Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

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Hallo trel

Informator, Monday, 08.11.2010, 03:58 (vor 5546 Tagen) @ Holger unplugged

Was du schreibst, war mir großenteils neu, ganz einfach, weil ich das Buch bis jetzt nur selektiv gelesen habe. Ich hatte nämlich nur die Stellen herauszufinden gesucht, die für einen Eintrag im Sexistinnen-Pranger wichtig sein könnten.

Allerdings hatte ich zuvor den Wikipedia-Eintrag sowie alle dort verlinkten Texte gelesen. Und ich muß sagen, daß dieser Mensch demnach ein hoch interessantes, ja geradezu aufregendes Leben geführt hat. Er war ja nicht nur Universitätsprofessor - das wurde er erst ziemlich spät -, sondern erst einmal erfolgreicher Krimi-Autor (sein Pseudonym wurde erst viel später aufgedeckt), Filmemacher, und vor Allem Jazz-Journalist, dazu musikalisch ausübend, tätig meist in Amerika. Alles in Allem war er außerordentlich kreativ, nicht nur der Masse nach. Er war in jeder Hinsicht originell.

Was du über den Inhalt des Buches berichtest, das wirkt auf mich einigermaßen schockierend. Ich werde das Buch gewiß noch vollständig lesen, muß aber gleich hinzusetzen, daß ich nicht alles für bare Münze zu nehmen pflege, gerade wenn es aus der Feder von ideologisch dermaßen vorbelasteten Autoren kommt. Ich lese oft parallel dazu das Buch eines Autors, der zum selben Thema in etwa die entgegengesetzte Meinung vertritt. Das wäre in diesem Falle Huntemann.

Höchste Zeit, daß dieser Kretin entgültig vergessen wird.

Da möchte ich widersprechen, zumal du schreibst:

Leider bin ich meines 'Bornemann' im Rahmen der Bücherverbrennungsaktion meiner Echse verlustig gegangen (sie wußte, daß ich Bücher besonders liebe).

Gewiß, ich sähe es als ein Unglück, wenn seine Auffassungen weiterhin kulturprägend wirken würden. Anderseits möchte ich, um das zu verhindern, nicht die Zensur, nicht das Bücher-Verbrennen, und nicht einmal das Vergessen empfehlen. Es ist wie mit der (angeblichen) Bedrohung durch den Islam: Wir brauchen eine eigene, eine autochthone kulturelle Erneuerung. Leere Altäre werden durch Dämonen besetzt, schrieb Ernst Jünger. Ein Vakuum wird immer gefüllt werden.

Es kommt also darauf - so behaupte ich -, das Patriarchat zu erneuern. Die Feministen wollen das Matriarchat (falls es ein solches gegeben hat) revitalisieren. Das haben sie sogar schon erreicht. Eigentlich ist das auch nicht schwer, denn zum Matriarchat fällt man; zum Patriarchat, d.h. zur Auferstehung, muß man sich erheben. Die alten Hebräer, noch mehr die Griechen waren Kulturvölker, weil sie patriarchalisch, ja wirklich "frauenfeindlich" eingestellt waren. Kulturhöhe korreliert mit Frauen-Feindlichkeit, das wurde uns sogar in einem feministischen Oberseminar an der Bonner Universität gelehrt. Heute können bei uns ja selbst Studentinnen oft kaum mehr richtig schreiben und lesen.

Alle modernen Revolutionen gingen von vater-hassenden Intellektuellen aus. Für die Frauenbewegung gilt das in besonderem Maße. Selbst die Solanas war eine Studentin. Und auf dieser Ebene muß auch die Gegen-Offensive stattfinden, wenn Blutvergießen vermieden werden soll. Letzteres befürchte ich nämlich. Die jüngsten Ereignisse in der Schweiz um den antifeministischen Kongreß deuten jedenfalls darauf hin, daß dem Feminismus ein mindestens ebenso hohes Gewaltpotential zu Gebote steht wie den bisherigen revolutionären Bewegungen.

Soweit vorerst zur späten Stunde.

Gruß
trel


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