Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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OT: Arbeitsmarkt u. Zuwanderung, Gismatis u.a.

Zeitgenosse, Tuesday, 11.01.2011, 20:18 (vor 5483 Tagen)

Hallo Gismatis u.a.,

im Zusammenhang unserer Diskussion von neulich: Lest mal da:

Institut für Arbeitsmarkt u. Berufsforschung: "Arbeitsmarkt und Migration"

Gruß

Zeitgenosse

Ein Zitat daraus:

__V__, Bavaria, Tuesday, 11.01.2011, 20:57 (vor 5483 Tagen) @ Zeitgenosse

"In Deutschland profitieren die einheimischen Arbeitskräfte langfristig von Zuwanderung: In allen Qualifikationsgruppen steigen die Löhne und die Arbeitslosigkeit geht zurück."

Je mehr Arbeitskräfte auf dem Markt, desto höher die Löhne desto niedriger die Arbeitslosigkeit?

Ja nee, is' klar.

Und wer erklärt das jetzt der Telekom, dem Team von VW, etc.?

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Ein Zitat daraus:

Garfield, Wednesday, 12.01.2011, 19:50 (vor 5482 Tagen) @ __V__

Hallo V!

Na ja, die Autoren gehen offensichtlich davon aus, daß die Exportgeschäfte ewig super laufen und somit endloses Wachstum generieren werden, sofern denn genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

Das gründet also offenbar schon mal auf dem grundsätzlichen Irrtum, daß endloses Wachstum möglich ist. Und auf dem Irrtum, daß ein Gleichgewicht zwischen Exporten und Importen völlig unnötig wäre.

Auch steht ja in dem Text ganz klar, daß die Einwanderer in Deutschland eher schlecht qualifiziert sind. Das bedeutet letztendlich, daß sie maximal als Konsumenten die Wirtschaft ankurbeln können. Da das dafür nötige Geld aber zum großen Teil der arbeitenden Bevölkerung aus den Taschen gezogen wird, profitieren davon nur die Produzenten, Importeure und Händler, die mit Gütern des täglichen Bedarfs zu tun haben. Andere Firmen machen dafür eher minus, so daß unterm Strich kein Wachstum durch solche Einwanderung zu erwarten ist. Wenn es doch Stimulationseffekte gibt, dann nur, weil diese durch Schulden finanziert werden - und das wird im Laufe der Zeit für die arbeitende Bevölkerung zu einer immer höheren Belastung, drückt die Kaufkraft runter und führt damit für viele Firmen zu Umsatzverlusten. Nur der Finanzsektor wird dadurch weiter gestärkt, und noch einige wenige Konzerne, denen so mehr Geld zufließt. Wenn es dann am Ende keine kleinen und mittelständischen Firmen mehr gibt, sondern nur noch Glaspaläste der Banken und sonstiger Konzerne in Großstädten, dann wird man im wahrsten Sinne des Wortes feststellen, daß man Geld nicht essen kann.

Solange wir Millionen Arbeitslose haben und die Firmen keine Anstalten machen, diese auf eigene Kosten zu qualifizieren, solange gibt es hier keinen Arbeitskräftemangel, der durch Einwanderer behoben werden könnte. Und wenn hier lebende Beschäftigte zur Zeit nicht massenweise ihre Jobs verlieren, dann ist das nicht durch, sondern trotz Einwanderung so.

Freundliche Grüße
von Garfield

Ein Zitat daraus:

__V__, Bavaria, Wednesday, 12.01.2011, 20:11 (vor 5482 Tagen) @ Garfield

Hallo Garfield,

Na ja, die Autoren gehen offensichtlich davon aus, daß die
Exportgeschäfte ewig super laufen und somit endloses Wachstum generieren
werden, sofern denn genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

Das hört sich für mich an wie mit der Geburtenrate, die kurzfristig einen Wachstum von ~0,05% aufweist, und dies als Indiz dafür genommen wird, dass irgend eine dumme Maßnahme Erfolg hat.

Ich bin kein Betriebswirt. Aber ich stell mir schwerlich vor, dass diese Arbeitskräfte, welche bei tatsächlich anhaltend steigendem Export nicht bereits schon jetzt auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

Solange wir Millionen Arbeitslose haben und die Firmen keine Anstalten
machen, diese auf eigene Kosten zu qualifizieren, solange gibt es hier
keinen Arbeitskräftemangel, der durch Einwanderer behoben werden könnte.
Und wenn hier lebende Beschäftigte zur Zeit nicht massenweise ihre Jobs
verlieren, dann ist das nicht durch, sondern trotz Einwanderung so.

Wie gesagt, ich bin kein Betriebswirt:
Wie versteht sich Dein "trotz Einwanderung" bitte? Ich würde eher sagen, dass der Stellenabbau selbst "ohne Einwanderung" fortschreitet.

Gruß,
-Stefan

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Ein Zitat daraus:

__V__, Bavaria, Wednesday, 12.01.2011, 23:54 (vor 5482 Tagen) @ __V__

Und wenn hier lebende Beschäftigte zur Zeit nicht massenweise ihre
Jobs
verlieren, dann ist das nicht durch, sondern trotz Einwanderung so.

Okay, jetzt hab ich mehr Zeit, und erkenne, dass ich Deine Zeilen nicht richtig gelesen habe:
Du gehst davon aus, dass hier lebende Beschäftigte zur Zeit _nicht massenweise ihre Jobs verlieren ...
Ich hör anderes. Bzw. ich höre, dass viele hier lebende Beschäftigte "neue" Arbeitsverträge angeboten werden, mit Abzügen etc. Da kann man natürlich nicht von "Stellenabbau" sprechen ;)

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Ein Zitat daraus:

DvB, Thursday, 13.01.2011, 00:46 (vor 5482 Tagen) @ Garfield

Das gründet also offenbar schon mal auf dem grundsätzlichen Irrtum, daß

Nö. Es ist einfach dummdreist gelogen

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Ein Zitat daraus:

Garfield, Friday, 14.01.2011, 00:30 (vor 5481 Tagen) @ __V__

Hallo V!

Im Moment läuft es ja wieder relativ gut, weil die Exportgeschäfte wieder besser laufen als noch von 1-2 Jahren. Auch haben manche Firmen mittlerweile festgestellt, daß sie wohl in Deutschland in den letzten Jahren doch zuviel Personal abgebaut haben und/oder daß der Altersdurchschnitt ihrer Beschäftigten mittlerweile sehr hoch ist.

Aber die Lohndrückerei geht natürlich weiter, da hast du recht. Jemand in meinem Bekanntenkreis hat folgendes erlebt:

Er wurde in seiner Firma "betriebsbedingt" gekündigt. Da er keinen vergleichbaren Job mehr fand, verdingte er sich schließlich bei einer Zeitarbeitsfirma. Die schickte ihn prompt zu der Firma, die ihn vorher gefeuert hat, wo er - welch ein Zufall - exakt dieselbe Arbeit machen mußte wie vorher. Nur leider nur für den halben Lohn.

Einwanderung ist natürlich ein beliebtes Mittel, um die Löhne zu drücken. Es geht gar nicht so sehr um Arbeitskräfte, sondern darum, die Bewerberzahlen möglichst hoch zu halten. So hat man zum einen mehr Auswahl und kriegt letztendlich besseres Personal, zum anderen sind Stellenbewerber, die sehen, daß sich noch zig andere Leute für dieselbe Stelle bewerben, bescheidener bei ihren Gehaltsvorstellungen.

Ich arbeite in der Software-Entwicklung, und da sieht man in vielen Firmen Einwanderer in großer Zahl - vor allem Osteuropäer und Asiaten. Die sind aber oft schon länger hier. In den letzten Jahren kommen nicht mehr so viele von ihnen her. Das hat zwei Gründe: Zum einen sind mittlerweile vor allem große Software-Häuser dazu übergegangen, Programmierarbeiten nach Osteuropa oder Indien zu verlagern. Deshalb wurde hier schon viel Personal abgebaut. Das hatte natürlich auch zur Folge, daß die Löhne - wenn überhaupt - weitaus langsamer stiegen. Man hat da teilweise die Mitarbeiter in Deutschland ganz bewußt kurz gehalten, in der Hoffnung, daß möglichst viele deshalb schon von allein gehen werden. Aber das ist ja eine generelle Entwicklung quer durch alle Wirtschaftsbereiche. Die Löhne stagnieren oder sinken, die Abgaben steigen, und deshalb kommen auch immer weniger gut qualifizierte Einwanderer her.

Die Masse derjenigen, die heute herkommen, wandert nur noch in die deutschen Sozialsysteme ein. Vor etwa einem Jahr hab ich mal eine Reportage über jugendliche Migranten in Deutschland gesehen. Da haben sie u.a. mit einem jungen Libanesen gesprochen. Er erzählte, daß er mindestens einmal im Jahr zurück in den Libanon fährt. Da wäre es ja so schön und toll. Dann fragte die Reporterin, wo er lieber leben würde - im Libanon oder in Deutschland. Darauf antwortete er: "Natürlich im Libanon!" Erstaunlicherweise fragte ihn die Reporterin dann, wieso er denn nicht dorthin zurück geht. Dazu sagte er: "Na ja, hier gibt es mehr." Mehr Sozialhilfe, meinte er natürlich.

So ist auch ganz klar, wieso wir solche Probleme mit der Integration von Migranten haben. Wer sich hier nur in die soziale Hängematte legen will, hat natürlich kein Interesse daran, sich hier zu integrieren. Da man durch Sozialleistungen nicht reich wird, aber um sich herum noch Menschen sieht, die finanziell besser gestellt sind, baut sich Frust auf, und das erzeugt dann obendrein noch eine Anti-Haltung. Das ist schon bei manchen Deutschen in der Unterschicht problematisch. Bei Migranten wirkt das aber noch stärker, weil durch die deutlich andere Kultur und Sozialisation noch deutlich mehr Konfliktpotenzial da ist. Und daß Türken wohl die Gruppe mit den größten Problemen bilden, liegt zum guten Teil daran, daß mittlerweile relativ viele von ihnen in Deutschland leben, was Ghettobildung begünstigt und Integration zusätzlich erschwert.

Na ja, aber wenigstens läßt sich der Arbeitsmarkt offensichtlich nicht ganz so einfach manipulieren und entsprechend den Wünschen der Großkonzerne zurecht biegen wie andere Märkte. Jedenfalls kaum noch durch Einwanderung. Deshalb versucht man ja auch weiterhin eifrig, möglichst viele Frauen auf den Arbeitsmarkt zu drängen.

Freundliche Grüße
von Garfield

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