Narrowitsch
Holger, Wednesday, 15.12.2010, 20:16 (vor 5510 Tagen)
Die 'Zeitin' ist der 'Stürmer' des intellektuellen Prekariats der 68er, insofern genauso erkenntnisresistent wie die Kundschaft, denn genau deren Bedürnisse erfüllt sie- durchaus legitim! Nur- wer sich sklavisch an die Erwartungshaltung seiner Kundschaft kettet, geht auch mit ihr unter und genau dies wird eintreten. Allerdings hat sie jeglichen Anspruch, journalistische Arbeit zu leisten, natürlich längst verwirkt und insofern wäre ein Verschwinden dieses Blättchens nicht weiter tragisch.
Nur eine Kleinigkeit ist es, die mich maßlos nervt: 'The elder Statesman' Schmidt, der in allen Lagern als weise gepriesen wird mit seinem ohne Zweifel vorhandenen Format- er ist seit Jahrzehnten Mitherausgeber dieser Postille, garantiert nicht ohne Einfluß auf den Inhalt und was hat er getan gegen diese formvollendete Blödheit einer metrosexuellen Schwuchtel wie di Lorenzo und seinen PudelInnen? Nüschte. Niente. Nix.
Schmidt ist ein alter Kader, dem die rote Parteidisziplin bis ins Rückenmark reicht. Seine immer noch geschliffenen Äußerungen- nichts weiter als eine weitere Schmidt- Show. Eben. So einfach ist die Welt.
Warten auf Godot- sicher nicht mit der 'Zeitin' in der Hand.
Indes ist dem Golem aus Lehm Leben eingehaucht: das Netz 2.0.
Wir können sicher sein, daß es im Bregen des alten Herrn keinen Platz hat. Der Tod wird es ihm ersparen, etwas Fundamentales nicht auf der Rechnung gehabt zu haben.
Wir müssen nochmal in den Krieg, guter alter Narro!
Narrowitsch
Narrowitsch, Berlin, Thursday, 16.12.2010, 10:10 (vor 5509 Tagen) @ Holger
Die 'Zeitin' ist der 'Stürmer' des intellektuellen Prekariats der 68er,
insofern genauso erkenntnisresistent wie die Kundschaft, denn genau deren
Bedürnisse erfüllt sie- durchaus legitim!
Hmmm, ächz, das ist wohl so. Und ich Dussel glaubte einst, damals in der DDR, für ein System, dem unabhängige Berichterstattung innewohnt, kämpfen lohnt. Das bleibt auch in meinen Augen so. Nur ist es bitter zu lernen, dass die Meinungsdiktatur der Partei der Arbeiterklasse sich von der Meinungsdiktatur des Geldes vor allem durch die Wirksamkeit unterscheidet. Wer den Denkfaulen, ideologisch Blinden Honig ums Maul schmiert und bittere Medizin in homöopathischen Dosen verabreicht, dem gelingt es weitaus besser gedankliche Giftmischerei als verzeihlichen Kunstfehler unter die Leute zu bringen, als Leute die mit Hammer und Sichel werkeln. Gegen die Holzhammerschläger wußte ich mich gemeinsam mit Gesinnungsgenossen zu wehren, gegen die Geldschneider, die ggf mit den Stricken handeln, an denen sie einst baumeln könnten (Lenin) fühle ich machtlos. Ich sehe immer immer klarer, wie sehr sich natürliche Verbündete im Strickhandel üben.
Nur- wer sich sklavisch an die
Erwartungshaltung seiner Kundschaft kettet, geht auch mit ihr unter und
genau dies wird eintreten.
Die einen saufen noch Sekt, wenn ihnen der Sumpf bis zur Oberkante Unterlippe reicht, die anderen bezahlen für den Morast soviel, dass es nicht einmal für Selterswasser reicht.
Allerdings hat sie jeglichen Anspruch,
journalistische Arbeit zu leisten, natürlich längst verwirkt und insofern
wäre ein Verschwinden dieses Blättchens nicht weiter tragisch.
Wenn es nur um das Verschwinden der ZEITIn ginge, ja.
Nur eine Kleinigkeit ist es, die mich maßlos nervt: 'The elder Statesman'
Schmidt, der in allen Lagern als weise gepriesen wird mit seinem ohne
Zweifel vorhandenen Format- er ist seit Jahrzehnten Mitherausgeber dieser
Postille, garantiert nicht ohne Einfluß auf den Inhalt und was hat er
getan gegen diese formvollendete Blödheit einer metrosexuellen Schwuchtel
wie di Lorenzo und seinen PudelInnen? Nüschte. Niente. Nix.
In der Tat: unfassbar. Für mich nur mit einer Haltung zu erklären, die gewisse Zeiterscheinungen mit dem Wort "Gedöns" beschreiben und sich Wichtigerem widmen. Währungsfragen zum Beispiel. Oder internationale Beziehungen.
Indes ist dem Golem aus Lehm Leben eingehaucht: das Netz 2.0.
Dein Optimus in Ehren, aber ich sehe die Unterwasserminen in Massen treiben, die im Kontakt mit Netzen nicht nur diese zerfetzen, sondern auch die Kutter und die braven Fischersleut.
Wir können sicher sein, daß es im Bregen des alten Herrn keinen Platz
hat. Der Tod wird es ihm ersparen, etwas Fundamentales nicht auf der
Rechnung gehabt zu haben.
Ich gönne es ihm. Schon wegen seines seinerzeitigen Handelns in Sachen Flut in Hamburg und des Doppelbeschlusses, der mehr für den Weltfrieden leistete, als alle Lichertketten sämtlicher Lorenzos zusammen.
Wir müssen nochmal in den Krieg, guter alter Narro!
Ja, schon. Ich ziehe da mit. Nur: haben wir gegen Mühlen, äh Windräder, eine Chance?
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Extemplo simul pares esse coeperint, superiores erunt-
Den Augenblick, sowie sie anfangen, euch gleich zu sein, werden sie eure Herren sein.
Lenin und Holgowitsch
Cardillac, Thursday, 16.12.2010, 11:32 (vor 5509 Tagen) @ Narrowitsch
Eure Untergangsmethaphorik in Ehren, aber "das System" zeichnet sich immer noch durch eine große Stabilität und sogar zunehmenden Raumgewinn aus. Der totalitär-feministische Umbau der gesellschaftlichen Basis und seines ideologischen Überbaus hat trotz der "fünf Wochen im Herbst" immer noch keine Legitimationsschwierigkeiten und jegliche Untergangsprognose dient nur der Selbstberuhigung, wie weiter oben stehende Beiträge beweisen.
Man sollte den Feminismus als weltweites, geschichtlich zu begreifendes Phänomen sehen und nicht als psychische Störung gewisser Frauen- und Männerkreise. Könnt ihr Bildung, Erfahrung und weltweites Rumgekommensein nicht produktiver nutzen als aufgebauschte Metaphern und haltlose Spekulationen abzuliefern, die schon Ähnlichkeiten mit Durchhalteparolen für eine bereits verlorenen Sache haben.
Mit anderen Worten: Der Feminismus ist ja nicht alleine über die Welt gekommen. Er ist in Allianz mit anderen tiefgreifenden Veränderungen eingezogen: Umorganisierung des Fabriksystems vom Fordismus zum Toyotismus, Verdrängung der produktiven wertschöpfenden Arbeit durch eine expandierende Finanzblasenökonomie, Abbau von Hierarchien und integiert-zentraler betrieblicher Strukturen durch Zersplitterung Outsourcing in autonome Unternehmungen, Privatisierung und Ökonomisierung der staatlichen Infrastruktur, und und und.
Als Moment dieser Riesentransformation tritt die moderne Genderpolitik auf den Plan. Sie ist, um auf Lenin zurückzukommen, als Element dieser Totalität zu begreifen und gemeinsam mit ihr zu überwinden.
Es ist die Schande der Linken, der Beweis für ihr historisches Überlebtsein in ihrer jetzigen Verfassung, dass männerrechtliche, kritische Positionen nur über rechtskonservative Kanäle in die Gesellschaft kamen. Das wird sehr teuer für die Linke werden. Selber schuld! Aber nicht unabänderlich!
Lenin und Holgowitsch
DvB, Thursday, 16.12.2010, 14:26 (vor 5509 Tagen) @ Cardillac
Das wird sehr teuer für die Linke werden. Selber
schuld! Aber nicht unabänderlich!
Um den Preis der Selbstentäußerung oder um den der grundlegenden Umdeutung? Natürlich ist das unabänderlich. Zwar wird der einzelne Linke meistens erwachsen - aber dann ist er halt nimmer links
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Lenin und Holgowitsch
Narrowitsch, Berlin, Friday, 17.12.2010, 14:50 (vor 5508 Tagen) @ Cardillac
Eure Untergangsmethaphorik in Ehren, aber "das System" zeichnet sich immer
noch durch eine große Stabilität und sogar zunehmenden Raumgewinn aus.
Es geht mir - und Holger vermutlich auch - nicht um Untergangspropheterie, sondern um einen wachen Blick, der sich nichts schön schaut. Kann ja nicht schaden, oder?
Was die Stabilität "des Systems" betrifft, so erlaube ich mir die Kenntnisnahme eines stabilen Schwundes demokratischen, sozialen und freiheitlichen Denkens und eine stabile Kontinuität des Verlustes humanistischer Bildung, die mit einer stabilen Verlustkurve lebenssinnstiftender Ideale einhergeht. Wenn ich den Genossen Lenin - nicht ganz in seinem Sinne - aus dem Staub der Geschichte hervor holte, so geschah es in der Absicht, hinzuweisen, dass sich seit vielen Jahrzehnten eine gewisse Charakterlosigkeit gewisser gesellschaftlicher Akteure sehr stabil zeigt; mit schnellem Untergang des modern zivilisierten Abendlandes hat das zunächst nichts zu tun.
Gewiss: Besagtes Abendland und seine überseeischen Inspiratoren beweisen erstaunliche Anpassungsfähigkeit; ob mir die angepasste schöne neue Welt lebenswert erscheint, steht auf einem anderen Blatt. Ob sie denen am Ende gefällt, die sich heute kompromissbereit auf sie einlassen,- auf einem noch anderem.
Dser totalitär-feministische Umbau der gesellschaftlichen Basis und seines
ideologischen Überbaus hat trotz der "fünf Wochen im Herbst" immer noch
keine Legitimationsschwierigkeiten und jegliche Untergangsprognose dient
nur der Selbstberuhigung, wie weiter oben stehende Beiträge beweisen.
Ah! Was Du nicht sagst! Du meinst, ich brauchte Beruhigung? Ich sage Dir: meine Lebenszeit reicht nicht aus, um meinen Zorn auf den Gang der Dinge zu beruhigen. Mag sein, Zorn ist kein guter Ratgeber, aber Opportunismus auch nicht. Und der wuchert allerorten prächtig, gleich neben dem Irrsinn diverser Verschwörungstheoretiker.
So alt bin ich nun auch noch nicht, dass ich mich um des lieben Friedens Willen mit diesem Gesocks einlasse.
Man sollte den Feminismus als weltweites, geschichtlich zu begreifendes
Phänomen sehen
Eben. Und nicht nur das. Feminismus ist nur eine Ausdrucksformfür einen viel weitgehenderen Prozess, der sich als fortschrittlich bezeichnet, aber womöglich auf hohem technischem und materiellen Niveau zu finsteren Verhältnissen könnte, die sich vom Mittelalter dadurch unterscheiden, dass letzteres das Licht suchte und fand.
und nicht als psychische Störung gewisser Frauen- und
Männerkreise.
Abermals: eben. Feminismus ist nicht angehäufter psychischer Irrsinn, er ist eiskalt berechnende, irrsinnige Realpolitik, die solange fortbesteht, solange angeblich kritische Menschen vor Freude in Ohnmacht fallen, sobald die eine oder Frau sich bequemt, die eine oder andere Gegebenheit des real existierenden Geschlechterirrsinns als gegeben anzuerkennen und beteuert, es zukünftig nicht mehr ganz so arg treiben zu wollen.
Könnt ihr Bildung, Erfahrung und weltweites Rumgekommensein
nicht produktiver nutzen
Vielleicht könnte ich es, aber ob ich es noch will? Vielleicht versuche ich es ja auch. Auf meine Weise versteht sich.
als aufgebauschte Metaphern und haltlose
Spekulationen abzuliefern, die schon Ähnlichkeiten mit Durchhalteparolen
für eine bereits verlorenen Sache haben.
Dass die Presse zunehmend versagt - eine Spekulation?
Selbstberuhigung und Durchhalteparolen? Und welche Sache ist verloren? Freilich halte ich eine Reihe positiver Errungenschaften des Werdens der Menschheit für unwiederbringlich verloren; oder wenigstens auf lange Sicht. Ja und? Aber ne Sache? Wo propagiere ich Durchhalteparolen für Verlorenes?
Mit anderen Worten: Der Feminismus ist ja nicht alleine über die Welt
gekommen.
Nichts ist alleine in die Welt gekommen.Zumindest nichts, was wir mit dem Verstande erkennen können.
Er ist in Allianz mit anderen tiefgreifenden Veränderungen
eingezogen:
Da staune ich aber, das ist mir neu. Feminismus, so glaubte ich bislang zu wissen - ist Folge tief greifender Veränderungen, von Allianzen mit ihnen weiß ich nichts.
Umorganisierung des Fabriksystems vom Fordismus zum Toyotismus,
Verdrängung der produktiven wertschöpfenden Arbeit durch eine
expandierende Finanzblasenökonomie, Abbau von Hierarchien und
integiert-zentraler betrieblicher Strukturen durch Zersplitterung
Outsourcing in autonome Unternehmungen, Privatisierung und Ökonomisierung
der staatlichen Infrastruktur, und und und.
Zunächst: Was Du als Fordismus und Toyotismus beschreibst, bezeichnet keine Entwicklung vom einen zum anderen; sie funktionieren als Spielarten innerhalb der nunmehr allein kapitalistisch organisierten industrialisierten Welt. Alle anderen Erscheinungen, die Du hier aufzählst, vermag ich nicht als Wesen gegenwärtigen Seins und derzeitiger Entwicklung sehen. Auch dann nicht, wenn sie denn so wie beschrieben ablaufen und sie vielerlei (negative?) Folgen mit sich bringen. Sie sind Folgen von wesentlichem.
Das Wesen der jüngeren Vergangenheit liegt in der enormen Steigerung von Produktivität und damit unter Anderen auch finanzieller Ressourcen.Ihre unsachgemäße Verwendung ermöglicht und beschert der westlichen Welt eine Reihe unerfreulicher Phänomene, von denen Feminismus nur eines ist.
Als Moment dieser Riesentransformation tritt die moderne Genderpolitik auf
den Plan. Sie ist, um auf Lenin zurückzukommen, als Element dieser
Totalität zu begreifen und gemeinsam mit ihr zu überwinden.
Aha, da staune ich abermals. Hier finde ich nicht der Platz um den Zusammenhang Lenin und Genderpolitik zu betrachten. Es fehlt mir auch an Lust dazu. Aber ich erlaube mir den Hinweis, dass die Zeit, in der wir leben, Transformationen produziert, deren Folgen wir vermutlich nicht einmal erahnen. Uns ergeht es, abermals vermutet, wie den Bäuerlein, die sich innerhalb weniger Jahrzehnte aus ihrer landwirtschaftlich geprägten Lebensweise in den Moloch Großindustrie katapultiert sahen. Mit fatalen Konsequenzen, wie wir heute wissen. Und: die leninistisches Denken war durchaus nicht so beschränkt, wirtschaftliche Transformationen überwinden zu wollen; es gedachte sie in andere Bahnen, jenseits kapitalistischer Zwänge, zu lenken.
Es ist die Schande der Linken, der Beweis für ihr historisches
Überlebtsein in ihrer jetzigen Verfassung, dass männerrechtliche,
kritische Positionen nur über rechtskonservative Kanäle in die
Gesellschaft kamen. Das wird sehr teuer für die Linke werden. Selber
schuld! Aber nicht unabänderlich!
Es ist eine Schande für die Linke, sich bis auf den heutigen Tag einer radikalen, also an die Wurzel gehende Analyse ihres Wirkens in den zurückliegenden 150 Jahren zu verweigern und Schlüsse daraus zu ziehen.
Deshalb erfüllt sie bestenfalls die gleiche Funktion, wie die Handwebstühle des 19. Jahrhunderts: für die Produktion von Textilien zur Deckung des Massenbedarfs völlig ungeeignet, gut für folkloristische oder nostalgische Luxusgüter.
Marx würde vielleicht formulieren: historische Mission verraten und verkauft.
Das mag Mann bedauern oder nicht, aber: Es ist unabänderlich
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Extemplo simul pares esse coeperint, superiores erunt-
Den Augenblick, sowie sie anfangen, euch gleich zu sein, werden sie eure Herren sein.
Schmidt
DvB, Thursday, 16.12.2010, 14:11 (vor 5509 Tagen) @ Holger
mit seinem ohne
Zweifel vorhandenen Format-
Nu übertreib mal nicht so maßlos. Er ist ne Alt-Lusche. Oder machen weiße Haare ehrwürdig? :o
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