Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Diskriminierung ist immer Kollektiv

Karko, Wednesday, 09.03.2011, 15:23 (vor 5427 Tagen)

Was für ein Idiot.
http://diestandard.at/1297819175222/Quote-Diskriminierung-ist-immer-kollektiv

Hier der Text:
Diskriminierung ist immer kollektiv
28. Februar 2011, 18:16
Jens Kastner ist Soziologe und Kunsthistoriker und lehrt an der Akademie der bildenden Künste Wien.
Replik auf Georg Schidlhammers Kritik an der "Quotenpflicht"
In seinem Kommentar "Platon meets Gender-Mainstreaming" (Standard ,18. 2 .) stellte Georg Schildhammer Frauenförderung als moralisch illegitim dar. Argumentiert wird, bei gleicher Qualifikation sei die Bevorzugung der Frau dem einzelnen Mann gegenüber ungerecht und daher nicht zu vertreten. Schildhammer geht dabei jedoch wie die meisten Gegner von Quoten- und anderen Ausgleichsregelungen von falschen Prämissen aus. Denn:

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Diskriminiert werden wir nicht als konkrete Individuen, sondern als Teil einer sozialen Gruppe. Solche Gruppen sind immer auch "vorgestellte Gemeinschaften". Man muss sich weder persönlich kennen noch gemeinsam um ein Lagerfeuer sitzen, um dazuzugehören. Man identifiziert sich und/oder wird identifiziert. Dass Frauen in den gleichen Jobs immer noch ein Drittel weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, liegt nicht daran, dass es dreißig Prozent individuell böse Entscheidungen gibt und auch nicht an einem Drittel frauenfeindlicher Chefs. Es ist auf soziale Strukturen zurückzuführen, die bestimmte Gruppen, hier eben Frauen, tendenziell benachteiligen und andere begünstigen. Denn die sozialen Gruppen stehen immer in historisch gewachsenen, von Macht durchzogenen, hierarchischen Beziehungen zueinander.

Sicherlich gibt es weder "die Frauen" noch "die Männer", "die Schwarzen" noch "die Weißen". Die Unterschiede innerhalb einer solchen Kategorie sind häufig größer als die Gemeinsamkeiten. Identitäten bestehen, wie der Cultural-Studies-Theoretiker Stuart Hall bemerkte, aus Ähnlichkeiten und Differenzen. Aber Identitäten lassen sich nicht beliebig wechseln. Sie sind zwar imaginär, vorgestellt, aber dennoch äußerst wirksam. Sie basieren auf machtvollen Zuschreibungen. Mitglieder sozialhierarchisch untergeordneter Gruppen können sich, weil ihnen die gesellschaftlich legitimierte Macht fehlt, dieser Zuordnung nur schwer erwehren: Die Transgender-Person wird von Mitgliedern der Dominanzgesellschaft als "anders" eingeordnet und aufgrund dieser Einordnung tendenziell benachteiligt, da kann sie noch so sehr betonen, wie österreichisch, erfolgreich, männlich, angepasst etc. sie ist. Der Taxifahrer wirft die schwarze Sängerin zwar ad personam, aber nicht als Individuum aus seinem Wagen. Sondern als Schwarze, so wie der Nazi-Schläger sein Opfer als Schwarze/n und nicht als Individuum verprügelt. Die "Black Panther Party" hieß deshalb mit vollem Namen "for Self-Defense".

Peter und Sabine, die von Schildhammer konstruierten gleich gut qualifizierten Bewerber auf eine Stelle, sind eben niemals "in der gleichen passiven Situation." Auch wenn es die Frauen nicht gibt, werden Menschen als Frauen wahrgenommen, eingeordnet, klassifiziert. In den von Männern dominierten Chefetagen hat das einen strukturellen Rückstand zur Folge. Dieser kann, auch das ist klar, individuell durchaus auf anderen Ebenen ausgeglichen werden. Leistung kann eine solche Ebene sein, soziale Herkunft noch viel mehr. Männern hingegen wird in dieser Situation das zuteil, was der Soziologe Robert W. Connell als "patriarchale Dividende" bezeichnet hat: Die Teilhabe an der Gewinnausschüttung historisch durchgesetzter Vorteile dank Zugehörigkeit. Es gibt keine gleichen Ausgangspositionen. Chancengleichheit ist nicht vorhanden, sondern vielmehr erst das Ziel emanzipatorischer Politik.

Mittlerweile machen in Österreich mehr Frauen als Männer einen Uni-Abschluss. Im Wissenschaftsbetrieb gilt aber dennoch, was fast für alle Berufsgruppen Gültigkeit hat: Je höher die Hierarchiestufe, desto geringer der Frauenanteil. Bei den Professuren liegt er weit unter 20 Prozent. In diesem Prozentsatz ist die Geschichte von (zunächst) Ausschluss und (später) Benachteiligung abgelagert. Um diesen Prozentsatz zu erhöhen, müssen soziale Kämpfe geführt werden. Diese Kämpfe um Gleichberechtigung können sich auch in systematischen Maßnahmen niederschlagen, beispielsweise in Quoten und Gender Mainstreaming.

Bei Fragen wie der, ob Frauen an der Uni bei gleicher Qualifikation zu bevorzugen sind, Arbeiterkinder in der Schule zu fördern und Menschen mit Migrationshintergrund bei ihrer Karriere zu unterstützen sind, geht es nicht um isolierte Einzelschicksale (Peter vs. Sabine). Es handelt sich um politische Entscheidungen. Es geht wie bei jeder affirmative action um Ausgleichsmaßnahmen für strukturell Benachteiligte. Strukturen zu leugnen, reproduziert sie nur. (Jens Kastner, DER STANDARD/Printausgabe 1.3.2011)

Ist die Antwort auf Platon meets Gender Mainstreaming

Karko, Wednesday, 09.03.2011, 15:26 (vor 5427 Tagen) @ Karko

Menschen auf Qualifikation reduzieren? Totalitarismus!

Borat Sagdijev, Wednesday, 09.03.2011, 17:23 (vor 5427 Tagen) @ Karko

Ich gebe Jens Kastner mal ein paar Sachen zu bedenken:

Der Mensch besteht nicht nur aus Qualifikation.
Es muss jedem Mensch erlaubt sein andere Menschen auf seine Weise einzuschätzen, sonst könnte es ja gleich eine Pflicht geben Glatzköpfe als Kinderschänder einzuschätzen.

Es ist totalitär Menschen nur auf die Qualifikation zu reduzieren und damit anderen Menschen deren Einschätzung vorzuschreiben.
Die Qualifikation ist ein Hilfsmittel zur Einschätzung, oder soll dem Auswählenden/Einschätzenden die Freiheit eigener Beurteilung abgesprochen werden?

--
Afrika hat Korruption?
Deutschland ist besser, es hat Genderforschung und bald eine gesetzlich garantierte Frauenquote.

Diskriminierung ist immer Kollektiv

Holger, Wednesday, 09.03.2011, 20:42 (vor 5427 Tagen) @ Karko
bearbeitet von Holger, Wednesday, 09.03.2011, 20:47

"Diskriminiert werden wir nicht als konkrete Individuen, sondern als Teil einer sozialen Gruppe."

Dieser Satz ist absichtsvoll falsch und und genau darin liegt der Hund begraben!

Gerade hat der Maskunaut etwas Fundamentales dazu gesagt:
http://maskunaut.blogspot.com/2011/02/volle-diskriminierung-voraus-quoten-und.html#more
(Ich zitiere ihn jetzt mehrfach, immer wenn Schrägschrift erscheint.)

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz beinhaltet sogenannte "positive Maßnahmen". Hierzu zählen allgemein jede Form von Fördermaßnahmen und Begünstigungen zur Beseitigung von Diskriminierung, auch Quoten gehören dazu. Demgemäß ist laut Gesetz eine gezielte Diskriminierung einer Gruppe zulässig, wenn dies zur Beseitigung von Benachteiligungen einer anderen Gruppe führt. Die Frage aber, ob bestimmte Gruppen benachteiligt sind oder nicht, wird im Wesentlichen durch einen gesellschaftlichen Konsens bestimmt. Die Gesellschaft scheint sich einig darüber, dass Frauen und nicht Männer benachteiligt sind. Daraus leitet sie ab, dass es ausschließlich Frauen sein sollen, die in den Genuss von Fördermaßnahmen kommen sollen. Dass man sich über etwas einig ist, bedeutet allerdings noch lange nicht, dass dieser Konsens auch die Wirklichkeit abbildet. Man mag mir diesen harten Vergleich nachsehen, aber zur Zeit der Rassendiskriminierung war es ebenso gesellschaftlicher Konsens, dass die Diskriminierung von Schwarzen ihre Richtigkeit habe. Wäre dem nicht so gewesen, hätte die Rassendiskriminierung nicht funktioniert.

Ich darf an die perversteste Form der 'Gruppendiskriminierung als gesellschaftlichem Konsens' erinnern: Juden im Nationalsozialismus.
Sicherlich hätten die Ermordeten großes Verständnis für die These unseres Pudels, daß man sie so gar nicht als Individuen, sondern nur als 'Gruppe' umgebracht hat. Kann man halt nichts machen, Oh Sorry. Ist ja erlaubt.

Vollkommen folgerichtig führt der Maskunaut weiter aus:

Der gesellschaftliche Konsens kann demzufolge zur Grundlage und zum Werkzeug von Diskriminierung werden. Aus diesem Grunde wurden einst Antidiskriminierungsgesetze geschaffen, die unmissverständlich jedwede Diskriminierung auf Grund des Geschlechts, der Ethnie, der Hautfarbe, der sexuellen Orientierung usw. verbieten. Das Wesentliche an diesen Gesetzen ist, dass sie durch die Klarheit und Kompromisslosigkeit ihrer Formulierungen die Deutungshoheit darüber, was Diskriminierung ist, allein dem Staat respektive seiner Verfassung unterstellen. Die Definitionen sind somit derart festgegossen und unverrückbar, dass der gesellschaftliche Diskurs keinen Einfluss mehr darauf hat, wer als benachteiligt, privilegiert, über- oder untergeordnet anzusehen ist. Damit wurde der Diskriminierung ein wichtiger Treibstoff entzogen.

Ein ebenfalls bedeutender Aspekt liegt in der Loslösung des Diskriminierungsbegriffes vom Kollektiv. Hier leiden nicht die Schwarzen, die Migranten oder die Homosexuellen als jeweilige Gruppe unter Diskriminierung, sondern ein Einzelner wird als Individuum aufgrund seiner Hautfarbe, seiner Ethnie oder seiner Sexualität diskriminiert. ( was das Pudelchen ja in seinen Beispielen bestätigt) Dies trägt dem Umstand Rechnung, dass Diskriminierung in sozialen Kontexten stattfindet und den einen Vertreter einer Gruppe betreffen können und den anderen nicht.

DAS ist der springende Punkt: Lösung des Diskriminierungsbegriffes vom Kollektiv und genau das ist es, was eine freiheitliche Rechtsordnung von der kommunistisch- kollektivistischen unterscheidet!
Das unterschlägt das Pudelchen natürlich: er IST Kollektivist und beweist gleichzeitig die Kongruenz von feministischer und kommunistischer Ideologie.

Jedoch ist es den feministischen Ideologen gelungen, die glasklaren Bestimmungen des Gesetzes auszuhebeln. Es ist eine Katastrophe für diese Rechtsordnung, jene 'positiven Maßnahmen' per Gesetz zu implementieren:

Ein allgemeines Gleichbehandlungsgebot, welches auf jeden in derselben Weise anzuwenden ist und keine Abweichungen oder Ausnahmen zulässt, sorgte bisher dafür, dass das Recht eines jeden einzelnen gewahrt blieb, unabhängig von der öffentlichen Meinung. Da nun in Gestalt "positiver Maßnahmen" Ausnahmen gelten, verliert das Gleichbehandlungsgebot plötzlich seine Allgemeingültigkeit und es ist wieder die Gesellschaft, die darüber entscheidet, wer bevorzugt werden soll und wer nicht. Um es in aller Klarheit zu sagen: hätte es "positive Maßnahmen" bereits zu Zeiten der Rassendiskriminierung gegeben, so wären sie ein mächtiges Instrument gewesen, um Schwarze noch umfassender zu diskriminieren und zu verfolgen. Der gesellschaftliche Konsens hätte entschieden, dass Weiße die Opfer der Schwarzen wären und demzufolge die Weißen in den Genuss "positiver Maßnahmen" zu gelangen hätten. Denn dies entsprach in der Tat der damaligen, weißen Weltsicht.
Quoten und andere "positive Maßnahmen" versuchen, Diskriminierung durch gezielte, umgekehrte Diskriminierung zu kompensieren. Das Diskriminierungsverbot, das der Staat sich selbst und seinen Bürgern auferlegt, wird hierdurch in sich selbst aufgebrochen und zum Gegenteil verkehrt. Aus einem Instrument gegen Diskriminierung wird eines, das Diskriminierung erzeugt. Der große Irrtum, der hier begangen wird, liegt in der Annahme, der Staat werde ein solches Werkzeug nur in besonnener und wohldosierter Weise anwenden, der Staat wisse schon was er tue und komme seiner Pflicht zur Sorgfalt nach. Der Staat ist hierzu aber überhaupt nicht in der Lage, er kann dieses Instrument nicht kontrollieren. Dies, so haben wir gesehen, erledigt nämlich der gesellschaftliche Konsens, er bestimmt über die Profiteure und die Opfer solcher Maßnahmen. Die Profiteure sind schnell ausgemacht. Es sind schlicht und ergreifend all die Gruppierungen, welche es am geschicktesten verstehen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Kurzum sind es jene, die ihre Benachteiligung am glaubwürdigsten und am lautstärksten verkaufen können, ganz gleich ob sie wirklich benachteiligt sind oder nicht.

Dem ist nichts hinzuzufügen.
Demnächst (wie bereits in Berlin) ist die Immigrantenquote angesagt, die der Schwulen und Lesben und sowieso schon die der irrsinnigen Politos, die haben sie sich in den Aufsichtsräten gerade selbst spendiert.

Es lohnt nicht, auf die 'Nachweise' der strukturellen Diskriminierung von Frauen im Pamphlet des Bekloppten weiter einzugehen, das ist schon tausendfach geschehen.
Nach derart radikaler Perversion der Rechtsordnung müßte jedem klar sein, was allenfalls Abhilfe schaffen kann

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