Kurz-Programm der Feministischen Partei DIE FRAUEN
Hi!
In diesem (übrigens sehr lesenwertem) Forum http://www.foren-platz.de/cgi-bin/foren/F_4006/cutecast.pl?forum=12&thread=324 hat jemand das Kurz-Programm der Feministischen Partei DIE FRAUEN gepostet, das ich hier ebenfalls mal posten möchte. In EMMAS Forum (->Link oben) entstand daraufhin ein sehr bemerkenswerter, z.T. auch lustiger Thread -> lesenswert. Eine gewisse unfreiwillige Komik entsteht durch das klischee-bestätigende Wahlplakat der Fem. Partei http://www.feministischepartei.de/eu04-1c.jpg, welches Pascha nach Protest wieder aus dem Thread entfernte, nachdem er es gepostet hat.
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Präambel
Die Feministische Partei DIE FRAUEN stellt die Interessen von Frauen in den Mittelpunkt ihrer Politik. Die wirtschaftliche Lage von Frauen spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die Verwirklichung unseres Rechts auf Selbstbestimmung in bezug auf Sexualität, Schwangerschaft und die Wahl unserer Lebensweise.
Wir wollen mehr politische Macht für Frauen. Nicht nur, weil das ein Gebot der Demokratie und der Gerechtigkeit ist, schließlich sind Frauen die Mehrheit, sondern auch, weil wir der festen Überzeugung sind, dass die bestehende Gesellschaftsordnung - Staat, Produktion, Reproduktion und die Verteilung aller Güter - aus der Sicht von Frauen neu gestaltet werden muss. Wir stellen folgendes fest: Die prekäre Weltlage, in der wir uns befinden, die Armut, der Hunger, die Ausbeutung von Menschen und der Raubbau an der Natur, alle Kriege und die Gefährdung unseres Lebens durch Atomkraftwerke und Chemieindustrie sind Werke von Männern. Sie sind in den Köpfen von Männern entstanden und werden unter der Herrschaft von Männern ausgeführt. Wir versprechen uns von einer Politik von Frauen eine vernünftigere, am Leben und an den Bedürfnissen aller Menschen orientierte Herangehensweise an sämtliche politischen Fragen.
Wir leben in einer patriarchalen Gesellschaft, deren politische Strukturen von Männern für Männer erdacht wurden und von Frauen kaum genutzt werden können. Die demokratischen Rechte wie Pressefreiheit, Vereinigungsfreiheit und das Recht auf politische Einflussnahme durch die Beteiligung an Wahlen werden durch die Repression patriarchaler Strukturen und die ökonomische Macht einer Minderheit ausgehöhlt. In der Wirtschaft und in der Politik entscheiden wenige - meist Männer - allein darüber, was für wen unter welchen Bedingungen produziert und propagiert, geforscht und erfunden wird. Dabei nehmen sie weder Rücksicht auf die elementaren Bedürfnisse aller Menschen - am wenigsten auf die von Frauen - noch auf das menschliche Leben selbst. Im Gegenteil: Um ihre Macht zu vergrößern, um hohe Profite und schnelle Gewinne in aller Welt zu erzielen, gehen sie buchstäblich über Leichen.
Ebenso zerstörerisch wie das patriarchale System von Wirtschaft und Politik sind die tief verwurzelten patriarchalen Ideologien von der Überlegenheit der einen Sorte Mensch über die andere: Von der Überlegenheit der Weißen, von der Überlegenheit bestimmter Völker und von der Überlegenheit bestimmter Kulturen und Wertsysteme. Dazu gehört auch das patriarchale Weltbild, in dem Frauen stets eine untergeordnete Rolle zugedacht wird. Aus diesen Ideologien wird auch die Vorstellung von dem Recht der Überlegenen abgeleitet, die Unterlegenen zu unterdrücken und auszubeuten. Die Verinnerlichung dieser Ideologie durch die Unterdrücker und häufig auch durch die Unterdrückten ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für das Funktionieren des Patriarchats.
Herrschaft üben auch solche Menschen aus, die selbst von anderen beherrscht werden: Männliche Angehörige unterdrückter und verfolgter Gruppen werden im Umgang mit Frauen selbst zu Unterdrückern, und auch Frauen nehmen teil an der Unterdrückung und Verfolgung anderer. Der Reichtum dieses Landes basiert zum größten Teil auf der systematisch betriebenen Verarmung anderer Länder. Alle, die davon profitieren, auch Frauen, sind mittel- oder unmittelbar dafür verantwortlich.
Die gesellschaftliche Situation von Frauen ist weltweit dadurch gekennzeichnet, dass sie von Anfang an geringere Wertschätzung erfahren als Angehörige des männlichen Geschlechtes und dazu bestimmt werden, diesem in jeder Weise dienlich zu sein. Das patriarchale System wird mit Gewalt aufrechterhalten. Hinzu kommt, dass die Verstrickungen zwischen den Angehörigen einer dominierenden und denen einer unterlegen gehaltenen Gruppe nirgends so groß sind wie bei dem Verhältnis unter den Geschlech-tern. Im Unterschied zu dem üblichen Verhältnis zwischen Angehörigen dominierender und unterlegener Gruppen sind Frauen und Männer über verschiedene Beziehungsarten auch emotional - durch Mutter/Sohn-, Schwester/Bruder-, Tochter/Vater- und Frau/Mann-Beziehungen - miteinander verstrickt. Dies ist einer der Gründe dafür, dass der Befreiungskampf der Frauen länger dauert und weniger entschlossen geführt wird als alle anderen Befreiungskämpfe in der Geschichte.
Wir verstehen die Gestaltung einer feministischen Gesellschaftsordnung als einen Entwicklungsprozess, in dem vieles erst neu erfunden werden muss. Eines wissen wir jedoch schon heute: Wir wollen weder auf Kosten anderer Völker noch um den Preis einer zerstörten Natur leben. Wir sind auch nicht dazu bereit, umsonst, unterbezahlt oder ohne soziale Absicherung zu arbeiten.
Bei der Auseinandersetzung um eine herrschaftsfreie Gesellschaft brauchen Feministinnen einen langen Atem, Zorn und Willen zur Macht. Unsere Kraft besteht in unseren Argumenten, in unserer Parteilichkeit für Frauen und Mädchen und in unserer Arbeit, die wir für eigene Interessen einsetzen und anderen verweigern können. Unsere heutigen Aktivitäten sind Grundelemente, auf denen die nach uns kommenden Frauen und Mädchen bauen können, ebenso wie wir auf dem aufbauen, was unsere Mütter, Großmütter, und Urgroßmütter bereits erkämpft haben.
Frauen in die Politik
Wir wollen mehr politische Macht für Frauen. Der zahlenmäßige Anteil der Frauen im Bundestag, in allen Landes- und Kommunalparlamenten und in allen anderen politischen Positionen muss auf mindestens 52 Prozent erhöht werden.
Nach dem geltenden Bundeswahlgesetz wird die eine Hälfte der Bundestagsabgeordneten über die Landeslisten der Parteien und die andere Hälfte von den Wählerinnen und Wählern in den Wahlkreisen direkt gewählt. Über 80 Prozent der direkt gewählten Abgeordneten sind Männer. Wir wollen eine gerechte Verteilung der Parlamentssitze. Deswegen muss der Anteil der Frauen auf den Landeslisten aller Parteien mindestens 80 Prozent betragen. Höchstens jeder fünfte Platz darf von einem Mann belegt werden. Grundsätzlich wollen wir, dass mehr Frauen in die Parlamente und in Machtpositionen kommen. Unsere eigentliche Aufgabe besteht jedoch darin, als Feministinnen selbst in das politische Geschehen einzugreifen. Hierbei gehen wir von der Überzeugung aus, dass feministische Politik für alle Menschen sinnvoll und die Voraussetzung für das Weiterleben auf dieser Erde ist.
gesamter Thread:
- Kurz-Programm der Feministischen Partei DIE FRAUEN -
Der Eman(n)ze,
25.10.2003, 23:57
- Warum kommt "Wortsperre", wenn ich Links anklickbar machen will? -
Der Eman(n)ze,
26.10.2003, 00:00
- "Wortsperre" kommt nur bei Bildern - Jörg , 26.10.2003, 01:53
- so, jetzt versuche ichs nochmal mit dem Link - Der Eman(n)ze, 26.10.2003, 02:03
- Re: Kurz-Programm der Feministischen Partei DIE FRAUEN -
Odin,
26.10.2003, 02:42
- *LOL* (n/t) - Jörg, 26.10.2003, 02:21
- DIE FRAUEN? - Pascha, 26.10.2003, 11:48
- Man beachte diesen "selbsterklärenden" Satz *LOL* - Nick, 26.10.2003, 14:31
- Re: Kurz-Programm der Feministischen Partei DIE FRAUEN -
Garfield,
27.10.2003, 13:44
- Re: Kurz-Programm der Feministischen Partei DIE FRAUEN - Pascha, 27.10.2003, 16:17
- Warum kommt "Wortsperre", wenn ich Links anklickbar machen will? -
Der Eman(n)ze,
26.10.2003, 00:00