Die Zeit (Schweizausgabe): "Mann, was bist du gut"
http://antifeminismus.ch/downloads/diezeit041110.pdf
selbstverständlich nicht in der BRD Ausgabe zu finden
>Mann, was bist du gut!«
Rastlos streifen die Security-Leute durch die Hotelhalle, draußen, hinter dem Wald, lauert abrufbereit die Polizei. Und das alles in der Nähe der deutschen Grenze. Immer wieder wirft das Publikum besorgte Blicke zu den Fenstern des schmucklosen Raumes. Doch draußen bleibt alles ruhig, und auch der Mann auf dem Podium lächelt zuversichtlich. Auf seinem blank rasierten Schädel spiegelt sich die Deckenlampe, die schwarze Hornbrille scheint wuchtiger denn je. Ja, der Eindruck täuscht nicht. René Kuhns Wangen sind eingefallen, und seine Hose schlottert. Die Aufregungen der letzten Woche haben ihn fünf Kilo gekostet.
Kein Wunder. Begonnen hat es vor zwei Wochen damit, dass er plötzlich ohne Konferenzsaal für seine 150 angemeldeten Anti-Feministen da stand. In letzter Minute hatte das gebuchte Giardino verde abgesagt, ein Gewächshaus auf der grünen Wiese – und damit Traumziel für alle Chaoten. Auch die anderen angefragten Lokalbesitzer wollten kein Risiko eingehen. Dann verschmierten Linksaktivisten ein paar Wände und drohten mit einer Demo während des Kongresses.
Um ihren Gegner gewichtiger erscheinen zu lassen, machten sie aus dem 1. Internationalen Anti-Feministen-Kongress die Speerspitze eines rechtsradikalen Trupps, der kurz davor steht, das Bundeshaus für seine Sache zu gewinnen: Frauen, zurück an den Kochherd! Händereibend vermeldeten die Medien, allzeit bereit in Sachen Political Correctness, René Kuhns Schicksalsschläge. Und der fragte sich entnervt: >Wo leben wir eigentlich? In Nordkorea, wo es keine Versammlungs-, Rede- und Meinungsfreiheit gibt?«
Doch vergangenen Samstag zeigte sich, zu welch logistischen Meisterleistungen ein unter Druck gesetztes Männerhirn fähig ist. René Kuhn bestellte seine Antifeministen morgens um sechs Uhr via SMS auf den Flughafen Zürich. In der Abflughalle A mussten sie nach einem Pappkarton mit dem Geheimcode >Egala« suchen und diverse Checkpoints passieren. Um mögliche Verfolger abzuschütteln, wurden sie in Privatautos auf Nebenstraßen, an herbstlichen Äckern und weidenden Kühen vorbei, in ein Hotel am Rhein gefahren, dessen Namen sie – auch später, auch unter Folter! – nie nie preisgeben durften. Der Hotelier sollte nicht für seine Zivilcourage bestraft werden. Der nicht.
Bescheiden senkt René Kuhn den Kopf, als der Applaus für seinen Mut losrauscht. >Eine Sternstunde!«, ruft ein Mann im Publikum und erhebt sich. >In Deutschland würde jeder gelyncht, der einen Anti-Feministen-Kongress organisiert«, fügt der Leiter eines Kölner Kinderhilfswerks bei. In der Schweiz ja auch. René Kuhn weiß inzwischen, dass man straflos über Papst und Propheten herziehen darf. Doch wer Frauen kritisiert, riskiert, in einen Topf mit bekennenden Pädophilen, Vergewaltigern, Holocaustleugnern und anderen Scheusalen geworfen zu werden.
Was immer René Kuhn durch den Kopf ging, die Zeitungen druckten es
Kuhns Helden-Karriere begann mit einem Zufall. Da hämmerte der Luzerner Informatiker und ehemalige Parteipräsident der städtischen SVP seinen Abscheu über die >zerlumpten Vogelscheuchen« in seinen Privat-Blog. Schimpfte, in Stammtischmanier, über das >Gruselkabinett« der linken und grünen Frauen, die weder Schmuck noch Schminke trügen, >obwohl sie es nötig hätten«.
Eine Woche später war das SVP-Mitglied der Frauenhasser der Nation. Glücklich, einen bekennenden Macho am Wickel zu haben, grasten die Journalisten regelmäßig seinen Blog nach neuen Aufregern ab. Und René Kuhn enttäuschte sie nicht. Was immer ihm durch den Kopf ging, stets fand sich eine Zeitung, die es druckte. Selbst sein Unmut darüber, dass Männer in der Boutique nicht mehr vor den Umkleidekabinen warten dürfen, war einer Luzerner Zeitung eine halbe Seite wert. Ihm kann’s recht sein. Jeder Artikel erhöht die Zahl seiner Fans. Und die Mitgliederzahl seiner im September gegründeten Männer-Interessengemeinschaft nähert sich inzwischen der zweitausender Grenze.
Beflügelt von so viel Aufmerksamkeit, legte René Kuhn nach. >In meiner aktiven SVP-Zeit hat sich kein Schwein für meine Website interessiert.« In nur drei Monaten schlenzte er das Buch Zurück zur Frau – weg mit den Mannsweibern und Vogelscheuchen. Ein Tabubruch hin. Bis heute verkaufte er 5000 Exemplare seines Werkes, was in der Schweiz schon ein Bestseller ist.
Weil viele Buchhandlungen das Buch boykottieren, vermutet der Autor das Geschäft in Feministinnen-Hand. Zu Recht, meint er, die ins Internet gestellten Fotos der Filialleiterinnen bestätigten ihm das. Seither wundere ihn, schreibt er, >gar nichts mehr«.
Männer sind für die Medien nicht interessant. Nur Frauen sind Opfer
Doch seit September dieses Jahres ist Schluss mit Kuhns Narrenrolle im Geschlechterkampf. Jetzt geht’s nicht mehr um Mannweiber mit Haaren, >die von einem wütenden Papagei bearbeitet wurden«. Jetzt legt er den Schalter um. Bewegt dazu haben ihn die zahlreichen Briefe von Männern, die sich von den Feministinnen nicht nur optisch, sondern existenziell angegriffen fühlen. Ihre Ex plündere sie bis zum Existenzminimum aus. Ihre Kinder dürften sie nicht mal am Telefon sprechen. Herkömmliche Männerorganisationen sind der Kuhn-Klientel zu links, latzhosig und feministinnen-kompatibel. Was sie suchen, ist ein Waffenkamerad mit scharfer Munition, einen wie René Kuhn eben.
In der Männer-Beraterszene empfängt man die neue Konkurrenz zurückhaltend. René Kuhn fehlt der Stallgeruch, die Leidenskomponente, das an sich
Tragische. Er ist weder geschieden noch getrennt – und damit auch nicht persönlich betroffen. Tatsächlich geht’s ihm, der als Informatiker arbeitet, bestens. Er besitzt ein aufgeräumtes Naturell, liebt guten Wein und dicke Zigarren. Und kehrt er abends in seine Duplexwohnung am Vierwaldstättersee zurück, wirft ihm dort seine kleine Tochter die Arme um den Hals und begrüßt ihn Gattin Oxana, ein Prachtexemplar von Weib, das seinen Russinnenglamour auf hohen Absätzen balanciert. Kennengelernt hat er die Dolmetscherin auf einem Geschäftstrip in Moskau.
Auch beim Kongress fühlt sich mancher Männer-Berater frustriert. Da unterstützen Mannschafft und Männerpartei Schweiz seit Jahrzehnten Tausende von Geschlechtsgenossen und schicken am Tag der Menschenrechte, dem 10. Dezember, blaue Nikoläuse auf die Straße. Und was passiert? Null. Nichts. Nada. Was Männer tun, ist für die Medien uninteressant. Nur Frauen dürfen Unrecht geltend machen. Nur Frauen sind Opfer. Kommt aber ein Mann wie René Kuhn, so fahren 20 Journalisten, zwei Radiosender und drei Fernsehstationen am Wochenende in die Pampa.
Vielen Medien war freilich schon vor dem Mittagessen klar: Dieser Anlass gibt nichts her. Zu seriös die Themen. Zu viele Tabellen, Zahlen, Daten. Zudem sind die Antifeministen gar keine richtigen Frauenhasser. Sie akzeptieren durchaus Frauenrechte wie gleichen Lohn und gleiche Chancen. Alles, wofür sie kämpfen, ist die Abschaffung der Frauen-Privilegierung auf Kosten der Männer: Frauen bekommen früher ihre Rente, müssen keinen Militärdienst leisten, sind Profiteurinnen des Scheidungsrechts. Sie wollen korrigieren, wo die Emanzipation zu weit gegangen ist.
Scheidung, sagt einer, sei zum >weiblichen Volkssport« verkommen
Auf Krawall und verbale Ausfälle war nicht zu hoffen. Gesittet sitzen die Teilnehmer im Saal, als wär’s ein Seminar für Zahntechniker oder ein Weiterbildungskurs für Programmierer.
Höflich nutzen sie den geringsten Anlass, um
zu applaudieren. Vier der sechs Referenten kommen aus Deutschland, wo man zackiger als in der Schweiz mit dem Thema umgeht.
Eckhard Kuhla von Agens, ein hochgewachsener, weißhaariger Hanseate im Glencheck-Karo, macht sich jeden Morgen unter der Dusche Mut mit dem Satz: >Mann, was bist du gut!« Der ostdeutsche Schriftsteller und Liedermacher Bernhard Lassahn zerpflückt in einem furiosen Wortritt die feministische Sprache als verlängerten Arm der Roten-Armee-Fraktion. Er ist vom Feminismus gleich doppelt betroffen. Nicht nur lebte er mit einer Feministin zusammen. Eines seiner Bücher blieb unverfilmt, weil den Feministinnen seine Frauenfiguren nicht gefielen. Behauptet er wenigstens.
Wichtigstes Thema freilich bleibt die Scheidung. George Zimmermann, Präsident der schweizerischen Interessengemeinschaft geschiedener und getrennt lebender Männer, wendet sich in seinem Referat konsequent an die >sehr geehrten Männer« und fixiert die wenigen Frauen
im Publikum strafend über seine Halbbrille. Verständlich. Wer tagtäglich mit finanziell und seelisch ruinierten Männern zu tun hat, sieht in jedem weiblichen Wesen die raffgierige, schlagkräftige, niederträchtige Furie. Scheidung ist für ihn zum >weiblichen Volkssport« geworden, bei dem die Frauen ohne jegliches Risiko zu viel Geld und alleiniger Macht über die Kinder kommen. Wollen sie ihren Ex endgültig vernichten, dichten sie ihm sexuellen Missbrauch an. Die Selbstmordrate der Männer nach der Scheidung ist achtmal so hoch wie bei den Frauen.
So unterschiedlich wie die Referenten, so unterschiedlich auch die Zuhörer. Die einen zitieren Friedrich Nietzsche und Herbert Grönemeyer, die anderen wissen nicht, wie man Feminismus schreibt. Die einen schauen durch jede Frau hindurch und schieben dabei den Unterkiefer vor. Die anderen hassen nur ihre eigene Ex und erkundigen sich beim Mittagessen besorgt, ob man schon einmal vergewaltigt worden sei.
Bernhard Lassahn sagt es so: >Wir alle hier haben nichts Gemeinsames, außer unsere schlechten Erfahrungen mit Frauen.«
Manchen sieht man die Spuren dieser Erfahrungen an. Ein Mann fährt, wenn er von seinen Kindern erzählt, rasch mit beiden Händen ein paar Mal hintereinander über das Gesicht. Einem anderen zuckt unkontrolliert das Lid. Einige haben Flugblätter mitgebracht, um ihre eigene Not zu dokumentieren. Der Basler Mechaniker Daniel, Vater von zwei Kindern, zieht sie gleich bündelweise aus der Tasche. Der >Mann als Opfer häuslicher Gewalt« steht darauf.
Wie ein Boxer trägt Bernhard Lassahn einen Tiefschutz unter seiner blauen Arbeiterhose. Vielleicht kommen sie ja doch noch, die angedrohten Feministinnen
Feministische Nebelwerfer
Bernhard Lassahn einen Tiefschutz unter seiner blauen Arbeiterhose.
1) Bernhard Lassahn trug keine blaue Arbeiterhose sondern braunen Anzug.
2) Den Rest von diesem "Bericht" kannst du auch getrost vergessen.

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Liebe Grüße
Oliver
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Ich finde den Bericht sehr positiv, wenngleich sich mehr offensiver Kampfgeist widerspiegeln könnte.
"1) Bernhard Lassahn trug keine blaue Arbeiterhose sondern braunen Anzug."
- Auf der Abbildung in der "Zeit" (siehe PDF) aber schon. Hm ..
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Der Bericht bringt einige Dinge durcheinander, zum Beispiel auch, dass der Präsident der Männerpartei nicht abgelichtet werden wollte, was natürlich Blödsinn ist. Aber sonst ist der Bericht ganz gut
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Ich weiss nicht, was ihr da schon wieder zu motzen habt. Das ist ein genialer Artikel und wirklich der Höhepunkt der Berichterstattung zum Antifeminismus-Treffen
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Ich finde den Bericht sehr positiv, wenngleich sich mehr offensiver
Kampfgeist widerspiegeln könnte.
Mann ist schon froh wenn nur 50% eines Zeit-Artikels abwertend sind. Ich hätte ja gern den Namen eines verstorbenen NS-Propagandisten verwendet, mit Verweis auf "LTI" von Victor Klemperer, aber dafür bin ich einfach zu dumm
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Mann ist schon froh wenn nur 50% eines Zeit-Artikels abwertend sind.
Genau das meinte ich auch. Man wird ja bescheiden.
Und ich bestehe auf dem besagten braunen Anzug.
Schließlich saß ich neben ihm! Live und in Farbe.

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Liebe Grüße
Oliver
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