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Das männliche Geschlecht ist nun auch ein Monster. (Volksverhetzung?) (Allgemein)

Pack, Wednesday, 18.03.2026, 10:54 (vor 2 Stunden, 4 Minuten)

Schon wieder so eine geisteskranke Valerie Solanas?
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Die Wut der Männer
Ein Monster, das Albträume wahr werden lässt

Autoritäre Politiker werden überproportional von Männern gewählt. Denn diese verkörpern, was sie selbst verloren haben: Wohlstand, Macht und Ansehen. Über die wahren Ursachen der neuen Lust an der Zerstörung.

Der Westen wird nicht von außen bedroht. Der Feind steht nicht vor den Toren. Stattdessen ist es eine Wut von innen, die uns befallen hat. Sie wächst und ist ansteckend und will das liberale, regelbasierte System beseitigen, das Europa und Nordamerika seit Ende des Zweiten Weltkriegs Frieden und beispiellosen Wohlstand beschert hat.

Dieser destruktive Zorn wird häufig mit einer ideologischen Bewegung verwechselt und als Rechtspopulismus bezeichnet. Doch das ist irreführend. Die Wut besitzt kein schlüssiges Programm. Sie bedient sich rechter wie linker Rhetorik, ist gegen alles und schafft Chaos, um damit den Ausnahmezustand zu rechtfertigen. Es handelt sich weniger um eine Weltanschauung als vielmehr um eine Art Raserei, eine außer Rand und Band geratene negative Energie.

Die Zufriedenen und Nicht-Wütenden, also die Hüter des Status quo, erklären die neuartige Lust an der Zerstörung gern für irrational und die Wütenden für dumm. Alles Idioten. Verblendete Rechtsradikale. Demokratiefeinde. Rassisten. Sexisten. Schwulenhasser. Verschwörungstheoretiker. Nazis. Oder um es mit Hillary Clinton auszudrücken: "Basket of Deplorables" – eine Horde unverbesserlich Bedauernswerter.

Doch diese Einstellung ist nicht nur überheblich, sondern auch gefährlich, denn damit lässt sich niemand zurückgewinnen. Wer für dumm erklärt wird, wird noch wütender und wendet sich erst recht ab. Konstruktiver ist es, nach den Ursachen der Entfremdung zu suchen, weil Klarsicht zumindest theoretisch die Möglichkeit eröffnet, zu retten, was noch zu retten ist.

Autoritäre Politik wird vor allem von Männern gewählt
Das auffallendste Merkmal der zersetzenden Kraft, die sich durch den Westen frisst, ist ihre männliche Prägung. Wütende, autoritäre Politik wird nicht nur überproportional von Männern betrieben, sondern auch überproportional von Männern gewählt.

Es stellt sich also die Frage: warum? Was hat er bloß, der moderne Mann? Was macht ihn so verrückt, dass er Politikern im Kreistag und in Landtagen, im Bundestag und im Weißen Haus den Vorschlaghammer in die Hand gibt, um das System zu zerstören?

Die Antwort besteht aus drei Verlusten und einem verhängnisvollen Zufall. Das junge Jahrhundert läuft so schlecht für den Mann im Westen, dass die Definition des schwachen Geschlechts überdacht werden muss. Außerdem müssen Frauen dringend lernen, bessere Gewinner zu werden.

Mannsein ist kein naturgegebener, sondern ein verdienter Status. Das, was Simone de Beauvoir für Frauen postuliert hat, gilt also genauso für Männer: Man wird nicht als Mann geboren, sondern zu einem gemacht. Die Übergangsriten mögen von Kultur zu Kultur verschieden sein, doch der Anthropologe David Gilmore hat Studien über Männlichkeit auf der ganzen Welt ausgewertet und festgestellt, dass es eine Bedingung gibt, die Jäger in der Wildnis genauso erfüllen müssen wie Arbeiter in der Großstadt: Um zum echten Mann zu werden, schreibt Gilmore, um von der Gemeinschaft als vollwertig anerkannt zu werden, muss das männliche Wesen Überschuss generieren. Ein Mann muss mehr produzieren, als er konsumiert, um damit andere zu versorgen.

Diese universale Bedingung zu erfüllen und die Rolle des Ernährers zu übernehmen, wird für Männer immer schwerer. Typische Männerjobs, die gut bezahlt und gewerkschaftlich abgesichert waren, sind millionenfach aus dem Westen verschwunden. Für eine zunehmende Zahl von jungen Männern ist es unmöglich, dem Beispiel ihrer Väter und Großväter zu folgen, die in ihrem Alter längst die Mittel besaßen, eine Familie zu gründen.

Die Zahl der abgehängten Männer wächst
Gleichzeitig haben Frauen einen sagenhaften Lauf hingelegt. Sie sind sozial mobiler als Männer, schließen besser in der Ausbildung ab und haben größere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Diese auseinanderklaffende Entwicklung führt dazu, dass eine zunehmende Zahl von Männern den gestiegenen weiblichen Ansprüchen nicht mehr gerecht wird. "Die Nachfrage nach männlichen Partnern ist aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung und der kulturellen Liberalisierung krass gefallen", warnt die britische Geschlechterforscherin Alice Evans.

Viele Männer sind dadurch das geworden, was die Forschung "double losers" nennt: Sie sind doppelte Verlierer, die weder Arbeit noch Partnerin finden. Die Zahl der abgehängten Männer, die ungewollt kinderlos bleiben, wächst überall im Westen. So haben etwa drei Viertel der ärmsten 5 Prozent norwegischer Männer keine Kinder. Unter den reichsten 5 Prozent ist es nur jeder Zehnte. In Deutschland ist die Selbstmordrate von jungen Männern mehr als viermal so hoch als die von jungen Frauen. Und in den USA hat sich die Zahl der "Deaths of Despair" (der Tod aus Verzweiflung), die auf Drogen, Alkohol oder Freitod zurückzuführen sind, unter Männern der Arbeiterschicht seit 1991 mehr als verdreifacht.

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Gleichzeitig hat das tonangebende progressive Lager das Interesse an Männern verloren. In den sogenannten Kulturkämpfen geht es nicht mehr um materielle, sondern um identitätspolitische Diskriminierung. Die Opfer, denen die Aufmerksamkeit gehört, sind gesellschaftliche Minderheiten. Gehört, gefördert und unterstützt werden benachteiligte Gruppen wie Frauen, Schwarze, Schwule und Transsexuelle. Weiße, heterosexuelle Männer gehören nicht dazu.

Der Schaden, den diese Identitätspolitik anrichtet, und die Wut, die sie entfacht, sind schwer zu überschätzen. Sich abrackernde, von der Globalisierung überforderte, unter sinkenden Löhnen leidende Männer werden nicht nur weitgehend ignoriert vom linken Lager. Das allein wäre folgenschwer genug. Sondern die Verluste reichen tiefer: Im Verlauf weniger Jahre sind sie von potenziellen Opfern wirtschaftlicher Ausbeutung zu potenziellen Tätern mutiert. Der moderne Fokus im Kampf gegen Ungerechtigkeit bedeutet, dass ein großer Teil der männlichen Bevölkerung als im Zweifel frauenfeindlich, rassistisch, homophob, nicht umweltbewusst, nicht achtsam und ungeschliffen wahrgenommen wird.

Es ist also eine dreifache Abwertung, die Männer erfahren haben: wirtschaftlich, politisch und kulturell. Sie haben Wohlstand verloren, Fürsprecher und Ansehen.

Was das im Hinblick auf die Wut, die sich daran entzündet, besonders verhängnisvoll macht, ist das Timing: Objektiv betrachtet haben Männer nämlich seit mehreren Generationen gelernt, Frauen (nicht gleichberechtigt und beileibe nicht perfekt, aber) besser zu behandeln als ihre Vorväter. Weibliche Selbstbestimmung war nie größer, männliche Dominanz nie geringer. Frauen vor dreißig, vierzig Jahren – erst recht vor einem Jahrhundert oder zwei – haben von Männern wie heute nur träumen können. Die Identitätspolitik erklärt "toxische Männlichkeit" also ausgerechnet in dem Moment zum Problem, in dem sich der westliche Mann weniger toxisch benimmt denn je.

Das bedeutet nicht, dass die Enthüllungen im Zuge von #MeToo nicht schockierend wären. Das sind sie. Doch #MeToo führt dazu, dass die Grenze verschwommen ist zwischen kriminellem Verhalten und Unanständigkeit. Beides rechtfertigt Rufmord. In weiten Kreisen ist es dadurch geradezu schick geworden, pauschal über Männer herzuziehen in einer Weise, die gegenüber Minderheiten unvorstellbar wäre.

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Was mit diesem Kanon der Dämonisierung angerichtet worden ist, wird von Tag zu Tag deutlicher. Die Arbeiter- und Unterschicht wenden sich enttäuscht von links ab und landen gemeinsam mit Teilen des entfremdeten Bürgertums bei den Rattenfängern der Wut. Als Wütende werden Männer über Klassengrenzen hinweg Verbündete.

So gesehen ist der westlichen Gesellschaft ein ähnlicher Fehler unterlaufen wie Dr. Frankenstein. Indem sie sich ablenken ließ von zunehmend unerträglicher Ungleichheit, hat sie mit der Identitätspolitik ein Monster ins Leben gerufen, das ihre schlimmsten Albträume wahr macht. Sie hat den in jeder Hinsicht toxischen Mann erschaffen, der derzeit die Weltordnung aus den Angeln hebt.

Der Text ist ein bearbeiteter Auszug aus dem Buch "Not am Mann. Die Erfindung toxischer Männlichkeit". Es erscheint am 18. März im Reclam Verlag und kostet 8 Euro.
https:/ /www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_101169230/toxische-maennlichkeit-woher-kommt-die-wut-der-maenner-.html


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