Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Der SPD-Parteivorstand zur Wehrpflicht für Männer

Arne Hoffmann, Tuesday, 29.04.2003, 02:00 (vor 8317 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Der SPD-Parteivorstand zur Wehrpflicht für Männer von Andreas am 28. April 2003 22:34:05:

Hi Andreas,

man nimmt an, dass Alkoholismus durch ein ganzes Bündel seelischer, sozialer und biologischer Ursachen hervorgerufen wird. Zu den körperlichen Faktoren gehört ein genetischer Defekt des Enzyms Alkoholdehydrogenase, das normalerweise Alkohol abbaut, sowie die in Stress-Situationen verstärkte Ausschüttung des Hormons Hydrocortison bei den Erkrankten, was diese durch Alkoholkonsum ausgleichen möchten. Dazu kommt, dass Alkoholkonsum in unserer Gesellschaft akzeptiert wird und dass die Lebensumstände vor allem in den Industriestaaten häufig Stress und soziale Isolation bedingen.

Die "Deutsche Hauptstelle gegen Suchtgefahren" (DHS) schätzt hierzulande etwa acht Millionen Menschen als stark alkoholgefährdet ein. Tatsächlich alkoholabhängig waren 2001 der Drogenbeauftragten der Deutschen Bundesregierung sowie der DHS zufolge 1,5 bis 1,6 Millionen Menschen, die Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz Berlin geht gar von 2,5 Millionen aus. Rund 73.000 Bundesbürger kommen jährlich durch Alkohol zu Tode. Die immense Zunahme an Süchtigen in den letzten Jahrzehnten (nach dem Zweiten Weltkrieg waren es 200.000 Erkrankte) weist darauf hin, welche große Rolle die gesellschaftlichen Bedingungen spielen. Insbesondere die Zahl, der Frauen, Jugendlichen und Kinder unter den Betroffenen steigt weiter an.

Je klarer der Öffentlichkeit jedoch wird, dass Alkoholismus nicht lediglich einen untauglichen Versuch der Problembewältigung, sondern ein vielschichtiges Krankheitsbild darstellt, desto weniger werden die Erkrankten gesellschaftlich ausgegrenzt und diskriminiert. Die weichende Tabuisierung führt dazu, dass die Betroffenen ihr Problem weniger lange verbergen müssen, da es ja nicht länger auf ihr persönliches Versagen zurückzuführen ist – also etwa auf Willensschwäche oder Labilität. Die Behandlung kann früher aufgenommen werden und führt so auch zu größeren Heilerfolgen. Zu diesen Erfolgen trägt bei, dass inzwischen im Alkoholismus das Hauptproblem gesehen wird, das zu bekämpfen ist, anstatt ihn nur als Symptom oder Konsequenz tiefer liegender Störungen wahrzunehmen. Allerdings kann Alkoholmissbrauch wiederum hinter anderen Problemen verborgen liegen, etwa hinter psychischen und körperlichen Beschwerden, Partnerproblemen, Gewalt in der Familie, sexuellem Missbrauch und der Vernachlässigung von Kindern.

Im Januar 2003 wies die DHS darauf hin, dass Bund, Länder und Gemeinden jährlich nur zehn Millionen Euro zur Aufklärung über Suchtgefahren aufwendeten, während die Alkohol- und die Tabakindustrie 890 Millionen Euro für Werbung ausgäben. Marion Caspers-Merk, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, kritisierte, dass aufgrund von Lücken im Hilfsystem viele Suchtkranke zu spät behandelt und gefährdete Jugendliche durch die bestehenden Hilfen kaum erreicht würden.

Die bekanntesten Kinofilme, die Alkoholismus zum Inhalt haben, drehten sich lange Zeit häufig um männliche Erkrankte: "Barfly" (mit Mickey Rourke), "Leaving Las Vegas" (mit Nicolas Cage) sowie "Shining" (mit Jack Nicholson). Trinkerinnen wurden vor allem in den letzten Jahren verstärkt dargestellt, so etwa in "When a Man Loves a Woman" (mit Meg Ryan), in "28 Tage" (mit Sandra Bullock), aber auch schon 1966 in "Wer hat Angst vor Virginia Woolfe?" (mit Elizabeth Taylor und Richard Burton).

Herzlicher Gruß

Arne (bewirbt sich demnächst für SPD-Parteivorstand)


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