Die Vergessenen
Habe gerade den Film «Die Vergessenen> mit Julianne Moore in der Hauptrolle gesehen und bin im Wikipedia-Artikel auf folgende Kritik gestoßen (ich dachte erst, ich lese nicht recht!):
"Mutti ist immer die Beste": Auffallend ist der einseitig frauenverherrlichende Ansatz, die ständige Überhöhung des Motivs "Mutterliebe" sowie der Umstand, dass alle negativ besetzten Rollen ausschließlich von Männern gespielt werden müssen, wogegen hilfreiche Charaktere in dem Film stets weiblich sind. Einzig der mitbetroffene Ash Correll erfüllt (wie könnte es anders sein, natürlich erst nach entsprechender emotionaler Entwicklungshilfe durch eine Frau) seine Funktion als Alibi-Mann, um nicht allzu offensichtlich werden zu lassen, dass hier gesellschaftsfeindliche Klischees vertieft werden sollen: der Liebe des Ehemannes zum eigenen Kind wird eine hinreichende Kraft abgesprochen, so dass er sich letztlich dem Drang zum Vergessen nicht widersetzen kann. Zum Glück ist Frau Telly von Natur aus mit höherwertigeren Gefühlen und einer erhabenen moralischen Kompetenz ausgestattet, rettet ihren Sohn, das Universum und eine ahnungslose Männerwelt dazu. Erstaunlich, was dem Zuschauer zugemutet wird, sobald die Zielgruppe erst einmal ausgemacht ist.
Diese Kritik soll angeblich von «Sniping Media> stammen, wer oder was immer das ist (eine Google-Recherche blieb erfolglos). Aber ein bisschen trifft die Kritik tatsächlich zu, finde ich. Hätte eigentlich nur noch gefehlt, dass Jodie Foster die Hauptrolle spielte!
Bei «Jodie Foster> fällt mir gleich ein, dass Arne Hoffmann mal den Film «Panic Room> ähnlich beschrieben hat, was die Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern betrifft:
«An und für sich hat mir der Film gut gefallen. Nur richtet er
sich bei der Zuweisung der Geschlechterollen ganz nach dem aufgezeigten
Schema: Die beiden Frauen, Mutter und Tochter, sind Opfer und Heldinnen
zugleich und müssen sich gegen drei gewalttätige männliche Einbrecher
durchsetzen. Selbst die wenigern anderen männlichen Nebenfiguren sind
entweder unsympathisch (ein Makler) oder, um mit Young und Nathanson zu
sprechen, unzureichend: Der Nachbar versteht die per Taschenlampe gemorsten
SOS-Signale nicht, zwei Polizeibeamte sind auch keine Hilfe und der per
Handy um Hilfe gerufene Ehemann der von Jodie Foster gespielten Heldin tritt
auch nicht mehr wie vielleicht noch im Kino vor fünfzig Jahren als Retter
auf. Stattdessen steht er nachts um drei in der Haustür, fragt den Herrn mit
der Strumpfmaske über dem Kopf, was denn hier gerade vorgehe, und lässt sich
von diesem übel zusammenschlagen, um den Rest des Films über mehr oder
weniger impotent in einem Stuhl herumzusitzen. Währenddessen setzen sich
Frau und Tochter ebenso mutig wie einfallsreich zur Wehr. Das sind die
Geschlechterklischees, die heutzutage Leinwand und Bildschirm beherrschen,
so wie es in den fünfziger Jahren im anderen Extrem der Fall war.>