Die Deutschen haben gar kein Islambild
Ich bin ja nun auch lokal an der Außendarstellung des Islam tätig und habe eigene Erfahrungen in dem Bereich. Deshalb vertrete ich die Meinung, die Deutschen haben gar kein Islambild oder ein (überwiegend medial vermitteltes) Islambild aus zweiter Hand.
Die wenigsten, die über Islam schwadronieren, haben je eine Moschee von innen gesehen oder haben über persönliche Kontakte mit Moslems tiefere Einblicke.
Ich habe den Vorzug, einen türkischen Freund zu kennen, der Nietzsche und Goethe gelesen hat und kompetent über seine Landsleute Auskunft zu geben in der Lage ist. Es ist zwar richtig, dass die Türken ihre Hinterhofmoscheen eingerichtet haben und dort ihre Religion praktizieren und Kultur pflegen. Aber dort wird nicht die islamische Weltrevolution ausgebrütet. Man sollte sich da nicht von kraftmeierischen Äußerungen türkischer Ministerpräsideten irritieren lassen, das hat mehr mit Wahlkampfkalkül in Richtung bestimmter Wählerschichten in der Türkei, denn mit der Realität zu tun.
Mein türkischer Freund bringt seine türkischen Landsleute meist auf die kurze Formel "Kopf leer, (Hosen)Tasche voll!" Das soll heißen, sie sind bildungsfern und nichts in der Birne, und sind hauptsächlich davon gesteuert, Geld zu verdienen, also die (Brief)Tasche voll zu machen.
Die einen mögen religiöser sein als die anderen, aber das geht in der Regel nicht über die Pflege eines primitiven Volksislam nicht hinaus.
Der örtliche türkische Hodscha (Gemeindevorsteher) ist jetzt ein halbes Jahr in Deutschland und seine Deutschkenntnisse sind (noch) rudimentär. Trotzdem, er ist ein studierter Mann (Theologie und Soziologie), kann ich mich mit ihm unterhalten. Er bestätigt mir, dass die Türken vor Ort Arbeiter und Bauern sind, mit denen er selbst nichts anfangen kann. Sie sind von der Arbeitsmoral zwar fleißig, aber intellektuell haben sie nichts zu bieten und haben auf dem Gebiet auch keine Ambitionen. Sie sind von den Hauptinteressen Geld verdienen und Materiellem geprägt. Religion spielt da keine Rolle. Es kommen zwar einige zu den Pflichtgebeten, das war es aber auch schon. Zumindest in dieser Ortsgemeinde gibt es keine weiteren Aktivitäten. Der Hodscha ist fast den ganzen Tag damit beschäftigt, hinter dem Tresen des angeschlossenen Lebensmittelgeschäfts seinen eigenen Lohn und die Betriebskosten der Hinterhofmoschee zu erwirtschaften. Seine Frustrierung ist in seinem Gesicht geschrieben.
Die Religion spielt bei den Migranten also eine geringere Rolle als gemeinhin verbreitet. Von der Grundstruktur sind sie fleißige Arbeiter, mit dem Wegfall vieler ungelernter Arbeitsplätze sind ihre Kindeskinder sicherlich häufig von Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit geprägt. Diese mit der Perspektivlosigkeit verbundene Frustration kann dazu geführt haben, dass verstärkt Trost in der Religion gesucht wird. Aber auch das ist nichts, was Deutschland wirklich aus den Angeln heben wird.
Ich stehe zu meiner Meinung, dass der Fisch immer vom Kopf her stinkt. Es sind also die Deutschen selbst, die das Land ruinieren. Und die Diskussionen über Migranten und Islam hat nur das Ziel, die eigenen Schuld irgendwie den Migranten anzuhängen.
"Ganz spontan verbinde ich damit die Idee einer großen Kultur mit einem religiösen Kern ..."
Nun, was die Islamwissenschaftlerin mit Islam verbindet, das ist eine Sache. Eine ganz andere Sache ist, dass die türkischen Immigranten keine Träger dieser großen Kultur sind. Die gibt es natürlich auch, aber die bleiben in der Türkei und kommen nicht nach Deutschland.
Hier wird Sarazzin auch zu Unrecht des Rassismus bezichtigt. Er behauptet ja nicht per se, dass Türken dümmer sind als Deutsche. Es lässt sich aber statistisch belegen, dass die Türken in Deutschland keine repräsentative Stichprobe der türkischen Gesellschaft sind. Diese Tatsache wird von den Sarazzinkritikern geflissentlich übersehen.
"In einer kürzlich veröffentlichten Studie fallen rund 80 Prozent der Deutschen zum Stichwort Islam Frauenfeindlichkeit, Fanatismus, Intoleranz und Gewaltbereitschaft ein."
Über Männerfeindlichkeit dieser Gesellschaft und die Intolerenz der Feministinnen und ihrer Lila Pudel wird natürlich keine Studie veröffentlicht.
Es ist da ja schon ganz deutlich zu sehen, wo die Ursachen für Fehlentwicklungen gesucht (und gefunden) werden sollen.
Wer auch nur ein wenig Kontakt mit den muslimischen Migranten hat, der merkt schnell, wie wenig Fanatismus und Gewaltbereitschaft, aber auch intellektuelle Armut vorhanden ist.
Natürlich gibt es gewaltbereite türkische Jugendliche. Aber bevor man diese Gewaltbereitschaft mit dem Islam in Verbindung bringt, sollte man prüfen, wie viel Kenntnisse genau diese Jugendliche vom Islam haben.
Die muslimischen Jugendlichen, mit denen ich es zu tun habe, sehen vor allem die guten Seiten an Deutschland und haben ein positives Deutschlandbild, das ihnen auch von ihren Eltern vermittelt wird. Wenn man diese kooperationsbereiten Jugendliche vor den Kopf stoßen würde, indem man sie in die Ecke eines gewaltbereiten Islam und Deutschlandfeindlichkeit stellt, dann wäre das sehr kontraproduktiv.
Neben den "alteingesessenen" Migranten (mit teilweise 40 Jahre Migrationsgeschichte) gibt es noch die Neuzuwanderer. Diese haben 1. kein Interesse an einer Integration, weil sie 2. Deutschland nur als Möglichkeit sehen, möglichst viel Geld zu dienen (sei es legal oder halblegal) und deshalb 3. darauf bedacht sind, nicht negativ aufzufallen, um diesem Ziel ungestört nachzukommen.
Auch diese Neuzuwanderer identifizieren sich nicht mit Deutschland, weil sie planen nach ein paar Arbeitsjahren wieder in die Heimat zurückzukehren. Aber möglicherweise wird daraus nichts und die Geschichte der türkischen Fremdarbeiter, wie sie zunächst genannt wurden, wiederholt sich.
Aber solange die Zuwanderer nicht für sich selbst realisiert haben, dass sie in Deutschland bleiben werden, solange werden Integrationsprogramme bei diesen Gruppen fehlschlagen.
Andere Integrationsprogramme scheitern, weil der intellektuelle Impuls fehlt, sich sprachlich, intellektuelle und beruflich weiter zu entwickeln. Programme nach dem Gießkannenprinzip laufen ins Leere. Besser angelegt wäre das Geld, indem man Stipendien für aufstiegswillige Einzelpersonen vergibt.
"Es gibt die Überlegung, dass sowohl die Niederländer als auch die Franzosen ehemalige Kolonialmächte sind und daher im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts in einer anderen Weise mit Muslimen in Berührung gekommen sind als die Deutschen. Es könnte also durchaus sein, dass die Kolonialerfahrung eine größere Vertrautheit mit dem Islam herbeigeführt hat und auch eine größere Vertrautheit mit Muslimen. Während die meisten Deutschen ja bis vor wenigen Jahrzehnten Muslime im eigenen Land nicht gekannt oder wahrgenommen haben."
1. Diese "Vertrautheit" mit dem Islam dürfte sich auf enge Bereiche des Staatsapparats und Teilen des Bildungsbürgertums beschränken.
2. Die Erfahrungen in islamisch geprägten Kolonialländern dürften kaum etwas mit der Realität der bildungsfernen, unterprivilegierten Einwanderern heute in Deutschland zu tun haben.
Dieser Erklärungsversuche sind IMHO viel zu akademisch.
"Ich selbst wohne in Charlottenburg, und auch da ist diese Thematik nicht wirklich zu erleben. Dort haben wir eine starke russische Präsenz, wobei ich mich schon frage, warum die öffentliche Aufmerksamkeit sich so stark auf Problempersonen und -gruppen arabischen, kurdischen oder türkischen Hintergrunds konzentriert und warum osteuropäische und südosteuropäische Gruppen weniger auffallen."
Ich will nicht, dass eine Expertin fragt, sondern Antworten gibt.
Vielleicht will man in Deutschland nicht Putin verärgern. Wäre doch möglich.
"Die Studierenden wie auch die meisten Lehrerenden wissen sehr wohl, dass Aufklärung ein hehres Wort ist."
Das Problem ist ja nicht Sarazzin und auch nicht die Moslems. Das Problem ist das Nicht-Eingestehen-Wollen, dass die Aufklärung gescheitert ist.
Was ist überhaupt die Aufklärung? Die Aufklärung ging von Frankreich aus mit der Parole "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" in die Welt und hat Nationalsozialismus (braun) und (Internationalen) Sozialismus (rot) hervorgebracht. Fakt ist, dass es auch in unserer "freiheitlich-demokratischen Grundordnung" (FDGO) und Sozialstaat die Schere von arm und reich sich immer weiter öffnet. Mit der Gleichheit ist es also nicht allzuweit her. Und wenn man sich die Political Correctness, die Zensurversuche des Internets, den Umgang mit Eva Herman und Thilo Sarazzins ansieht, dann ist es auch mit der Freiheit außerhalb des erwünschten Mainstream nicht sehr weit her.
Jürgen Fuchsberger beschreibt die Probleme in seinem Essay "Über Freiheit und Gleichheit" ja durchaus treffend, auch wenn er (noch) davor zurückschreckt, die Aufklärung für gescheitert zu erklären
--
Mach mit! http://wikimannia.org
Im Aufbau: http://en.wikimannia.org
gesamter Thread:
- OT: "Die Deutschen haben ein einseitiges Islambild" -
Das Edle Schnabeltier,
25.01.2011, 21:07
- Die Deutschen haben gar kein Islambild - Mus Lim, 26.01.2011, 16:07