Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Warum man Gewalt von Frauen gegen Männer weiterhin vernachlässigen darf (Link) (n/t)

Arne Hoffmann, Tuesday, 27.04.2004, 22:10 (vor 7955 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Warum man Gewalt von Frauen gegen Männer weiterhin vernachlässigen darf (Link) (n/t) von Odin am 27. April 2004 13:43:58:

Hi Odin,

ja, klar, der Backlash dauert nicht lange. In den USA haben die Feministinnen die Gewaltforscher natürlich auch nicht umarmt, als diese ihre Erkenntnisse auf den Tisch gelegt haben. Auch da gibt es bis heute noch erheblichen Widerstand. Die Einwände, die in dem verlinkten Text erhoben werden, sind alle schon beantwortet; diverse Weblinks zu Studien und Meta-Analysen hatte ich hier zuletzt vor einigen Tagen gepostet.

Kurz zusammengefasst:
-Ja, natürlich gibt es auch bei weiblichen Opfern häuslicher Gewalt eine enorme Dunkelziffer, aber bei Männern ist sie eben zehnmal höher.
- Die Aussage, dass sich Männer seltener outen, ist keineswegs "hoch spekulativ", sondern ergibt sich a) aus der Diskrepanz zwischen der Zahl der angezeigten Fälle und der Zahl der Fälle, die sich in anonymen Befragungen herauskristallisiert haben und b) daraus, dass selbst diejenigen Männer, die sich vor den Medien als Opfer outen, dies in der Regel nur anonym tun. Viele entsprechende Aussagen lassen sich auch aus der Literatur gewinnen, in der männliche Opfer schildern, aus welchen Ängsten heraus sie sich nicht geoutet haben.
- Dass die Kritik an der CTS unsinnig ist, wurde unter anderem im Gewaltbericht des österreichischen Sozialministeriums erklärt, dito von Professor Bock selbst.
- Frau Stoff behauptet, die anderen deutschen Studien würden nur "recht vage" benannt und seien (selbstverständlich) alle fehlerhaft. Hier kann man Frau Stoff zugute halten, dass ihr Text aus dem Jahr 2001 stammt und sie sich offenbar bewusst auf den deutschen Raum bezieht. Und für unser Land lagen 2001 entsprechende Studien über die höhere Rate von Frauengewalt (Studie der kath. Uni Ingolstadt-Eichstätt, Väterstudie Institut für Geschelchts- und Generationenforschung Amendt etc.) noch nicht vor. Dennoch finde ich aufschlussreich, dass diese "Fehlerhaftigkeit" von Frau Stoff nur behauptet, nicht belegt wurde.

Interessant ist weiterhin, dass in diesem Text nirgendwo die Komeptenz von Frau Stoff angegeben wird, also aufgrund welchen Ausbildungshintergrunds sie glaubt, die Dinge besser einschätzen zu können als ein Kriminologie-Professor und seine Fachkollegen. Ebenso wenig belegt ist der aggressive Schlussatz: "der disqualifiziert sich schon im Vorfeld". Ja, das hätte Madame Feministin wohl gerne: "Pöh, diese ganzen Wissenschaftler disqualifizieren sich doch schon im Vorfeld, das brauche ich doch wirklich nicht noch zu belegen, oder? Wie kann man es überhaupt wagen, meine Gewalt-ist-männlich-Religion anzutasten? Am Ende heißt es noch, wir sollten uns um männliche Opfer kümmern, wo kommen wir denn da hin? Opferhilfe ist für uns FRAUEN da!"

Das ausgerechnet Jürgen Gemünden in Parenthese als Kronzeuge auftaucht, kann schließlich wohl nur ein schlechter Witz sein.

Alles in allem: Gottlob sind wir in der Debatte inzwischen drei Jahre weiter, aber ich kann verstehen, dass Professor Bock auf solchen Blödsinn in der letzten Zeit etwas unwirsch reagiert hat.

Herzlicher Gruß

Arne


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