Re: Gender Mainstreaming
Als Antwort auf: Gender Mainstreaming von Rotstift am 15. April 2003 11:42:10:
Hallo 'Rotstift'!
Ich habe gerade einen Text der ÖAAB-Frauen (Arbeitnehmervereinigung
der ÖVP) vor mir, der sich unter anderem mit Gender Mainstraeming
beschäftigt. Damit wird klar, was eigentlich darunter zu verstehen ist,
nämlich dass alle Ebenen von Politik und Verwaltung nach der
feministischen Pfeife tanzen, weil sonst ja keiner über das
entsprechende Fachwissen verfügt:
Da steht wörtlich: "Da die erforderliche geschlechtsspezifische
Sachkenntnis derzeit oft nur in Frauenreferaten bzw.
Gleichbehandlungsstellen vorhanden ist,...."
Die erforderliche geschlechtsspezifische Sachkenntnis ist in der Tat
noch am ehesten dort zu finden, da sich Männer bisher viel zu wenig mit
geschlechtsspezifischen Themen beschäftigt haben.
Klar, die Frauen haben sich in den zuständigen Frauenreferaten erstmal
mit ihrer eigenen Situation beschäftigt, was ja wohl legitim ist, doch
tun sie es zunehmend auch auf beide Geschlechter bezogen in letzter
Zeit.
Sieh doch lieber das Gender Mainstreaming als eine echte Chance:
ob das GM zu einer neuen Form der Frauenförderung degeneriert oder ob
es
ein Instrument wird, um bestehende Benachteiligungen bei beiden
Geschlechtern auszugleichen und für echte Geschlechtergerechtigkeit zu
sorgen, das liegt doch viel an den Männern selbst.
Je mehr Männer sich damit beschäftigen und es nicht als 'Frauenkram'
verächtlich abtun, sondern sich damit auseinandersetzen, Vorschläge
machen und ihre Beteiligung an Gendertrainings in Betrieben einfordern,
umso eher wird es gerechte Verhältnisse geben!
Wie so viele Männer siehst du nur das (scheinbar) negative an dem
GM-Konzept, während dir die Grundgedanken des Konzepts verborgen
bleiben. Da steht jedoch u.a.:
"Gender Mainstreaming bedeutet allgemein die Integration von
Geschlechtergerechtigkeit als Querschnittsaufgabe in alle
Politikbereiche, ....Als Querschnittsaufgabe und mit seiner
Fokussierung auf die Geschlechterverhältnisse wird Gender Mainstreaming
zwangsläufig zu einer gemeinsamen Angelegenheit von Frauen und
Männern.
Denn das Geschlechterverhältnis wird in Gesamtheit nur zu verändern
sein, wenn sich seine beiden Pole bewegen.
Da steht was von 'beide'und von 'gemeinsam'!
Dazu müssen die Männer mitmachen wollen!
Es nützt wohl kaum was, wenn sie sich verweigern, nach dem Motto "Bäh,
Ihr wollt uns nur verarschen, also boykottieren wir die Sache doch
lieber mal."
Voraussetzung für die Entwicklung geschlechtsdifferenzierter Angebote
in allen Politikfeldern ist spezifisches Gender-Wissen.
Eben, und dieses Wissen ist einfach bei Männern bisher viel weniger
vorhanden als bei Frauen. Das soll jetzt kein Vorwurf sein, ist einfach
so. Unterhaltet Euch einfach mal mit den Männern in Familie, am
Arbeitsplatz, im Freundeskreis über die Themen, die in diesem Forum
diskutiert werden! Bei wievielen davon sind die hier geläufigen
Betrachtungsweisen erst mal völliges Neuland? Ich wette bei recht
vielen.
Da gilt es erst mal ne Menge aufzuholen.
Wenn's nicht so ärgerlich wäre, könnte man ja darüber lachen.
Sieh es lieber als Ansporn: 
Gendertrainings in Betrieben werden grundsätzlich immer von einem Paar
angeboten. Die Situation der Männer und die der Frauen wird zuerst nur
in gleichgeschlechtlichen Gruppen diskutiert, erst danach findet ein
Austausch statt. Solange die Frauen in einem Betrieb aber schon viel
stärker für Geschlechterfragen sensibilisiert sind, besteht die Gefahr,
dass sich deren Sichtweise stärker durchsetzt und die Benachteiligungen
von Männern weniger stark wahrgenommen werden. Die Gendertrainer müssen
dann viel stärker eingreifen, um für einen Ausgleich zu sorgen. Wenn
aber genügend Männer da sind, die schon im Vorfeld Überlegungen über
ihre eigene Situation angestellt und die Vorschläge/Forderungen
entwickelt haben, so beeinflusst das das Untersuchungsergebnis sicher
positiv.
Denk(t) mal drüber nach. 
Liebe Grüße
Beatrix
gesamter Thread:
- Gender Mainstreaming -
Rotstift,
15.04.2003, 14:42
- Re: Gender Mainstreaming -
Beatrix,
17.04.2003, 17:00
- Re: Gender Mainstreaming - Andreas, 18.04.2003, 02:13
- Re: Gender Mainstreaming - Rotstift, 18.04.2003, 02:31
- Re: Gender Mainstreaming -
Beatrix,
17.04.2003, 17:00