Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Doppelstandards der Gleichstellung

Gismatis, Basel, Saturday, 26.03.2011, 16:27 (vor 5411 Tagen) @ Gobelin

Der Artikel ist gut, beginnt allerdings mit einer merkwürdigen Argumentation:

«Am 1. März hat der Europäische Gerichtshof beschlossen, dass Frauen auf ihre Ersparnisse höhere Zinsen als Männern zu gewähren seien. (…) Zunächst das Urteil des EuGH. Es lautet natürlich nicht, dass Frauen höhere Zinsen zu gewähren sind als Männern. Es bewirkt nur eben dies, indem es im Zeichen der Geschlechtergleichheit reguliert, dass die im Schnitt gut fünf Jahre länger lebenden Frauen die gleichen Prämien für ihre Lebensversicherungen zahlen sollen wie Männer, obwohl sie aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung eine als Monatszahlung vereinbarte Rente eben fünf Jahre länger beziehen.>

Eine Frau, die mit 80 Jahren stirbt, bekommt nicht mehr ausbezahlt als ein Mann, der mit 80 Jahren stirbt. Das Problem liegt in zwei völlig verschiedenen Betrachtungsebenen: der individuellen und der kollektiven. Bei der individuellen zählt nur die einzelne Person, bei der kollektiven eine nach beliebigen Kriterien definierte Gruppe mit ihren statistischen Werten. Bei der individuellen Betrachtung bekommen Männer und Frauen gleich viel Rente, bei der kollektiven Betrachtung bekommen Frauen mehr. Die beiden Betrachtungsweisen lassen sich kaum miteinander in Einklang bringen. Das Problem, das der Artikel behandelt, ist, dass zwischen den beiden Ebenen beliebig hin- und hergewechselt wird, je nachdem, ob es Frauen nützt. Man muss sich aber entscheiden. Das gilt auch für Männerrechtlicher.

Was mich betrifft, so bin ich für eine durchgehende Berücksichtigung ausschließlich des Individuums. Das bedeutet Gleichberechtigung. Auf der kollektiven Betrachtungsebene basiert die Gleichstellung.

Leider lässt sich das Prinzip der Gleichberechtigung nicht auf Versicherungen übertragen, wenn Prämien weiterhin nach Risiken berechnet werden sollen. Einheitsprämien sind nur bei obligatorischen Versicherungen möglich, und auch diese benachteiligen auf eine Art die guten Risiken gegenüber den schlechten. Wie es eine Versicherung auch macht, von irgendeinem Standpunkt aus ist es ungerecht.

Gismatis

--
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