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<title>Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land? - Warum Hillary verlor</title>
<link>https://wgvdl.com/forum3/</link>
<description>Gleichberechtigung, Männerdiskriminierung, Männerbenachteiligung, Antifeminismus</description>
<language>de</language>
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<title>Warum Hillary verlor</title>
<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hatte hier ja mal einen Artikel verlinkt, der jetzt aber nur noch gegen Registrierung zu lesen war. Wem das zu doof war, hier nochmal das ganze Ding, hatte das noch irgendwo auf der Festplatte. </p>
<p>NZZ AM SONNTAG / von Michael Furger, Anja Burri, Lucienne Vaudan und Andreas Mink /<br />
14.11.2016, 05:00 Uhr</p>
<p>Ja, der Sieg von Donald Trump war überraschend, aber kein Zufall. Erst<br />
im Rückblick wird klar, wie viele einzelne Ereignisse zum Triumph über<br />
Hillary Clinton geführt haben. Angefangen hat alles vor fünfzehn<br />
Jahren.</p>
<p>Unter all den bizarren Szenen im öffentlichen Leben von Donald<br />
Trump gibt es eine, die heraussticht – weil sie anders ist, weil sie<br />
ihn wehrlos zeigt und weil sie, das vermuten jedenfalls die<br />
Menschen, die dabei gewesen sind, einen Moment darstellt, der für<br />
den Fortlauf seiner Geschichte entscheidend war.</p>
<p>Es ist der späte Abend des 30. April 2011. In Washington findet das<br />
White House Correspondent Dinner statt, ein rauschendes Fest der<br />
Washingtoner Elite im Ballsaal des Hotel Hilton. Höchster Gast ist<br />
der Präsident Barack Obama, einer der Ehrengäste: Donald Trump.<br />
Als Obama um 22 Uhr ans Rednerpult tritt, hat die Gesellschaft<br />
schon drei Stunden lang getrunken.</p>
<p>Die Stimmung ist heiter, und sie wird noch heiterer, denn Obama<br />
kommt auf Trump zu sprechen. Trump führt die Bewegung der<br />
«Birther» an, die bezweifelt, dass der Präsident in den USA geboren<br />
wurde. Obama musste wegen Trump seine Geburtsurkunde<br />
veröffentlichen, und diese Schmach zahlt er ihm nun heim.<br />
Minutenlang setzt er eine Pointe nach der anderen: Trump der<br />
Wirrkopf, der seichte Unterhalter, der Mann mit dem schlechten<br />
Geschmack. Das Publikum grölt. Mittendrin sitzt Donald Trump. Eine<br />
Fernsehkamera filmt, wie er regungslos am Tisch sitzt, starr das<br />
Gesicht, kochend vor Wut, das werden Tischnachbarn später<br />
berichten. Vorne der Präsident, der ihn demütigt, um ihn herum<br />
die Elite aus Politik und Medien, wie sie lacht über ihn. «Ich glaube,<br />
an diesem Abend hat er beschlossen, Präsident zu werden», wird<br />
sein langjähriger Berater Roger Stone Jahre später in einem<br />
Dokumentarfilm sagen. «Er sagte sich: Ich tue es, und zeige es<br />
allen.»</p>
<p>Niemand, auch Roger Stone nicht, kann mit letzter Gewissheit<br />
erklären, wie der Immobilien-Unternehmer und TV-Star Donald<br />
Trump schliesslich zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten<br />
gewählt werden konnte, wie er alle Regeln ausser Kraft setzte, die<br />
bisher für einen amerikanischen Wahlkampf galten: die Macht des<br />
Geldes, der Organisation, der Vernetzung, der politischen<br />
Erfahrung.</p>
<p>Aber es gibt Spuren und Hinweise, die im Rückblick plötzlich<br />
sichtbar werden. Ereignisse, die den Lauf der Geschichte in eine<br />
bestimmte Richtung gelenkt haben. Es sind Ereignisse über einen<br />
langen Zeitraum: 15 Jahre lang sind die Leben von Donald Trump<br />
und Hillary Clinton aufeinander zugesteuert bis zu dieser Nacht am<br />
letzten Dienstag.</p>
<p>Die Aussenseiter<br />
Ihre Geschichte aber beginnt im Jahr 2000, das letzte Jahr der<br />
Amtszeit von Präsident Bill Clinton. Hillary und er ziehen nach<br />
New York, wo Hillary zur Senatorin gewählt wird. 2001 gründen sie<br />
die Clinton Foundation, die im Laufe der nächsten 16 Jahre<br />
Hunderte von Millionen Dollar Spenden zusammentragen wird. Die<br />
Stiftung dient auch dazu, wichtige Mitarbeiter der Clinton-<br />
Regierung zu parkieren, damit sie bereit sind für den nächsten<br />
Kampf, den politischen Aufstieg von Hillary Clinton.<br />
Ein solcher Mitarbeiter, vielleicht der wichtigste, ist John Podesta,<br />
Bill Clintons Stabschef. Er wird 15 Jahre später Chef von Hillarys<br />
Wahlkampfteam sein. Podesta gründet zuerst eine PR-Firma,<br />
danach ruft er die Denkfabrik «Center for American Progress» ins<br />
Leben. Sie soll die schwächelnden Demokraten mit einer<br />
politischen Agenda ausstatten. Das Geld dafür schiesst der<br />
Milliardär George Soros ein.</p>
<p>Der Journalist Robert Dreyfuss beschreibt die Denkfabrik damals<br />
als «Schattenregierung» und «Personalreservoir für die kommende<br />
Präsidentin Hillary», mit anderen Worten: ein millionenschwerer<br />
Apparat, der vor allem ein Ziel hat: den politischen Aufstieg von<br />
Hillary Clinton.</p>
<p>Zu dieser Zeit hat Donald Trump in New York seinen Trump World<br />
Tower fertiggestellt. Ein Hochhaus mit 72 Etagen, es soll ein<br />
Symbol sein seines Erfolgs, eine Eintrittskarte in die feine<br />
Gesellschaft New Yorks. Doch Trump und auch die Clintons passen<br />
nicht in den ehrwürdigen Kreis der wohltätigen und<br />
kunstinteressierten Damen und Herren. Ein Medienmogul wird 15<br />
Jahre später der «New York Times» sagen: «Alle drei waren<br />
Aussenseiter. Die Clintons waren keine New Yorker, und Trump war<br />
immer nur ein Angeber.»</p>
<p>Und wie meistens, wenn Menschen verstossen werden, finden sie<br />
irgendwie zusammen. Bill Clinton findet Zugang zu Trumps<br />
Golfklub. Dieser wiederum spendet Clintons Stiftung 100 000<br />
Dollar, unterstützt Hillarys Wahlkampf und wird Mitglied der<br />
Demokraten. Es ist eine Zweckgemeinschaft: Trump sucht<br />
Renommee, die Clintons suchen Geld. Als Trump 2005 Melania<br />
heiratet, sind die Clintons zu Gast. Es entstehen Bilder, die beide<br />
Paare in vergnügter Stimmung zeigen.</p>
<p>Der Aufstieg<br />
Trump, geschäftlich zwar in Schwierigkeiten, beginnt eine zweite<br />
Karriere, die über zehn Jahre später entscheidend für seine Wahl<br />
sein wird. Er wird Star der TV-Serie «The Apprentice». Trump testet<br />
Jungmanager und sortiert einen nach dem anderen aus. Die Serie<br />
ist ein Strassenfeger. Sie läuft elf Jahre und macht Trump zum Star.<br />
Er tingelt durch Talkshows, bei einer sagt er vor der Aufzeichnung<br />
in einem Bus, er könne sich bei Frauen alles erlauben, er könne<br />
ihnen sogar an die Geschlechtsteile greifen. Der Satz wird ihn Jahre<br />
später einholen.</p>
<p>«Die Serie war sein grosser Trumpf», sagt Trumps Berater Roger<br />
Stone. «14 Staffeln lang sieht ihn ganz Amerika in bestem Licht.<br />
Die Eliten sagen, das sei nur Reality-TV, aber die Leute<br />
unterscheiden nicht zwischen Nachrichten und Unterhaltung. Für<br />
sie ist es einfach Fernsehen.» Trump nutzt die Popularität, beginnt<br />
über Politik zu reden und denkt laut über eine<br />
Präsidentschaftskandidatur nach.</p>
<p>Die Saat<br />
Noch ist es nicht so weit für Trump — aber für Clinton. Im Jahr<br />
2007, sieben Jahre nach dem Abschied aus dem Weissen Haus, soll<br />
der Plan des Clinton-Clans aufgehen. Hillary Clinton bewirbt sich<br />
um die Präsidentschaft. In ihrem Rücken der millionenschwere<br />
Apparat des «Center for American Progress», die Clinton-Stiftung,<br />
Podestas PR-Firma, das Netzwerk in Washington — und Donald<br />
Trump.</p>
<p>Er möge die Clintons sehr, sagt er öffentlich. «Hillary wäre eine<br />
grossartige Präsidentin, weil sie hart arbeitet und eine Agenda<br />
hat.» Doch ein aufstrebener schwarzer Demokrat durchkreuzt den<br />
Plan. Senator Barack Obama begeistert mit seinem Versprechen<br />
nach Wandel das Volk. Er fegt seine Gegnerin in den Vorwahlen<br />
weg und wird 2008 Präsident. Kaum gewählt, beruft er Hillary<br />
Clinton als Aussenministerin in seine Regierung.</p>
<p>Doch ausgerechnet mit der hoffnungsvollen Wahl Obamas kommt<br />
es in der amerikanischen Gesellschaft zu zwei Brüchen, die acht<br />
Jahre später entscheidend sein werden für den Aufstieg von Trump.<br />
Ein Bruch wird ausgelöst durch die Finanzkrise. Millionen von<br />
Menschen verlieren ihren Job, Millionen verlieren ihr Eigenheim.<br />
Die Finanzwirtschaft wird zur meistgehassten Branche des Landes.</p>
<p>Der Präsident lässt es zu, dass weit über 100 Millionen Dollar<br />
Steuergelder in Form von Boni an die verhassten Banker fliessen.<br />
Kaum ist Obama im Amt, schon schwappt der Hass auf die Banker<br />
auch auf die Regierung über. Washington, so denkt die<br />
Öffentlichkeit, hat sich mit der Wall Street verbündet.</p>
<p>Der zweite Bruch ist weniger gut sichtbar. Es ist ein schleichender<br />
Rassismus, ein Minderwertigkeitsgefühl der Weissen gegenüber<br />
ihrem schwarzen Präsidenten und der First Lady Michelle. «Viele<br />
können sich einfach nicht an das Bild dieser zwei erfolgreichen,<br />
eleganten und hochgebildeten Schwarzen gewöhnen», sagt James<br />
W. Davies, Professor für Politikwissenschaft an der Universität St.<br />
Gallen. Früher habe die weisse Unterschicht stets die Gewissheit<br />
gehabt, dass unter ihnen noch die Schwarzen waren.</p>
<p>Diese Stimmung führt zu einer neuen politischen Kraft. 2009<br />
entsteht die Tea Party, eine konservative, rechtspopulistische<br />
Bewegung innerhalb der Republikanischen Partei. Sie bekämpft<br />
alles, was mit staatlichen Eingriffen zu tun hat, und macht<br />
Rassismus wieder salonfähig. Ihr liebstes Feindbild: der schwarze<br />
Präsident Barack Obama. Finanziert von Milliardären, schafft es die<br />
Tea Party, die zerstrittenen Republikaner vor sich herzutreiben.<br />
Als die Partei 2010 die Mehrheit im Repräsentantenhaus erreicht,<br />
blockiert sie die Arbeit der Regierung Obama und schürt den Hass<br />
auf Washington. «Trump hat von der staatsfeindlichen Strategie<br />
der Republikaner profitiert», wird der amerikanische<br />
Politikprofessor Jacob Hacker Jahre später bilanzieren.</p>
<p>Tatsächlich ist bereits im Jahr 2010 der Boden bereitet für einen<br />
Kandidaten wie Donald Trump. Er wechselt von den Demokraten<br />
zu den Republikanern und stellt sich an die Spitze der «Birther»-<br />
Bewegung, die behauptet, Obama sei nicht in den USA geboren und<br />
daher unrechtmässig Präsident der USA. Eine Umfrage von CNN<br />
ergibt 2010, dass ein Viertel der Amerikaner glauben, Obama sei<br />
wahrscheinlich oder definitiv im Ausland geboren.</p>
<p>Trump fordert die Veröffentlichung der Geburtsurkunde und<br />
verkündet es in jeder Talkshow. Er deutet wiederum eine<br />
Präsidentschaftskandidatur an und schiesst in Umfragen an die<br />
Spitze aller republikanischen Anwärter. Im April 2011 schlägt<br />
Obama zurück und demütigt ihn am White House Correspondent<br />
Dinner.<br />
Doch die Saat von Trump ist längst aufgegangen. Denn mit seinem<br />
Engagement für die Birther hat er jene 25 Prozent der<br />
fremdenfeinlichen Amerikaner sicher auf seiner Seite. Sie werden<br />
ihm treu bleiben bis 2016. Der-Ku-Klux-Klan und andere<br />
rassistischen Organisationen feiern ihn als Helden.</p>
<p>Der Fehler<br />
Hillary Clinton bereist in dieser Zeit die Welt als Aussenministerin<br />
und geniesst so hohe Popularitätswerte wie noch nie, höher als<br />
jene von Obama. Beobachter rechnen schon mit einer Kandidatur<br />
2016, umso mehr, als Clinton ankündigt, sie werde Ende 2012<br />
zurücktreten.<br />
Doch ausgerechnet dann kommt es zu einem folgenschweren<br />
Ereignis in Libyen. Im September greifen Rebellen in der Stadt<br />
Benghasi das amerikanische Konsulat an. Der US-Botschafter und<br />
drei weitere Amerikaner sterben. Die Attacke wird von Clintons<br />
Gegnern als Beweis für ihre gescheiterte Libyen-Intervention<br />
vorgebracht.</p>
<p>Im Zuge der Untersuchungen findet man zudem heraus, dass<br />
Clinton ihren gesamten E-Mail-Verkehr regelwidrig über einen<br />
privaten Server abwickelt und so Staatsgeheimnisse gefährdet. Der<br />
E-Mail-Skandal sollte im Wahlkampf 2016 ihren Gegnern die<br />
besten Argumente liefern, sie als unehrliche Person darzustellen.<br />
Und dieser Wahlkampf hat möglicherweise auch für Trump schon<br />
begonnen. Denn im gleichen Jahr, 2012, lässt er den Slogan «Make<br />
America great again» markenrechtlich schützen.</p>
<p>Das Schmutzspiel<br />
Wie konkret Trumps Pläne damals schon sind, weiss niemand. Was<br />
man weiss, ist, dass er drei Jahre später, im Mai 2015, einen Anruf<br />
von Bill erhält. Die «Washington Post» wird später verschiedene<br />
Mitarbeiter zitieren, die von diesem Gespräch berichten. Clinton<br />
versucht Trump offenbar davon zu überzeugen, bei den<br />
Republikanern eine aktivere Rolle zu spielen. Politische Beobachter<br />
sehen darin eine Strategie: Clinton will Trump zu einer Kandidatur<br />
überreden, weil er für seine Frau ein leicht zu schlagender Gegner<br />
wäre.</p>
<p>Am 16. Juni 2015 schliesslich gibt Trump seine Kandidatur<br />
bekannt. Zu diesem Zeitpunkt hat er Hillary Clinton bereits den<br />
Krieg erklärt. Denn die ist bereits im April in den<br />
Präsidentschaftswahlkampf eingestiegen. Trump und Clinton, seit<br />
15 Jahren bekannt, steuern unerbittlich aufeinander zu. Noch fehlt<br />
aber beiden die Nomination.<br />
Bei den Demokraten hat der Clinton-Clan die Partei mit seinem<br />
millionenschweren Apparat derart im Griff, dass die Kandidatur<br />
zwingend ist. Es sind einflussreiche Leute aus dem «Center for<br />
American Progress», die jetzt nach Jahren der Vorbereitung ihre<br />
Macht und ihr Geld auffahren. Allen voran John Podesta, der<br />
Wahlkampfchef. Andere mögliche Kandidaten wie die populäre<br />
Senatorin Elizabeth Warren verzichten. Vizepräsident Jo Biden<br />
zieht sich zurück.</p>
<p>Das Weisse Haus selbst hat offenbar Vorbehalte angemeldet. Als in<br />
den Vorwahlen der einzige starke Gegenkandidat, Bernie Sanders,<br />
gefährlich wird, plant man parteiintern, ihn zu diskreditieren. Man<br />
will ihn als Atheisten hinstellen und so für religiöse Demokraten<br />
unwählbar machen. Das werden Mails, die Wikileaks veröffentlicht,<br />
später an den Tag bringen.</p>
<p>Die Anzahl der Fernsehdebatten zwischen Clinton und Sanders<br />
reduziert man auf zwei; einefindet am Samstag vor Weihnachten<br />
statt, ein unmöglicher Termin. Am 12. Juli 2016 ist klar, dass<br />
Sanders die nötigen Stimmen für die Nomination nicht erhält. Der<br />
Weg für Hillary Clinton ist frei. Doch die schmutzigen Spiele haben<br />
Clinton geschadet: Sanders junge, enthusiastische Anhängerschaft<br />
wendet sich angeekelt von ihr ab.</p>
<p>Das Finale<br />
Doch im Grunde, und das wird erst im Rückblick klar, ist Trump<br />
kaum mehr aufzuhalten. Die Brüche in der amerikanischen<br />
Gesellschaft sind zu gross: die soziale Situation der<br />
Globalisierungsverlierer, der Hass auf Obama, das<br />
Unterlegenheitsgefühl der weissen Mittel- und Unterschicht<br />
gegenüber ihrem schwarzen Präsidenten. Nach acht Jahren mit<br />
einem schwarzen Präsidenten wollen sie nicht auch noch eine Frau<br />
akzeptieren. Schon gar nicht diese Frau, verbandelt mit der Wall<br />
Street und Teil des verhassten politischen Establishments.<br />
Das Volk erwartet von einem neuen Präsidenten immer eine<br />
Neubegründung des amerikanischen Traums. Clinton, die sich als<br />
Obamas politische Erbin inszeniert, kann das nicht bieten, Donald<br />
Trump hingegen schon. Er ist für die frustrierten Amerikaner<br />
genau der richtige Mann, einer von ausserhalb des Washingtoner<br />
Filzes. Trump setzt sein Image als Geschäftsmann ein, das er<br />
während elf Jahren im Fernsehen aufgebaut hat, kapert die Tea-<br />
Party-Bewegung und räumt in den Vorwahlen alle Gegner aus dem<br />
Feld.</p>
<p>Die Ereignisse spielen weiter für Trump. Im Februar 2016 stirbt<br />
Antonin Scalia, ein konservatives Mitglied des obersten<br />
amerikanischen Gerichts. Dieses ist mächtig: Es kann jeden<br />
politischen Entscheid kippen. Die Republikaner verhindern eine<br />
Ersatzwahl. Der neue Präsident soll die Ernennung vornehmen. Die<br />
Richterwahl treibt die Evangelikalen in die Arme von Trump. Zwar<br />
angewidert von seinem Frauenbild, schlagen sie sich auf seine<br />
Seite. Denn er verspricht, dass das oberste Gericht in<br />
entscheidenden Fragen wie etwa der Abtreibungsfrage konservativ<br />
bleibt.</p>
<p>Clinton begeht nun einen ihrer grössten Fehler: Sie bezeichnet<br />
Trumps Anhänger als «bedauernswert». In der Bevölkerung<br />
verstärkt sich das Gefühl, von der Elite in Washington nicht ernst<br />
genommen zu werden. Jetzt kann nicht einmal Trumps Sex-<br />
Skandal die Bewegung stoppen.</p>
<p>Als das FBI kurz vor der Wahl wegen neuer E-Mails Ermittlungen<br />
gegen Clinton aufnimmt, ist das Duell definitiv entschieden. Am 8.<br />
November wird wahr, was sich über Jahre über viele einzelne<br />
Entscheidungen und Ereignisse aufgebaut hat. Nicht überall war<br />
Trump im Spiel, aber er war der Mann mit dem richtigen Profil für<br />
die Bewegung. Als er nachts um 3 Uhr zu seinen Anhängern sprach,<br />
redete er zuerst über Clinton, darüber, wie viel sie für dieses Land<br />
geleistet habe. Es klang versöhnlich. Wie früher, vor vielen Jahren.</p>
]]></content:encoded>
<link>https://wgvdl.com/forum3/index.php?id=78919</link>
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<pubDate>Fri, 20 Oct 2017 08:17:17 +0000</pubDate>
<category>Politik</category><dc:creator>Expatriate</dc:creator>
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