Re: Kinderwahlrecht oder verbessertes Frauenwahlrecht?
Als Antwort auf: Kinderwahlrecht oder verbessertes Frauenwahlrecht? von Odin am 22. Juli 2003 15:08:46:
Man könnte hinzufügen: Was dieser Vorstoß mit Demokratie zu tun hat, konnte leider noch nicht in Erfahrung gebracht werden.
Für die FDP speziell hätte ich noch einen Vorschlag: Ein spezielles Wahlrecht für Arbeitgeber, die für ihre Angestellten abstimmen könnten bzw. in deren Auftrag, bis diese mündig genug sind, richtige Entscheidungen zu treffen.
LOL, sag das nicht zu laut! Die FDP greift diesen Vorschlag glatt auf!
Lustig wird obiger Fall, wenn ein gemeinsames Sorgerecht besteht, aber gegensätzliche politische Ansichten. Aber hier muß man wohl auf das natürliche Recht der Frauen das Wohl ihrer Kinder im Auge zu haben, verweisen.
Natürlich auch bei 17jährigen, die schon ihren eigenen Kopf haben, aber der in einem etwas - milde ausgedrückt - fragwürdigen Verhältnis zum Kopf seiner Eltern steht. Ich würde hier vorschlagen, daß Mädchen da schon wählen dürfen, Jungen aber noch zu blöd dafür sind und ihre Mütter wählen lassen müssen (vielleicht bis 24?)
Da Mütter auch besser auf das Wohl ihrer Familien achten, sollte man Männer vielleicht gar nicht wählen lassen. Ist ja nur ein gerechter Ausgleich für die Jahre, in denen Frauen nicht wählen dürften.
Die Frage, welche Auslegung "Kinderwahlrecht" unter dem Einfluß des feministischen Zeitgeistes erfahren würde ist sicher berechtigt. Allerdings, so unmittelbar mit den Feministinnen hat diese Idee erstmal nichts zu tun (auch wenn diese sicher schnell drauf kommen würden, welche Vorteile sie daraus ziehen könnten!), das hat blaube ich eher andere Ursprünge:
- Aus kirchlich-konservativen Kreisen ist ein "stellvertretendes Kinderwahlrecht" immer mal wieder gefordert worden (ursprünglich auch noch verbunden mit der Vorstellung, der Mann würde für seine Frau mitwählen!), einfach aus dem Kalkül heraus, daß Eltern, bzw. Väter mit vielen Kindern wertemäßig eher konservativ orientiert sind und entsprechend wählen würden.
- Die Herabsetzung des (Selbst-)Wahlalters wiederum ist eine Idee von SPD und Grünen, nachdem Umfragen gezeigt hatten, daß Teenager, WENN sie sich überhaupt für Politik interessieren, eher für diese beiden Parteien stimmen. Der Vorschlag geht wie gesagt in eine andere Richtung, aber beide Modelle treffen sich darin, daß Kinder auf einmal als politische Größe betrachtet werden.
- Außerdem gibt es heute so einen gutmenschelnden Kinder-Kult, der dafür sorgt, daß alles was im Namen der Kinder gefordert wird, erstmal "gut" ist und kaum noch hinterfragt werden kann.
Da gibt es also eine komische Gemengelage, aus der Heraus so ein Schwachsinn tatsächlich ernsthaft diskutiert werden könnte.
Und wie siehts verfassungs- und demokratie-theoretisch aus?
- Der Sinn des Wahlrechts ist die Repräsentation der Wähler-Wünsche, nicht die Vertretung der "objektiv" feststellbaren Bedürfnisse der Wähler! D. h. darüber, was "objektiv" für diesen oder jenen Wähler gut ist, mögen "Experten" und sonstwer DISKUTIEREN; demokratie-theoretisch VERBINDLICH sollte aber nur der tatsächlich geäußerte subjektive Wählerwunsch sein, sonst könnte man sich das Wählen ja auch schenken und das objektive Volkswohl durch Experten stellvertretend definieren lassen.
- Wenn nun Personen unter 18 kein Wahlrecht haben, mag man dies je nachdem schade oder gutbegründet finden und je nachdem eine Herabsetzung des Wahlalters fordern, aber ein STELLVERTRETENDES Wahlrecht würde ja auf die "Ich-weiß-was-gut-für-Euch-ist"-Denke hinauslaufen und wäre somit demokratie-widrig.
- Das Argument "Aber sonst bestimmen die Eltern doch auch, was gut für ihre Kinder ist" zieht nicht, denn: Mit dem "stellvertretend" ausgeübten Kinderwahlrecht beeinflussen sie Entscheidungen, die weit über den einzel-familiären Erziehungsrahmen hinausgehen und politischer Natur sind. Und auf politischer Ebene gilt das "Ich-weiß-was-gut-für-Euch-ist"-Denken in Demokratien eben nicht. (sonts könnten ja auch gefängnisauafseher für ihre Insassen, Anstaltsleiter für ihre Patienten wählen ect.
-
gesamter Thread:
- Kinderwahlrecht oder verbessertes Frauenwahlrecht? -
Odin,
22.07.2003, 18:08
- Re: Kinderwahlrecht oder verbessertes Frauenwahlrecht? - Anabasis, 22.07.2003, 18:29
- Re: Kinderwahlrecht oder verbessertes Frauenwahlrecht? - Lars, 22.07.2003, 19:03
- Re: Kinderwahlrecht oder verbessertes Frauenwahlrecht? -
Rotstift,
23.07.2003, 00:26
- Re: Kinderwahlrecht oder verbessertes Frauenwahlrecht? - Odin, 23.07.2003, 03:16
- Re: Kinderwahlrecht oder verbessertes Frauenwahlrecht? - Garfield, 24.07.2003, 15:42