Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Familie: Unglück im Glück

Christine ⌂, Monday, 20.12.2010, 11:27 (vor 5505 Tagen)

Von Jana Hensel Datum 15.12.2010 - 12:48 Uhr

Warum moderne Eltern hin und her gerissen sind zwischen Lifestyle und dem wahren Leben.

An jenem Abend hatte ich HORROR in mein Tagebuch geschrieben. Zweimal hintereinander stand das Wort auf der ansonsten leeren Seite. Ich setzte es in Versalien und ließ jeweils einen großen Abstand zwischen den Buchstaben. Ich hätte es noch fett unterstreichen oder zehnmal hintereinander aufschreiben können. Verglichen mit meinem Gefühl jedoch, war das alles noch immer so gut wie nichts.

Was passiert war?

Ich bin mit unserem dreijährigen Sohn Zug gefahren.

Von Frankfurt am Main nach Berlin, fast fünf Stunden dauerte die Fahrt. Es war ein Sonntag, das ICE-Kinderabteil ist an solchen Tagen schon Wochen vorher ausgebucht, und so nahmen wir an einem Vierertisch Platz. Die Blicke der anderen Fahrgäste ignorierte ich. Ich wusste ohnehin, was sie dachten. Ich hätte mir an ihrer Stelle sofort einen anderen Platz gesucht.

Alles lief zunächst ruhig. Das Kind knabberte Kekse, und ich las ihm – um die anderen nicht zu stören, hielt ich meinen Mund ganz dicht an sein Ohr – seine Lieblingsbücher vor. Die Schildkröte hat Geburtstag. Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt. Wahrscheinlich, als bei Oma Eierschecke die Stube brennt, weil sie die Ofentür offen ließ, ist es passiert: Mein Sohn hatte in die Hose gemacht, der Sitz war nass. Die Leute saßen in den Gängen, das Klo war seit Stunden besetzt. Und so begann ich, ihn am Platz auszuziehen, was er schon unter normalen Umständen auf den Tod nicht leiden kann. Er strampelte, er schrie, er warf sich auf den Boden, er rannte quer über die Leute vor mir weg. Kinder entwickeln in solchen Augenblicken eine atemberaubende Schnelligkeit. Da sagte eine ältere Dame zu ihrer Nachbarin: Unsere Kinder hätten sich das nicht getraut! Natürlich nicht, dachte ich. Ihr habt ja früher immer alles richtig gemacht.

http://www.zeit.de/2010/51/Moderne-Eltern

Da antworte ich glatt mit folgendem Kommentar:

Monika.M.S 16.12.2010 um 15:51 Uhr
3. den HORROR aufblasen

ach hätte es doch die autorin beim eintrag ins tagebuch belassen...

Die Leserkommentare sind wie immer interessant und da las ich, das Jana Hensel die Autorin ist. Überleg... irgendwie sagte mir der Name etwas, also bin ich auf Suche gegangen und bei Wikipedia fündig geworden.

2008 erschien ihr zweites autobiografisch geprägtes Buch unter dem Titel Neue deutsche Mädchen, gemeinsam mit Elisabeth Raether geschrieben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Jana_Hensel

Irgendwie scheint mir, als ob damit alles geklärt ist ;-)

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Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein


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