Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Männer sind Schweine

Kienzle, Friday, 29.10.2010, 01:46 (vor 5556 Tagen)

Stuttgart - In Sibylle Bergs Monologfolge „Missionen der Schönheit“ geht es um Männergewalt, dem Regisseur Hasko Weber ging es zunächst um eine andere Gewalt. Vor Beginn seiner Uraufführungsinszenierung protestierte der Intendant des Stuttgarter Staatsschauspiels „strikt gegen diesen Gewalteinsatz der Polizei“. Am Nachmittag des Premierentags hatte die Polizei mit Wasserwerfern und Schlagstöcken passive Widerständler von den Bäumen in den Mittleren Anlagen weggespült und weggeknüppelt. Blut ist geflossen, damit die Bäume für Stuttgart 21 fallen können. Wenn mit ihnen der zivilisierte Umgang mit dem Protest fällt, kann in derselben Stadt nicht mehr kommentarlos Theater ge­spielt werden.


Was dann mit Kommentar in der Box - der kleinen Bühne der Interimspielstätte Türlenstraße des Staatsschauspiels - gespielt wurde, spielt in verschiedenen Städten und handelt vom Grundkonflikt aller Zivilisation in acht Varianten ein und desselben Leid-Motivs: Eine Verständigung zwischen den Geschlechtern ist nicht möglich, und Männer sind Schweine. Mit dem Untertitel „Holofernesmomente“ und dem Rollennamen Judit für alle acht Monolog-Frauen ansteigenden Alters bezieht Berg das Unbehagen am Manne und die Kruditäten seiner durch Kaltschnäuzigkeit, Sexua­lität oder schieren Sadismus ausgeübten Gewalt auf die Geschichte der alttestamentarischen Gottes­kriegerin. Deren Mis­sion der Schönheit täuscht Liebe vor und vollzieht Gegengewalt in einer zerebralen Kastration: der Enthauptung des feindlichen Mannsbilds namens Holofernes.

Männerentsorgung spielt daher eine zentrale Rolle in den teils scharf porträtierenden, teils verwackelten Monologen, und deshalb drückt Weber zum Beispiel der 38-Jährigen aus Sao Paulo (Gabriele Hintermaier) zwei schwarze Plastiksäcke in die Hände („Es würde mein letzter Mann sein...“). Doch Bergs mythische Judit-Projektion macht der Regisseur nicht mit, sondern transponiert sie in einen anderen Bild-Raum. Die Box ist zur Bar ausstaffiert, man sitzt an Tischchen, glitzerndes Lametta und gleißende Disco-Kugeln signalisieren Showbiz zwischen Selbstdarstellung und Zwangsexhibitionismus (Bühne und Kostüme: Janina Thiel). In keinem Moment Holofernes ist der einzige Mann im Spiel, nämlich der Pianist (Murat Parlak), ein backenbärtiges Reiz-Reflex-Kerlchen, das zwar mal „Sexbomb“ rufen darf, ansonsten aber, handzahm domestiziert, Rammstein‘sche Groteskgräuelsongs zu begleiten hat, mit denen Weber das Geschlechterkampf-Varieté aufmotzt.

Tingeltangel-Verfremdung
Webers Ironie samt Tingeltangel-Verfremdung realisiert das Judit-Motiv, ohne es abzubilden: in den selbstbewusst sich artikulierenden, stolz ihre Handlungen präsentierenden starken Frauen. Solche Distanzierung vom Schema biologisch determinierter Unterdrückung unterschlägt keineswegs das Grauen in der Männerwelt, die Berg von Berlin über Johannesburg bis ins biblische Betulia globalisiert und doch meist unscharf lokalisiert. Allenfalls die vom Pornogeschäft regelrecht zur Sau gemachte, trotzdem ans Model-Glück glaubende 30-Jährige aus Kiew (Lisa Wildmann - mit Wiener Dialekt) oder die gefolterte und verstümmelte 23-Jährige aus Kinshasa tragen Stigmata ihrer geographischen Herkunft.

Dass Weber den Text Bergs vom Alpdruck des reinen Opfer­klischees erlöst, gibt den vier (ohne Rücksicht aufs biologische Alter besetzten) Darstellerinnen der acht Figuren spielerische Leichtigkeit - und deren Taten eine satirische, zugleich zorneshelle Konsequenz: ob sich nun die 74-Jährige (Anja Brünglinghaus) ihrer rüpelnden Familienmännerhorde entledigt, weil sie einfach ihre Ruhe haben will, oder ob die Zwölfjährige (Katharina Ortmayer), die schon immer ein Junge sein wollte, den Suff- und Prügelvater ins Jenseits befördert. Als männlicher Zuschauer erlebt man eine Art geistiger Geschlechtsumwandlung: Man kann mitfühlen.

http://www.esslinger-zeitung.de/lokal/kultur/schaufenster/Artikel609272.cfm

Nun, da der Verfasser dieses Mülls selbst ein Mann, nein, ... doch nicht ...

Müller ⌂, Friday, 29.10.2010, 03:09 (vor 5556 Tagen) @ Kienzle

... vielleicht projeziert er ja nur seine eigenen Vorlieben, z.B. sich in den Ausscheidungen seiner Genossen zu suhlen, von sich auf alle.

Vielleicht grunz und stinkt er selbst wie ein Schwein, vielleicht trifft ihn dieses Los so sehr, dass er es nicht alleine tragen möchte.

Wahrlich, der Produzent dieses Abfalls auf Niveau eines Borstensviehs ist ein Schwein.

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