat, dass sie mit Nuklearwaffen ausgerüstet werden können. All diese Einseitigkeit - zurückzuführen auf religiöse Sympathie/Antipathie, ist der Angelpunkt unsere jüngsten Ereignisse.
Ich kann auch verstehen, daß das mit viel neuem Unrecht verbunden ist.
Richtig. z.B. mit der Vertreibung der Palästinänser aus dem rein jüdischen Gebieten, gegründet 1948 - Toller "Kompromiss" der UNO, die eine Gründung von Palästina nicht im Gleichen Atemzug vollzog. Auch ließ die UNO es zu, dass die Vertriebenen ihre Ressourcen und das Wasser im neuen Gebiet auch noch verloren. Hinzukommen schlagartige Landenteignungen und ein verhindern der Wiederbestellung der Felder im Autonomen Gebiet -> Desertifikation. All das war und ist bekannt. Kein Staat hat was unternommen. Als aber der Irak in Kuwait eingefallen war, war es kurze Zeit später wieder "befreit".
Was ich von Israel halte? Gar nichts! Ein verbrecherisches System, ein Terrorstaat in dortiger Region mit Allmachtsansprüchen über Land und Bodenschätze. Oder wie würdest du ein System bezeichnen, dass völkerrechtswiedrig Menschen aus anderen Ländern entführt und ins Gefängnis sperrt. Welches seine eigenen Piloten, die keine Angriffe mehr fliegen wollen, weil sie keine unschuldigen Zivilisten mehr töten wollen, aus der Armee entlässt. Ein Staat, der sich über x Uno-Beschlüsse hinwegsetzt, Angriffskriege geführt hat und Autonome Gebiete nicht respektiert, sondern besiedelt. Israel steht in diesen Punkten der Diktatur China in nichts nach!
Jens
Re: Nathan, der Jude
Garfield, Wednesday, 12.05.2004, 19:33 (vor 7937 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Nathan, der Jude von Nick am 11. Mai 2004 15:40:07:
Hallo Nick!
"Sie ist auch nicht totalitär, nicht nur, weil ihr die Macht dazu (gottseidank) fehlt, sondern weil sie etwas verteidigt, was nicht eben nicht in der Verfügung des Menschen steht. Es steht jedem frei, dieses Gut abzulehnen, aber nicht, es nach "demokratischem Volkswillen" zu verändern."
Das stimmt nicht so ganz, Nick. Wenn man der Kirche die Macht dazu gibt, dann wird sie auch totalitär.
In der DDR gab es ja viele Kindergärten. Viele davon wurden nach der Wiedervereinigung geschlossen, viele blieben aber erhalten, und einige davon wurden an die christlichen Kirchen übergeben.
Nun war es ja in der DDR nicht unbedingt üblich, Kirchenmitglied zu sein. Zwar hatte man als Kirchenmitglied keine Repressalien zu befürchten, aber die Kirchen bekamen andererseits auch kaum Unterstützung vom Staat. Deshalb waren nun viele Mitarbeiter in diesen nunmehr kirchlichen Kindergärten auch keine Kirchenmitglieder.
Auf diese Mitarbeiter wurde dann massiv Druck ausgeübt. Man machte ihnen unmißverständlich klar, daß sie als Mitarbeiter eines kirchlichen Kindergartens gefälligst auch Kirchenmitglieder zu sein haben, und daß sie, wenn sie und ihre Familien nicht in die jeweilige Kirche eintreten, eben gefeuert werden. Und diejenigen, die nicht in die Kirche eintraten, wurden dann auch gefeuert, offiziell natürlich aus Kostengründen.
"Ein Glaube, der "beschlossen" würde und veränderbar wäre, wäre keiner. Er wäre nichts wert und würde vergehen, wie alles andere auch."
Richtig, Nick. Aber das ist uninteressant, solange neue Schäfchen neue Steuer-Einnahmen bringen. Bei mächtigen Organisationen geht es immer vorrangig um Geld. Und gerade die katholische Kirche ist auch heute noch eine mächtige Organisation.
Ich traue grundsätzlich keiner Organisation, durch die viel Geld fließt. Da erliegen immer wieder viele der damit verbundenen Versuchung. Noch ein eher harmloses Beispiel aus DDR-Zeiten:
Die DDR-Kirchen wurden von den westlichen Kirchen unterstützt, zumeist mit Sachleistungen (z.B. neue Dachziegel für ein Kirchendach), aber auch z.B. mit Kleidung aus der Kleiderspende im Westen. Der Pastor in meiner Wohngegend bekam öfter solche Spenden aus dem Westen geschickt. Man sah auch deutlich, welche Familie er offensichtlich für die bedürftigste der Gegend hielt: Er, seine Frau und vor allem seine Kinder trugen immer Kleidung aus westlicher Produktion. Die sammelten sich nämlich erstmal das beste aus den Kleidersäcken heraus, und nur das, was sie nicht brauchten, wurde an andere verteilt.
Da kannst du dir ja vorstellen, was passiert, wenn solche Leute irgendwann womöglich Kardinäle oder Bischöfe sind und so Zugriff auf hohe Geldsummen haben. Die hehren christlichen Ideale fliegen dann ganz fix über Bord.
Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Das ist kein Problem, das nur die Kirchen betrifft. Es ist ein menschliches Problem, das aber eben auch durch die christliche Ethik offensichtlich nicht gelöst wird. Es kann durch gar keine Ethik gelöst werden, sondern letztendlich nur durch wirksame Kontrolle.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Nathan, der Jude
Jens, Wednesday, 12.05.2004, 20:00 (vor 7937 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Nathan, der Jude von Garfield am 12. Mai 2004 16:33:42:
Das mit den Kindergaerten ist natuerlich richtig. Dazu gibt es auch Beispiele aus dem "Westen". Allerdings muss auch gesagt werden, dass es gerade die DDR-Kirchen waren, wo der Wiederstand sich gebuendelt hat und gegen das Terror-Regime gekaempft wurde.
Das mit den Kirchen hat - so wie fast alle Dinge - zwei Seiten. Die Katholische Kirche ist zweifelsohne eine Machtinstitution, dennoch haelt z.B. der Papst keine dummen Reden - z.B. zum Irakkrieg, zu den Foltervorwuerfen oder auf Cuba!
Dennoch: Ich war mal zu Besuch bei verschiedenen Christlichen Gruppen - und da musste ich feststellen, dass das mit der Toleranz und Naechstenliebe Konfessionslosen gegenueber nicht so gut bestellt ist. Aussagen wie: "Die hatten es echt mal wieder noetig in die Kirche zu gehen" sind schon der Hammer und das von Leuten, die das Band WWJD (What would jesus do) am Arm trugen.
Ebenso totalitaer ist das Verhalten der Kirche gegenueber dem Theologieprofesseor Gerd Luedemann, der unter anderem das Buch "Der Grosse Betrug" geschrieben hat. Weitere Infos hier: http://www.schmidt-salomon.de/luede.htm. Deutlicher kann totalitaeres Denken nicht dargelegt werden.
Gruss,
Jens
Widerspruch der Aussagen
Paul, Friday, 07.05.2004, 17:01 (vor 7943 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Lauterkeit? von Nick am 05. Mai 2004 13:46:10:
Hi Nick,
was ist der Unterschied zwischen "glauben" und "meinen"?
Ist "glauben" nicht am Ende das gleiche wie - Zitat von dir - "heftig meinen"?
Falls es keinen Unterschied gibt, der formuliert werden kann ("erfahrbar" ist mich kein Argument, sorry), wie stehst Du dann zu diesem inneren Widerspruch in deinem Weltbild? Denn du lehnst ja die "heftigen Meiner" ab und glaubst gleichzeitig selbst an etwas, über das man nichts "wissen" kann...
Gruß,
Paul
Re: Widerspruch der Aussagen
Nick, Friday, 07.05.2004, 20:09 (vor 7942 Tagen) @ Paul
Als Antwort auf: Widerspruch der Aussagen von Paul am 07. Mai 2004 14:01:39:
Hi Nick,
was ist der Unterschied zwischen "glauben" und "meinen"?
Ist "glauben" nicht am Ende das gleiche wie - Zitat von dir - "heftig meinen"?
Falls es keinen Unterschied gibt, der formuliert werden kann ("erfahrbar" ist mich kein Argument, sorry), wie stehst Du dann zu diesem inneren Widerspruch in deinem Weltbild? Denn du lehnst ja die "heftigen Meiner" ab und glaubst gleichzeitig selbst an etwas, über das man nichts "wissen" kann...
Gruß,
Paul
Hi Paul,
"glauben" bedeutet nicht "meinen" oder "etwas für wahr halten, was andere bescheuert finden", oder "credo quia absurdum" (ich glaube, weil es Unsinn ist), "ich halte etwas für wahr, was meiner Vernunft widerspricht" u. dgl. mehr. Das hört man zwar immer, besonders von Religionsgegnern, es ist aber unzutreffend.
"Glauben" ist eine reine Erfahrung der Seele von unmittelbarer Evidenz und meint etwas ganz Alltägliches: Vertrauen nämlich, völliges Vertrauen in den geistigen Grund meiner Existenz. Der Wortstamm des lateinischen "credo" bedeutet wörtlich: "ich verschenke dir mein Herz" (cor dare). Die Sache ist analog der Erfahrung, wenn dir unvermittelt die Liebe deine Lebens begegnet und dir sagt: "Ich liebe dich!" und du antwortest ihr: "Ich glaube dir. Ich dich auch. Ich schenke dir mein Herz."
Die meisten werden so im Prinzip verstehen können, was eigentlich gemeint ist, denke ich.
Das ist kein analoges Wortspiel, es ist wirklich der Kern, um den es bei der ganzen Sache geht.
Niemand ist natürlich gezwungen, "Ich dich auch" zu sagen, v.a. wenn er diese Erfahrung gar nicht macht, oder nicht machen will.
Da ist jeder völlig frei, und muß es auch sein.
Wer sie allerdings machen will, der macht sie auch.
Die Erfahrung selbst ist (für mich) das Schönste, was es überhaupt gibt auf der Welt.
Das braucht keinen zu stören, da es sich ja gegen niemanden richtet.
Es richtet sich auch in keiner Weise gegen den Verstand oder die Vernunft.
Ganz im Gegenteil... 
Gruß an dich
vom Nick
Re: Kleiner Exkurs Ethik
Andreas (der andere), Sunday, 02.05.2004, 19:37 (vor 7947 Tagen) @ Emmalein
Als Antwort auf: Re: Feminismus ist "frauen-ethisch" - und deshalb menschen-feindlich von Emmalein am 30. April 2004 11:38:07:
Soll ich mir von solchen Leuten sagen lassen, was meine Ethik zu sein hat und was nicht? Nee danke!
Liebes Emmalein,
Ethik zeichnet sch gerade dadurch aus, daß sie eben unabhängig von den Menschen und ihren persönlichen Auffassungen ist. Was konkret meinst Du damit, wenn Du sagst, Du lehntest die katholische (christliche) Ethik ab? Ganz offensichtlich bist Du Dir ja nicht einmal im Klaren darüber, auf welcher Ebene Du hier argumentieren willst: auf Ebene der normativen oder der Metaethik? Bezöge sich Deine Kritik auf den Bereich der normativen Ethik, müßtest Du schon eine gute Erklärung parat haben, weshalb Dir Gebote wie "Du sollst nicht töten!" etc. als überholt erscheinen. Ist Deine Kritik hingegen metaethischer Natur, würde Dich auch das nicht davon entbinden, Deine Auffassungen von Ethik entsprechend zu begründen (denn sonst blieben es lediglich Deine Auffassungen). Aus diesem Grund müssen wir Dir die Beantwortung Deiner (selbstverständlich auf Spaltung zielenden) Frage nach "atheistischer Männerrechtsbewegung" oder "katholischer Zwangsethik" verweigern - werde Dir zuallererst klar darüber, was Deinen eigentlichen Kritikpunkt darstellt.
Bliebe die Frage nach "Konsens-Ethik". Die Aussagen normativer Ethik unterscheiden sich von außermoralischen Handlungsnormen dabei in drei Punkten:
(1) Sie bewerten menschliches Verhalten entweder primär, oder mit Rücksicht auf seine Auswirkungen auf die außermoralisch Lebensqualität.
(2) Sie sind kategorischer Natur.
(3) Sie erheben Anspruch auf allgemeine Gültigkeit.
Diese Definition unterscheidet Ethik von einem von der Willkür der Beteiligten abhängigen privaten Abkommen, das keiner Form von Normen unterliegt (sofern nicht echte ethische Normen mit hineinspielen). Ich kann auch wirklich nur empfehlen, sich näher mit der Philosophie der Ethik, insbesondere den Thesen des Relativismus, auseinanderzusetzen. Zum Beispiel wäre es doch wichtig, daß Deine Forderung nach Toleranz gerade nicht durch einen Verweis auf einen metaethischen Relativismus gestützt werden kann, sondern durch das Gegenteil, die Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts als universelle Norm. Ferner solltest Du klarstellen, ob Du Dich mit Deiner These auf fundamentale oder abgeleitete Normen beziehst.
Der Begriff "Konsens-Ethik" ist letztlich nur der Versuch, der Willkür mit der Verleihung eines besseren Namens ein positives Ansehen zu verschaffen.
Christliche Ethik
Daddeldu, Monday, 03.05.2004, 05:17 (vor 7947 Tagen) @ Andreas (der andere)
Als Antwort auf: Re: Kleiner Exkurs Ethik von Andreas (der andere) am 02. Mai 2004 16:37:13:
Hallo Andreas,
Ethik zeichnet sch gerade dadurch aus, daß sie eben unabhängig von den Menschen und ihren persönlichen Auffassungen ist.
Stümmt.
Was konkret meinst Du damit, wenn Du sagst, Du lehntest die katholische (christliche) Ethik ab? Ganz offensichtlich bist Du Dir ja nicht einmal im Klaren darüber, auf welcher Ebene Du hier argumentieren willst: auf Ebene der normativen oder der Metaethik? Bezöge sich Deine Kritik auf den Bereich der normativen Ethik, müßtest Du schon eine gute Erklärung parat haben, weshalb Dir Gebote wie "Du sollst nicht töten!" etc. als überholt erscheinen.
Man kann eine Reihe von Textstellen der Bibel anführen, mit denen sich die meisten Menschen einverstanden erklären dürften. Ebenso Dinge aus den sonstigen Auffassungen der Christen. Aber es gibt eben auch viele Dinge, die einer modernen ethischen Betrachtung nicht standhalten.
Das 10. Gebot zum Beispiel lautet vollständig und bei möglichst treuer Übersetzung:
Du sollst nicht versuchen, etwas an dich zu bringen, das deinem Mitmenschen gehört*, weder seine Frau noch seinen Sklaven oder seine Sklavin, sein Rind oder seinen Esel noch irgend etwas anderes, das ihm gehört.
*etwas, das deinem Mitmenschen gehört: wörtlich "das Haus deines Mitmenschen." Mit »Haus« ist nicht das Gebäude, sondern der gesamte Besitz gemeint.
2. Buch Mose, Kapitel 20, Vers 17 in der Übersetzung der Deutschen Bibelgesellschaft von 1997 (Gute Nachricht Bibel)
Häufig wird es so zitiert: Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Weib. Das wird dann auch noch in sexueller Hinsicht interpretiert, was völlig unhaltbar ist.
Ich mag das 10. Gebot besonders, weil man damit gläubigen Christen vor Augen führen kann, dass Gott die Sklaverei schützt. Zumindest kommt man zu diesem Schluss, wenn man, wie eben gläubige Christen, glaubt, die 10 Gebote stammten von Gott.
Dass sich viele Christen zu den 10 Geboten und zur Bergpredigt bekennen, liegt nur an ihrer bedauerlichen Unkenntnis auf religiösem Gebiet und der leider weit verbreiteten selektiven Wahrnehmung auf selbigem.
Meines Erachtens liegt die gesamte Reputation der christlichen Ethik in einer solchen selektiven Wahrnehmung begründet.
Ist Deine Kritik hingegen metaethischer Natur
Was ist das denn? (Kann man es essen?) Wenn damit systematische Einwände gegen eine christliche Ethik gemeint sind, auch da lässt sich natürlich einiges vorbringen. Vor allem, dass es sich um eine Sonderethik handelt, die eben nicht für alle verbindlich sein kann, sondern nur für Christen. Je mehr die Allgemeinverbindlichkeit angestrebt wird, um so weniger darf sie auf ihre christlichen Wurzeln rekurrieren ("Euthyphron-Dilemma").
Gruß,
Daddeldu
Re: Christliche Ethik
Andreas (der andere), Monday, 03.05.2004, 12:16 (vor 7947 Tagen) @ Daddeldu
Als Antwort auf: Christliche Ethik von Daddeldu am 03. Mai 2004 02:17:00:
Hallo Daddeldu
Man kann eine Reihe von Textstellen der Bibel anführen, mit denen sich die meisten Menschen einverstanden erklären dürften. Ebenso Dinge aus den sonstigen Auffassungen der Christen. Aber es gibt eben auch viele Dinge, die einer modernen ethischen Betrachtung nicht standhalten.
Zweifelsohne. ... Was Dich - oder jeden anderen - nicht davon entbinden würde, Deine ethischen Auffassungen zu begründen. Wenn Du sagst, "viele Dinge [...] würden einer modernen ethischen Betrachtung nicht standhalten", könnte man es so verstehen, als würden moralische Normen heute anderes zu stande kommen als früher, oder in anderen Kulturen. Das würde Dich dazu nötigen, eine ethische Methode darzustellen, anhand derer man dann auch prüfen könnte, in wie weit sie auf andere Kulturen eben nicht zu trifft.
Das Problem mit dem ethischen Relativismus ist, daß Du erst einmal nachweisen müßtest, daß sich die verschiedenen kulturellen Urteile wirklich auf den selben Gegenstand (mit der selben Deutung) beziehen. Das wäre notwendig, um überhaupt vergleichen zu können. Denn abhängig von der Bestätigung dieser These könnte man dann auch erst entscheiden, ob es sich tatsächlich um fundamentale ethische Normen handelte oder um eine abgeleitete. Abgeleitete Normen sind prinzipiell diskutier- und angleichbar, weil sie sich auf das selbe Fundament beziehen und lediglich andere Lebensumstände oder einen anderen Wissensstand aufweisen. Fundamentale Normen wären hingegen, selbst bei völlig identischer Faktenlage und Wissensstand, nicht in Einklang zu bringen. Es ist hier aber an den Verfechtern der Relativismustheorie, Beweise dafür zu erbringen, daß unterschiedlichen moralischen Praxen auch tatsächlich unterschiedliche fundamentale Normen zu Grunde liegen. Das ist nämlich mehr als nur schwer.
Zum Beispiel war der Vatermord für die Römer das Kardinalverbrechen schlechthin. Du kannst Dir jetzt z.B. eine kleine indigene Südsee-Kultur suchen, und feststellen, daß in ihr der Vatermord an dessen 60. Geburtstag für den Sohn als oberste Pflicht angesehen wird. Ist das jetzt der selbe Gegenstand? Zumindest nur solange, wie wir nicht berücksichtigen, daß für die kleine Stammeskultur der Glaube an ein Nachleben relevant ist, und daß es sich im Hinblick auf dieses Nachleben empfiehlt, möglichst bei bester Gesundheit den Löffel abzugeben, um entsprechend wiedergeboren zu werden. - Solche Dinge muß man aber klären, um sagen zu können, ob es sich wirklich um den selben Gegenstand handelt.
Das andere Problem ist, handelt es sich um einen grundsätzlichen Wert oder nur um eine Ableitung, die im Alltag relevant wird? Nimm beispielsweise eine Kultur in der afrikanischen Wüste, in der der Wasserverbrauch auf das Minimum an Trinkwasser, was zum Kochen oder Waschen gebraucht wird, festgesetzt wird. Dann nimm zum Vergleich eine Mitteleuropäische Kultur, die diese strenge Begrenzung nicht hat. - Beide Verhaltensweisen können Ausdrucksformen des selben moralischen Prinzips sein, eben sorgsam mit knappen Naturressourcen umzugehen. Der Unterschied ist die äußere Situation, und daher sehen die abgeleiteten Normen anders aus. Würde sich die Alltagspraxis in diesen beiden Kulturen gleichen, würde das sogar noch eher für verschiedene moralische Prinzipien sprechen.
Relativität ist sicher keine Illusion, aber man sollte immer sehr genau darauf achten, in welchem Sinne man Begriffe verwendet, um auszuschließen, daß man von etwas unterschiedlichem spricht. Die Relativismustheorie wird meiner Meinung nach auch viel zu schnell bejaht.
Das 10. Gebot zum Beispiel [...]
Häufig wird es so zitiert: Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Weib. Das wird dann auch noch in sexueller Hinsicht interpretiert, was völlig unhaltbar ist.
Das stimmt, und diese zehn Gebote finden sich im AT sogar zweimal: In Mose 5.21, der späteren Erneuerung des Gesetzes, findet sich dann auch die Stelle "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau" als separates Gebot. Es wäre aber an der realen Praxis vorbei, die gesammte jüdische und christliche Ethik auf die ZEhn Gebote zurückführen zu wollen, oder gar auf die Bibel allein (die nur das Fundament darstellt). Wenn es Dir z.B. um Normen bzgl. des Ehebruchs geht, findest Du im NT, das für Christen sicherlich noch relevanter ist als die Zehn Gebote, verschiedentlich sehr klare Aussagen dazu, die auch prägnanter formuliert sind als diese knappen Gebote, z.B. Mt. 5.27-32, Mt. 19.1-12, Mk. 10.1-12 und andere ... Aber selbst mit Verweis auf diese Stellen entgeht einem noch etwas wichtiges, nämlich, daß es immer auch eine Auseinandersetzung mit den Normen gegeben hat. Du hast das, bezogen auf die Juden, in den Überlegungen der Rabbis im Talmud, und Jesus selbst war ebenfalls ein Kritiker (in eben jenen Stellen z.B.). Diese Auseinandersetzung ist auch notwendig, wenn man bedenkt, daß sich Zeiten und Umstände wandeln. Die Kirchengeschichte ist auch voll von Figuren, die probiert haben, moralische Regeln zeitgemäß zu interpretieren (Augustinus, Thomas von Aquin, etc.). D.h., auch die Geschichte der christlichen Ethik verläuft nicht statisch, sondern sie entwickelt sich(und die Philosophen, die ab der Aufklärung Religionskritik betreiben, stützen sich ironischerweise auf ein weitestgehend christliches Fundament
. In keinem Fall sollte man aber versuchen, christliche Ethik allein auf das Buch beschränken zu wollen, denn das greift zu kurz.
Meines Erachtens liegt die gesamte Reputation der christlichen Ethik in einer solchen selektiven Wahrnehmung begründet.
Was an dieser Einstellung ein wenig stört, ist das damit verbundene Urteil über die Menschen vergangener Zeit. Du unterstellst, daß ethische Prinzipien sich allein aufgrund unhinterfragten und allzu bereitwilligen Glaubens gehalten hätten. Es wäre vielleicht nicht schlecht, die Hierarchien zu klären: Wäre es für Dich nicht auch denkbar, daß sich auch damals ethische Normen aufgrund intensiver Reflexion - natürlich aus einer anderen Perspektive als unserer naturwissenschaftlich geprägten heutigen Sicht - entstanden wären, und daß sich Religion bzw. Gott/ Götter als nachträglicher metaethischer Garant dafür entwickelte, bzw. der Kult sich um die Werte konstituierte?
metaethischer Natur
Was ist das denn? (Kann man es essen?)
Metaethik bezieht sich auf die Rechtfertigung der Normen, nicht die Normen selbst. Kann man nicht essen.
Vor allem, dass es sich um eine Sonderethik handelt, die eben nicht für alle verbindlich sein kann, sondern nur für Christen. Je mehr die Allgemeinverbindlichkeit angestrebt wird, um so weniger darf sie auf ihre christlichen Wurzeln rekurrieren ("Euthyphron-Dilemma").
Fundamentale Normen proklamieren immer allgemeine Gültigkeit. Ich verstehe auch nicht ganz, was Du mit "Sonderethik" meinst. Es hat den Anschein, als richte sich das gegen die Normen. Dein Verweis auf Platons "Euthyphron-Dilemma" aber spricht ja dafür, daß es sich um ein metaethisches Problem handelt. Auf welcher Ebene argumentierst Du? Geht es gegen die Normen, dann müßtest Du darlegen, worin der Unterschied - in Auffassung und Praxis, fundamentaler Ansicht oder abgeleiteter Norm - besteht (s.o.). Geht es Dir um die Metaethik, also die Rechtfertigung, die Du ablehnst, weil Du z.B. nicht an einen Gott glaubst, dann kannst Du das tun, aber das greift die Normen selbst ja noch nicht an. (Ich frage mich auch, ob ein Negieren der christlichen Ethik, wenn sie keinen realen Gott als konstituierendes Fundament aufwiese, nicht eigentlich eine theologische Perspektive ist ;o)
Ich glaube, das Problem ist bedeutend komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Man sollte zumindest das, was man verwirft, genauer kennen.
My two cents.
Freundliche Grüße, Andreas
(P.S.: Bedeutet der Nickname eigentlich was in einem Dialekt, den ich nicht kenne?)
Re: Christliche Ethik
Nick, Monday, 03.05.2004, 14:49 (vor 7947 Tagen) @ Andreas (der andere)
Als Antwort auf: Re: Christliche Ethik von Andreas (der andere) am 03. Mai 2004 09:16:07:
Lieber Andreas,
dem ist nichts hinzuzufügen 
Andreas, ich kann mich gut hieran erinnern (du hattest neulich gefragt):
http://www.rahaso.de/foren/maenner/msg.php?idx=12615
Heute erneute Verbeugung vor einem Menschen, der wirklich denkt, statt zu bloß "meinen"...
Und Dank auch für die Mühe, denn ich weiß, wie aufwendig es ist, so etwas zu formulieren.
Herzlicher Gruß
an dich vom
Nick
Kritik der christlichen Ethik
Daddeldu, Tuesday, 04.05.2004, 22:36 (vor 7945 Tagen) @ Andreas (der andere)
Als Antwort auf: Re: Christliche Ethik von Andreas (der andere) am 03. Mai 2004 09:16:07:
Hallo Andreas,
Fundamentale Normen proklamieren immer allgemeine Gültigkeit
Das Problem mit dem ethischen Relativismus ist
Was Dich nicht davon entbinden würde, Deine ethischen Auffassungen zu begründen.
In all dem bin ich ganz Deiner Meinung, Emmaleins sogenannter Konsens-Ethik trete ich auch keineswegs bei, stellt sie sich mir doch eher als eine gleichgültige laissez faire-Ethik dar. Ethik kann für mich auch nicht relativistisch sein, sie muss absolut sein.
Ich verstehe auch nicht ganz, was Du mit "Sonderethik" meinst.
Mit Sonderethik meine ich, dass sich die christliche Ethik zu ihrer Begründung auf christliche Auffassungen stützt, und darum nur Gültigkeit für Christen beanspruchen kann. Eine Ethik für eine besondere Gruppe.
Es hat den Anschein, als richte sich das gegen die Normen. Dein Verweis auf Platons "Euthyphron-Dilemma" aber spricht ja dafür, daß es sich um ein metaethisches Problem handelt. Auf welcher Ebene argumentierst Du?
Am Anfang meines Beitrages argumentierte ich gegen den Inhalt gewisser christlicher Normen. Am Ende gegen die zugrundeliegende Systematik.
Meine Ablehnung einer christlichen Ethik fußt auf drei Argumenten:
1.
Ableitung der Regeln von Gott / dem Heiligen Geist.
a. Dieser existiert nicht.
b. Dies beschränkt den Kreis der Normadressaten auf die Gläubigen. Eine Ethik muss aber Allgemeingültigkeit beanspruchen.
c. Erzeugt eine ungerechtfertigte moralische Autorität des Personenkreises, der von sich behauptet, in Kontakt mit Gott zu stehen oder vom Heiligen Geist inspiriert zu sein oder den göttlichen Willen besser aus den angeblichen Überlieferungen des Wortes Gottes entnehmen zu können.
d. Euthyphron-Dilemma.
e. Die Jesuanische Ethik beruht auf der sicheren Erwartung des BALDIGEN Weltunterganges und des Jüngsten Gerichtes. Noch zu Lebzeiten von Jesu Zeitgenossen. Daraus folgen für ihn Forderungen, die in ihrer Radikalität nur angemessen gewesen wären, wenn es so gekommen wäre.
2.
Die Normen (also der Inhalt), wie sie sich nach meiner Auffassung objektiv aus der Bibel ergeben.
a. Zunächst ist die Bibel in vielerlei Hinsicht völlig unklar und widersprüchlich. Meist kann man ein Gebot herauslesen und auch dessen genaues Gegenteil.
b. Selbst da, wo die Bibel klar zu sein scheint, wirft sie mehr Fragen auf, als sie beantwortet: Du sollst nicht töten. wirkt sehr klar. Aber auch nicht in Notwehr? Verteidigung gegen einen Angriffskrieg? Humanitäre Intervention gegen einen grausamen Tyrannen? Muss ich vegetarisch leben? Ist Todesstrafe verboten? (Die Katholische Kirche erlaubt sie in ihrem Katechismus unter bestimmten Voraussetzungen ausdrücklich.) Abtreibung? PID? Aktive / passive Sterbehilfe? Die Details bleiben völlig im Dunkeln, und auf die kommt es hier an.
c. Einige der zentralen Normen erweisen sich als in der Praxis undurchführbar: Liebe deine Feinde!
d. Einige klare göttliche Gebote sind überflüssig: Iss kein Schweinefleisch!
e. Einige Moralvorstellungen, die sich deutlich aus der Bibel ergeben, sind mittlerweile als zutiefst unmoralisch erkannt und anerkannt: Sklavenhaltung ist erlaubt.
3. In der Geschichte bis heute waren die nach außen gezeigten christlichen Auffassungen und die Praxis gar nicht biblisch begründet.
a. Die christliche Ethik, wie sie sich nach außen darstellt, die Kirchentags- und Wort zum Sonntag-Moral, lässt keine echte Auseinandersetzung mit dem Inhalt der Bibel erkennen. Vielmehr machen sich die Christen im Großen und Ganzen die Moralvorstellungen ihrer Zeit und Umgebung zu Eigen, sind dabei allenfalls ein wenig konservativer, und behaupten dann, diese Vorstellungen würden ihrem christlichen Glauben entspringen.
b. Das Verhalten der Christen und ihrer Kirchen war kein Deut besser als das ihrer Zeitgenossen, oft sogar schlechter. Christsein macht den Menschen nicht besser.
Fazit: Die christlichen Moralvorstellungen erweisen sich als unbegründet, unsystematisch, ungenügend und flexibel bis zur völligen Beliebigkeit.
Wenn Du sagst, "viele Dinge [...] würden einer modernen ethischen Betrachtung nicht standhalten", könnte man es so verstehen, als würden moralische Normen heute anderes zu stande kommen als früher
Ich meinte damit, dass vieles, was früher selbstverständlich war, mittlerweile als falsch erkannt und anerkannt wurde. Eine ethische Norm muss, da sind wir uns glaube ich einig, von Ewigkeit zu Ewigkeit und allüberall gelten.
[quote]Das 10. Gebot zum Beispiel [...][/quote]
Wenn es Dir z.B. um Normen bzgl. des Ehebruchs geht,
Es ist interessant, dass Du Dich gleich auf die falsche Interpretation mit dem Ehebruch gestürzt hast. Was ich schrieb, zielte in eine ganz andere Richtung, nämlich darauf, dass das 10. Gebot eindeutig die Sklaverei schützt. Es gibt noch einige andere Stellen, die das gleiche sagen, das 10. Gebot zitiere ich nur immer, weil es eben eine der ganz zentralen Stellen der Bibel ist soweit ich weiß ist der Dekalog der einzige Text, der laut Bibel selbst unmittelbar und schriftlich von Gott kommt.
Die (für die christliche Ethik desaströse) Folgerung: Sklavenhaltung ist gottgefällig.
Du unterstellst, daß ethische Prinzipien sich allein aufgrund unhinterfragten und allzu bereitwilligen Glaubens gehalten hätten. [
] Wäre es für Dich nicht auch denkbar, daß sich auch damals ethische Normen aufgrund intensiver Reflexion [
] entstanden wären, und daß sich Religion bzw. Gott/ Götter als nachträglicher metaethischer Garant dafür entwickelte
Ich bin sogar explizit dieser Meinung. Na ja, fast, die Normen wurden nicht intensiv reflektiert, das würde auch öffentliche Diskussion voraussetzen, sondern entwickelten sich unsystematisch, irrational und stark von den Interessen der jeweiligen mächtigen Gruppen beeinflusst. Und die Religion wurde dann, ebenfalls von diesen Gruppen, als Begründung benutzt.
Metaethik bezieht sich auf die Rechtfertigung der Normen, nicht die Normen selbst.
Aha, genau wie ich dachte.
Kann man nicht essen.
Ja, schade. Macht aber nix.
Bedeutet der Nickname eigentlich was in einem Dialekt, den ich nicht kenne?
Der Nick hängt mit dem Gedichtband Kuttel Daddeldus Seemannsgedichte von Joachim Ringelnatz zusammen. Lauter Gedichte, die Ringelnatz über oder aus der Sicht von Kuttel Daddeldu geschrieben hat. Ich hielt den Namen dieser literarischen Figur lange Zeit für ein reines Phantasieprodukt von Ringelnatz. Erst vor einiger Zeit lernte ich, dass Daddeldu in der Seemannssprache auch Nachtwache heißt.
Gruß,
Daddeldu
Re: Kritik der Konsens-Ethik
Anti-Sexistin, Tuesday, 04.05.2004, 22:52 (vor 7945 Tagen) @ Daddeldu
Als Antwort auf: Kritik der christlichen Ethik von Daddeldu am 04. Mai 2004 19:36:07:
Hallo Andreas,
Fundamentale Normen proklamieren immer allgemeine Gültigkeit Das Problem mit dem ethischen Relativismus ist Was Dich nicht davon entbinden würde, Deine ethischen Auffassungen zu begründen.
In all dem bin ich ganz Deiner Meinung, Emmaleins sogenannter Konsens-Ethik trete ich auch keineswegs bei, stellt sie sich mir doch eher als eine gleichgültige laissez faire-Ethik dar. Ethik kann für mich auch nicht relativistisch sein, sie muss absolut sein.
Wenn sie absolut sein muß, dann mußt Du bei den zehn Geboten und bei Gott landen, denn sonst ist nun mal nichts absolut, sondern bestenfalls ein als allgemein gültiges Kontrukt menschlicher Gemeinschaften gebautes Regelwerk (juristisch, basierend auf ethischen Grundlagen, aber eben allgemein gültig und verbindlich).
Die schlimmste Kritik am Relativismus ist noch immer dessen inhärenter Absolutismus: alles ist eben relativ und alles bloß Meinung und irgendwie hat jeder Recht. Herder ist an allem Schuld, denn der kam mit seiner Geschichtsphilosophie in Kombination mit seinem Holismus auf derartigen Schwachsinn, der sich schnell unter den Deutschen verbreitete, ohne dabei noch zu erinnern, daß dieser ganze Mist auf Herders Buckel gewachsen ist.
Anti-Sexistin
Re: Kritik der Konsens-Ethik
Andreas, Tuesday, 04.05.2004, 23:19 (vor 7945 Tagen) @ Anti-Sexistin
Als Antwort auf: Re: Kritik der Konsens-Ethik von Anti-Sexistin am 04. Mai 2004 19:52:12:
Herder ist an allem Schuld, denn der kam mit seiner Geschichtsphilosophie in Kombination mit seinem Holismus auf derartigen Schwachsinn, der sich schnell unter den Deutschen verbreitete, ohne dabei noch zu erinnern, daß dieser ganze Mist auf Herders Buckel gewachsen ist.
Anti-Sexistin
Wieso? Ethischen Relativismus gibt es doch schon seit Anbeginn der abendländischen Philosophiegeschichte. Die Sophisten waren sicher auch nicht gerade für strikte Prinzipientreue und einen ausgeprägten Hang zur Proklamation allgemeingültiger ethischer Normen bekannt. Aber was Diskursethik angeht, kann Dir Marie Juana sicherlich einiges erzählen - sie kennt sich gut mit dem alten Habermas aus! 
Andreas
Re: Relativismustheorie
Andreas (der andere), Wednesday, 05.05.2004, 00:08 (vor 7945 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Re: Kritik der Konsens-Ethik von Andreas am 04. Mai 2004 20:19:31:
Hi Andreas!
>Herder ist an allem Schuld [...]
Wieso? Ethischen Relativismus gibt es doch schon seit Anbeginn der abendländischen Philosophiegeschichte.[/i]
Genau. Der erste (mir bekannte) Philosoph, der versuchte, eine Relativismusthese theoretisch zu formulieren, war Protagoras, und das bereits im 5. vorchristlichen Jahrhundert. Er stellte drei Thesen auf, die etwa sinngemäß lauteten:
(1) Die ethischen Urteile verschiedener Individuen oder Gruppen unterscheiden und widersprechen sich häufig in grundlegender Weise. (kultureller oder deskriptiver Relativismus).
(2) Wenn die Urteile verschiedener Individuen oder Gruppen voneinander abweichen, ist es nicht immer möglich, einige von ihnen (methodisch) als richtig zu erweisen; im Gegenteil, manchmal sind einander widersprechende Prinzipien gleichermaßen gültig oder richtig ((1)+(2) ethischer bzw. metaethischer Relativismus).
(3) Die Menschen sollten nach jenen moralischen Prinzipien leben oder zu leben versuchen, denen sie jeweils anhängen.
Es wäre zu beachten, daß der ethische Relativismus ein Anerkennen von These 1 & 2 bedeutet, These 1 kann hingegen allein anerkannt werden (und wird dann als kultureller Relativismus bezeichnet). Allerdings sind diese Punkte mehr als problematisch (wie ich irgendwo weiter oben ausführte - ich komm langsam durcheinander): These 1 hat das Problem, zu erweisen, daß es sich in unterschiedlichen Kulturen um den selben Gegenstand mit der selben Deutung handelt; These 2 hat hingegen das Problem, daß sie die Möglichkeit einer ethischen Methode ablehnt, gewissermaßen den Begriff, von dem sie reden möchte, selbst dekonstruiert. Die daraus resultirende Position ist dann der sog. "ethische Skeptizismus" bzw. "methodologische Relativismus" (näheres zu diesem Problem bei Richard B. Brandt).
Die These, die die Anti-Sexistin hier vertritt (falls man es eine These nennen kann), würde sich in der nonkognitivistischen Debatte bewegen. Daß sie das nicht wissentlich tut, ließe sich z.B. daraus schlußfolgern, daß ihr die intuitionistischen Kontrapunkte dazu offenbar fremd sind (oder verdrängt?). Anhand des ersten Satzes ließe sich auch sehr nett demonstrieren, wie die Vermischung der Ebenen eine intendierte Religionskritik verunmöglicht. - Ich lass das jetzt aber. Eigentlich wollte ich Daddeldu noch antworten, aber da brauche ich mehr Zeit für (sorry).
Freundliche Grüße, Andreas (der andere)
Re: Relativismustheorie
Anti-Sexistin, Wednesday, 05.05.2004, 11:41 (vor 7945 Tagen) @ Andreas (der andere)
Als Antwort auf: Re: Relativismustheorie von Andreas (der andere) am 04. Mai 2004 21:08:55:
Hi Andreas!
> > Herder ist an allem Schuld [...]
Wieso? Ethischen Relativismus gibt es doch schon seit Anbeginn der abendländischen Philosophiegeschichte.[/i]
Genau. Der erste (mir bekannte) Philosoph, der versuchte, eine Relativismusthese theoretisch zu formulieren, war Protagoras, und das bereits im 5. vorchristlichen Jahrhundert. Er stellte drei Thesen auf, die etwa sinngemäß lauteten:
(1) Die ethischen Urteile verschiedener Individuen oder Gruppen unterscheiden und widersprechen sich häufig in grundlegender Weise. (kultureller oder deskriptiver Relativismus).
(2) Wenn die Urteile verschiedener Individuen oder Gruppen voneinander abweichen, ist es nicht immer möglich, einige von ihnen (methodisch) als richtig zu erweisen; im Gegenteil, manchmal sind einander widersprechende Prinzipien gleichermaßen gültig oder richtig ((1)+(2) ethischer bzw. metaethischer Relativismus).
(3) Die Menschen sollten nach jenen moralischen Prinzipien leben oder zu leben versuchen, denen sie jeweils anhängen.
Es wäre zu beachten, daß der ethische Relativismus ein Anerkennen von These 1 & 2 bedeutet, These 1 kann hingegen allein anerkannt werden (und wird dann als kultureller Relativismus bezeichnet). Allerdings sind diese Punkte mehr als problematisch (wie ich irgendwo weiter oben ausführte - ich komm langsam durcheinander): These 1 hat das Problem, zu erweisen, daß es sich in unterschiedlichen Kulturen um den selben Gegenstand mit der selben Deutung handelt; These 2 hat hingegen das Problem, daß sie die Möglichkeit einer ethischen Methode ablehnt, gewissermaßen den Begriff, von dem sie reden möchte, selbst dekonstruiert. Die daraus resultirende Position ist dann der sog. "ethische Skeptizismus" bzw. "methodologische Relativismus" (näheres zu diesem Problem bei Richard B. Brandt).
Die These, die die Anti-Sexistin hier vertritt (falls man es eine These nennen kann), würde sich in der nonkognitivistischen Debatte bewegen. Daß sie das nicht wissentlich tut, ließe sich z.B. daraus schlußfolgern, daß ihr die intuitionistischen Kontrapunkte dazu offenbar fremd sind (oder verdrängt?). Anhand des ersten Satzes ließe sich auch sehr nett demonstrieren, wie die Vermischung der Ebenen eine intendierte Religionskritik verunmöglicht. - Ich lass das jetzt aber. Eigentlich wollte ich Daddeldu noch antworten, aber da brauche ich mehr Zeit für (sorry).
Freundliche Grüße, Andreas (der andere)
Natürlich und dafür ist Herder das Paradebeispiel, in dem er den ethischen Relativismus in die Individualismustheorie á la Leibniz umbiegt und darüber hinaus mit dem Irrationalismus verknüpft. Als deutscher Klassiker sicherten seine Ideen weitaus eher in die Volkschule als der alte Pythagoras.
Anti-Sexistin
Re: (@ Daddeldu) Religionsgeschichte und Ethik
Andreas (der andere), Sunday, 09.05.2004, 02:51 (vor 7941 Tagen) @ Daddeldu
Als Antwort auf: Kritik der christlichen Ethik von Daddeldu am 04. Mai 2004 19:36:07:
Hallo Daddeldu,
leider komme ich erst jetzt dazu, auf Deinen Beitrag zu antworten. Die Diskussion bisher hat sich doch sehr stark von dem entfernt, worum es zumindest mir ursprünglich ging, aber um das alles zu kommentieren fehlt mir die Zeit (und irgendwie auch die Lust). Außerdem überdehnt es den Forenrahmen doch ganz gewaltig. Allerdings wollte ich noch auf Dein Posting antworten; vielleicht kann das noch ein oder zwei Mißverständnisse aus der Welt schaffen, oder zumindest darlegen, worin die Verbindung von Ethik mit der Religionsgeschichte liegt. Allerdings kann ich das nicht so punktuell; ich hoffe, Du hast ein wenig Zeit, weil ich doch ein bißchen weiter ausholen muß. (Nebenbei noch eine Entschuldigung an Andreas, da ich mir durchaus bewußt bin, daß diese Diskussion das Forenthema deutlich überstrapaziert. Ich werd aber versuchen, das miteinander in Verbindung zu setzen.)
Zuerst etwas Grundlegendes zu meiner Position: Dem Selbstverständnis der drei großen sogenannten monotheistischen Religionen nach sind die beiden zentralen Aspekte der Modalität Gottes seine Unabhängigkeit vom menschlichen Bewußtsein und seine Transzendenz. Würde er nicht über die erstere Eigenschaft verfügen, wäre er nur eine Phantasie, ein Fehlen der zweiten Qualität würde ihn zu einem innerweltlichen Ding machen. Diese Bestimmung voranzustellen erscheint mir notwendig, um zu zeigen, daß es absolut unmöglich ist, in irgendeiner Art wissenschaftliche Aussagen über Gott zu machen, bzw. ihn wissenschaftlich beweisen zu wollen. Um ihn der Empirie zuzuführen, müßte man ihn nämlich einer Idee unterordnen und zu einem begrenzten Ding machen, könnte dann aber eigentlich nicht mehr von Gott reden.
Ich muß diese Aussage an den Anfang stellen, um meine Position genauer zu definieren: Selbst wenn ich von der Existenz Gottes überzeugt wäre (ich bin es nicht), wäre es mir unmöglich, sie wissenschaftlich zu beweisen. Die Frage, ob Gott existiert, wird und muß letztlich immer eine Frage des Glaubens bleiben. Wenn ich also argumentiere, dann tue ich das ausschließlich aus religionshistorischer Sicht. Für eine sinnvolle Diskussion ist es unabdingbar, die Ebene der Diskussion konsequent beizubehalten. Ich muß das auch voranstellen, weil Religionskritik sehr oft den methodischen Fehler begeht, sich vorübergehend in eine theologische Position zu begeben, um die "Unmöglichkeit" oder den "Irrtum" Gottes nachzuweisen. Damit sieht sie sich jedoch dem gleichen Problem ausgesetzt wie die Theologie, wenn diese versuchen würde, Gott wissenschaftlich zu "beweisen". Ich denke, in gewissem Sinne begehst auch Du diesen Fehler mit der Frage nach der göttlichen Legitimation der Sklaverei; ich gehe später darauf noch ausführlicher ein. Ich muß hier auch noch mal die Differenz meiner Position zu der von Nick betonen: Auch wenn unsere Ansichten in großen Teilen übereinzustimmen scheinen, argumentieren wir beide von völlig verschiedenen Perspektiven aus. Vielleicht wird das durch diesen Beitrag etwas klarer.
Gut, also schauen wir also auf den Anfang: die Begründung der jüdischen Religion durch Mose im Buch Exodus (das Buch Genesis ist redaktionell jüngeren Datums). Jeder hat diese Geschichte irgendwann schon einmal gehört, daher können wir sie in ein paar kurzen Worten nacherzählen: Nach ihrem Auszug aus Ägypten irren die Juden unter Führung von Mose einige Zeit durch die Wüste. Auf Geheiß Gottes steigt Mose auf den Berg Sinai und empfängt dort von diesem die Gebote für sein Volk. Als er wieder hinabsteigt, sieht er seine Leute wie rasend in einem ekstatischen Kult um das Bild eines goldenen Kalbes tanzen. Wutentbrannt zerschlägt er die Gesetzestafeln, steigt jedoch auf erneutes Geheiß Gottes ein zweites Mal hinauf und kehrt dann mit dem erneuerten Gesetz zu seinen Leuten zurück. Gibt es für uns heute jetzt irgendeinen Grund, uns mit diesem Ereignis näher zu beschäftigen? Ist das nicht einfach nur ein weiterer unter zahllosen Gründungsmythen, die in allen Religionen anzufinden sind? Hat diese Geschichte für uns, die wir außerhalb dieser Religion stehen, irgendeine Bedeutung?
Dieses Ereignis besitzt in der Tat menschheitsgeschichtliche Relevanz, hinweg über die Grenzen der Religion und bis in heutige Zeit. Untersuchen wir die Sache etwas genauer: Was ist die Situation der Juden? Sie befinden sich in Ägypten; sie sind ein Sklavenvolk, werden ausgebeutet, und wenn sie zuviele werden und man eine Rebellion befürchten muß, dann dezimiert man sie einfach. Das ist der Ausgangspunkt dieses Konflikts; Mose selbst ist Überlebender eines dieser Massaker an jüdischen Jungen. Es gibt harte Auseinandersetzungen; der Pharao will sie nicht freiwillig ziehen lassen, und wie immer sich der letztendliche Auszug aus Ägypten für die Juden auch gestaltet haben mag wir dürfen davon ausgehen, das er nicht ohne Widerstände stattfand.
Worin besteht jetzt die revolutionäre Vision des Mose? Und welche Bedeutung kommt der Episode mit dem goldenen Kalb zu, das diese Vision beinahe zerstört?
Wollen wir die Bedeutung der "mosaischen Revolution" auch für den Rest der Welt im weiteren Verlauf verstehen, müssen wir uns anschauen, in welcher Beziehung die jüdische Religion einen Bruch mit Herkömmlichem darstellt. Das Bedeutsamste an dieser Veränderung ist sicher nicht der Wechsel vom Polytheismus zum Monotheismus, wie das z.B. Jan Assman vermutet. Die jüdische Religion ist originär nicht mono-, sondern henotheistisch, d.h. nur die Verehrung eines Gottes ist erlaubt, aber es gibt durchaus andere. (Am Anfang der jüdischen Bibel findet man z.B. die Worte: "bereschit bara elohim", zu übersetzen mit "Bereschit schuf Elohim (Gott)"; "Am Anfang schuf Gott ..." ist hier grammatikalisch aber unmöglich.)
Die eigentliche Revolution ist keine Glaubensfrage, sondern struktureller Natur. Religionen waren bis zu diesem Zeitpunkt das, was der sicher berühmteste Religionswissenschaftler des 20. Jh., Mircea Eliade, als archaische Religionen bezeichnet: ihr Weltmodell ist zyklisch; ihr Pantheon wird bevölkert von einer Vielzahl archetypischer Gottheiten, die als ewige Prinzipien eine feste Ordnung der Dinge begründen. Das Weltbild einer solchen Religion ist in sich starr; alle Ereignisse stellen nur eine ewige Wiederholung einer göttlichen Ordnung dar. Die gesellschaftliche Ordnung ist hier nichts aus der Welt herausgenommenes, sondern unterliegt ebenso unveränderlichen Gesetzmäßigkeiten: Nach dem einen Pharao kommt der nächste, er wird seine kultischen Pflichten erfüllen, die Feinde des Reichs bezwingen und die Aufrechterhaltung der Ordnung gewährleisten usw. Der "Vorteil" eines solchen Weltentwurfs besteht laut Eliade vor allem darin, daß es den "Schrecken der Geschichte" abhält und durch seine zyklische Natur Sicherheit und den Eindruck von Eindeutigkeit verleiht.
Diesem zyklischen Modell gegenüber steht jetzt die Religion Moses, ein lineares Modell, in dem der Mensch keinen Platz mehr in einem sich immer wiederholenden Kreislauf einnimmt, sondern zu einem einzigartigen und geschichtlichen Individuum wird. "Geschichte beginnt mit Sumer" heißt es bei S. N. Kramer, und natürlich gibt es sie auch schon die ganze Zeit davor. Ein geschichtliches Bewußtsein des Menschen aber beginnt mit Mose. Und dieses geschichtliche Bewußtsein ist es, was den Kern des Judentums ausmacht: Mose sieht genau, was seine Leute da versuchen, als sie sich in einen archaischen Fruchtbarkeitskult flüchten. Doch er weiß, daß sein Volk nicht vergessen darf, was ihm da geschehen ist, oder es wird selbst in der Geschichte untergehen. Mose begründet eine historische Tradition: Im Gegensatz zu den archaischen Religionen sind die Feste des Judentums keine einfachen Fruchtbarkeitskulte, sondern sie weisen eine sehr stark historische Färbung auf (z.B. Chanukka, Purim, das Passah-Fest etc.). Dieser fundamentale Unterschied zeigt sich auch besonders in den geheiligten Schriften der Juden: Im Gegensatz z.B. zu den ägyptischen oder mesopotamischen Anrufungen sind sie Geschichtsbücher (natürlich nicht mit dem selben Anspruch, den wir heute an historische Werke haben). Für die Juden ist ihre Geschichte selbst heilig.
Dieser fundamentale Wandel entgeht den meisten Religionskritikern, die einen Widerspruch in der Historizität der Religion aufzuzeigen versuchen. Dabei entgeht ihnen aber, daß sie ihre eigenen Vorstellungen davon, was und wie Religion sein sollte, zum Ausgangspunkt nehmen und dann den Juden (oder Christen) den Vorwurf machen, sich nicht daran zu halten. Die biblischen Gebote sind Forderungen, wie das Leben in der Welt zu gestalten sei; sie sind keine Beschreibung unveränderlicher, ewiger Tatsachen.
Vielleicht befriedigt das Deine Frage nach dem Passus mit den Sklaven: Das Gebot besagt, daß der Besitz des Nächsten zu dem in einer Sklavenhaltergesellschaft, in der das Buch entstand, eben auch Sklaven gehören konnten zu respektieren sei. Mit der Frage "Warum hat Gott nicht ...?" würdest Du die Diskussion auf eine theologische Ebene verschieben. Als Antwort darauf könnte man dann zurückfragen, warum Gott sein Volk mit anachronistischen Forderungen verwirren sollte. Ich denke nicht, daß wir das tun sollten (s.o.). Es ging ja originär um Ethik, und dafür ist es notwendig, den historischen Blickwinkel einzuhalten. Genauer gesagt ist es unabdingbar, denn Ethik kann sich tatsächlich nur in einer historischen Perspektive entwickeln. Man kann aus den Fehlern der Geschichte nur dann lernen, wenn man eine Geschichte hat. In archaischen Kulturen ist jede Regel und Form hingegen dogmatisch (da sie ja eine "ewige" Ordnung darstellt).
Diese Veränderung machte die Juden tatsächlich zu etwas Besonderem (einem Volk mit einer Geschichte), brachte sie jedoch in permanenten Konflikt mit den Auffassungen anderer Kulturen, aber auch der Praxis der eigenen Leute. Die "Propheten" genannten Freigeister treten immer dann in Erscheinung, wenn das Volk oder ein Herrscher seine ethischen Traditionen vernachlässigt, und üben Kritik - oft mit fatalem Ausgang (für sie selbst). Es ist bezeichnend, daß die Bibel die jüdische Geschichte nicht glorifiziert, sondern auch Geschichten ethischer Verfehlungen und schamvoller Ereignisse festhält (z.B. David, Ahab, Jehu etc.). Die Ethik, an der sich Volk und Führer messen lassen müssen, wird mit der Vergangenheit immer länger und ausdifferenzierter; ethische Normen werden anspruchsvoller. Gleichzeitig ist es vielleicht universell menschlich, sich von solchen Forderungen freimachen zu wollen, die Schmach der Geschichte abzuwerfen und sich sein eigenes, bequemes Weltbild zurechtzuzimmern. Der Konflikt dieses Wunsches mit der Erfordernis, die Geschichte lebendig zu halten, wenn man nicht in barbarische Zustände zurückfallen möchte, betrifft sowohl Juden als auch Nicht-Juden.
In dieser Tradition der jüdischen Propheten steht nun Jesus: Auch er prangert den Verfall der Sitten an, fordert eine Veränderungen im Denken, setzt Innerlichkeit gegen zur bloßen Form erstarrten Ritualismus und übt Kritik an der bestehenden Ordnung. Sein Schicksal ist bekannt. Es mag aus einer christlichen Perspektive vernünftig erscheinen, bei Jesus eine Zäsur setzen zu wollen, aber ich sagte bereits, daß mein Standpunkt ein anderer ist, und möchte statt dessen die ideengeschichtliche Kontinuität betonen. (Die eigentliche Zäsur stellt eher die zweite Zerstörung des Tempels 70 und die allmählich daraus resultierende Trennung zwischen Judentum und Christentum dar.) Jesus selbst steht in einer Tradition, die auch nach seinem Tod noch eine Weile weiterbesteht. Das Christentum beruft sich zwar auf Jesus, gestiftet in dem Sinne wird es aber erst nach seinem Tod (Jesus selbst sieht seine Mission als eine Revolutionierung des Judentums). Aus dem selben Grund geht eine "Verfallstheorie", wie sie Garfield anscheinend vertritt, ebenfalls an der tatsächlichen Sache vorbei, weil sie erneut den historischen Prozeß zugunsten einer statischen Auffassung ausblendet. Die Urchristen (eigentlich noch Juden) waren sich über ihre Ziele und Werte keineswegs einig (Konflikte sieht man bereits zwischen Petrus und Paulus). Sie wurden von den Römern auch nicht wegen ihres Glaubens oder ihrer Werte verfolgt. Für die römische Religion ist der Glaube absolut irrelevant; die römische Religion war eine Orthopraxie: Was alleinige Bedeutung hatte, war der korrekte Vollzug des Kults. Wie wenig die innerliche Beteiligung dabei zählt, sieht man daran, daß die Durchführung auch an Sklaven delegiert werden konnte; oder daß es, wenn man keinen für das Jupiteropfer erforderlichen weißen Stier finden konnte, durchaus legitim war, einen anderen weiß anzumalen. Der korrekte Vollzug des Kults sicherte die bestehende Ordnung. Der Kult war öffentlich. Die Christen hingegen verweigerten sich der Ordnung; sie feierten heimlich seltsame und für die römische Öffentlichkeit unsichtbare Kulte und entzogen sich weitgehend der Kontrolle. Zudem muß man sagen, daß sie eine ausgesprochen eschatologische Haltung vertraten. Es gibt wohl gute Gründe anzunehmen, daß der Brand Roms 64 auf ihr Konto ging, um das Weltgericht nun vielleicht doch einzuleiten.
Worauf ich hinaus will, ist die Perspektive einer fortschreitenden Geschichte. Nur aus ihr heraus kann man das Werk Jesus' sowie die spätere Entstehung des Christentums richtig verstehen. Diese Perspektive müssen wir unbedingt auch beibehalten, wenn wir die weitere Geschichte zum Aufstieg zur Staatsreligion, über das Mittelalter bis in die Gegenwart betrachten. Man findet bei Religionskritikern z.B. immer wieder den "Vorwurf", die Kirche hätte sich von der weltlichen Politik nicht soweit ferngehalten, wie es ihre Pflicht gewesen wäre (gemessen an welchen Maßstäben auch immer). Dieser Vorwurf ist nicht sehr durchdacht und verkennt zudem erneut das eigentliche Wesen der jüdisch-christlichen Tradition. In ihm offenbart sich auch eine Auffassung von Religion, die in etwa der eines Yoga-Kurses oder eines schamanistischen Seminars auf dem esoterischen Supermarkt von heute gleichkommt. Halten wir hier einen kurzen Moment inne und fragen uns, welche Relevanz einer so durch und durch an Außerweltlichem orientierten Religion zukäme ... Die Antwort ist: Keine. Eine Religion, die nicht die Macht hat, im realen gesellschaftlichen Kontext etwas wie Verbindlichkeit zu erzeugen, wäre pure Philosophie, ohne jeden Bezug zum realen Leben. Anscheinend ist aber dies genau die Position, die resolute Christentumskritiker dieser Religion zugestehen wollen. Schauen wir uns also kurz deren Begründung an!
Eine Auffassung, die auf historisch keinen Fall haltbar ist, ist das Bild einer mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kirche als in sich geschlossene Organisationsstruktur, die mit erstarrter Dogmatik und Glaubensvorstellungen das Volk unterdrückt, bis sich dieses endlich von seinen Ketten befreit. Da Kirchengeschichte nicht von weltlicher Geschichte zu trennen ist, mußten notwendigerweise von außen kommende Entwicklungen und Veränderungen auch im innerkirchlichen Kontext diskutiert, bewertet und schließlich darauf reagiert werden. Ebenso oft bildeten innerkirchliche Diskussionen den Anstoß für äußere Entwicklungen. Weltliche Entscheidungen der Kirche wurden diskutiert und auch kritisiert. Auf keinen Fall läßt sich am Bild von der einheitlichen kirchlichen Meinung festhalten, auch wenn selbstverständlich ein übergreifender Konsens angestrebt war. Die Behauptung, "das Verhalten der Christen und ihrer Kirchen [sei] kein Deut besser als das ihrer Zeitgenossen, oft sogar schlechter" gewesen, ist sicher ein wenig polemisch formuliert, insgesamt aber nicht zu bezweifeln: Ebenso, wie es Leute gab, die das Prädikat "Heilige" durchaus verdienten, gab es dagegen andere, die von der christlichen Idee nicht weiter hätten entfernt sein können, und (naturgemäß?) die Macht erreichten, die sie zu deren Mißbrauch ermächtigte. Ist die Bedeutung der Kirche damit aber nun schon erschöpfend dargelegt?
Nein. Wäre die Kirche nur eine weltliche Macht neben anderen gewesen, hätte sie auch zweifellos deren Schicksal ereilt, andererseits aber die Bedeutung vermissen lassen, die ihr heute in den Augen einiger so oft zur Kritik gereicht. Der größte Verdienst der Kirche besteht meines Erachtens darin, während einer Epoche der sich einander ohne Unterlaß und erkennbares System bekriegender Mächte für einen staatenübergreifenden Konsens gesorgt zu haben, der trotz aller Kriege und Meinungsverschiedenheiten das Bild Europas als einer Zivilisation, mit einer Geschichte prägte. Besonders diesen letzten Aspekt möchte ich betonen, denn wie wir weiter oben schon gesehen haben, ist es unmöglich, aus den Fehlern der Geschichte zu lernen, wenn man sich diese nicht gegenwärtig hält. Ethik kann sich also nur aus Tradition entwickeln. In diesem Zusammenhang wäre vielleicht auch darauf hinzuweisen, daß viele unserer modernen Werturteile und Anschauungen auf christliche Überlegungen zurückgehen, oder doch zumindest durch diese vorbereitet sind.
Als Beispiel für unseren moralisch eher selektiven Umgang mit dem Thema mag das mittlerweile vielleicht schon nicht mehr ganz so einseitig betrachtete Thema der Hexenverfolgung gelten. Dabei ist das Phänomen Hexerei kein durch die Kirche geschaffenes; im Gegenteil kennt man derartige Vorstellungen überall auf der Welt, ebenso wie mehr oder weniger humane Methoden, damit umzugehen. Von der katholischen Inquisition, deren Image unwiderruflich ruiniert scheint, wissen wir heute gerade noch, daß durch sie eine größere Anzahl Hexer, Hexen und Ketzer/innen zu Tode gekommen sind. Weniger bekannt ist schon, daß von den durch weltliche und geistliche Gerichtsbarkeit zum Tode Verurteilten zusammen lediglich etwa 4% auf Kosten der Letzteren gingen, oder daß die Hexenverfolgung ursprünglich nicht durch die Kirche, sondern durch die weltliche Gerichtsbarkeit initiiert wurde. Zu einem wirklichen Verständnis gelangt man allerdings erst dann, wenn man sich mit den inner- und außerkirchlichen Debatten auseinandersetzt, die über die Jahrhunderte zu diesem Problem geführt wurden. Der Canon episcopi, eine Sammlung kirchlicher Rechtssätze aus dem 9. Jh., unterscheidet beispielsweise bereits vorsichtig zwischen "Behauptung" und "Realität" und war für die Überlegungen der weiteren Praxis bestimmend. Und auch wenn es schwer zu akzeptieren scheint, stellte die Einrichtung der Inquisition eine Verbesserung der Zustände dar. Bis zu ihrer Entstehung galt die Denunziation bereits als Anklage und Beweis: Behauptete nur eine genügend große Anzahl das gleiche, ließ man den Angeklagten noch auf einem glühenden Pflug reiten oder unterzog ihn der "Wasserprobe" (was beides keine besonders guten Aussichten waren). Die Inquisition bemühte sich, Verhörmethoden zu entwickeln, nicht-suggestive Fragetechniken zu erstellen, führte das Recht eines Angeklagten auf einen juristischen Beistand ein, betonte z.B. im Todesfall das Primat der untersuchenden Ärzte gegenüber den Hexerei-Anklägern und entwickelte ein Sortiment an Methoden, die man heute als proto-kriminalistisch sehen könnte (z.B. in der "Instructio" des "Sanctum Officium" [um 1600]). Die Verhörmethoden schlossen als letzten Schritt auch die Folter mit ein, was aus damaliger Sicht legitim war. Natürlich ist so etwas unethisch. Das Problem der Kritiker dabei ist häufig, daß sie sich bei der Beurteilung eine Perspektive zu eigen machen, die die Angelegenheiten der damaligen Zeit nach heutigen Maßstäben beurteilen wollen. Dabei wird verkannt, daß es erst die Auseinandersetzung mit diesen Handlungsweisen war, die uns zum Finden unserer moderneren ethischen Prinzipien in diesem Bereich ermächtigte.
Die Möglichkeiten der Kritik an der Geschichte sind reichlich gegeben. Kritik gab es immer; sie hat die Geschichte schließlich vorangetrieben, auch und besonders im Sinne der Entwicklung der Ethik. Wie ich hoffentlich zu Zeigen imstande war, bedingen moralische Urteile jedoch immer einer historischen Perspektive, sowie dem Wunsch, etwas besser zu machen. Es ist hierbei jedoch von äußerster Wichtigkeit, sich zu vergegenwärtigen, daß dieser Wunsch, es besser zu machen, nicht die alleinige Möglichkeit ist, mit Geschichte umzugehen. Stärker noch scheint jener Wunsch, sich von der Geschichte und ihrer "Last" zu befreien. Gerade weil Ethik auf eine Entwicklung angewiesen ist, baut jedes ethische Urteil auf einer Geschichte von Fehlern, Unrecht, Mißdeutungen, Schande und Leid auf. Oder anders ausgedrückt: Nur, weil unsere Vorfahren schmerzliche Erfahrungen mit einem bestimmten Thema gemacht haben, die sie uns weitergegeben haben, sind wir heute in der Lage, unsere ethischen Normen entsprechend zu präzisieren, zumindest solange, wie wir uns unserer Geschichte bewußt sind.
Aber der Wunsch, diesen schmerzlichen Erfahrungen zu entkommen, führt auch zu einer Gegenbewegung, und niemand ist davon je stärker betroffen gewesen als die Juden, die im Gegensatz zum Christentum oder dem Islam nie eine (zumindest teilweise) Allianz mit dem herrschenden System eingegangen sind. Erinnern wir uns noch einmal an den Anfang: das, wofür die jüdische Religion steht, was sie ausmacht. Ihrem historischen Blickwinkel entgegen stehen die archaischen Religionen; Vorstellungen, die sich archetypische Gottheiten zum Modell nehmen, um eine "ewige Ordnung der Dinge" zu konstruieren, ohne den Ballast einer schmerzvollen Geschichte, und mit der Möglichkeit, die eigene Ordnung hemmungslos zu idealisieren ...
Ich habe eine lange Zeit darüber nachgedacht, und mittlerweile bin ich der Überzeugung, daß ich damit Recht haben könnte (was natürlich problematisch ist; als Student sollte man sich ja mit dem Aufstellen von Theorien besser etwas zurückhalten). Aber wenn man zur Frage dieses grenzenlosen Hasses auf die Juden im Dritten Reich kommt, findet man stets nur Erklärungen, die völlig unbefriedigend sind: Die "Juden als Henker Christus" will nicht überzeugen so "christlich" waren die Nazis nicht, als daß diese Empörung echt sein könnte. Und psychologische Erklärungen? "Hitlers Kindermädchen war eine brutale Jüdin", daher frühkindliche Ressentiments etc. bla bla aber ein ganzes Volk damit infizieren? Man findet diese ganzen Vorurteile, aber sind die nicht erst Symptom einer tieferliegenden Feindseligkeit? Und dann ist da noch dieser Volkskult der Nazis, das "Wiedererwecken der alten germanischen Religion", Wotan und Donar, glorreicher Siegfried ... mythische Gestalten, und ohne jeglichen Bezug zur traumatischen Geschichte der jüngsten Vergangenheit. Ich finde diese Theorie ausgesprochen überzeugend, daß der Judenhaß der Nazis den perversen Versuch darstellt, sich der eigenen Geschichtlichkeit zu entledigen. Und für die Juden ist es die Schlimmste Herausforderung ihrer Geschichte das zu integrieren, was eigentlich niemand ertragen kann.
Einen Vergleich zwischen Juden und Christentum kann man nur sehr vorsichtig ziehen: Die Christen waren nie denselben Verfolgungen ausgesetzt wie die Juden. Aber ihre Traditionen ähneln sich in bestimmten Punkten und gehen ja auch zum Teil auch auseinander hervor. Das wichtigste Moment ist die Vergegenwärtigung der Geschichte, da Geschichte als "heilig" empfunden wird, und im Gegensatz zu einer rein historisch-restaurativen Perspektive daß diese Geschichte als Grundlage für ethisch verbindliche Entscheidungen genommen wird (zumindest von den Anhängern der Religion als verbindlich genommen).
Kommen wir nun nochmal zur Ausgangsfrage dieser Diskussion zurück: Worauf soll sich Ethik stützen, wenn nicht auf die Auseinandersetzung mit einer Geschichte? Und welche Relevanz hätte Ethik, wenn sie keine Verbindlichkeit entwickeln würde?
Wenn wir von "christlicher Ethik" sprechen, meinen wir im Prinzip einen Punkt in der argumentativen Begründung von Ethik, an dem jemand auf Gott als ultimativen Grund verweist. Nun ist die Existenz Gottes, wie ich eingangs darlegte, nicht beweisbar, was uns jedoch nicht davon entbindet, uns mit den einzelnen Aussagen selbst auseinanderzusetzen. Bekanntlich ist für Christen Gott auch der Schöpfer des Universums; würden wir uns also allein den Glauben an einen Gott als Kriterium nehmen, müßten wir uns mit keiner Aussage, die ein Christ, Jude oder Moslem über die Welt macht, auseinandersetzen ...? Nein, natürlich nicht, denn die Argumentation kann durchaus nach von einer theologischen Position unabhängigen Begründungen geführt worden sein (und wenn wir Ethik universelle Gültigkeit zusprechen wollen, müßte sie das auch). Ich glaube, das ist in einer ganzen Anzahl von Fragen der Fall, was natürlich auch der Auseinandersetzung mit Nichtreligiösen geschuldet ist. Wenn der Glaube an Gott allerdings nicht das Hauptargument bei der Begründung allgemeiner ethischer Urteile ist, sollte man vielleicht auch die nach wie vor vehemente Kirchenkritik etwas genauer unter die Lupe nehmen.
Zumindest sollte die Frage erlaubt sein, was sie konkret verlangt. Die Argumente der Gegner bewegen sich meiner Meinung nach viel häufiger auf einer anti-institutionellen Ebene als auf der Sachebene. In simpler Reinform verdeutlicht an der "Argumentation" unseres allerliebsten Forentrolls: Die Auseinandersetzung mit der Person ersetzt die Auseinandersetzung mit deren Argumenten ("Wer sich zur Kirche zählt, kann ja nur fundamentalistisch argumentieren. - Nee danke! Es grüßt, das ..."). Eine andere Position ist die Ablehnung der Kirche wegen ihrer teilweise unmoralischen Vergangenheit. Ich hoffe, daß mein Beitrag klar machen konnte, das diese Position nicht gerade gut durchdacht ist, da diese unmoralische Vergangenheit uns erst unser heutiges Urteil über sie erlaubt. Diese Ablehnung verwundert noch mehr, als daß sich diese Ansichten auch in Kirchenkreisen selbst überholt haben (ich halte es für unwahrscheinlich, Christen zu finden, die für Hexenverbrennungen oder Wiedereinführung der Sklaverei wären zumindest keine, die es nicht auch dann wären, wenn sie keine Christen wären
. Es ist dem aktuellen Papst anzurechnen, daß er öffentlich dazu Stellung bezog; daß Berlusconi eine Entschuldigung für die Greuel der alten Römer abgeben oder Schröder sich für die mittelalterlichen Kriege gegen Italien entschuldigen wird, hält man hingegen berechtigterweise für unwahrscheinlich. Warum eigentlich? Und jene ewig auf das Mittelalter fixierten Kritiker sind es dann, die vehement fordern, es "müsse endlich Schluß sein mit den Holocaustdenkmälern und Reparaturzahlungen an Israel", man "müsse die Vergangenheit ruhen lassen",denn die läge doch schließlich "schon so weit zurück".
Ein anderes Argument zielt auf den Einfluß des Papstes, dessen größter Fehler zu sein scheint, daß er doch offenbar völlig unberechtigterweise bei Menschen Autorität genieße, ja eigentlich schon ein Mißbrauch an sich. Dem wäre zuerst entgegenzuhalten, daß der Papst heute allein deswegen Autorität und Amts-Charisma genießt, weil es ihm Katholiken zusprechen; Luxus der Religionsfreiheit. Selbstverständlich sind nicht alle Positionen, die die Kirche bezieht, auf der Höhe der Zeit, und einige klar kritikwürdig. Andererseits bewahrt diese Strategie auch in manchen anderen Fällen davor, allzu leichtfertig bestimmte ethische Errungenschaften wieder zu verwerfen. Ethik hat aber eben nur dann Bedeutung, wenn sie sich (a) auf Geschichte bezieht und (b) Verbindlichkeit entwickeln kann. Ich denke, es ist dieser Punkt, von dem aus wir uns fragen sollten, warum die radikale Kirchenkritik einen Bruch mit der Vergangenheit bzw. am liebsten eine Auflösung der Institution fordert und dem Papst alle Autorität absprechen möchte. Anders ausgedrückt sähe die radikale Kirchenkritik den Papst vielleicht gerne in der Position eines Schriftstellers, oder vielleicht eines Historikers. Welchen realen Einfluß könnte nun der Papst auf die Geschichte nehmen, wenn er lediglich ein netter alter Schriftsteller wäre? Genau: Überhaupt keinen. (Nur am Rande, und um vielleicht wenigstens noch ein bißchen mit dem Forenthema zu tun zu haben, sei darauf verwiesen, daß päpstliches Christentum und Judentum als häufig unreflektiertes Synonym für "das Patriarchat" schlechthin gebraucht werden, mit dem man dann am liebsten gar nichts zu tun haben will. Als Alternative für die unrühmliche Geschichte finden sich dann nordische Heroen oder ein seltsam strukturloses Urmatriarchat. Aber die Versuche, sich der Geschichtlichkeit zu entledigen, sind eigentlich zu universell, um sie jetzt für den "Geschlechterkampf" zu instrumentalisieren.)
Die Religionskritik ist älter als deren wissenschaftliche Erforschung. Erst, seit man dieses Phänomen auch aus soziologischen, psychologischen, kulturvergleichend-ethnologischen, anthropologischen etc. Perspektiven zu untersuchen begann, ließ sich erkennen, daß Religionen durchaus auch funktionelle und konstitutive Aspekte haben, die positiv zu bewerten sind. Der Soziologe Emilé Durkheim äußerte als seine (soziologische) Theorie, daß sich "die Gesellschaft in der Religion in idealisierter Form selbst anbete". Zumindest sollten wir die Bedeutung dieses Satzes in Berücksichtigung ziehen, wenn wir überlegen, ob Nietzsches Feststellung, "Gott sei tot" nun tatsächlich ein Grund zum Feiern ist.
Bezüglich der Religion stehen wir nun vielleicht vor einem ähnlichen Dilemma wie Cicero, der selbst Augur den Glauben an Götter zwar für obsolet erachtete, sich jedoch deren essentieller Bedeutung für den Zusammenhalt der Gesellschaft durchaus bewußt war. Ethik ist ein Geschenk unserer lebendig gehaltenen Vergangenheit, wenn wir deren Verbindlichkeit anerkennen. Es ist jetzt die Frage, wie eine Gesellschaft aussehen wird, die an oberste Stelle den Menschen statt eines ethischen Prinzips setzt.
(Im Bewußtsein, vermutlich vielmehr angestoßen als beantwortet zu haben, trotz allem)
Herzlichen Gruß, Andreas (im Koma bis Mitte Juli)
P.S.: Ringelnatz ist cool - hab hier was von ihm gefunden: http://home.t-online.de/home/ringelnatz/index.htm#Themenauswahl
Re: Kleiner Exkurs Ethik
Emmalein, Monday, 03.05.2004, 12:51 (vor 7947 Tagen) @ Andreas (der andere)
Als Antwort auf: Re: Kleiner Exkurs Ethik von Andreas (der andere) am 02. Mai 2004 16:37:13:
Hi, Du,
in meinen Augen gibt es keine Ethik, die unabhängig vom Menschen und seinen persönlichen Auffassungen ist.
Gesetzt den Fall, ich wäre Hinduistin, dann wäre es für mich vielleicht etwas ganz Natürliches und Vernünftiges, meinem Ehemann in den Tod zu folgen, und ich würde jeden, der das nicht tun will, als unethisch verurteilen.
Gesetzt den Fall, ich wäre Muslima,dann wäre es für mich ethisch absolut korrekt, dass ein Mann vier Frauen hat.
Gesetzt den Fall, ich wäre Mitglied des Ku-KLux-Clans, dann wäre es mit meiner christlichen Ethik hundertprozentig vereinbar, dass Schwarze weniger Rechte haben sollten als Weisse.
Du siehst, Ethik IST vom persönlichen Standpunkt EXTREM abhängig.
Auch, wenn ich viele Vorgänge, die sich mit der Aufstellung der Menschenrechte verbinden, ablehne, gründet sich meine persönliche Ethik auf die Menschenrechte. Man KANN jetzt sagen, dass dies auch christliche Wurzeln hat. Aber Menschenrechte und christliche Ethik sind in meinen Augen nicht 100%ig identisch. Sonst könnten sich Glaubensangehörige anderer Religionen den Menschenrechten nicht anschliessen.
Die Menschenrechte bilden einen Konsens, dem sich viele Staaten angeschlossen haben. Ich kann insofern einen Konsens finden mit den Menschen, die die Menschenrechte anerkennen. Mit anderen, da hast Du recht, wird es schwierig. Auch, wenn sie Vertreter irgendeiner religiösen Gemeinschaft sind - und wenn diese Gemeinschaft auch "katholische Kirche" heisst, die teilweise in meinen Augen immer wieder gegen die Menschenrechte verstossen hat.
Es grüsst
das Emmalein
Re: Kleiner Exkurs Ethik
Nick, Monday, 03.05.2004, 14:47 (vor 7947 Tagen) @ Andreas (der andere)
Als Antwort auf: Re: Kleiner Exkurs Ethik von Andreas (der andere) am 02. Mai 2004 16:37:13:
Der Begriff "Konsens-Ethik" ist letztlich nur der Versuch, der Willkür mit der Verleihung eines besseren Namens ein positives Ansehen zu verschaffen.
Genau so ist es, Andreas, und genau das hat System und Methode bei der fortschreitenden "Feminisierung" der Gesellschaft und ihrer Auflösung. Gesetz wandelt sich in Willkür, die menschliche Gesellschaft zerfließt zu einer amorphen Masse von persönlichen "Ausnahmen": Sinnentleerung durch Auflösen der Denkstrukturen, millimeterweises Verschieben der Sprache bis zur inhaltsleere Rabulistik, Popularisierung des Nicht-Wissens und dazu der geistige Terror einer Meinungs-"Kultur", die als gefällig plappernde Verblödung die Herrschaft des Nonsens installiert.
Heute könnte man mit einer "Studie" (ein Elementar-Fetisch!) lässig nachweisen, daß der Mond viereckig ist, und es fänden sich massenhaft Leute, die das glauben und als Wahrheit vertreten - unbeschadet eines Blicks an den Himmel, der ihnen die Wahrheit offenbarte.
Die Frage ist allerdings, was sich auf so etwas aufbauen läßt?
Die Antwort ist einfach: Nichts!
Waldi wird einfach mit dem Schwanz wedeln, wenn der Metzger kommt.
Herzlicher Gruß
vom Nick
Noch zur Ergänzung
Emmalein, Tuesday, 04.05.2004, 18:57 (vor 7945 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Feminismus ist "frauen-ethisch" - und deshalb menschen-feindlich von Nick am 29. April 2004 15:10:47:
Hi,
ergänzend lässt sich dazu auch noch kritisch anmerken: Gleiche RECHTE bedeuten nicht absolute GLEICHHEIT.
Ich bin nicht genau wie Garfield. Garfield ist nicht wie Jolanda. Jolanda ist nicht wie Marie Juana. Marie Juana ist nicht wie ich.
Dennoch unterstehen wir hier alle dem Gesetz der Bundesrepublik Deutschland und haben gleiche staatsbürgerliche Rechte und Pflichten.
Selbst als Poster unterstehen wir alle denselben Regeln, denen die der Administrator in das Forum gesetzt hat. Sind wir deswegen gleich oder vertreten wir auch nur den gleichen Standpunkt? Keineswegs!
Und daran krankt die ganze ethische Überlegung: Es geht bei lobbyistischen Bewegungen (wie etwa der zur Gleichberechtigung der Schwarzen oder der zur Gleichberechtigung der Frauen) nicht um das Herstellen von Gleichheit - sondern um das Herstellen von gleichen RECHTEN. Gleiche Rechte und Pflichten für alle Staatsbürger sind die Grundvoraussetzung für ein demokratisches System. Mit jeder Gruppe von Staatsbürgern, die von diesen Rechten ausgeschlossen ist oder deren Rechte nur eingeschränkt gelten, wird der Staat undemokratischer.
Und bevor mich jetzt ein Männerrechtler fragt: Ja, genau - das ist die Grundlage, auf der ich den Wehr- und den Wehrersatzdienst nur für Männer ablehne: Weil er nämlich vom Grundsatz der gleichen Rechte sich entfernt und somit in gewisser Weise gegen den Demokratiegedanken verstösst.
Es grüsst
das Emmalein