Umfrage-Desaster beim Focus
Focus Leser, Friday, 04.02.2011, 20:54 (vor 5460 Tagen)
Da will ein Möchtegern-Qualitätsmedium Stimmung machen und verbreitet:
„Deutsche wollen mehr Frauen in Führungsetagen“
Eine Forsa-Umfrage fürs Handelsblatt hätte dies ergeben und sowieso, Bla-Bla-Bla, Piep-Piep und so fort.
Fatal: Kaum einer der Kommentatoren will das glauben; und - schaut man beim Handelsblatt (bestimmt noch 100 mal seriöser als der Focus! mindestens!) nach – das gleiche Dilemma. Die doofen Kommentatoren glauben es einfach nicht.
Ich schaue auf den Kalender und vergewissere mich: Die ZK-Abteilung für Agitation und Propaganda gibt es seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr. Über Kurt Hager, Heinz Geggel und Joachim Herrmann ist längst die Geschichte hinweggegangen. Aber Frauen können ja bekanntlich alles besser ...
Hier
und
Hier
Gegen das Desaster ...
Chato, Friday, 04.02.2011, 21:23 (vor 5460 Tagen) @ Focus Leser
... werden wahrscheinlich demnächst freie oder hauseigene Auftragskommentatoren eingestellt. Das schafft Arbeitsplätze. Und der Bürger bekommt eine Abgabe mitgeteilt, mit der er das Ganze finanziert. Dafür ist dann die veröffentlichte und die öffentliche Meinung wieder homogener und einheitlicher, und das dient dem inneren Frieden in unserer Demokratie. Auch Politiker brauchen Erfolgserlebnisse, und es ist unmenschlich, sie dauernd abzuwatschen. Unser Land braucht jetzt vor allem eines: mehr Menschlichkeit!
In der DDR haben sie zum Beispiel die Volkskammerwahlen immer von staatlichen Stellen durchführen lassen, was sehr zur Stabilität der politischen Verhältnisse beigetragen hat. Schließlich gibt es die DDR heute immer noch.
![[image]](http://s20.rimg.info/ed1ade37daf14887f6f42aa0c5446e56.gif)
Nick
--
___________________________________________________
Wenn wir Toren wüßten, daß wir welche sind, wären wir keine.
Deine Vorhersagen sind eingetroffen
Zeitgenosse, Friday, 04.02.2011, 22:11 (vor 5459 Tagen) @ Chato
Nick, Du sagst doch immer, den Leuten wird solange gesagt, was sie wollen sollen, bis das dann auch wirklich wollen wollen und es gar noch für ihren freien Willen halten.
Es ist soweit.
Gruß
Zeitgenosse
Die Demokratie hat das Buch aus dem Geistesleben der Volksmassen vollständig durch die Zeitung verdrängt. Die Bücherwelt mit ihrem Reichtum an Gesichtspunkten, die das Denken zur Auswahl und Kritik nötigte, ist nur noch für enge Kreise ein wirklicher Besitz. Das Volk liest die eine, "seine" Zeitung, die in Millionen Exemplaren täglich in alle Häuser dringt, die Geister vom frühen Morgen an in ihren Bahn zieht, durch ihre Anlage die Bücher in Vergessenheit bringt, und, wenn eins oder das andre doch einmal in den Gesichtskreis tritt, seine Wirkung durch eine vorweggenommene Kritik ausschaltet.
(Spengler)
Und an anderer Stelle:
Heute leben wir so widerstandslos unter der Wirkung dieser geistigen Artillerie, daß kaum jemand den inneren Abstand gewinnt, um sich das Ungeheuerliche dieses Schauspiels klarzumachen. Der Wille zur Macht in rein demokratischer Verkleidung hat sein Meisterstück darin vollendet, daß dem Freiheitsgefühl der Objekte mit der vollkommensten Knechtung, die es je gegeben hat, sogar noch geschmeichelt wird. Der liberale Bürgersinn ist stolz auf die Abschaffung der Zensur, der letzten Schranke, während der Diktator der Presse die Sklavenschar seiner Leser unter der Peitsche seiner Leitartikel, Telegramme und Illustrationen hält. (...) Was ist Wahrheit? Für die Menge das, was man ständig liest und hört. Mag ein armer Tropf irgendwo sitzen und Gründe sammeln, um 'die Wahrheit' festzustellen - es bleibt seine Wahrheit. Die andere, die öffentliche des Augenblickes, auf die es in der Tatsachenwelt der Wirkungen und Erfolge allein ankommt, ist heute ein Produkt der Presse. Was sie will, ist wahr. Ihre Befehlshaber erzeugen, verwandeln, vertauschen Wahrheit. Drei Wochen Pressearbeit, und alle Welt hat die Wahrheit erkannt. Ihre Gründe sind solange unwiderleglich, solange Geld vorhanden ist, um sie zu wiederholen. (...) Ihre Gründe sind widerlegt, sobald die größere Geldmacht sich bei den Gegengründen befindet und sie noch häufiger vor aller Ohren und Augen bringt. Im demselben Augenblick dreht sich die Magnetnadel der öffentlichen Meinung nach dem stärksten Pol. (...) Man ist plötzlich aus einem Irrtum erwacht. (...) Dem Idealisten der frühen Demokratie erschien sie [die Pressefreiheit, P.H.] als Aufklärung ohne Hintergedanken, und heute gibt es hier und da Schwachköpfe, die sich am Gedanken der Pressefreiheit begeistern, aber gerade damit haben die kommenden Cäsaren der Weltpresse freie Bahn. Wer lesen gelernt hat, verfällt ihrer Macht, und aus der ertäumten Selbstbestimmung wird die späte Demokratie zu einem radikalen Bestimmtwerden der Völker...
Man bekämpft sich heute, indem man sich die Waffen entreißt. In den naiven Anfängen der Zeitungsmacht wurde sie durch Zensurverbote geschädigt, mit denen die Vertreter der Tradition sich wehrten, und das Bürgertum schrie auf, die Freiheit des Geistes sei in Gefahr. Jetzt zieht die Menge ruhig ihres Weges; sie hat diese Freiheit endgültig erobert, aber im Hintergrunde bekämpfen sich ungesehen neue Mächte, indem sie die Presse kaufen. (...) Eine furchtbarere Satire auf die Gedankenfreiheit gibt es nicht. Einst durfte man nicht wagen, frei zu denken; jetzt darf man es, aber man kann es nicht mehr. Man will nur noch denken, was man wollen soll, und eben das empfindet man als seine Freiheit.
Und die andere Seite dieser späten Freiheit: es ist jedem erlaubt, zu sagen, was er will; aber es steht der Presse frei, davon Kenntnis zu nehmen oder nicht. Sie kann jede 'Wahrheit' zu Tode verurteilen, indem sie ihre Vermittlung an die Welt nicht übernimmt, eine furchtbare Zensur des Schweigens, die um so allmächtiger ist, als die Sklavenmasse der Zeitungsleser ihr Vorhandensein gar nicht bemerkt.(...) An Stelle der Scheiterhaufen tritt das große Schweigen. (...) Man sucht durch Geld Leserscharen und ganze Völker der feindlichen Hörigkeit zu entreißen und unter eigene Gedankenzucht zu bringen. (...) Man braucht nicht mehr, wie die Fürsten des Barock, die Untertanen zum Waffendienst zu verpflichten. Man peitscht ihre Gedanken auf, durch Artikel, Telegramme, Bilder bis sie Waffen fordern und ihre Führer zu einem Kampfe zwingen, zu dem sie gezwungen werden wollten. Das ist das Ende der Demokratie.
Das ist ein Menschenalter her
Chato, Saturday, 05.02.2011, 07:08 (vor 5459 Tagen) @ Zeitgenosse
Nick, Du sagst doch immer, den Leuten wird solange gesagt, was sie wollen sollen, bis sie das dann auch wirklich wollen wollen und es gar noch für ihren freien Willen halten. Es ist soweit.
Es war im Grunde genommen damals schon so weit. Aber Spengler kannte eben die Götzenkiste noch nicht.
Hier übrigens ein lesenswerter Aufsatz von Adorno über Spengler - marxistisch koloriert, natürlich, was sonst.
Mein Haupteinwand gegen Spengler ist seine erdachte, also blutleere Dimension der Senkrechten - ich nenne es "die Zeit" - ohne welche die vierdimensionale Plastizität der Geschichte unerkennbar bleibt. Ich bin eben Christ.
![[image]](http://s20.rimg.info/ed1ade37daf14887f6f42aa0c5446e56.gif)
Nick
--
___________________________________________________
Wenn wir Toren wüßten, daß wir welche sind, wären wir keine.
Das ist ein Menschenalter her
Zeitgenosse, Saturday, 05.02.2011, 13:08 (vor 5459 Tagen) @ Chato
Hier übrigens ein lesenswerter Aufsatz von Adorno
über Spengler - marxistisch koloriert, natürlich, was sonst.
Ist mir bekannt.
Mein Haupteinwand gegen Spengler ist seine erdachte, also blutleere
Dimension der Senkrechten - ich nenne es "die Zeit" - ohne welche die
vierdimensionale Plastizität der Geschichte unerkennbar bleibt. Ich
bin eben Christ.
Er ist Agnostiker.
Gruß
Zeitgenosse
Das ist ein Menschenalter her
Chato, Saturday, 05.02.2011, 18:36 (vor 5459 Tagen) @ Zeitgenosse
Er ist Agnostiker.
Sag ich doch.
![[image]](http://s20.rimg.info/ed1ade37daf14887f6f42aa0c5446e56.gif)
Nick
--
___________________________________________________
Wenn wir Toren wüßten, daß wir welche sind, wären wir keine.
Umfrage-Desaster beim Focus
Sput
, Friday, 04.02.2011, 23:19 (vor 5459 Tagen) @ Focus Leser
Göbbels würde bei den heutigen Zuständen eine Latte bekommen.
Gleichgeschaltete Medien und Lügenverbreitung haben wir zwar immer noch, aber auf die Idee mit den Umfragen und die rasche Verbreitung und Indoktrinierung von Ideen, ist heute einfach ausgereifter.
Jede Woche ein Frauenthema im Leitmedium Spiegel.de, und die anderen Medien rennen wie das Rudel hinten nach
Goebbels' Latte
Hengst, Saturday, 05.02.2011, 00:47 (vor 5459 Tagen) @ Sput
Göbbels würde bei den heutigen Zuständen eine Latte bekommen.
Toll. Jetzt krieg ich das Bild nicht mehr aus dem Kopf, wie Goebbels mit einer Dauererektion EMMA liest. Schönen Dank auch.

Goebbels' Latte
Rainer
, Saturday, 05.02.2011, 19:53 (vor 5459 Tagen) @ Hengst
Auch in der Aussprache würde Goebbels in die heutige Zeit passen:
http://wgvdl.com/mp3/1943-01-30_joseph_goebbels_genossen_und_innen.mp3
Rainer
--
![[image]](Info/Img/feminismus-gegen-frau-kl-1.png)
Kazet heißt nach GULAG jetzt Guantánamo
andere Stimme?
DvB, Saturday, 05.02.2011, 22:35 (vor 5458 Tagen) @ Rainer
Auch in der Aussprache würde Goebbels in die heutige Zeit passen:
http://wgvdl.com/mp3/1943-01-30_joseph_goebbels_genossen_und_innen.mp3
Klingt aber nicht nach Goebbels
--
![[image]](Info/Img/hans-blueher-1916.gif)