Re: Fragen an Creveld?
Als Antwort auf: Fragen an Creveld? von Arne Hoffmann am 20. April 2003 21:33:59:
Guten Tag, Arne,
es ist zwar ein kleiner Einwand, könnte aber in Form einer Frage formuliert werden. Es betrifft die letzten Schlußfolgerungen v. Crevelds, die mir etwas romantisierend vorkommen und reichlich pessimistisch sind: Männer hingegen werden sich weiter schinden, um Macht, Ruhm und Reichtum zu ernten und Frauen die Ausbeute vor die Füße zu legen.
Ich denke nämlich, daß Kreativitätsfaktoren (hier mal bei den Männern) keineswegs so ausschließlich erotisch-geschlechtlicher Anliegen unterworfen sind. Es kann in den Biographien großer Männer (von Sokrates über Buddha bis Einstein) belegt werden, daß nicht nur keine starke (oder sonst eine) Frau dahinter stand, sondern sogar, daß die Frau oft als Störfaktor für die Hingabe an eine Idee, ein Forschungsprojekt etc. fungierte, ja verlassen werden mußte. Und siehe Dir uns an: Du schreibst ja nicht deine Bücher und ich - erlaube mir hier zu vergleichen - nicht meinen Maskulisten, um irgendwelchen Frauen etwas vor die Füße legen zu dürfen (höchstens geistige Bananenschalen vor Emanzenfüße). Van Creveld selbst ja auch nicht. Etwas lyrisch ausgedrückt liegt dieser Sachverhalt bei mir vor in den Worten: Es war schon immer der Duft der Zukunft und des Werdens, der Evolution selbst, und weniger jener des Weibes, was große Akte maskuliner Kreativität zeitigte, das ist denn auch der Grund, warum wir noch heute Da Vinci mehr als Casanova ehren.
Es sind vor allem die Feministen, die derlei Sublimierung und Überdimensionierung des Weiblichen herstellen wollen. Man denke an Karl Grammer; bei dem sind jede Speerspitze der Primitiven, aber auch jeder Vers, jeder wissenschaftliche Gedanke nur Imponiergehabe im Balzverhalten der Männer. Eine subtil erniedrigende Belästigung an Mann, Wissenschaft und Geist.
Solche Klarstellung halte ich für wesentlich, weil damit die Emanzipations- bzw. Befreiungsperspektive des Mannes zusammenhängt, seine endliche Entlastung von der Rolle des unfreiwilligen Ernährers z. B., Soldaten etc. Denn bei den heutigen geglätteten Verhältnissen in der Arbeitswelt (anders als zur viktorianischen Zeit) haben Frauen bewiesen, mitarbeiten zu können, und es wäre, wie v. Creveld auch erkennt, voll zu Lasten der Männerbefreiung, da Rückzieher zu erleben.
Die Frage an v. Creveld könnte etwa lauten, ob er sich denn auch andere Faktoren männlicher Betätigung vorstellen kann, außer Frauen damit beglücken, Familie gründen zu wollen etc.
Herzlichen Gruß
Michail
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Arne Hoffmann,
21.04.2003, 00:33
- Exzellente Rezension (n/t) - Jörg, 21.04.2003, 02:45
- Re: Fragen an Creveld? -
michail,
21.04.2003, 18:57
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terVara,
22.04.2003, 03:35
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22.04.2003, 12:33
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- Re: Fragen an Creveld? - michail, 23.04.2003, 13:06
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terVara,
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