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Als Antwort auf: Wichtig: Brauche Link zu wissensch. Forschungsergebnissen über gen. Unterschiede von Der Eman(n)ze am 24. Oktober 2003 13:41:25:
Grüß dich!
Folgenden Text habe ich dem Buch "Macht Gleichheit glücklich?" von Christa Meves und Heinz-Dietrich Ortlieb (1978 erschienen!) entnommen.
Hinweis zum Verständnis: Prokrustes, riesiger Unhold der griech. Mythologie, der Wanderern auflauerte und sie durch Verstümmelung oder Streckung einem Bett anpaßte, von Theseus getötet; nach ihm sprichwörtl.: jemanden in ein P.bett zwingen = jemanden in ein Schema pressen.
Prokrustes wird von den Autoren als Synonym für Gleichmacherei und Normung verwendet.
Noch ein Hinweis: manche Auffassungen der Autoren sind ein wenig arg "frauenfreundlich". Um den Text nicht durch Kürzungen zu entstellen, habe ich sie drin gelassen. Man möge sich nicht weiter an ihnen stören; im Großen und Ganzen ist das hier Zitierte (leider) sehr zutreffend.
Die Egalisierung von Mann und Frau
Besonders groteske Formen nimmt der Trend zur Angleichung in bezug auf die Geschlechter an. Wie gesagt: das Klischee des Prokrustes ist nicht absolut androgyn: Er fordert vielmehr den Typ des mit patenter Rationalität ausgestatteten Mannes für beide Geschlechter. Die Prokrustesforderung heißt deshalb auch nicht eigentlich: Männer und Frauen sind total gleich, sondern: Ihr Frauen habt Euch dem Lebensstil und den Verhaltensweisen des Mannes anzugleichen. Das führt deshalb zu besonders gefährlichen Formen des Unglücks bei beiden Geschlechtern, weil die polare Spannung zwischen Mann und Frau einer der beglückendsten Aspekte im Bereich von Liebe und Erotik ist. Die Angleichung verlangweilt - ein besonders trüber Sadismus des modernen Prokrustes.
Der Weg in dieses Feld führt also über eine Angleichung der Frau an den Mann, der durch Lebensveränderung und Veränderung in der Erziehung der Frau einzuschlagen ist. Der marxistische Psychologe Ernest Bornemann schreibt: Die Befreiung der Frau kann nur durch die Befreiung von der Geschlechtlichkeit erfolgen ... Drei biologische Benachteiligungen bleiben vorerst noch erhalten: Menstruation, Schwangerschaft, Verwundbarkeit der Mammae. Ehe wir nicht alle drei beseitigt haben, kann es keine Gleichheit der Geschlechter geben. Jene unüberwindlichen Schwächen der Frau, die Menstruation und die Schwangerschaft, werden überwunden werden. Welche Form die Fortpflanzung des Menschen in einer klassenlosen Gesellschaft nehmen wird, vermag heute niemand zu sagen. Ob es durch biochemische Hilfsaggregate möglich werden wird, den menschlichen Samen außerhalb des Mutterleibes aufzuziehen, oder ob durch Umbildung der Gattung eine ungeschlechtliche Fortpflanzung stattfinden wird, ist nicht voraussagbar (E. Bornemann).
Auf diesem Wege, der zunächst unsinnig anmutet, ist Prokrustes aber de facto bei uns schon wacker vorangeschritten. Ein Teil der jungen Mädchen ist bereits so dürr, dass Menstruation und Fortpflanzungsfähigkeit ganz von selbst ausfällt. Viele junge Mädchen fangen an zu hungern, um up to date zu sein, viele bringen sich um den schönen Spaß der Jugend, noch unbeschwert essen zu können, ohne dick zu werden.
Die lustvolle Vision von Ernest Bornemann ist heute der Verwirklichung in der Tat bereits ganz nahe. Denn dies ist gewiss: nur die Ablösung von der Mutterschaft kann für die Frau die Voraussetzung für die Angleichung an den Lebensstil des Mannes schaffen. Nur die Unabhängigkeit von der Mutterschaft kann die Selbständigkeit durch Berufstätigkeit und Eigenkarriere der Frau bewirken. Auf diesem Wege sind wir in den letzten Jahren mit Rasanz vorangeschritten: Deutschland ist mit 1,4 Kind pro Familie zum geburtenärmsten Land der Welt avanciert.
Es ist nur konsequent, dass unser Zeitgeist diese Folge hat; denn die Angleichung der Familienmutter an die Lebensweise des Mannes erweist sich so sichtbar als qualvolle Halbheit, dass es zwingend nötig ist, in Zukunft im Sinne von Bornemann kompromissloser zu werden. Die Berufstätigkeit der jungen Familienmutter brachte nämlich viel rasch erkennbar werdendes Unglück: denn die unpersönliche, inkonstante Betreuung der Kinder von ihren ersten Lebensjahren an bekommt ihnen nicht. Kleinkinder sind auf ihre Mutter, mindestens aber auf eine Amme angewiesen; sie werden sonst, vor allem in der Säuglingszeit, nicht muttersatt, und das bewirkt, dass sie schwererziehbare, anspruchsvolle und antriebsschwache, meist extrem aggressive Wesen werden, die spätestens im Jugendalter, oft aber schon lange vorher sich und ihrer Umwelt das Leben zur Hölle machen. Die Folge: zermürbendes Leid im Leben der Familien. Darüber hinaus führt ein generalisierter Erziehungsstil dieser Art zu einer Schwächung der seelischen Stabilität. Sozialistische Länder, die längere Zeit die Frauen gleichgeschaltet haben, pflegen sich von diesen ihren verwirklichten ideologischen Programmen nach einigen Jahrzehnten wieder abzusetzen - genötigt von der Tatsache, dass Aggressivität, Bindungs- und Leistungsschwäche in einem gigantischen Ausmaß zunahmen (Sowjetunion, DDR, Schweden!). In der Bundesrepublik ist man weit davon entfernt, solche Konzession zu machen - Prokrustes wirkt hier wesentlich konsequenter und radikaler.
Wir sind dabei, den Typ der sachlichen Frau, im Grunde aber das Mann-Weib, neu zu proklamieren. Mit dieser Frau kann man zwar diskutieren, man kann sich mit ihr auseinandersetzen und sich gegenseitig analysieren. Nur hat der Mann vor einer solchen verbal superschlauen Frau häufig eine solche Angst, dass er so weit wie möglich auf Distanz geht; nur ist die Intellektualisierung von Lebensvollzügen auf die Dauer so blutleer, dass viele Paare ihr eigentlich problemloses Zusammenleben ohne Trauschein als öde erleben. Da keine Kinder mehr geboren werden, verringert sich auch die Notwendigkeit zur Dauerbindung, so dass die bindungslose Wechselehe zur Mode zu werden beginnt, zu einer Mode, die die Bindungslosigkeit auf ihr Banner hebt.
Bindungslosigkeit - so hat die Erfahrung gelehrt - kann vorübergehend als eine Lebenserleichterung erlebt werden. Sie führt aber als Lebensstil zu einer gefährlichen Verflachung, weil das Durchstehen von Unabänderlichkeiten als ein Stimulans zur Reife chronisch ausfällt. Das chronische Ausweichen vor Unlust führt auf die Dauer zu einer Minderung in der Fähigkeit, Lust und Freude zu erleben. Glück als Gefühlsrealität ist nur im Kontrast erfahrenen Unglücks erlebbar. Deswegen ist der Mensch, der der Dunkelheit ausweicht, nicht in der Lage, Helligkeit bewusst zu erleben. Die Gewöhnung an rasch genossenes Glück beschwört die Gefahr herauf, die Fühlfähigkeit für Freude generell einzubüßen. Das Ausweichen vor dem Durchstehen von Lebenskonflikten als Paar oder als Familie führt auf dem Boden der Egalitätsideologie auch hier zum Unglücklichwerden des Menschen.
Meines Erachtens bedarf es an dieser Stelle noch einer spezifischen Erörterung. Das Postulat: Der Mann und die Frau seien von Natur total gleich, wird heute mit besonders hektischer Rasanz vorgetragen. Man betont: Unterschiede sind alle nur scheinbar! Zwar stimme es, dass die Frauen zur Zeit noch anders seien als die Männer, aber das sei keineswegs eine natürliche, angeborene Gegebenheit der Art Mensch; die eigentlichen, die wesensmäßigen Unterschiede seien lediglich durch die Umwelt künstlich hineindressiert. Denn man habe die Frau durch Generationen und Generationen hindurch einer ganz gemeinen Verformung ausgesetzt. Man nötigte sie, mit Puppen zu spielen, man hinderte sie, Spaß an Autos und Kriegsgerät zu haben, man drückte ihr vom fünften Lebensjahr an den Besen und den Staubwedel in die Hand, man drängte sie zu Hilfsleistungen im Haushalt, während man den kleinen Sohn zum Pascha hochstilisierte. So wird er in seine Herrschaftlichkeit, in seine Vorrangstellung, in sein überwertiges Gefühl von Privilegiertheit hineingenötigt - wird vorgezogen und vorerzogen zum Frauenschinder, Sklavenhalter im Popanzpatriarchat - so geht die Rede.
Nun, in dieser Argumentation ist gewiss mehr als ein Körnchen Wahrheit: Es gehört ganz gewiss zu den beschämenden Kapiteln abendländischer Geschichte, dass es zum Beispiel gewissermaßen zum Recht eines Ehemannes gehörte, eine Frau nach Lust und Laune willkürlich schlagen, körperlich misshandeln zu dürfen. Es ist für mein Gefühl ein beschämendes Kapitel der Rechtsgeschichte, dass die jederzeitige Bereitschaft zum Geschlechtsverkehr zur ehelichen Pflicht der Frau erhoben werden konnte (so dass die Vergewaltigung im ehelichen Schlafzimmer gewissermaßen legalisiert war). Es ist in der Tat eine durch nichts gerechtfertigte Anmaßung von Männern zu glauben, sie seien die Götter - und die Frauen ihre zur Tempelprostitution angestellten Bediensteten. Diese Form von Patriarchat, diese Form von Überheblichkeit ist gewiss ein gefährlich heidnischer, ja sündhafter Irrweg, aus dem es ganz gewiss wieder herauszufinden gilt.
Aber der richtige Weg, der gefunden werden will, hat doch vor allem eine Voraussetzung: dass der Mann die Frau als ein gleichwertiges Wesen, als seine Gefährtin achten lernt, dass er sie annimmt in ihrer Besonderheit, ihrer geringeren Körperkraft, ihrer Schutzbedürftigkeit als Familienmutter; dass die Frau sich selbst verstehen lernt als etwas Gleichwertiges, ja gerade für den Mann unumgänglich Nötiges und Erstrebenswertes, dass die Frau in fröhlicher Selbstgewissheit sich ihres Wertes mehr bewusst wird; dass Mann und Frau begreifen, dass sie als Menschenpaar gemeinsam einen großen Lebensauftrag haben in dieser Welt. Am Anfang eines solchen richtigen Weges muss eine Einstellungsänderung gegenüber der Frau stehen, müßte der Götze Mann vom Thron herunter, sollten beide sich verstehen als gemeinsame Arbeiter am Leben, die meist doch sehr unterschiedliche Aufgaben zugeteilt bekommen haben.
Aber von einer solchen Einsicht und Umkehr ist zur Zeit noch nicht viel zu sehen. Mit rasantem Hass auf alles Unterschiedliche wird die Tatsache, dass es gewiss Missbrauch der Frau im Popanzpatriarchat zuhauf gegeben hat, als Argument zum Marsch in die totale Angleichung benutzt.
Sind alle diese Bestrebungen aber nicht vielleicht doch echte Progression, echte Emanzipation? Was wäre dagegen einzuwenden? Es wäre gar nichts dagegen einzuwenden, wenn die Grundvoraussetzungen stimmen würden, wenn Mann und Frau wirklich gleich wären, wenn man nicht auch hier einen Wunsch-traum an die Stelle einer Wirklichkeit setzte! Die Angleichung verhilft der Frau keineswegs zu einer natürlichen Verwirklichung autochthoner Bedürfnisse, sondern sie vergewaltigt ihre spezifische Eigenart, sie nötigt sie zu weit von sich fort und bringt ihr und der Menschheit damit keineswegs Glück, Fortschritt und Zufriedenheit, sondern Unglück, Aggressivität und Zerstörung. Dass das so ist, liegt vor allem daran, dass Frauen und Männer eben nicht nur physisch, sondern auch psychisch bereits angeborenerweise erheblich verschieden sind. Zu den schon in großer Zahl vorliegenden Forschungsergebnissen älteren Datums, die das beweisen, gibt es neue Arbeiten, die darüber Auskunft geben. Heide Sbrzesny, eine Schülerin des Verhaltensforschers Eibl-Eibesfeldt, hat das Verhalten der kleinen Jungen und Mädchen der Ko.-Buschleute studiert und kommt zu dem Schluss: Obgleich die Kinder durch die Erwachsenen nicht im mindesten beeinflusst werden, zeigen sie bereits im vierten Lebensjahr unterschiedliche Interessen. Eibl-Eibesfeldt schreibt dazu: Meist finden sich gleichgeschlechtliche Kinder zusammen. Nur in 14% der Fälle spielten Knaben und Mädchen in gemischter Gruppe. Das hängt mit unterschiedlichen Spielinteressen zusammen. Knaben ergehen sich mehr in spielerischen Balgereien und Verfolgungen (16 % gegenüber 6,2 % bei Mädchen), sie sind mehr an technischen Spielen interessiert (45% gegenüber 4%), und Kampf- und Wetteiferspiele nach festen Regeln machen 15% ihrer Spieltätigkeit aus, bei Mädchen dagegen nur etwa 7%. Dafür spielen diese mehr kooperative Spiele, von denen das Melonentanzball-Spiel rund 50% ihrer Spieltätigkeit ausmacht. Da keinerlei Sozialdruck die Kinder in spezifisch weibliche oder männliche Richtung preßt, müssen die Kinder ihre Geschlechterrolle aufgrund von Neigung und freiwilliger Identifikation mit der gleichgeschlechtlichen Rolle übernehmen. Dass angeborene Interessenunterschiede vorliegen, dafür sprechen auch die Auswertungen von Buschkinderzeichnungen. Als man ihnen das erste Mal zeigte, wie man zeichnen und malen kann und sie dann frei schaffen ließ, da malten Jungen unsere technischen Geräte (19% der Darstellungen gegenüber 1 % bei Mädchen), Mädchen dagegen malten vor allem Blumen. Die heute oft zitierte Behauptung von Margaret Mead, die Geschlechtsrollen würden ausschließlich durch Erziehung geprägt, es gäbe da keine vorgezeichnete Natur, muss wohl ein wenig revidiert werden.
Alle differenzierenden Mütter von Zwillingspärchen, die ich befragte, gaben höchst ähnliche Auskünfte. Selbst wenn die Umwelt sich betont zurückhält in der Beeinflussung, zeigt der Junge bereits im zweiten Lebensjahr sehr viel expansivere Interessen als das Mädchen. Dass diese Unterschiede nur sehr schwer löschbar sind, ja sich im Grundschulalter und in der Pubertät deutlich differenzieren, ist in vielen Interessenuntersuchungen an Schulkindern bereits in den dreißiger und vierziger Jahren dieses Jahrhunderts nachgewiesen worden. Kürzlich haben in den USA Psychologen festgestellt: Es gibt erhebliche Begabungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen. In Mathematik, Naturwissenschaften und Sozialkunde bleiben die Frauen das schwache Geschlecht. Dafür sind sie musikalischer und schreiben bessere Aufsätze. Die Nationale Bildungsförderungsgesellschaft in Washington legte eine Studie vor, aus der hervorgeht, dass Jungen ab dem 9. Lebensjahr in ihren Lernleistungen die Mädchen hinter sich lassen. Der Analyse liegen sechsjährige Längsschnittuntersuchungen mit Tests an vier Altersgruppen von insgesamt 80000 jungen Amerikanern und Amerikanerinnen zugrunde. Sie wurden jeweils im Alter von 9, 13, 17 und 26 bis 35 Jahren auf ihre Lernerfolge und Kenntnisse in acht verschiedenen Fächern untersucht. Dabei ergab sich, dass sich Lerneifer und Erfolg bis zum 9. Jahr bei Jungen und Mädchen die Waage halten. Dann jedoch ziehen die Buben davon. Am deutlichsten war der Vorsprung der erwachsenen Männer in Mathematik, Physik und Chemie, wahrend die Frauen nur bei Biologie mithalten konnten. Ebenso deutlich distanzierten die Männer das weibliche Geschlecht in der Kenntnis ökonomischer, politischer, geographischer und historischer Zusammenhänge. Dabei hatten die Mädchen in der Disziplin Leben noch bis zum 13. Lebensjahr einen sicheren Vorsprung sowohl was die Schnelligkeit wie das Verständnis angeht. Über sämtliche vier Altersgruppen behielten sie ihre Vorherrschaft sowohl in theoretischen Kenntnissen wie praktischer Ausübung der Musik.
Prof. Dr. Dr. hc. Irenäus Eibl-Eibesfeldt ist immer eine gute Quelle, wenn es um wissenschaftliche Studien zur Geschlechter-Unterschiedlichkeit geht.
Im Internet wirst du wahrscheinlich viel Material zu seinen wissenschaftlichen Arbeiten finden.
Gruß
Frank
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- Wichtig: Brauche Link zu wissensch. Forschungsergebnissen über gen. Unterschiede -
Der Eman(n)ze,
24.10.2003, 16:41
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Frank,
24.10.2003, 21:40
- Re: Aus meinem Archiv... - Peter von Frankfurt, 25.10.2003, 01:25
- Re: Aus meinem Archiv... -
Garfield,
27.10.2003, 19:33
- Re: Aus meinem Archiv... - Odin, 27.10.2003, 22:20
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Frank,
24.10.2003, 21:40