Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Sofia Tolstaja

Polarstern, Nordpol, Saturday, 29.01.2011, 03:04 (vor 5466 Tagen)

Sofia Tolstaja
das geknebelte, unterdrückte, wahrscheinlich an Herd und Bett gekettete und wohl auch in der Ehe vergewaltigte weibliche Genie. Doch dann wurde sie - Endlich! Eine hat es getan! - aus dem bösen Schatten ihres Unterdrückers Leo Tolstoj herausgeholt und aufs selbstgerechte Podest gestellt.

Im Jahr 2010 jährte sich zum 100. Mal der Todestag des großen russischen Schriftstellers Lew Tolstoj. Doch weniger der berühmte Dichter wurde gefeiert als vielmehr seine Frau Sofja Tolstaja. Anscheinend der klassische Fall einer hochbegabten Autorin, die leider unverdientermaßen im Schatten ihres berühmteren Gatten steht. So jedenfalls sehen es Genderideologinnen und feministische Literaturwissenschaftlerinnen.

Nachfolgend veröffentlichen wir mit Erlaubnis des Verfassers einen Text des Publizisten Adorján F. Kovács

Im Jahre 1910, also letztes Jahr vor 100 Jahren ist der große russische Dichter gestorben. Der Medienzirkus hat sich für ihn etwas Ungewöhnliches ausgedacht. Denn nicht etwa Lew Tolstoj wurde gefeiert, sondern vielmehr seine Frau Sofja Tolstaja. Wie das? Der Dichter, dem früher preisend nachgesagt wurde, den Frauen bis auf den Grund ihrer Herzen schauen zu können, ist auf einmal des Verbrechens schuldig, “erbärmliche Frauenfiguren” geschaffen zu haben, wie Helen Mirren, die englische Schauspielerin, in einem Interview zum Tolstaja-Film “Ein russischer Sommer” sagt (und doch immerhin Anna Karenina von diesem Urteil ausnehmen muss). Ferner ist er nicht hinter seine angeblich geniale Frau zurückgetreten, sondern hat die patriarchalische Unverschämtheit besessen, unbeirrt ein gigantisches Werk zu schaffen, das jetzt in einer neuen russischen Gesamtausgabe in 120 Bänden herausgegeben werden soll.
MannDat im Januar
http://manndat.de/geschlechterpolitik/die-feministische-vereinnahmung-eines-grossen-autors.html

Ist es nicht GROOSSartig, was unsere ver- und eingebildeten AkademikerINNEN so alles herausfinden? Ich denke nicht. Eher wird diese Epoche in der Rückschau als der große esoterische Wahn und dekadenter Zerfall der Wisenschaft bezeichnet werden

Sie hat ihn in den Tod getrieben !

Polarisator, Saturday, 29.01.2011, 10:55 (vor 5466 Tagen) @ Polarstern

Ich habe ein Buch noch aus dem Bücherschrank meiner Mutter:

Tatjana Tolstoi: Ein Leben mit meinem Vater. Erinnerungen an Leo Tolstoi, 1975, 1978.

Ich kann natürlich nicht alles Wesentliche jetzt wiedergeben. Entscheidend ist, daß die Frau ihren Mann buchstäblich in den Tod getrieben hat. Er starb auf der Flucht. Anlaß war eine besondere Form der häuslichen Gewalt: Die Gattin war eifersüchtig auf seinen Ruhm und ging heimlich an seine Manuskripte.

Ein weiterer Konfliktstoff ergab sich daraus, daß sie sein Besitztum (er war adeliger Abstammung) erhalten wollte, während er im Zuge seiner christlichen Sozialprojekte seinen Besitz, grob gesagt, verschenken wollte. Dieser Konflikt ist schwieriger zu bewerten.

Die feministische Verherrlichung von Tolstois Gattin erinnert mich an die von Schindlers Gattin. Sie war ebenfalls eifersüchtig auf seinen Ruhm (Film "Schindlers Liste") und hat ihn in einem Interview in Grund und Boden verdammt, dabei immer von "dem Schindler" redend. Irgendwo las ich dann, daß alles Gute, wofür Schindler gelobt wurde, letztlich nur ihr zuzuschreiben sei.

trel

Sie hat ihn in den Tod getrieben !

Krankenschwester, Saturday, 29.01.2011, 11:43 (vor 5466 Tagen) @ Polarisator

Entscheidend ist, daß die Frau ihren Mann buchstäblich in den Tod
getrieben hat. Er starb auf der Flucht. Anlaß war eine besondere Form der
häuslichen Gewalt: Die Gattin war eifersüchtig auf seinen Ruhm und ging
heimlich an seine Manuskripte.

Das schrieb die Tochter, die vom Vaters Ruhm abhaben wollte.

Ein weiterer Konfliktstoff ergab sich daraus, daß sie sein Besitztum (er
war adeliger Abstammung) erhalten wollte, während er im Zuge seiner
christlichen Sozialprojekte seinen Besitz, grob gesagt, verschenken wollte.
Dieser Konflikt ist schwieriger zu bewerten.

Er war unter anderem spielsüchtig und sie haben 13 Kinder miteinander gezeugt.

Die feministische Verherrlichung von Tolstois Gattin

ist nichts anderes, als feministische Verherrlichung. Seine Gattin hat aber nichts damit zu tun.
Es ist leicht den Toten etwas nachzusagen, da trifft man auf keinen Widerstand

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Unmenschlichkeit - eine bemerkenswerte charakteristische Eigenschaft des Menschen.
(Ambrose Gwinnet Bierce)

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