evolutionstheoretische bzw. genetische Faktoren sind wichtig!
Als Antwort auf: "Seitensprünge sind bei Frauen angeboren"
von Arne Hoffmann am 23. November 2003 11:07:23:
Persönlich halte ich evolutionstheoretische und biologistische "Beweise" für das menschliche Verhalten so oder so für fragwürdig.
Hi!
Diese Aussage ist sehr problematisch, denn wer als Männerrechtler die Betrachtung genetische Faktoren kategorisch ablehnt, legitimiert damit automatisch feministische "Errungenschaften" wie Quotenregelungen oder Girls'Day, denn ohne genetisch bedingte geschlechtsspezifische Verhaltensunterschiede wäre das Dogma der ausschließlich anerzogenen Unterschiede ("Nur-Umwelt-Dogma") ja kein Dogma, sondern Realität.
Die logische Konsequenz wäre, daß sämtliche Unterrepräsentanzen von Frauen in bestimmten Bereichen (technische Bereiche, Führungspositionen) tatsächlich durch die Umwelt - sprich Unterdrückung - zustandegekommen sein müssen. Denn wenn die Interessen und Neigungen genetisch tatsächlich vollkommen geschlechtsneutral wären, hätten wir bei einer optimalen Gleichberechtigung in technischen Bereichen und Führungspositionen die Gaus'sche Normalverteilung, also durchschnittlich geschlechtsneutrale 50:50. Schlußfolgerung: wenn in der Realität kein 50:50 -> Unterdrückung. Kompensationsmaßnahme: Quotenregelungen
Deshalb wäre ich auch mit der Diffamierung von der Genetik-Betrachtung als "Biologismus" sehr vorsichtig. Dieser Begriff ist mittlerweile zur Brandmarkung verkommen.
Biologismus ist m.E. nur, wenn mit evolutionstheoretischen Erklärungsversuchen eine gesellschaftliche Norm legitimiert werden soll, Extremfall: Freuds "allgemeine Schwachsinnigkeit des Weibes". Oder "Der Mann - Gen-Krüppel" - womit man hervorragend das schlechtere Abschneiden der Jungen bei PISA (tatsächlich: infolge einseitiger Mädchenförderung) "erklären" kann. Kurios ist dabei, daß sich ausgerechnet der Feminismus gelegentlich dem Biologismus bedient, indem er z.B. Frauen als die besseren Menschen propagiert.
Biologismus ist m.E. _nicht_, wenn für bestimmte geschlechtsspezifische Unterschiede (Ist-Zustand) nicht ausschließlich die Umwelt verantwortlich gemacht wird, sondern auch die Anlage in Erwägung gezogen wird. Kennzeichnend für Nicht-Biologismus ist, daß man aus Ist-Zuständen keine Norm ableitet mit dem Verweis auf die Anlage, sondern die Anlage als nicht genau bestimmbaren, dennoch einflußreichen Faktor x sieht. Dies bedeutet, daß man das Gleichmacherprinzip (Quotenregelungen) ablehnt, aber gleichzeitig für Chancengleichheit sorgt. Diese elegante Konsequenz erspart m.E. die genaue Bestimmung des Faktor x.
Also: Ich wäre mit der Verdammung von genetischen und evolutionstheoretischen Faktoren sehr vorsichtig, das kann furchtbar auf die Füße fallen! (s.o.)
Die unbedingte Akzeptanz des Faktor x (s.o.) ist eine Voraussetzung, um die gesetzliche Geschlechterapartheid (Quotenregelungen) abzuschaffen.
Die Ablehnung einer Standardisierung des Faktor x ist gleichzeitig Voraussetzung, um Biologismus und Geschlechterapartheid - ganz gleich unter welchem Vorzeichen - zu verhindern. Denn zum einen ist eine standardisierung des Faktor x mit 100%iger wissenschaftlicher Sicherheit gar nicht möglich, zum anderen wäre sie eine Mißbrauchsmöglichkeit, um die eine oder andere Norm zu legitimieren.
gesamter Thread:
- "Seitensprünge sind bei Frauen angeboren" :-) -
Arne Hoffmann,
23.11.2003, 13:07
- Klar, die Mädels wollen halt auch mal Kaviar - Grinsender, 23.11.2003, 13:32
- evolutionstheoretische bzw. genetische Faktoren sind wichtig! -
IdeeAlist,
23.11.2003, 14:55
- Re: evolutionstheoretische bzw. genetische Faktoren sind wichtig! - Garp, 23.11.2003, 18:03
- Re: "Seitensprünge sind bei Frauen angeboren" :-) - carlos, 23.11.2003, 17:16