Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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OT: Die Bürde des weißen Mannes

Anabasis, Sunday, 07.09.2003, 13:34 (vor 8187 Tagen)

@Alle - Ausgangspunkt dieser OT-Diskussion war mein Posting [link]index.php?id=20478[/link], in dem ich die These vertreten habe, die eigenen Bretter vor dem Kopf seien die größten Feinde der Männer. Ich habe Parallelen zwischen Feminismus und Antiimperialismus/Globalisierungskritik/Dritte-Welt-Gutmenschtum gezogen. Auszug:
"Selbst, als ich bei meiner Scheidung tüchtig gerupft wurde, habe ich weiterhin noch viele feministische Mythen geglaubt. Und warum habe ich oben diese Kurz-Rezensionen gepostet? Ich war natürlich auch glühender Anti-Imperialist. Die Bösen, dass waren doch die weißen Männer!

Hallo Lars,

ich mache mal einen neuen Thread zu Deiner Antwort auf: Re: OT: Dritte Welt [link]index.php?id=20490[/link]

Ergreift die Bürde des Weißen Mannes –
und erntet seinen alten Lohn:
den Tadel derer, die ihr bessert,
den Haß derer, die ihr hütet –
den Schrei der vielen, die ihr lockt
(ah, so langsam!) hin zum Licht:
»warum habt ihr uns aus der Knechtschaft befreit,
unserer geliebten ägyptischen Finsternis?

[link=http://www.loske.org/html/school/history/c19/burden_full.pdf" target="_top]http://www.loske.org/html/school/history/c19/burden_full.pdf[/link]

Kipling ist ein klarer Fall von Kulturimperialist! Und ich behaupte: dieses paternalistische Gutmenschtum findest Du massenweise bei Dritte-Welt-Freunden und IWF/Globalisierungskritikern, nur eher in Prosa abgefasst.

Gibt es irgendjemand, der noch alle Tassen im Schrank hat und fremde Völker beglücken will? Richtig Geld wird verdient im Handel mit entwickelten Ländern. Ganz Afrika trägt zum Weltbruttosozialprodukt ca 3% bei.

Mir stinkt schon, das die Knallköpfe auf dem Balkan bei sich alles in Trümmer schlagen. Da gehen die Albaner hin, verzocken Haus und Hof in irgendwelchen Schneeball-Investments. Anschließend legen sie ihr Land in Trümmer und betteln regelrecht um eine Intervention! Vom Kongo nicht zu reden (oder Liberia oder Ruanda oder Mali oder Algerien oder...).

NUR: Daran werden die "Strukturanpassungsprogramme" des IWF nichts ändern!

Uneingeschränkt Ja. Denn Idioten ist nicht zu helfen! Das muss man erst mal bringen: eins der zehn reichsten Länder der Welt sinkt in 50 Jahren auf dritte-Welt-Niveau (Argentinien).

Da ist doch Hopfen und Malz verloren. Gegen solche Löcher im Verstand kommt der IWF mit seinem kleinen Schaufelchen nicht an!

Was haben die Saudis gemacht mit den Öl-Milliarden? Räumen die Araber die Nobelpreise ab? Ist Mekka auch das Mekka der Krebsforschung? Steht in der arabischen Wüste der größte Linearbeschleuniger? Oder regiert dort eine korrupte klerikalfaschistische Bande? Und was leisten die arabischen Intellektuellen? Ingenieursstudenten fliegen wehrlose Fluggeiseln in Bürohochhäuser! Stranddiskos werden gesprengt, während sie voll besetzt sind.

Reden wir von den Rettern der dritten Welt? Mugabe hatten wir. Wie wäre es mit Che und dem fidelen Castro? Oder Gaddafi?

Aber – der Titel heißt ja: Die Bürde des weißen Mannes Ich halte den IWF für leicht größenwahnsinnig und die Kritiker des IWF für Kulturimperialisten. Allein die Vorstellung, man könnte den Potentaten dieser Welt mit gut Zureden und sanftem Zwang Kultur und Ökonomie beibringen, ist albern. Das haben die Amerikaner in Lateinamerika versucht und sind regelmäßig auf die Schnauze gefallen. Zum Schluss haben sie nur noch Diktatoren unterstützt nach den zwei Prinzipien: „Hauptsache Ruhe“ und „Er ist ein Hurensohn, aber er ist unser Hurensohn“.

Aber das entschuldigt doch nicht die Politik der internationalen Gläubiger-Konsortien!

Ich habe zwei Fragen an Dich:
- würdest Du Ländern der dritten Welt DEIN(!) Geld leihen (nach welchen Kriterien)?
- was würdest Du machen, wenn sie es verfressen haben und DEIN(!) Geld nicht mehr zurückzahlen?

Gruß Anabasis

Re: OT: Die Bürde des weißen Mannes

Jeremin, Sunday, 07.09.2003, 14:24 (vor 8187 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: OT: Die Bürde des weißen Mannes von Anabasis am 07. September 2003 10:34:18:

Wie mir mal jemand lächelnd erklärte, werden Kredite des Währungsfonds und der Weltbank nicht verliehen, um einem Land auf die Füße zu helfen. Der Gläubiger soll lediglich in die Lage versetzt werden, weiterhin und noch sehr lange seine Schulden zu bedienen. Nur dann wird verdient. Was ist einer Bank denn lieber, ein Anleger, für den man ja immerhin attraktive Anlagemöglichkeiten finden, sprich, für ihn arbeiten muß, oder ein ewiger Schuldner, an dem man mit minimalem Verwaltungsaufwand verdienen kann?

Gruß J

Verschwörung

Anabasis, Sunday, 07.09.2003, 16:00 (vor 8186 Tagen) @ Jeremin

Als Antwort auf: Re: OT: Die Bürde des weißen Mannes von Jeremin am 07. September 2003 11:24:43:

Hallo Jeremin,

Der Gläubiger soll lediglich in die Lage versetzt werden, weiterhin und noch sehr lange seine Schulden zu bedienen.

Verschwörungstheorie – und noch eine schlechte dazu. Viel ausgearbeiteter ist die hier (die Weltbank als Teufel): [link=http://www.gipfelsturm.net/weltbank.htm" target="_top]http://www.gipfelsturm.net/weltbank.htm[/link].

Ein bisschen differenzierter geht’s hier zu (Weltbank gibt sich Mühe, aber wir könnten es besser): [link=http://www.weed-online.org/" target="_top]http://www.weed-online.org/[/link].

Und die offizielle Website (womit sich der Weltbanker abmüht und wovon er - tagsüber im Büro - träumt): [link=http://www.worldbank.org/" target="_top]http://www.worldbank.org/[/link].

Was die Weltbank ernsthaft so treibt, kannst Du hier sehen: [link=http://www.swissinfo.org/sde/Swissinfo.html?siteSect=167&sid=4204012&ticker=true" target="_top]http://www.swissinfo.org/sde/Swissinfo.html?siteSect=167&sid=4204012&ticker=true[/link]. Wetten, dass die Weltbankler bei unseren Bauernfunktionären untergehen wie ein Stein?

Und jetzt – *trommelwirbel* - Salto rückwärts zum Thema des Forums

Ich bastele eine Verschwörungstheorie:

Die Frau ist zu Hause und verkümmert seelisch bei aufopferungsvoller Hausarbeit. Ihr Mann unterdrückt sie, weil der Phallokrat als Müllmann Karriere macht und ihren Aufstieg als Schuhverkäuferin behindert. Will sie seiner seelischen Grausamkeit entkommen („Wieso soll ich jetzt noch die Hälfte Hausarbeit machen, du faule Schlampe!“) und weil die Kinder aus dem Haus sind, wird sie daran gehindert, verdientermassen in den Vorstand der Schuhfabrik einzusteigen, weil die Manager sich monatlich auf Firmenkosten im Bordell treffen und dort beraten, wie die Frauen klein zu halten sind!

Und jetzt ernsthaft:

Ich meine, wir können uns keine Verschwörungstheorien leisten, weder lila noch grüne noch rote noch braune. Im Augenblick sind die Männer im Fadenkreuz einer mächtigen Verschwörungstheorie – ich möchte eigentlich nicht noch in das Fadenkreuz weiterer Verschwörungstheorien kommen, z.B. in Bali weggesprengt werden, weil ich aus einem wohlhabenden Industrieland komme oder zu hören kriegen, ich (oder Teile meines Landes/Kulturkreises) halten Frauen/Farbige/sonstwen klein!

Gruß Anabasis

Re: OT: Die Bürde des weißen Mannes

Lars, Sunday, 07.09.2003, 17:32 (vor 8186 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: OT: Die Bürde des weißen Mannes von Anabasis am 07. September 2003 10:34:18:

Mir stinkt schon, das die Knallköpfe auf dem Balkan bei sich alles in Trümmer schlagen. Da gehen die Albaner hin, verzocken Haus und Hof in irgendwelchen Schneeball-Investments. Anschließend legen sie ihr Land in Trümmer und betteln regelrecht um eine Intervention! Vom Kongo nicht zu reden (oder Liberia oder Ruanda oder Mali oder Algerien oder...).

[...]

Das muss man erst mal bringen: eins der zehn reichsten Länder der Welt sinkt in 50 Jahren auf dritte-Welt-Niveau (Argentinien).
Da ist doch Hopfen und Malz verloren. Gegen solche Löcher im Verstand kommt der IWF mit seinem kleinen Schaufelchen nicht an!
Was haben die Saudis gemacht mit den Öl-Milliarden? Räumen die Araber die Nobelpreise ab? Ist Mekka auch das Mekka der Krebsforschung? Steht in der arabischen Wüste der größte Linearbeschleuniger? Oder regiert dort eine korrupte klerikalfaschistische Bande? Und was leisten die arabischen Intellektuellen? Ingenieursstudenten fliegen wehrlose Fluggeiseln in Bürohochhäuser! Stranddiskos werden gesprengt, während sie voll besetzt sind.

Versteh mich nicht falsch: Es geht mir nicht darum, die diversen korrupt-parasitären Regierungen in Schutz zu nehmen. Ebensowenig darum irrationales Wirtschaftsverhalten und aufschwungshemmende Traditionen der dortigen Völker zu verteidigen (ich hab auch kein Problem damit, mich als "Kultur-Imperialist" zu bezeichnen, wenn damit die Verbreitung von Aufklärung, Wissenschaft und Liberlität - auch gegen den Widerstand dortiger traditioneller lokaler Eliten - gemeint sind); worum es mir geht, ist die ganz und gar Gläubiger-Interessen-geleitete Politik des IFW.

Reden wir von den Rettern der dritten Welt? Mugabe hatten wir. Wie wäre es mit Che und dem fidelen Castro? Oder Gaddafi?

Mit Lybien kenne ich mich nicht so aus, aber zu Kuba:
- einerseits: Castro regiert als Diktator, es gibt Menschenrechtsverletzungen (nur daß DIESER Diktator ausnahmsweise mal NICHT von den USA im Amt gehalten wird), der Kult, den die Linken um Castro betreiben, ist insofern naiv-verklärend; das Planwirtschaftssystem modert so vor sich hin...
- andererseits: Kuba ist so ziemlich das einzige Land in Lateinamerika, wo Kinder aus der Unterschicht eine halbwegs vernünftige Schulbildung erfahren, nicht mit bewaffneten Straßen-Gangs aufwachsen und Aussicht haben auf ein Minimum an ärztlicher Versorgung. Das sollte man fairer Weise auch anerkennen.

Allein die Vorstellung, man könnte den Potentaten dieser Welt mit gut Zureden und sanftem Zwang Kultur und Ökonomie beibringen, ist albern. Das haben die Amerikaner in Lateinamerika versucht und sind regelmäßig auf die Schnauze gefallen. Zum Schluss haben sie nur noch Diktatoren unterstützt nach den zwei Prinzipien: „Hauptsache Ruhe“ und „Er ist ein Hurensohn, aber er ist unser Hurensohn“.

Den USA wäre es natürlich schon recht gewesen, wenn in Lateinamerika große Absatzmärkte für ihre Produkte entstanden wären (am besten noch durch Zölle abgeschirmt gegenüber den europäischen Konkurrenten *g*), aber Vorrang hatte natürlich immer die Stabilität des Dollars (die nicht durch geplatze Kredite und verlorene Investitionen in Lateinamerika gefährdet werden durfte). Eine solche rein national-ökonomische Herangehensweise erlaubt eine langfristig angelegte Enwicklungshilfe-Politik. Und wenn man sich dann noch anmaßt, im US-Investoreninteresse regelmäßig im Süden die Regierungen auszuwechseln (unter Inkaufnahme größerer Gewaltorgien), muß man sich nicht wundern, wenn man irgendwann südlich der mexikanischen Grenzen nur noch verhasst ist.

> Aber das entschuldigt doch nicht die Politik der internationalen Gläubiger-Konsortien!
Ich habe zwei Fragen an Dich:
- würdest Du Ländern der dritten Welt DEIN(!) Geld leihen (nach welchen Kriterien)?
- was würdest Du machen, wenn sie es verfressen haben und DEIN(!) Geld nicht mehr zurückzahlen?
Gruß Anabasis

Daß die Banken ihr Geld zurückhaben wollen, ist klar. Aber denen geht´s gut genug (allein da hinkt schon der Vergleich mit mir als Studenten, lol).

Das A und O ist es, daß die Regierungen der Industrieländer einen anderen Standpunkt einnehmen: Nicht den des Schuldeneintreibers, sondern den der Weltregierung (die der IWF vom der Machtfülle ja schon ist!). D. h. ihr Augenmerk sollte in den nächsten Jahrzehnten nicht auf die kurz- und mittelfristige Zahlungsfähigkeit der E-Länder gerichtet sein, sondern darauf, daß dort erstmal Binnenmärkte, interne Wirtschaftskreisläufe und Infrastrukturen enstehen (als Voraussetzungen für Industrialisierung). Auch Schutzzölle (wie Deutschland und die USA sie während ihrer Industrialisierung selber praktiziert haben! Und die EU teilweise noch heute!) sollte man den E-Ländern vorerst zugestehen. Der Schwerpunkt der Hilfe sollte von Krediten auf unmittelbar technische Hilfe verlagert werden. Unter DIESEN Bedingungen würde ich es sogar befürworten, wenn UNO/NATO-Truppen vor Ort die Verwendung der Lieferungen überwachen und die lokalen War-Lords kleinhalten.

Die Aussetzung der Zinstahlungen auf unbestimmte Zeit würde bei uns natürlich wirtschaftliche Probleme verursachen. Spätestens dann müßten wir uns fragen, wie es mal mit einer effektiven Besteuerung von Großunternehmen und Gewinnen aus kurzfristigen Aktienverkäufen wäre.

Gruß
Lars

Re: OT: Die Bürde des weißen Mannes [jetzt mit Korrektur]

Lars, Sunday, 07.09.2003, 17:40 (vor 8186 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: OT: Die Bürde des weißen Mannes von Lars am 07. September 2003 14:32:07:

[Korrektur = in [] und G-E-S-T-R-E-C-K-T]

Mir stinkt schon, das die Knallköpfe auf dem Balkan bei sich alles in Trümmer schlagen. Da gehen die Albaner hin, verzocken Haus und Hof in irgendwelchen Schneeball-Investments. Anschließend legen sie ihr Land in Trümmer und betteln regelrecht um eine Intervention! Vom Kongo nicht zu reden (oder Liberia oder Ruanda oder Mali oder Algerien oder...).

[...]

Das muss man erst mal bringen: eins der zehn reichsten Länder der Welt sinkt in 50 Jahren auf dritte-Welt-Niveau (Argentinien).
Da ist doch Hopfen und Malz verloren. Gegen solche Löcher im Verstand kommt der IWF mit seinem kleinen Schaufelchen nicht an!
Was haben die Saudis gemacht mit den Öl-Milliarden? Räumen die Araber die Nobelpreise ab? Ist Mekka auch das Mekka der Krebsforschung? Steht in der arabischen Wüste der größte Linearbeschleuniger? Oder regiert dort eine korrupte klerikalfaschistische Bande? Und was leisten die arabischen Intellektuellen? Ingenieursstudenten fliegen wehrlose Fluggeiseln in Bürohochhäuser! Stranddiskos werden gesprengt, während sie voll besetzt sind.

Versteh mich nicht falsch: Es geht mir nicht darum, die diversen korrupt-parasitären Regierungen in Schutz zu nehmen. Ebensowenig darum irrationales Wirtschaftsverhalten und aufschwungshemmende Traditionen der dortigen Völker zu verteidigen (ich hab auch kein Problem damit, mich als "Kultur-Imperialist" zu bezeichnen, wenn damit die Verbreitung von Aufklärung, Wissenschaft und Liberlität - auch gegen den Widerstand dortiger traditioneller lokaler Eliten - gemeint sind); worum es mir geht, ist die ganz und gar Gläubiger-Interessen-geleitete Politik des IFW.

Reden wir von den Rettern der dritten Welt? Mugabe hatten wir. Wie wäre es mit Che und dem fidelen Castro? Oder Gaddafi?

Mit Lybien kenne ich mich nicht so aus, aber zu Kuba:
- einerseits: Castro regiert als Diktator, es gibt Menschenrechtsverletzungen (nur daß DIESER Diktator ausnahmsweise mal NICHT von den USA im Amt gehalten wird), der Kult, den die Linken um Castro betreiben, ist insofern naiv-verklärend; das Planwirtschaftssystem modert so vor sich hin...
- andererseits: Kuba ist so ziemlich das einzige Land in Lateinamerika, wo Kinder aus der Unterschicht eine halbwegs vernünftige Schulbildung erfahren, nicht mit bewaffneten Straßen-Gangs aufwachsen und Aussicht haben auf ein Minimum an ärztlicher Versorgung. Das sollte man fairer Weise auch anerkennen.

Allein die Vorstellung, man könnte den Potentaten dieser Welt mit gut Zureden und sanftem Zwang Kultur und Ökonomie beibringen, ist albern. Das haben die Amerikaner in Lateinamerika versucht und sind regelmäßig auf die Schnauze gefallen. Zum Schluss haben sie nur noch Diktatoren unterstützt nach den zwei Prinzipien: „Hauptsache Ruhe“ und „Er ist ein Hurensohn, aber er ist unser Hurensohn“.

Den USA wäre es natürlich schon recht gewesen, wenn in Lateinamerika große Absatzmärkte für ihre Produkte entstanden wären (am besten noch durch Zölle abgeschirmt gegenüber den europäischen Konkurrenten *g*), aber Vorrang hatte natürlich immer die Stabilität des Dollars (die nicht durch geplatze Kredite und verlorene Investitionen in Lateinamerika gefährdet werden durfte). Eine solche rein national-ökonomische Herangehensweise erlaubt [K-E-I-N-E] langfristig angelegte Enwicklungshilfe-Politik. Und wenn man sich dann noch anmaßt, im US-Investoreninteresse regelmäßig im Süden die Regierungen auszuwechseln (unter Inkaufnahme größerer Gewaltorgien), muß man sich nicht wundern, wenn man irgendwann südlich der mexikanischen Grenzen nur noch verhasst ist.

> Aber das entschuldigt doch nicht die Politik der internationalen Gläubiger-Konsortien!
Ich habe zwei Fragen an Dich:
- würdest Du Ländern der dritten Welt DEIN(!) Geld leihen (nach welchen Kriterien)?
- was würdest Du machen, wenn sie es verfressen haben und DEIN(!) Geld nicht mehr zurückzahlen?
Gruß Anabasis

Daß die Banken ihr Geld zurückhaben wollen, ist klar. Aber denen geht´s gut genug (allein da hinkt schon der Vergleich mit mir als Studenten, lol).
Das A und O ist es, daß die Regierungen der Industrieländer einen anderen Standpunkt einnehmen [M-Ü-S-S-T-E-N]: Nicht den des Schuldeneintreibers, sondern den der Weltregierung (die der IWF vom der Machtfülle ja schon ist!). D. h. ihr Augenmerk sollte in den nächsten Jahrzehnten nicht auf die kurz- und mittelfristige Zahlungsfähigkeit der E-Länder gerichtet sein, sondern darauf, daß dort erstmal Binnenmärkte, interne Wirtschaftskreisläufe und Infrastrukturen enstehen (als Voraussetzungen für Industrialisierung). Auch Schutzzölle (wie Deutschland und die USA sie während ihrer Industrialisierung selber praktiziert haben! Und die EU teilweise noch heute!) sollte man den E-Ländern vorerst zugestehen. Der Schwerpunkt der Hilfe sollte von Krediten auf unmittelbar technische Hilfe verlagert werden. Unter DIESEN Bedingungen würde ich es sogar befürworten, wenn UNO/NATO-Truppen vor Ort die Verwendung der Lieferungen überwachen und die lokalen War-Lords kleinhalten.
Die Aussetzung der [Z-I-N-S-Z-A-H-L-U-N-G-E-N] auf unbestimmte Zeit würde bei uns natürlich wirtschaftliche Probleme verursachen. Spätestens dann müßten wir uns fragen, wie es mal mit einer effektiven Besteuerung von Großunternehmen und Gewinnen aus kurzfristigen Aktienverkäufen wäre.

Gruß
Lars

Re: OT: Die Bürde des weißen Mannes / noch ´n Punkt

Lars, Monday, 08.09.2003, 15:39 (vor 8185 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: OT: Die Bürde des weißen Mannes von Anabasis am 07. September 2003 10:34:18:

Hallo Anabasis,

ich weiß nicht wie ich diesen Punkt gestern vergessen konnte: Daß Latein-Amerika - welches man in den 70ern bereits mitten im Take-Off wähnte! - Anfang der 80er in die Überschuldungskrise abglitt, hing ebenfalls nur z. T. mit hausgemachten Fehlern (unsinnige aber kostenspielige Großprojekte) zusammen. Ein anderer Punkt war eben die abrupte Erhöhung des Zinsniveaus Anfang der 80er Jahre. Und die wurde durch die steigende Staatsverschuldung der USA verursacht, mit der Reagan seine neuen, alle bisherigen Dimensionen sprengenden Rüstungsprogramme finanzieren wollte (durch die der Ost-Block "totgerüstet" werden sollte).

Deshalb: bei allem Verständnis für Deinen Verdruß über die "Böse-Weiße-Männer"-Polemik der damaligen Dritte-Welt-"Szene" (Du scheinst Da ja etwas traumatisiert zu sein *g*), sollte man dennoch jetzt nicht so tun, als ob die Misere der Entwicklungsländer ÜBERHAUPT nicht beeinflußt wäre von der Politik der Industrieländern. Das würde bedeuten, von einem Extrem ins andere umzuschwenken.

Gruß
Lars

Re: OT: Die Bürde des weißen Mannes / noch ´n Punkt

Anabasis, Monday, 08.09.2003, 19:49 (vor 8185 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: OT: Die Bürde des weißen Mannes / noch ´n Punkt von Lars am 08. September 2003 12:39:11:

Ein anderer Punkt war eben die abrupte Erhöhung des Zinsniveaus Anfang der 80er Jahre. Und die wurde durch die steigende Staatsverschuldung der USA verursacht, mit der Reagan seine neuen, alle bisherigen Dimensionen sprengenden Rüstungsprogramme finanzieren wollte (durch die der Ost-Block "totgerüstet" werden sollte).

Und jetzt ist der Ostblock totgerüstet! Dank Reagan (fällt mir schwer, das zuzugeben - siehe unten)! Und die Polen sind den Amis so dankbar, dass sie jetzt im Irak mitspielen wollen!

Deshalb: bei allem Verständnis für Deinen Verdruß über die "Böse-Weiße-Männer"-Polemik der damaligen Dritte-Welt-"Szene" (Du scheinst Da ja etwas traumatisiert zu sein *g*),

Nöh, ich war einer der Ärgsten! Mir konntest Du in den 80er-Jahren fast jede Verschwörungstheorie unterjubeln, die heute im Bundestag vertreten ist!

sollte man dennoch jetzt nicht so tun, als ob die Misere der Entwicklungsländer ÜBERHAUPT nicht beeinflußt wäre von der Politik der Industrieländern. Das würde bedeuten, von einem Extrem ins andere umzuschwenken.

Klar - man kann vieles besser machen - Zollschranken auf Agrarprodukte senken, keine Lebensmittel subventioniert auf den Weltmarkt drücken... . Die beiden Punkte kämen uns und der dritten Welt zugute!

Letzten Endes kannst Du immer Beweisketten finden, die suggerieren, das Elend der Dritten Welt sei durch die erste Welt verursacht. Ich habe diesen OT-Thread hier gepostet, weil ich viele Parallelen zwischen feministischer Theorie und Dritte-Welt-Ideologie sehe.

Beispiel Mexiko:
Zinsschwankungen werden nicht von Mexiko vorausgesehen und mit einer soliden Schuldenpolitik (langfristiges Investment absichern durch langlaufende Schuldverschreibungen) abgesichert - wer ist schuld? Reagan! Normalerweise sollten Schuldverschreibungen für Investitionen 10-30 Jahre laufen!
Die Mexikaner haben grosse Ölvorkommen. Damit sind sie in einer sehr privilegierten Situation, die Zinssteigerungen eigentlich mehr als ausgleicht.
Ich kenne mich zugegebenermassen mit Mexiko nicht aus, habe aber grosse Zweifel, dass Reagan die Mexikaner "abgeschossen" hat.
Wie würden es die Feministinnen machen? Zinssteigerungen beklagen, eigene Fehler verschweigen und Öl-Profite schweigend geniessen - und schuld ist irgendein Mann.

Gruß Anabasis

Re: OT: Die Bürde des weißen Mannes / noch ´n Punkt

Lars, Monday, 08.09.2003, 21:46 (vor 8185 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Re: OT: Die Bürde des weißen Mannes / noch ´n Punkt von Anabasis am 08. September 2003 16:49:53:

Hallo Anabasis

Mir konntest Du in den 80er-Jahren fast jede Verschwörungstheorie unterjubeln, die heute im Bundestag vertreten ist!

Ok, das waren die 80er Jahre. Aber heute ist das Problem doch eher umgekehr: daß kein Mensch mehr fragt, was eigentlich aus der Dritten Welt geworden ist.

Klar - man kann vieles besser machen - Zollschranken auf Agrarprodukte senken, keine Lebensmittel subventioniert auf den Weltmarkt drücken... . Die beiden Punkte kämen uns und der dritten Welt zugute!

Diese beiden Punkte, und ein umsteuern der Hilfe in Richtung: Aufbau landesinterner Wirtschaftskreisläufe. Nur, da müßten eben die Interessen der Banken und der ausländischen Investoren mal ein paar Jahre hintenangestellt werden.

Die Mexikaner haben grosse Ölvorkommen. Damit sind sie in einer sehr privilegierten Situation, die Zinssteigerungen eigentlich mehr als ausgleicht.
Ich kenne mich zugegebenermassen mit Mexiko nicht aus, habe aber grosse Zweifel, dass Reagan die Mexikaner "abgeschossen" hat.

Gut daß Du das Öl erwähnst! Die Ölpreise sind ja ebenfalls Anfang der 80er in den keller gegangen, weil das Opec-Kartell zerbrach (sehr zu unserem Vorteil). Zinsen rauf, Ölpreis runter: Für Länder wie Mexiko und Venezuela, aber auch Nigeria war das der Genickbruch.

Gruß
Lars

-------
Off-Theme hoch zwei:

Und jetzt ist der Ostblock totgerüstet! Dank Reagan (fällt mir schwer, das zuzugeben - siehe unten)! Und die Polen sind den Amis so dankbar, dass sie jetzt im Irak mitspielen wollen!

Erstens: Reagans Politik des "Totrüstens" hat billigend das erhöhte Risiko eines Drittens Weltkriegs in Kauf genommen. Wir hatten ganz schön Glück, daß Mitte der 80er im Kreml nicht irgendwelche Hardliner die Macht übernommen und die Flucht nach Vorne gesucht haben.

Zweitens: Bei aller Freunde darüber, daß es in den osteuropäischen Ländern heute Freie Wahlen und Meinungsfreiheit gibt: Es regieren zwar nicht mehr kommunistische Diktaturen, dafür aber de facto die Mafia. Die marode Planwirtschaft ist zwar vorbei, aber Marktwirtschaft kann man das jetzt auch nicht nennen. Die neue Elite verscherbelt einfach nur die Rohstoffbasis ihrer Länder. Die Lebensbedingungen tendieren zumindest in der GUS in Richtung Dritter Welt (Gesundheitswesen, Straßenkriminalität).

Reagans Politik des "Totrüstens" als Befreiungs-Akt? Das ist dann doch etwas Dicke *g*

Alles kleine Kinder?

Anabasis, Tuesday, 09.09.2003, 00:03 (vor 8185 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: OT: Die Bürde des weißen Mannes / noch ´n Punkt von Lars am 08. September 2003 18:46:55:

Geschrieben von Lars am 08. September 2003 18:46:55:

... ein umsteuern der Hilfe in Richtung: Aufbau landesinterner Wirtschaftskreisläufe. Nur, da müßten eben die Interessen der Banken und der ausländischen Investoren mal ein paar Jahre hintenangestellt werden.

Diese Medizin ist Gift. Japan ist groß geworden, indem die Investoreninteressen bedient wurden. Süd-Korea dito. Und Nordkorea hat eine Kreislaufwirtschaft! Diese bedeutet für manches Kind dort Null-Diät! Bis zum Tod!

Gut daß Du das Öl erwähnst! Die Ölpreise sind ja ebenfalls Anfang der 80er in den keller gegangen, weil das Opec-Kartell zerbrach (sehr zu unserem Vorteil). Zinsen rauf, Ölpreis runter: Für Länder wie Mexiko und Venezuela, aber auch Nigeria war das der Genickbruch.

Keine Eigenverantwortung? Alles kleine Kinder? Keine erwachsenen Menschen? Müssen wir sie alle unter Patronage nehmen? (rhetorische Frage – könnte eh nie funktionieren!)

Bei aller Freunde darüber, daß es in den osteuropäischen Ländern heute Freie Wahlen und Meinungsfreiheit gibt: Es regieren zwar nicht mehr kommunistische Diktaturen, dafür aber de facto die Mafia. Die marode Planwirtschaft ist zwar vorbei, aber Marktwirtschaft kann man das jetzt auch nicht nennen. Die neue Elite verscherbelt einfach nur die Rohstoffbasis ihrer Länder. Die Lebensbedingungen tendieren zumindest in der GUS in Richtung Dritter Welt (Gesundheitswesen, Straßenkriminalität).

Das differiert doch sehr stark von Land zu Land. Polen boomt, die Ukraine wird von Postkommunisten ausgeräubert.

Gruß Anabasis

Re: Alles kleine Kinder?

Lars, Tuesday, 09.09.2003, 01:03 (vor 8185 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Alles kleine Kinder? von Anabasis am 08. September 2003 21:03:47:

Auch auf die Gefahr hin, daß es jetzt so aussieht, als ob ich unbedingt das letzte Wort haben muß (*g*):

>... ein umsteuern der Hilfe in Richtung: Aufbau landesinterner Wirtschaftskreisläufe. Nur, da müßten eben die Interessen der Banken und der ausländischen Investoren mal ein paar Jahre hintenangestellt werden.
Diese Medizin ist Gift. Japan ist groß geworden, indem die Investoreninteressen bedient wurden.

Japan HATTE bereits vor seinem Aufstieg zur Exportmacht eine respektable Binnenwirtschaft (sonst hätte es ja in den 30ern nicht ostasiatischer Hegemon werden und den USA anschließend mehrere Jahre lang die Stirn bieten können!). Das war dort 1945 so ähnlich wie in Deutschland: Für den Augenblick sah man zwar überall nur Trümmer, aber das Potential (Human-Kapital und Bürokratie) war nach wie vor da und wartete nur darauf, wieder aktiviert zu werden. Der Aufstieg zur Exportmacht wurde dann vom Außenhandelsministium ganz dirigistisch-merkantilistisch koordiniert, während sich das Land gegen US-Importe stark protektionistisch abgeschottet hat (deren Stärke ja ebenfalls auf ihrem sicheren Binnenmarkt beruht)- genau das Gegenteil, von dem was heute der IWF den Entwicklungsländern empfiehlt!

Süd-Korea dito. Und Nordkorea hat eine Kreislaufwirtschaft! Diese bedeutet für manches Kind dort Null-Diät! Bis zum Tod!

Ich rede von MARKTwirtschaftlichen Binnenkreisläufen!

>Gut daß Du das Öl erwähnst! Die Ölpreise sind ja ebenfalls Anfang der 80er in den keller gegangen, weil das Opec-Kartell zerbrach (sehr zu unserem Vorteil). Zinsen rauf, Ölpreis runter: Für Länder wie Mexiko und Venezuela, aber auch Nigeria war das der Genickbruch.
Keine Eigenverantwortung? Alles kleine Kinder? Keine erwachsenen Menschen? Müssen wir sie alle unter Patronage nehmen? (rhetorische Frage – könnte eh nie funktionieren!)

Auch hier wieder das Stichwort: Interne Wirtschaftskreisläufe. Die Ölstaaten hatten in den 60er und 70er Jahren ihre Kraft in die Infrastrukturprojekte gesteckt, die ganz auf den Export ausgerichtet waren (vorrangig der Rohstoffe, daneben auch noch ein bißchen der verarbeiteten Rohstoffe).

Es entstanden bildlich gesprochen moderne Öl-pipelines, die über rückständig bearbeitete Agrarlandschaften hinweg, an rückständigen Dörfer vorbei, zu einem modernen Industriehafen führten, in dem ein paar Spezialisten arbeiteten, die sich für ihre weit über-landes-durchschnittlichen Gehälter Konsumgüter aus den Industrieländern kauften. Das ganze hatte überhaupt keine Nachfrage-/Investitions-/Modernisierungseffekte auf das einheimisch Gewerbe und die binnnenarkt-orientierten Teile der Landwirtschaft.

Dieses Wachstumsmodell war gut für die Industrieländer, gut für eine Spezialisten-Minderheit im kleinen, isolierten Weltmarkt-Sektor in den E-Länder-Gesellschaften, aber schlecht für die dortigen Völker.

Gruß
Lars

Re: Alles kleine Kinder?

Anabasis, Tuesday, 09.09.2003, 12:32 (vor 8185 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Alles kleine Kinder? von Lars am 08. September 2003 22:03:23:

Geschrieben von Lars am 08. September 2003 22:03:23:

Auch auf die Gefahr hin, daß es jetzt so aussieht, als ob ich unbedingt das letzte Wort haben muß (*g*):

O.K., ich noch mal und Du noch mal – und dann Schluß? (Über das Thema sind sicher pfundweise Promotionen geschrieben worden, es gibt sogar Lehrstühle...)

> > ... ein umsteuern der Hilfe in Richtung: Aufbau landesinterner Wirtschaftskreisläufe. Nur, >da müßten eben die Interessen der Banken und der ausländischen Investoren mal ein paar Jahre hintenangestellt werden.

Diese Medizin ist Gift. Japan ist groß geworden, indem die Investoreninteressen bedient wurden.

Japan HATTE bereits vor seinem Aufstieg zur Exportmacht eine respektable Binnenwirtschaft (sonst hätte es ja in den 30ern nicht ostasiatischer Hegemon werden und den USA anschließend mehrere Jahre lang die Stirn bieten können!).[/i]

Ich bleibe dabei – wenn sie wollten, könnten sie alle! Lateinamerika ist seit 500 Jahren an den europäischen Kulturkreis angekoppelt. Was man damit anfangen kann, zeigen Australien, Kanada, Neuseeland und die USA! Und natürlich die Tigerstaaten! Und wie es nicht geht, zeigen die Araber! Und die Latinos!

> > Gut daß Du das Öl erwähnst! Die Ölpreise sind ja ebenfalls Anfang der 80er in den keller gegangen, weil das Opec-Kartell zerbrach (sehr zu unserem Vorteil). Zinsen rauf, Ölpreis runter: Für Länder wie Mexiko und Venezuela, aber auch Nigeria war das der Genickbruch.

Keine Eigenverantwortung? Alles kleine Kinder? Keine erwachsenen Menschen? Müssen wir sie alle unter Patronage nehmen? (rhetorische Frage – könnte eh nie funktionieren!)

Auch hier wieder das Stichwort: Interne Wirtschaftskreisläufe. Die Ölstaaten hatten in den 60er und 70er Jahren ihre Kraft in die Infrastrukturprojekte gesteckt, die ganz auf den Export ausgerichtet waren (vorrangig der Rohstoffe, daneben auch noch ein bißchen der verarbeiteten Rohstoffe).
Es entstanden bildlich gesprochen moderne Öl-pipelines, die über rückständig bearbeitete Agrarlandschaften hinweg, an rückständigen Dörfer vorbei, zu einem modernen Industriehafen führten, in dem ein paar Spezialisten arbeiteten, die sich für ihre weit über-landes-durchschnittlichen Gehälter Konsumgüter aus den Industrieländern kauften. Das ganze hatte überhaupt keine Nachfrage-/Investitions-/Modernisierungseffekte auf das einheimisch Gewerbe und die binnnenarkt-orientierten Teile der Landwirtschaft. [/i]

Kinder auf die Schule schicken – im Ausland studieren lassen – Ölgeld nicht verwenden, um der eigenen Klientel fette Jobs zu verschaffen (Mexiko) – einfach das richtige machen – nicht voller Gier das eigene Land ausplündern – (Wie irre es die Latinos treiben können, siehst Du aktuell z.B. in Kolumbien – die brauchen keine Weltbank oder einen anderen Teufel. Ganz ohne fremde Hilfe bauen sie eine florierende Entführungs- und Mordindustrie auf...).

O.K., wir könnten noch ewig weiterdiskutieren – eigentlich wollte ich nur eine Parallele zwischen Feminismus und anderen mächtigen Verschwörungstheorien ziehen, die z.Zt. die gesellschaftliche Debatte dominieren!

Gruß Anabasis

Zum Thread-Meta-Thema Verschwörungstheorien

Lars, Tuesday, 09.09.2003, 15:37 (vor 8184 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Re: Alles kleine Kinder? von Anabasis am 09. September 2003 09:32:20:

Auf das E-Länder-Thema an sich wollt ich jetzt nicht noch mal eingehen. Stattdessen zu Deinem Statement sozusagen auf der Meta-Ebene:

O.K., wir könnten noch ewig weiterdiskutieren – eigentlich wollte ich nur eine Parallele zwischen Feminismus und anderen mächtigen Verschwörungstheorien ziehen, die z.Zt. die gesellschaftliche Debatte dominieren!

Ganz unabhängig davon, was Du von den anderen "Verschwörungstheorien" hältst, wirst Du aber einen grundlegenden Unterschied kaum bestreiten können: Die Fürsprecher der Dritten Welt (ebenso wie jene, die den Abbau des Wohlfahrttsaates anprangern) sind schon seit Anfang der 90er in einer Außenseiterposition (gegenüber der Medien-Massen-Meinung), "out" (*) und verliehren beständig an Boden; der Feminismus dagegen ist "in" und bestimmt zunehmend die öffentlichen Debatten.

Und zum Thema Verschwörungstheorien: Es gibs ja auch konservative Verschwörungstheorien, meist in Form von Unterwanderungstheorien: "Die 68er" hätten den Staat unterwandert, wir hätten einen "Gewerkschaftsstaat" ect. JEDE politische Strömung hat logischer Weise Gegner und neigt dazu, diese zu dämonisieren.

Gruß
Lars

______

(*) = Die Bewegung der "Globalisierungsgegner" seit "Seattle ´99" war zwar für ein paar spektakuläre Fotos gut; ihre Thesen und Forderungen spielen jedoch in der öffentlichen Debatte kaum eine Rolle (allenfalls mal eine Phoenix-Diskussion, aber wer guckt schon Phoenix)

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