Der Alte Mann und der Ärger, Fortsetzung - Teil 2 (Männer)
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Strandliturgie des alten Mannes
(gesprochen zwischen Wellenrauschen und Möwengeschrei)
I. Eröffnung – Der alte Mann tritt vor den Altar aus Sand
Im Namen des Meeres,
des Windes
und der heiligen Rosinante,
die immer anspringt,
auch wenn der alte Mann es manchmal nicht tut.
Die Gemeinde erhebt sich –
oder bleibt sitzen,
weil Sandstühle unbequem sind
und Knie nicht mehr das tun, was sie sollen.
II. Der Ruf des Meeres
Das Meer spricht:
„Komm her, alter Mann.
Leg deinen Ärger ab wie ein nasses T‑Shirt.
Wirf ihn in die Wellen,
ich spüle ihn dir weg.“
Und der alte Mann antwortet:
„Ich komme, aber erst nach dem Müsli.“
III. Psalm der Gelassenheit
Gelobt sei der Rhythmus des alten Mannes:
Müsli am Morgen,
Salat am Mittag,
Suppe am Abend,
und dazwischen Sonne, Salz und Schweigen.
Denn wer so isst,
kann nicht völlig verloren sein.
Und die Gemeinde spricht:
„So sei es.“
IV. Lesung aus dem Buch der Schrulligen Freunde
Es wird gelesen aus dem heiligen Register der Weggefährten:
Mima, die Schnabbeli‑di‑Babbeli,
die den Ärger schmelzen lässt wie Butter in der Mittagssonne.
Maren unter Apfelblüten,
die beweist, dass Schönheit nicht laut sein muss.
Der Waldmeister,
der die Luft misst,
damit wenigstens einer weiß,
warum er schlecht gelaunt ist.
Nirguna, der Mathematikus,
der Logik liebt
und trotzdem Freunde hat.
Klaus, der Weltenbummler,
der mehr Länder gesehen hat
als der alte Mann Schuhe besitzt.
Der Sängerknabe,
der Bier und Ballaballa verehrt
wie andere Heilige.
Der Bruder im Hymer,
der bald aufbricht
und hoffentlich nicht vergisst,
wo er hingefahren ist.
Und die Gemeinde spricht:
„Wir kennen sie alle.“
V. Predigt über die Ärgernisse der Welt
Der alte Mann spricht:
„Liebe Gemeinde,
die Welt ist voller Ärgernisse.
Sie wachsen schneller als Unkraut
und sind hartnäckiger als Zecken.
Da sind die Politiker,
die reden,
bis selbst die Mikrofone müde werden.
Da sind die Priester,
die predigen,
als hätten sie die Wahrheit gepachtet
und würden sie in kleinen Dosen verkaufen.
Da sind die Gurus,
die Erleuchtung versprechen,
aber nicht mal ihre Steuererklärung verstehen.
Da sind die Schreihälse,
die brüllen,
weil sie sonst niemand hört.
Da sind die Kritiker,
die alles besser wissen,
außer wie man freundlich bleibt.
Und da sind die Faulenzer,
Nassauer,
Biertrinker,
Ballaballa‑Jünger,
die glauben,
das Leben sei ein Stammtisch.
Und ich sage euch:
Lasst sie.
Sie sind nicht euer Problem.
Sie sind Unterhaltung.“
Die Gemeinde lacht.
Das Meer rauscht zustimmend.
VI. Das Evangelium der Rosinante
Rosinante spricht –
oder der alte Mann stellt sich das vor:
„Steig auf mich,
wenn der Ärger kommt.
Ich trage dich davon.
Ich kenne den Weg.
Ich kenne alle Wege.“
Und der alte Mann antwortet:
„Amen, du alte Klapperkiste.“
VII. Das große Geheimnis
Der alte Mann hebt die Hände,
die Sonne glitzert auf seinen Fingern,
und er spricht:
„Das Leben ist zu kurz,
um sich über Idioten zu ärgern.
Und zu lang,
um es ohne Humor auszuhalten.“
Die Gemeinde murmelt:
„Weise Worte.“
VIII. Schlusssegen
Der alte Mann spricht:
„Geht nun hinaus in die Welt,
oder bleibt einfach hier am Strand.
Lasst die Menschen Menschen sein,
die Narren Narren,
die Schreihälse schreien
und die Biertrinker trinken.
Und wenn der Ärger kommt,
dann sagt zu ihm:
‚Setz dich hin, alter Freund.
Ich geh jetzt baden.‘
Der Segen des Meeres,
des Windes
und der heiligen Rosinante
sei mit euch.“
Die Gemeinde spricht:
„So sei es.“
Und der alte Mann geht ins Wasser.
Und der Ärger bleibt am Strand sitzen
und löst sich langsam auf.
Wenn du willst, Erhard,
kann ich daraus eine gesungene Litanei,
eine Strandmesse mit Dialogen,
oder eine Kabarettfassung machen.
--------------Fortsetzung folgt--------------->