Leserbrief an die Stuttgarter Zeitung
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihren Beitrag zum Mädchenkulturfestival mädiale2003 in der heutigen Ausgabe Ihrer Zeitung. Interessant ist allerdings, daß in diesem Artikel mit keinem einzigen Satz die Frage angeschnitten wurde, aus welchen Gründen es eigentlich keine vergleichbare Veranstaltung für Jungen und junge Männer gibt?
Es ist offengestanden besorgniserregend geworden, mit welcher Selbstverständlichkeit Jungen mittlerweile von solchen Aktionen ausgeschlossen werden.
Es ist bereits seit einigen Jahren zu beobachten, daß vor allem in den Aktivitäten der Jugendverbände und auch der für Jugend zuständigen staatlichen Behörden Jungen immer weniger Berücksichtigung finden. Da gibt es Angebote für Mädchenzimmer, Mädchenwerkstätte, Mädchentage usw. Ein gutes Beispiel ist auch der sogenannte Girls Day. Eine Veranstaltung, die den Mädchen vor allem Berufsfelder näherbringen will, in denen Frauen unterrepräsentiert sind. Ein Boys Day hingegen ist weit und breit nicht in Sicht obwohl es sicherlich äußerst sinnvoll wäre, den Jungen einmal die Möglichkeit einzuräumen, Berufe kennenzulernen, die soziale Kompetenz erfordern (Altenpflege, Arzthelfer, Erzieher,...) und in denen Männer ebenfalls massiv unterrepräsentiert sind. So verpasst man die Gelegenheit, Jungen neue Möglichkeiten aufzuzeigen.
Die Ignoranz unserer Gesellschaft gegenüber jungenspezifischen Themen hat wirklich bemerkenswerte Ausmaße angenommen.
Das Motto der Stadt Stuttgart bezüglich der mädiale2003 ist: Stuttgart freut sich auf euch Mädchen und junge Frauen. Hinsichtlich der Jungen und jungen Männer scheint dieses Motto offensichtlich nicht zu gelten. Auf die freut sich wohl niemand, schließlich kann ich keine bundesweite Veranstaltung erkennen, die sich ausschließlich mit jungenspezifischen Themen auseinandersetzt, wie dies bei der "mädiale2003" hinsichtlich der Mädchen der Fall ist.
Wohin die Reise geht, kann man auch an einem anderen Artikel der heutigen Ausgabe Ihrer Zeitung sehen: Neues Hilfsprojekt für Mädchen in Not. Unbeantwortet bleibt die Frage, warum es keine Hilfsprojekte für Jungen in Not gibt. Und dies, obwohl Jungen ebenso oft Opfer von Gewalt und Notsituationen werden, wie dies bei Mädchen der Fall ist.
Es fließen jährlich Millionenbeträge in die Förderung von Mädchen und in Mädchenhilfsprojekte, die Jungen hingegen scheinen in unserer Gesellschaft nicht mehr existent zu sein.
Es ist wirklich sehr schade, daß es unsere Gesellschaft mittlerweile verlernt hat, auch den Jungen etwas Aufmerksamkeit und Gehör für ihre Probleme und Sorgen zu schenken. Aber was soll man auch von einem Staat verlangen, in dem Personen wie die ehemalige Frauenministerin Christine Bergmann und die frühere Wissenschaftssenatorin Krista Sager in einer NDR-Talkshow pseudowissenschaftliche Parolen skandieren, die uns weismachen wollen, Jungen seien schlechter in der Schule als Mädchen, da ihr Corpus Callosum weniger ausgeprägt sei?
In unserer Gesellschaft dreht sich mittlerweile alles nur noch um Mädchen. Was wundern wir uns dann noch in den Zeitungen und den psychologischen Magazinen über das mangelnde Selbstbewußtsein von Jungen? In unserem Land werden die schulischen Leistungen der Jungen immer schlechter, machen immer weniger Jungen Abitur und immer weniger junge Männer studieren. Immer mehr Jungen leiden an Verhaltensstörungen. Wie unsere Gesellschaft darauf reagiert, kann man an dem Motto der mädiale2003 ablesen: "Just for Girls!" Exklusivclub Deutschland nur für Mädchen!
Warum dann noch Aufmerksamkeit für die Probleme von Jungen? Die kleine Jacqueline aus Nürnberg hat den Grund dafür in Ihrem Beitrag auf den Punkt gebracht: Jungs stören von Natur aus. Da hat Gott einen schweren Fehler gemacht. Eine Gesellschaft, in der schon unter Kindern solche Ansichten herrschen, ist längerfristig zum Scheitern verurteilt.
Sehr weit werden wir damit ohne Zweifel nicht kommen.
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Andreas,
10.06.2003, 17:08
- Sehr gut! - Garp, 10.06.2003, 21:12
- Re: Leserbrief an die Stuttgarter Zeitung - Martin, 11.06.2003, 01:55
- Ich hab's getan! - Martin, 11.06.2003, 02:59
- Re: Leserbrief an die Stuttgarter Zeitung - Maesi, 23.06.2003, 22:23