Re: Aus meinem Archiv...
Als Antwort auf: Aus meinem Archiv... von Frank am 24. Oktober 2003 18:40:21:
Hallo Frank!
Auch wenn es eigentlich nicht Thema deines Beitrages war, möchte ich doch mal eine der von dir erwähnten "frauenfreundlichen" Passagen herausgreifen:
"Es gehört ganz gewiss zu den beschämenden Kapiteln abendländischer Geschichte, dass es zum Beispiel gewissermaßen zum Recht eines Ehemannes gehörte, eine Frau nach Lust und Laune willkürlich schlagen, körperlich misshandeln zu dürfen. Es ist für mein Gefühl ein beschämendes Kapitel der Rechtsgeschichte, dass die jederzeitige Bereitschaft zum Geschlechtsverkehr zur ehelichen Pflicht der Frau erhoben werden konnte..."
Es ist schon interessant, daß selbst Menschen, die dem Feminismus eigentlich im Großen und Ganzen kritisch gegenüber stehen, trotzdem an manche der Klischees und Dogmen glauben, die Feministinnen gerade auch in Bezug auf die Geschichte in unserer Gesellschaft etabliert haben.
Es ist richtig, daß ein Ehemann in früheren Zeiten das Recht hatte, seine Frau auch zu schlagen. Es gab Gesetze, die genau festlegten, welche Hilfsmittel dazu nicht verwendet werden durften - was immerhin implizierte, daß dort nicht genannte Hilfsmittel zur Züchtigung der Ehefrau erlaubt waren.
Aber: Diese Gesetze waren geschlechtsspezifisch formuliert. Sie hatten den Sinn, Männer daran zu hindern, ihre Frauen zu sehr zu mißhandeln. Umgekehrt jedoch gab es in früheren Zeiten kein solches Gesetz. Das wiederum bedeutete, daß es Frauen nicht verboten war, mit allen nur denkbaren Gegenständen auf ihre Männer einzuprügeln, jedenfalls solange sie sie dabei nicht töteten.
Eine Frau konnte ihren Ehemann also gerichtlich belangen, wenn er sie mit einem Knüppel geschlagen hat, der die gesetzlich festgelegte maximale Dicke überschritt. Ein Mann dagegen konnte seine Frau umgekehrt im selben Fall nicht verklagen. Weil es eben kein Gesetz gab, das es einer Frau verbot, mit irgendeinem Gegenstand auf ihren Mann einzuprügeln.
Nun könnte man ja meinen, daß Männer höchst selten von ihren Frauen geschlagen wurden. Aber auch das ist ein Irrtum. Aus dem Mittelalter ist überliefert, wie mit Männern verfahren wurde, die von ihren Frauen geschlagen worden waren. In Frankreich war es häufig üblich, geschlagene Männer umgekehrt auf einen Esel zu binden und so unter dem Hohn und Spott der Mitmenschen durch den Ort zu führen. In anderen Gegenden zog man ihnen Frauenkleider an und führte sie so der Öffentlichkeit vor.
Da kann man sich dann auch gut vorstellen, daß Männer es sich damals noch weniger als heute leisten konnten, sich über Mißhandlungen durch ihre Ehefrauen zu beklagen.
Bedenken muß man dabei auch noch, daß Männer im Allgemeinen älter sind als ihre Ehefrauen. Der Altersunterschied war im Mittelalter im Durchschnitt höher, da es durchaus nicht selten war, daß ein Greis mit einem jungen Mädchen verheiratet wurde. Das war für davon betroffene Mädchen gewiß oftmals schlimm. Aber erstens waren üblicherweise auch ihre Mütter daran beteiligt, sie so an alte Greise zu verschachern, und zweitens endete die Ehe in der Regel damit, daß es der Ehemann war, der zuerst gebrechlich und damit hilflos wurde - und seiner Ehefrau dann absolut ausgeliefert war. Noch heute wird festgestellt, daß Frauen dazu neigen, eventuell vorhandenes Aggressionspotenzial bevorzugt an Menschen abzureagieren, die sich unter ihrer Fürsorge befinden und sich kaum zur Wehr setzen können, nämlich an Kindern und alten Menschen. Wenn also so eine junge Frau unter einer Ehe mit einem alten Mann gelitten hatte, bekam sie bald Gelegenheit, ihm das tausendfach heimzuzahlen.
Die Verpflichtung zum ehelichen Geschlechtsverkehr galt keineswegs nur für Frauen, sondern sie galt für beide Partner gleichermaßen. Es gab Fälle, in denen Ehen annulliert wurden, weil der Ehemann dieser "ehelichen Pflicht" nicht nachgekommen ist. Auch junge Männer wurden nur selten danach gefragt, ob ihnen die Braut, die ihre Eltern ihnen ausgesucht hatten, recht war. So erklärt sich dann auch, daß so mancher Mann auch eher mit Grausen ins Ehebett stieg.
In Spanien war es übrigens zeitweise üblich, daß ein Beamter, der die Stelle seines verstorbenen Vorgängers übernahm, dessen Witwe mit übernehmen mußte. Er mußte sie zwar nicht heiraten und es gab somit auch keinerlei sexuelle Verpflichtungen, aber er mußte mit ihr in einer Wohnung leben und in der Regel auch mit ihr in einem Bett schlafen. Und natürlich war er für ihren Lebensunterhalt verantwortlich.
Es hatte eben schon damals alles zwei Seiten. Heute wird aber oft nur noch eine davon gesehen. Die Privilegien der Männer und die Benachteiligungen der Frauen werden immer wieder hervorgehoben, die Privilegien der Frauen und die Benachteiligungen der Männer werden dagegen ignoriert.
Das hatte ursprünglich den Sinn, den Männern ein schlechtes Gewissen zu suggerieren und sie so feministischen Forderungen gegenüber nachgiebiger zu machen. Gleichzeitig sollten Frauen dazu gebracht werden, sich als Opfer zu fühlen und sich deshalb unter der Führung der Feministinnen gegen die Männer zu solidarisieren. Mittlerweile haben sich diese Dogmen und Klischees von der jahrtausendlang vom bösen Mann unterdrückten Frau jedoch längst verselbstständigt.
Im Ergebnis dessen haben viele Menschen heute gar kein realistisches Geschichtsbild mehr. Zwar werden auch heute noch genügend Bücher veröffentlicht, die die Vergangenheit durchaus realistisch darstellen - nur ist das eben nicht die "Mainstream"-Literatur, die der deutsche Durchschnittsbürger bevorzugt liest. Da machen dann dümmliche Romanchen wie die "Ayla"-Bücher von Jean M. Auel das Rennen, und viele Kinder und Jugendliche lesen heute kaum noch, sondern sitzen nur noch vor dem Fernseher, wo ihnen mehr oder weniger subtil alle diese feministischen Dogmen und Klischees eingetrichtert werden.
So ist es dann auch kein Wunder, daß heute sogar durchaus gebildete und intelligente Menschen tatsächlich glauben, daß Frauen noch bis vor wenigen Jahrzehnten ganz furchtbar geknechtet und unterdrückt worden sind, was dann oftmals als Rechtfertigung für heute real existierende Benachteiligungen von Männern herhalten muß.
Freundliche Grüße
von Garfield
gesamter Thread:
- Wichtig: Brauche Link zu wissensch. Forschungsergebnissen über gen. Unterschiede -
Der Eman(n)ze,
24.10.2003, 16:41
- Aus meinem Archiv... -
Frank,
24.10.2003, 21:40
- Re: Aus meinem Archiv... - Peter von Frankfurt, 25.10.2003, 01:25
- Re: Aus meinem Archiv... -
Garfield,
27.10.2003, 19:33
- Re: Aus meinem Archiv... - Odin, 27.10.2003, 22:20
- Aus meinem Archiv... -
Frank,
24.10.2003, 21:40