Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Betthupferl von Eugen Roth

Zeitgenosse, Tuesday, 18.01.2011, 00:03 (vor 5477 Tagen)

1.
Ein Mensch, der auf ein Weib vertraut
und drum ihm einen Tempel baut
und meint, das wär sein Meisterstück,
erlebt ein schweres Bauunglück.

Leicht findet jeder das Exempel:
Auf Weiber baut man keinen Tempel!

2.
Ein Mensch, von einem Weib betrogen,
ergeht sich wüst in Monologen,
die alle in dem Vorsatz enden,
sich an kein Weib mehr zu verschwenden.

Doch morgen schon -was gilt die Wette?-
übt wieder dieser Mensch Duette

3.
Ein Mensch sitzt stumm und liebeskrank
Mit einem Weib auf einer Bank;
Er nimmt die bittre Wahrheit hin,
Dass sie zwar liebe, doch nicht ihn.
Ein andrer Mensch geht still vorbei
Und denkt, wie glücklich sind die zwei,
Die – in der Dämmrung kann das täuschen –
Hier schwelgen süß in Liebesräuschen.
Der Mensch in seiner Not und Schmach
Schaut trüb dem andern Menschen nach
Und denkt, wie glücklich könnt ich sein,
Wär ich so unbeweibt allein.
Darin besteht ein Teil der Welt,
Dass andre man für glücklich hält.

4.
Geschichte, so meint wohl der Kenner, die machen vorzugsweise die Männer. Die Frauen machen nur Geschichten – und davon wollte ich berichten: nicht vom Historisch-leicht-Beschreiblichen, nein, vom Hysterisch-ewig-Weiblichen.

5.
Ein Mensch, der beinah mit Gewalt
Auf ein sehr hübsches Mädchen prallt,
Ist ganz verwirrt; er stottert, stutzt
Und lässt den Glücksfall ungenutzt.
Was frommt der Geist, der aufgespart,
Löst ihn nicht Geistesgegenwart?
Der Mensch übt nachts sich noch im Bette,
Wie strahlend er gelächelt hätte.

Gedichte von Eugen Roth


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