Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Doppelstandards der Gleichstellung

Gobelin, Saturday, 26.03.2011, 09:06 (vor 5411 Tagen)

25. März 2011 2011-03-25 22:12:05
Rechtzeitig zum Weltfrauentag machte die soeben mit dem Berliner Frauenpreis ausgezeichnete Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Jutta Allmendinger, im Mitteilungsblatt ihres Hauses darauf aufmerksam, dass der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des Deutschen Bundestags ausschließlich männliche Wissenschaftler angehören. In ihrem Geleitwort der Anfang März erschienenen WZB-Mitteilungen geißelt die Präsidentin unter dem Titel „Das Geschlecht der Expertise“ diesen Tatbestand als politische Peinlichkeit.

Die Zusammensetzung der von einer Frau geleiteten Kommission ist in der Tat merkwürdig und lässt mancherlei Zweifel hinsichtlich der Orientierung an universalistischen Kriterien aufkommen. Noch bemerkenswerter ist in Bezug auf Geschlechterungleichheit aber ein anderer Vorfall. Am 1. März hat der Europäische Gerichtshof beschlossen, dass Frauen auf ihre Ersparnisse höhere Zinsen als Männern zu gewähren seien...

http://www.faz.net/s/RubC3FFBF288EDC421F93E22EFA74003C4D/Doc~E39BC0FED6D4A4EB38617CB11863E947F~ATpl~Ecommon~Scontent....

Doppelstandards der Gleichstellung

Oliver, Saturday, 26.03.2011, 10:23 (vor 5411 Tagen) @ Gobelin

.....offenbart, dass man es entweder mit der Logik oder mit der Fairness nicht so genau nimmt. Zumindest sollten diejenigen, die das Geschlecht auch weiterhin als eine zentrale Dimension sozialer Ungleichheit darstellen wollen, allmählich auch die Ungleichheiten zu Ungunsten von Männern zur Kenntnis nehmen. Die Männer wären gut beraten, wenn sie den Universalismus als Wert weiterhin hochhielten, überdies aber eine Sensibilität für die Verwendung von Doppelstandards erkennen ließen und der mit harten Bandagen und doppelten Standards aufwartenden Interessenverfolgung engagierter entgegenträten.

Auf den Punkt gebracht, super Jens Alber (Soziologe und Forschungsdirektor am Wissenschaftszentrum Berlin)!

--

Liebe Grüße
Oliver


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Doppelstandards der Gleichstellung

Prometheus, Luxemburg, Saturday, 26.03.2011, 12:09 (vor 5411 Tagen) @ Gobelin

Ein sehr guter Artikel!

Entweder man argumentiert wie die Generalanwältin Juliane Kokott vor dem Europäischen Gerichtshof und erklärt beobachtbare Unterschiede zwischen den Geschlechtern als Scheinkorrelationen, denen ganz andere Dinge wie unterschiedliche Lebensstile oder andersartige individuelle Präferenzen zugrunde liegen. Dann kann man aber auch nicht mit der Forderung nach Frauenquoten aufwarten, die Gender zur zentralen Dimension sozialer Ungleichheit erklärt, die es immer und überall im Sinne der Herstellung einer Gleichverteilung zu berücksichtigen und zu eliminieren gilt.

Allerdings müssen wir uns jetzt auch einmal entscheiden. Sind eine kürzere Lebenserwartung und mehr Berufsunfalltote das Ergebnis von Diskriminierung oder von persönlichen Entscheidungen? Auch wir fahren in unseren Argumentationen auch öfters zweispurig, je nachdem, was uns gerade am meisten nützt

Doppelstandards der Gleichstellung

Logan, Saturday, 26.03.2011, 15:26 (vor 5411 Tagen) @ Prometheus

Allerdings müssen wir uns jetzt auch einmal entscheiden. Sind eine
kürzere Lebenserwartung und mehr Berufsunfalltote das Ergebnis von
Diskriminierung oder von persönlichen Entscheidungen? Auch wir fahren in
unseren Argumentationen auch öfters zweispurig, je nachdem, was uns gerade
am meisten nützt

Ich würde meinen, dass hier beide Faktoren eine Rolle spielen. Um mal das Beispiel Lebenserwartung hervorzugreifen:
Ich denke, auch in einer völlig gleichberechtigten Gesellschaft würden Männer die gefährlicheren/stressigeren, aber auch besser bezahlten Jobs ergreifen, was sich auf ihre Lebenserwartung niederschlagen würde.
Dennoch ist es in der heutigen Gesellschaft eine Tatsache, dass der Männergesundheit eine viel geringere Rolle als der Frauengesundheit beigemessen wird

Doppelstandards der Gleichstellung

Gismatis, Basel, Saturday, 26.03.2011, 16:27 (vor 5411 Tagen) @ Gobelin

Der Artikel ist gut, beginnt allerdings mit einer merkwürdigen Argumentation:

«Am 1. März hat der Europäische Gerichtshof beschlossen, dass Frauen auf ihre Ersparnisse höhere Zinsen als Männern zu gewähren seien. (…) Zunächst das Urteil des EuGH. Es lautet natürlich nicht, dass Frauen höhere Zinsen zu gewähren sind als Männern. Es bewirkt nur eben dies, indem es im Zeichen der Geschlechtergleichheit reguliert, dass die im Schnitt gut fünf Jahre länger lebenden Frauen die gleichen Prämien für ihre Lebensversicherungen zahlen sollen wie Männer, obwohl sie aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung eine als Monatszahlung vereinbarte Rente eben fünf Jahre länger beziehen.>

Eine Frau, die mit 80 Jahren stirbt, bekommt nicht mehr ausbezahlt als ein Mann, der mit 80 Jahren stirbt. Das Problem liegt in zwei völlig verschiedenen Betrachtungsebenen: der individuellen und der kollektiven. Bei der individuellen zählt nur die einzelne Person, bei der kollektiven eine nach beliebigen Kriterien definierte Gruppe mit ihren statistischen Werten. Bei der individuellen Betrachtung bekommen Männer und Frauen gleich viel Rente, bei der kollektiven Betrachtung bekommen Frauen mehr. Die beiden Betrachtungsweisen lassen sich kaum miteinander in Einklang bringen. Das Problem, das der Artikel behandelt, ist, dass zwischen den beiden Ebenen beliebig hin- und hergewechselt wird, je nachdem, ob es Frauen nützt. Man muss sich aber entscheiden. Das gilt auch für Männerrechtlicher.

Was mich betrifft, so bin ich für eine durchgehende Berücksichtigung ausschließlich des Individuums. Das bedeutet Gleichberechtigung. Auf der kollektiven Betrachtungsebene basiert die Gleichstellung.

Leider lässt sich das Prinzip der Gleichberechtigung nicht auf Versicherungen übertragen, wenn Prämien weiterhin nach Risiken berechnet werden sollen. Einheitsprämien sind nur bei obligatorischen Versicherungen möglich, und auch diese benachteiligen auf eine Art die guten Risiken gegenüber den schlechten. Wie es eine Versicherung auch macht, von irgendeinem Standpunkt aus ist es ungerecht.

Gismatis

--
www.subitas.ch

Kein Problem

Mus Lim ⌂, Saturday, 26.03.2011, 21:56 (vor 5411 Tagen) @ Gismatis

Eine Frau, die mit 80 Jahren stirbt, bekommt nicht mehr ausbezahlt als ein Mann, der mit 80 Jahren stirbt. Das Problem liegt in zwei völlig verschiedenen Betrachtungsebenen: der individuellen und der kollektiven.
Das Problem, das der Artikel behandelt, ist, dass zwischen den beiden Ebenen beliebig hin- und hergewechselt wird, je nachdem, ob es Frauen nützt. Man muss sich aber entscheiden.

Das Problem, das Sie sehen wollen, existiert nicht, weil Lebensversicherungen (wie Versicherungen allgmein) kollektiv und nicht individuell kalkuliert werden

--
Mach mit! http://wikimannia.org
Im Aufbau: http://en.wikimannia.org

Doppelstandards der Gier

DvB, Monday, 28.03.2011, 19:36 (vor 5409 Tagen) @ Gismatis

Das Problem, das der Artikel behandelt, ist, dass zwischen
den beiden Ebenen beliebig hin- und hergewechselt wird, je
nachdem, ob es Frauen nützt. Man muss sich aber entscheiden.

Was mich betrifft, so bin ich für eine durchgehende Berücksichtigung
ausschließlich des Individuums.

Dann wende Dich doch mit Deinem debilen Berechtigungs-Ansinnen an ein individualizistisches Individuum statt eine Versicherung und wechsle nicht, wies Dir in den schmierigen Kram paßt, zwischen den Betrachtungsebenen hin und her

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Doppelstandards der Gier

Oliver, Monday, 28.03.2011, 19:44 (vor 5409 Tagen) @ DvB

und wechsle nicht,
wies Dir in den schmierigen Kram paßt, zwischen den Betrachtungsebenen hin
und her

Jede FrauInnenBeauftragte beherrscht dieses Verwirrspiel VORTREFFLICH!
"ich kenne da ein weibliches Opferlämmchen, das....."
;-)

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Liebe Grüße
Oliver


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Doppelstandards der Gier

DvB, Monday, 28.03.2011, 21:20 (vor 5409 Tagen) @ Oliver

Jede FrauInnenBeauftragte beherrscht dieses Verwirrspiel VORTREFFLICH!
"ich kenne da ein weibliches Opferlämmchen, das....."
;-)

Tchjaja, 'männlich' würde ich die OpferlämmIn Gismatis auch nicht gerade nennen. :P

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