Sohn der Radsportlerin Hunkeler muss zurück zum Vater. Politiker fordern stärker
Sohn der Radsportlerin Hunkeler muss zurück zum Vater. Politiker fordern stärkeren Kinderschutz
Quelle: www.sonntagszeitung.ch; Gefunden am 01-06-2003
http://www.sonntagszeitung.ch/sz/szUnterRubrik.html?ausgabeid=3039&rubrikid=127&...
Von Petra Wessalowski
Bern - Bis spätestens 15. Mai muss der dreijährige Sohn von Lucille Hunkeler zurück zu seinem Vater nach Italien. So hat es das Bundesgericht vorletzte Woche verfügt. Das Kind war letzten Herbst von seiner Mutter in die Schweiz gebracht worden, als die Schweizer Meisterin im Bahn-Radfahren vor ihrem italienischen Ehemann flüchtete.
Dass bei diesem Entscheid die Bedürfnisse des Kindes nicht ausreichend berücksichtigt werden, kritisieren Politiker von links bis rechts. Noch bevor die höchsten Richter entschieden hatten, wollte der Thurgauer SVP-Nationalrat Alexander J. Baumann Mitte März vom Bundesrat wissen, wieso ein Schweizer Kind nach Italien ausgeliefert werden muss und ob dem Kindeswohl damit gedient sei. Die Antwort entspricht dem Haager Übereinkommen gegen Kindsentführungen: Entführte Kinder müssen an ihren üblichen Aufenthaltsort zurückgebracht werden.
Im Fall von Lucille Hunkelers Sohn ist das Italien. Um eine Stellungnahme zum Kindswohl drückte sich der Bundesrat.
Das stört die beiden SP-Nationalrätinnen Ruth-Gaby Vermot und Vreni Hubmann: «Das Wohl des Kindes wird bei den Rückführungsentscheidungen zu wenig berücksichtigt.» Nächste Woche reichen sie während der Sondersession des Nationalrats einen Vorstoss ein, der auf eine Verbesserung des Kinderschutzes zielt. «Ich bin entsetzt, wenn ein Rückführungsgesuch durchgezogen wird, selbst wenn ein Kind von seinem Vater missbraucht worden wäre», sagt Vreni Hubmann.
Ruth-Gaby Vermot will sich zusätzlich im Juni im Europarat für ein Zusatzprotokoll zum Haager Übereinkommen einsetzen. Letzte Woche signalisierte ihr die Sozial- und Gesundheitskommission des Rates bereits Unterstützung. «Das Wohl des Kindes und nicht die reguläre Situation muss in den Vordergrund rücken», sagt Ruth-Gaby Vermot.
Rund hundert neue Fälle von Kindsentführung gehen jedes Jahr beim Schweizer Dienst für internationalen Kindesschutz ein. Neu ist, dass nicht mehr hauptsächlich Väter die Täter sind. In zwei Dritteln der Fälle entführen Mütter nach dem Scheitern ihrer Ehe ihre Kinder in die Schweiz oder verweigern den Vätern das Besuchsrecht. Auf Grund des Haager Übereinkommens müssen die Schweizer Behörden diese entführten Kinder so rasch wie möglich in ihr Herkunftsland zurückschicken.
Probleme bereiten die Rückführungsfälle, die der Dienst für internationalen Kindesschutz nicht einvernehmlich mit den Eltern regeln kann. Laut dem Leiter des Diensts, David Urwyler, landen zehn bis zwanzig Prozent der Fälle vor Gericht: «Dann haben wir keine Einflussmöglichkeit mehr. Das Gericht entscheidet, ob das Kind angehört wird oder sogar einen eigenen Anwalt erhält.» Jede Gerichtsinstanz muss innert sechs Wochen entscheiden. Eine Frist, die oft zu kurz ist, um zu beweisen, dass das Kind am früheren Aufenthaltsort im Ausland gefährdet ist.
Anmerkungen:
Bei diesem Arikel ist besonders die Wortwahl interessant:
Die Mutter flüchtete... (der böse Ehemann!)
wurde in die Schweiz gebracht... (statt "wurde in die Schweiz entführt")
Gefährdung des Kindeswohls bei einer Rückführung... (welche Rolle spielte das Kindeswohl bei der Entführung?)
Es ist kaum zu glauben, was sich die beiden SP-Nationalrätinnen Ruth-Gaby Vermot und Vreni Hubmann sowie der SVP-Nationalrat Alexander J. Baumann herausnehmen. Wird es denn etwa dem Kindeswohl gerecht, wenn das Kind aus seiner gewohnten Umgebung von der Mutter herausgerissen, dem Vater vorenthalten und verschleppt wird?! Wurde hier etwa das sog. Kindeswohl berücksichtigt?! Die Kindesmutter entführt ein Kind und zählt jetzt als Opfer, da sie das Kind zurückgeben muß? Würden diese PolitikerInnen ebenso lautstark schreien, wenn es sich hier nicht um eine Frau und bekannte schweizer Sportlerin handeln würde, sondern um dem Malergesellen Urs Steinbrück? Wohl kaum! Bei diesen PolitikenInnen handelt es sich meiner Meinung nach um billige Agitatoren, denen das Kindeswohl nur als Vorwand dient.
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Uwe,
04.06.2003, 02:51
- Re: Sohn der Radsportlerin Hunkeler muss zurück zum Vater. Politiker fordern stärker -
Odin,
04.06.2003, 14:53
- Re: Sohn der Radsportlerin Hunkeler muss zurück zum Vater. Politiker fordern stärker - Joachim, 05.06.2003, 11:41
- Re: Sohn der Radsportlerin Hunkeler muss zurück zum Vater. Politiker fordern stärker - Maesi, 23.06.2003, 22:02
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Odin,
04.06.2003, 14:53