René Kuhn konfrontiert Markus Theneurt von maenner.ch
Im Landboten wurde René Kuhn zusammen mit Markus Theneurt interviewt. Wir kennen Markus Theneurt von maenner.ch noch von vor dem Antifeminismustreffen, als er sich lautstark und besonders intelligent von uns distanzierte.
Hier das Interview:
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Warum hassen Sie die Feministinnen?
René Kuhn: Ich hasse sie nicht, ich bekämpfe ihre Ideologie. Es geht ihnen nicht um Gleichberechtigung, sondern um mehr Rechte auf Kosten der Männer. Aus meiner Sicht ist eine Feministin keine Frau. Sie gehört in die Kategorie Männerhasserin.
Wo hat der Feminismus die Besserstellung gegenüber Männern bewirkt?
Kuhn: Sicher im Scheidungsrecht, das völlig zum Nachteil der Männer ausgelegt ist. Sonst würden nicht 80 Prozent der Scheidungen von Frauen eingereicht. Sie haben finanziell weniger zu verlieren. Wir fordern, dass Unterhaltszahlungen nur noch an die Kinder ausgerichtet werden, die Ex-Frau soll selber schauen, wie sie sich finanziert. Wäre noch das traurige Kapitel Sorgerecht. Tausende von geschiedenen Vätern kämpfen darum, ihre Kinder zu sehen und gehen beinahe daran zugrunde. Väter müssen die gleichen Rechte haben wie Mütter.
Sind die Feministinnen schuld?
Markus Theunert: Das ist genau der Punkt, wo Herr Kuhn und ich unterschiedliche Haltungen vertreten. Die Diagnose ist zwar sehr ähnlich: Es verbreitet sich in der Schweiz die Wut der Männer, die sich als Emanzipationsverlierer sehen. Der Antifeminismus löst aber nichts, im Gegenteil, er schafft neue Probleme. Ich werfe der antifeministischen Bewegung vor, dass sie ein unlauteres Feindbild konstruiert. Sie gibt den Feministinnen die Schuld. Das ist unzulässig. Natürlich gibt es einzelne radikale Feministinnen, die mehr als die Gleichberechtigung fordern. Aber es ist nicht der Feminismus per se. Ihre Haltung verstehe ich als mangelnde Wertschätzung der kulturellen Bedeutung, welche die Frauenbewegung hatte.
Wer hat die Probleme verursacht?
Theunert: Die heutigen Geschlechterverhältnisse sind ein Produkt der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten 200 Jahre. Nach der industriellen Revolution entstand die gutbürgerliche Familie mit der entsprechenden Rollenverteilung von Mann und Frau. Das löste eine Gegenreaktion seitens der Frauen aus. Sie wehrten sich auch für das Stimm- und Wahlrecht.
Kuhn: Niemand will die Frauen zurück an den Herd drängen. Mann und Frau sind per Bundesverfassung gleichberechtigt, für junge Frauen heute eine Selbstverständlichkeit. Doch die Feministinnen haben Genderfachstellen und Gleichstellungsbüros eingerichtet. Und die – verweichlichten – Politiker wehrten sich nicht dagegen, weil sie sofort als Extremisten gegolten hätten. Diese Fehler sind gemacht, jetzt müssen wir sie beheben und alles gegen die Gleichmacherei unternehmen.
Was meinen Sie mit Gleichmacherei?
Kuhn: Es wird kein Unterschied mehr gemacht zwischen den Geschlechtern, selbst im biologischen Bereich. Fragt man heute eine schwangere Frau, ob sie einen Jungen oder ein Mädchen erwartet, muss man mit der Antwort rechnen: «Das kann mein Kind später selbst entscheiden.> Mann und Frau sind verschieden. Und das ist auch gut so. Auch die Frauen aus meinem Umfeld wehren sich gegen diese Gleichmacherei. Jede Frau soll selber entscheiden, wie sie ihr Leben lebt.
Theunert: Also soll sie auch entscheiden können, ob sie Feministin ist, oder ob sie sich die Beine rasiert...
Kuhn: ...sicher, wir sind in der Schweiz.
Vor einem Jahr haben Sie sehr abschätzig über Frauen geurteilt, die kein Make-up benutzen, und grosse Empörung ausgelöst. Ist nur eine echte Frau, wer Stöckelschuhe trägt?
Kuhn: Nicht unbedingt. Eine Frau soll herumlaufen, wie sie will. Ich habe meine persönliche Auffassung kundgetan, diese kann man teilen oder nicht. Im Ausland fällt mir einfach auf, dass die Frauen dort femininer sind.
Herr Kuhn sprach vorhin von den verweichlichten Männern, die mit Frauen zugunsten der Gleichstellung kooperieren. Sind Sie verweichlicht?
Theunert: Einerseits bezeichnen mich Antifeministen als verweichlicht, andererseits werfen mir Frauenorganisationen vor, zu anwaltschaftlich für Männerinteressen einzustehen. Unsere Sache aber ist klar: Wir wollen eine chancengleiche, geschlechtergerechte Gesellschaft realisieren und bieten Hand zu dieser historischen Chance. Und wir nehmen uns als Männer das Recht heraus, zu formulieren, wie wir uns diese Gesellschaft vorstellen. Dabei lehnen auch wir die Dominanzansprüche gewisser Frauen ab, die alleine entscheiden wollen, was Gleichstellung bedeutet. Dafür braucht es eine dicke Haut, insofern perlt der Vorwurf der Verweichlichung an mir ab.
Der Ansatz von Herr n Theunert klingt doch vernünftig, Sie sind ja auch für Geichstellung?
Kuhn: Nein, nicht für Gleichstellung, sondern für Gleichberechtigung.
Das heisst?
Kuhn: Gleichstellung bedeutet Quote. Das kann es nicht sein. Wenn Frauen besser sind als Männer, habe ich null Probleme, wenn sie weiterkommen. Aber nicht mit Quoten. Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Frauen uns schreiben, dass sie diese staatlich verordnete Gleichstellung ablehnen. Sie wollen keine Karriere machen, sondern gerne die traditionelle Frauen-und Mütterrolle ausüben. Sie wollen einen Mann, der für sie sorgt, und keinen Waschlappen.
Theunert: Merken Sie den Widerspruch? Zuerst sagen Sie, für die jungen Frauen ist Gleichberechtigung selbstverständlich, dann sagen Sie, die jungen Frauen wollen zurück in die traditionelle Rolle.
Kuhn: Eine Frau soll sich doch frei für die traditionelle Rolle entscheiden dürfen. Sie darf nicht mit Quoten zur Karriere gezwungen werden.
Theunert: Wo in der Schweiz gibt es Frauenquoten? Ein Beispiel?
Kuhn: Es gibt im Kanton Luzern in der Hochbegabtenschule eine 50:50-Quote für Mädchen und Knaben.
Theunert: Wenn das stimmt, ist das die absolute Ausnahme, Quoten gibt es weder in der Politik noch in der Wirtschaft.
Kuhn: Aber entsprechende Forderungen von Feministinnen müssen verhindert werden.
Theunert: Quoten sind vielleicht nicht die ideale Lösung. Aber ich halte staatliche Fördermassnahmen für sinnvoll. So kann das Ziel erreicht werden, dass Frauen wie Männer über ihre berufliche Laufbahn entscheiden können.
Dass Frauen in Spitzenpositionen der Wirtschaft noch immer die Ausnahme sind, können Sie nicht abstreiten. Es gibt doch bei beiden Geschlechtern Ungerechtigkeiten, und beide Seiten müssen einander helfen, diese zu beheben.
Kuhn: Ich glaube einfach nicht, dass Frauen wegen ihres Geschlechts in der Wirtschaft untervertreten sind. Frauen wollen einfach weniger Karriere machen als Männer. Wenn Frauen dies wollten, könnten sie zusammenstehen, das Parlament und die Gesetze ändern sowie die Mehrheit der Verwaltungsräte stellen, denn in der Bevölkerung haben die Frauen die Mehrheit.
Theunert: Dass Frauen nicht Karriere machen wollen, ist eine Behauptung. Dass sie es weniger tun, hat mit ihrem Rollenselbstverständnis zu tun.
Kuhn: Bringen Sie mir konkrete Beispiele von Frauen, die allein wegen ihres Geschlechts keine Karriere machen konnten. Das ist doch das gleiche wie mit dieser Lohnlüge. Bisher wurde behauptet, Frauen verdienten 23 Prozent weniger. Das wäre tatsächlich eine Schweinerei. Doch die neueste Studie hat gezeigt, dass es andere Gründe gibt.
Theunert: Frauen, die sich bewerben, verhandeln schlechter. Das hat aber stark mit ihrer traditionellen Geschlechterrolle zu tun. Es ist ja nun wirklich nicht so, dass sie gerne weniger verdienen. Und was Sie als Lohnlüge verkaufen, ist keine Lüge. Denn auch die neue Studie belegt, dass es zwischen Mann und Frau noch immer einen nicht erklärbaren Lohnunterschied von acht Prozent gibt. Das ist ungerecht und muss bekämpft werden, auch im Interesse der Männer. Denn die Probleme, die uns Scheidungs- und Sorgerecht bescheren, sind auch damit zu begründen, dass der Mann wegen seines höheren Lohnes der Haupternährer bleibt. Damit entfremdet er sich von der Familie und ist am Schluss der Dumme. Er bezahlt, bis er krank wird, und sieht seine Kinder nicht.
Wäre es an der Zeit, dass Männer ihre Rolle kritisch hinterfragen?
Kuhn: Das ist durchaus gut. Diese Fragen soll sich aber jede Familie selbst stellen. Das geht den Staat nichts an.
Theunert: Der Staat redet sowieso mit, etwa bei der Mutterschaftsversicherung oder beim Vaterschaftsurlaub. Wenn der Staat diesen gewährt, spurt er die spätere Rollenverteilung vor. Die Beziehung zwischen Vater und Kind verstärkt sich. Gewährt er ihn nicht, hält er die Väter von ihren Kindern fern und begünstigt die traditionelle Rollenverteilung. Oder bei der Pensionskasse: Arbeiten beide Eltern je zu 50 Prozent, bleibt ihnen im Alter weniger Geld als mit dem traditionellen Modell. Der Staat kann gar nicht nicht normativ einwirken. Dann ist es mir lieber, er wirkt begünstigend in Richtung Gleichstellung.
Das Volk hat zur Mutterschaftsversicherung Ja gesagt. Die Gesellschaft will offenbar Veränderungen.
Kuhn: Ich akzeptiere den Entscheid, finde ihn aber falsch. Der Staat setzt in zu vielen Bereichen falsche Anreize. Wir fangen jetzt an und bekämpfen die Bevorteilung der Frauen ...
Theunert: ... und dazu verwenden Sie die klassischen SVP-Ingredienzen: 1. Sündenbock bestimmen, 2. scharf schiessen und für grosse Aufregung sorgen, 3. Wesenseigenheiten definieren (so sind Schweizer, so sind Frauen), 4. Staatsbashing und die Behauptung, man müsse die Gesellschaft sich selbst überlassen.
Welche Forderungen stellen Sie?
Theunert: Wir wollen Frauenförderung, weil es tatsächlich Lohnungleichheit gibt. Wir wollen Männerförderung, weil Männern die Freiheit fehlt, ihr Leben nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten, zum Beispiel als engagierter Vater. Und wir wollen den Dialog zwischen den Geschlechtern, die auf Augenhöhe miteinander aushandeln, was Chancengleichheit heisst. Auch die Bereitschaft zum Dialog mit Herrn Kuhns Organisation ist da. Allerdings unter der Voraussetzung, dass dem politischen Gegner, also den Frauenorganisationen, mit Respekt begegnet wird. Für uns ist klar: Männerpolitik, die den Geschlechterkrieg befördert, bringt es nicht. Zu behaupten, eine Feministin sei keine Frau, ist zutiefst herabwürdigend.
Gehen Sie auf diesen Antrag ein?
Kuhn: Wir sind offen. Klar wollten wir provozieren mit unserem Namen und unseren Aussagen, um auf unsere Anliegen aufmerksam zu machen. Das Ziel haben wir erreicht. Ob wir so weitermachen oder nicht, werden wir an unseren nächsten Treffen diskutieren.
lINTERVIEW: KARIN LANDOLT
«Für mich ist eine Feministin keine Frau>
René Kuhn, erklärter Antifeminist und ehemaliger SVP-
Politiker, und Markus Theunert, Präsident des Männerdachverbandes männer.ch, streiten über die Wirkung der Frauenbewegung und wie sich Männer heute damit zurechtfinden.
männer.ch, Dachverband der Männer- und Väterorganisationen, verfolgt seit 2005 das Ziel, im Dialog mit Frauenorganisationen ihre Sicht in den Gleichstell ungsdialog einzubringen. Unter anderem will der Verband erreichen, dass Männer es dank entsprechender Rahmenbedingungen leichter haben, neben der traditionell en Roll e auch andere Lebenswege einzuschlagen.
Markus Theunert, männer.ch
Vergangenen April gründete René Kuhn mit Gleichgesinnten die IG Antifeminismus (IGAF). Ziel ist es, «den Feminismus und die Bevorteilung von Frauen gegenüber Männern zu bekämpfen>. Das erste öffentliche Treffen im Oktober wurde von linken und feministischen Kreisen beinahe verhindert. Nach Angaben der IGAF hat sich seither die Mitgliederzahl von 800 auf 2000 erhöht.
René Kuhn, IG Antifeminismus
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"Zur Durchführung seines Zieles erachtet der Maskulismus [...] als aufrichtig und sinnvoll: [...] das ursprüngliche Anliegen einer wirklichen Gleichberechtigung beider Geschlechter." - Michail A. Savvakis

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