RA Schulte-Frohlinde über: "Die Verbrechen der Väter"
In meinem Artikel zu Familie, Ideologie und Recht habe ich die Frage nach den (historischen) psychologischen und soziologischen Gründen offen gelassen, die in Deutschland nach der Abwesenheit des Vaters verlangen. Ich habe mich aber gefragt, woher die Verachtung stammt, die den Vätern hier entgegen schlägt.
Dabei habe ich oft das Wort von den Verbrechen der Väter gehört. Täter, gegen die sich die erste Nachkriegsgeneration gewehrt habe.
Man kann sich allerdings schlecht gegen Verbrechen der Vergangenheit wehren, Verbrechen einer vergangenen Generation von Frauen und Männern. Nur gegen die überlieferte Schuld.
Die Nachkriegsgeneration hat es abgelehnt, diese Schuld auf sich zu nehmen. Das konnte sie tun, indem sie Schuldige bestimmt, ein Täter-Idol geschaffen hat. [...]
Das große Verdienst der 68'iger war es nicht, die Verantwortung zu übernehmen, sondern die eigene Verantwortungslosigkeit zu begründen. Ich entziehe mich der Schuld, in dem ich auf einen anderen zeige.
Verstanden habe ich die große Kraft, die der Ablehnung des Vaters in Deutschland inne wohnt, aber erst mit dem Buch "Gefühlte Opfer" von Ulrike Jureit und Christian Schneider, das diesen Aspekt zwar nicht zum Inhalt hat, aber die Distanzierung von der Täterschaft im Wege der Identifikation mit den Opfern beschreibt.
So erklärt sich das auf den ersten Blick paradox erscheinende Phänomen solcher Männer in Deutschland, die sich gegen ihr eigenes Geschlecht wenden.
Und es erklärt sich die psychologische Blendung der Medien, der Juristen und der Politiker, die es ihnen nicht erlaubt, Verfassungsbruch und Menschenrechtsverletzung gegen Männer in Deutschland wahr zu nehmen.