Was Frankreich besser macht
Scheidung: Der Vater kehrt an seinen richtigen Platz zurück
In Frankreich lebt jedes vierte Kind mit nur einem Elternteil zusammen. Bei der Vorlage ihres Reformprojekts für das Familienrecht besteht Ségolène Royal auf der Notwendigkeit, die väterlichen Pflichten und Verantwortlichkeiten zu stärken
"Man läßt sich nicht von seinen Kindern scheiden! Unabhängig von der Geschichte des Paares müssen Vater und Mutter ihr Erziehungs- und Sorgerecht ausüben können", hat Ségolène Royal bei der Vorlage ihres Reformprojekts für das Familienrecht betont, bei dem eines der wichtigsten Kapitel "Kindschaft und väterliches Erziehungs- und Sorgerecht" die "gemeinsame Elternschaft" behandelt. Ein Thema, das der beauftragten Familien- und Kinderschutzministerin am Herzen liegt, und das sie bereits zu ihrem Steckenpferd gemacht hatte, als sie noch mit Schulbildung befaßt war, indem sie den Einrichtungen vorschrieb, die geschiedenen oder getrenntlebenden Väter über alles zu informieren, was ihre Kinder betrifft, mit gleichen Recht wie die Mütter.
Diesmal geht die Ministerin weiter, indem sie die amtliche Anerkennung des abwechselnden Sorgerechts durch seine Aufnahme in das Bürgerliche Gesetzbuch fordert - so daß das Kind nach der Trennung abwechselnd bei beiden Elternteilen wohnen kann -, und sie will gleichzeitig, "die Identität des Vaters, seine Pflichten und Verantwortlichkeiten" mit verschiedenen Maßnahmen stärken.
Ein feierliches Anerkenntnis
Dazu gehört die Aufnahme der wichtigsten Artikel des Bürgerlichen Gesetzbuches zum väterlichen Erziehungs- und Sorgerecht in das Familienbuch. Bei der Eheschließung müssen sie gelesen werden; bei nicht verheirateten Paaren müssen sie Gegenstand eines feierlichen Anerkenntnisses durch die Eltern vor dem Standesbeamten werden.
Bei der Geburt des Kindes wird dem Vater ein Vaterpaß übergeben, ein Pendant zum Mutterpaß, der Informationen zum väterlichen Erziehungs- und Sorgerecht enthalten soll. Schließlich soll dem glücklichen Papa nach dem Vorbild Skandinaviens die Möglichkeit gegeben werden, einen Vaterschaftsurlaub anzutreten, ein Projekt, das gegenwärtig untersucht wird.
Grundgedanke des Reformprojekts ist die Vorstellung, daß "jedes Kind zwei Eltern hat, gleichgültig ob seine Familie zusammenlebt, geschieden oder neu zusammengesetzt ist", und es räumt dem abwechselnden Sorgerecht eine neue Position ein.
Im Scheidungsfall soll es keine Randerscheinung mehr darstellen oder von den Gerichtsbehörden eher widerwillig ausgesprochen werden, sondern als positive Alternative, ausgestattet mit materiellen Vergünstigungen für die Umsetzung: Deckung von Sozialabgaben (Sozialversicherung), Wohnungszuschüsse, damit diese Betreuungsart - bei der der Vater ebenso viel Zeit mit seinen Kindern verbringen kann wie seine Ex-Gefährtin - , einen Rahmen erhält, um im ganzen Interesse des Kindes wahrgenommen werden zu können, auch in den am schlechtesten gestellten Familien.
Da das abwechselnde Sorgerecht eine Möglichkeit impliziert, die lange für destabilisierend gehalten wurde, bleibt es trotzdem nach wie vor Gegenstand von Polemik, wie viele Kinderpsychiater und Soziologen sofort wieder anführen (siehe im weiteren).
Scheidung: Keine Nachgiebigkeit im Sorgerecht mehr
Bei einer Scheidung wird dem Elternteil, das kein Sorgerecht für das Kind hat, ein zweites Exemplar des Familienbuchs ausgehändigt. Unter Verweis auf diesen traditionell "marginalisierten" Vater in einer Gesellschaft, die es vorzieht, die Mutter die Last der elterlichen Verantwortung allein tragen zu lassen, besteht Ségolène Royal auf dem Instrument der Begleitung. "Es muß alles in die Wege geleitet werden, um Paaren in einer Ehe- oder Familienkrise zu helfen. Sie müssen auf die Institutionen und Behörden, sozialen Stellen (Anm. d. Red.: Bildung von Elternnetzen in anfälligen Gegenden), PMI (Fürsorge- und Beratungsstellen werdender Mütter und Wöchnerinnen) und Eheberater zählen können, um sich zu informieren, und sie müssen in ihren Bemühungen unterstützt werden."
DschinDschin
--
Barbarus hic ergo sum, quia non intellegor ulli.
Was Frankreich besser macht
"Darf" sie das als hochrangiges Mitglied der französischen sozialistischen Partei und damit als ausgewiesene Linke überhaupt so etwas vertreten? 
--
...und erlöse uns von dem Bösen.
Text von 2001
Daraus ist nichts geworden. Der Text war eine Absichtserklärung