Erleichterung in Chile
Kurti, Wien, Thursday, 14.10.2010, 14:14 (vor 5571 Tagen)
Alle oben - schneller als erwartet
Für die 33 verschütteten Bergleute in Chile ist ein Albtraum zu Ende gegangen: Nach 69 Tagen in der eingestürzten San-José-Mine sind sie wieder an der Oberfläche und wurden mit lautstarkem Jubel von ihren Angehörigen begrüßt. Als letzter der Kumpel verließ Schichtleiter Urzúa die Rettungskapsel. Auch die sechs Retter sind wieder über Tage.
Von Gottfried Stein, ARD-Hörfunkstudio Südamerika, zzt. in Copiapó
33 Momente unbeschreiblicher Erleichterung und überschäumender Freude: Die über zwei Monate eingeschlossenen Bergleute sind wieder an der Erdoberfläche. In weniger als 24 Stunden gelang es den Rettungskräften, die Männer aus über 600 Metern Tiefe mit der Rettungskapsel "Phönix" zu befreien.
http://www.tagesschau.de/ausland/chile396.html
Gruß, Kurti
Geschichten von Grubenunglücken
Donna Amaretta, Thursday, 14.10.2010, 19:55 (vor 5571 Tagen) @ Kurti
Alle oben - schneller als erwartet
Für die 33 verschütteten Bergleute in Chile ist ein Albtraum zu Ende
gegangen: Nach 69 Tagen in der eingestürzten San-José-Mine sind sie
wieder an der Oberfläche und wurden mit lautstarkem Jubel von ihren
Angehörigen begrüßt. (...)Gruß, Kurti
Das ist eine großartige Leistung gewesen, aus so unglaublicher Tiefe
- 700 m- all diese Männer nach so langer Zeit heil zu bergen.
Ich hätte das nicht für möglich gehalten, befürchtete, das die Transportkapsel stecken bleiben könnte, ein Wassereinbruch alles zunichte machen könnte
oder das es einen Einsturz geben könnte.
Genaue Beschreibung der Bergungsarbeiten: http://de.wikipedia.org/wiki/Grubenungl%C3%BCck_von_San_Jos%C3%A9 )
Das Verfolgen der Nachrichten über den Fortschritt der Rettungsarbeiten
bringt einen auch dazu, sich weitere umfangreichere Gedanken zu machen.
Ich musste an Lengede* denken, und daran wieviele Tote es wohl überhaupt
gäbe im Bergbau. Allein in China sollen zwischen 1992 und 2002 59.543 Bergleute ums Leben gekommen sein.
*Lengede:
24. Oktober 1963 Eisenerzgrube Lengede-Broistedt-Schacht Mathilde
Die kaum noch für möglich gehaltene Rettung von elf verschütteten Bergleuten ist als Wunder von Lengede bekannt geworden. Von 129 Männern, die sich zur Zeit des Unglücks unter Tage befanden, kamen 29 ums Leben.
In diesem Text sind Erzählungen der eingeschlossenen Männer enthalten. Das ist das Einzige an Text, das das Grauen ein wenig zu
beschreiben versucht.Den Rest des Textes habe ich weggelassen.(Link unten)
In dieser Nacht ist Wolfgang das zweite Bein kaputtgeschlagen worden; das andere Bein wurde ihm gebrochen, auch wieder durch einen riesenhaften Stein, der runtergesaust ist. Damit war das zweite Bein auch ab. Und dann mussten wir ihn immer ziehen. Ich habe diese blöde Aufgabe übernommen und ihn immer mit mir geschleppt. Also, wenn ich jetzt irgendwohin krabbelte, habe ich ihn mitgezogen. Nun ist das gar nicht so einfach, einen Menschen mit zwei kaputten Beinen zu ziehen. Der schreit fürchterlich, wenn man ihn bewegt. Nun war Wolfgang einer von den Leuten, die gar nicht nass waren, weil er ja nichts hatte tun können mit seinem kaputten Bein. Und so habe ich mich immer an seinen trockenen Klamotten wieder ein bisschen getrocknet. Wenn meine wieder pitschnass waren, habe ich mir diesen armen Menschen immer wieder irgendwie zum Ofen gemacht.
(...)
Da stellte sich heraus, dass der Peter eine Pfeife hatte, solche Trillerpfeife, wie sie beim Rangieren gebraucht wird. Weil er ja die Lok unten fuhr, hatte er so ein Ding. Damit das Hilferufen mehr Wirkung kriegte, hat er dann aus Leibeskräften getrillert. Er ist bald erstickt daran! Das war natürlich ein Riesenkonzert da unten. Wenn dreizehn Mann Hilfe schreien und einer mit der Trillerpfeife dazu Lärm macht – das war schon ganz schön laut. Aber es hat uns niemand gehört. Nein, es war furchtbar, es hat uns niemand gehört.
Das Hungergefühl war weg, aber wir bekamen einen fürchterlichen Durst. Ich, von mir aus, hatte eine Höllenangst – und das würde wahrscheinlich jedem zweiten Menschen genauso gehen – vor Leichengift. Jetzt haben wir schon zwei Tote im Wasser liegen.
Zwei Tage noch bleiben bis zur Totenmesse, das Geraune der Arbeiter in Lengede will nicht verstummen. Könnte es nicht doch sein, dass weitere Bergleute noch am Leben sind? Der Hüttendirektor will nichts davon wissen, die letzten Bohrungen haben zu nichts geführt. Unter den Hauern, die das unterirdische Labyrinth gut kennen, kursiert ein Gedanke: Vielleicht wird man fündig im „Alten Mann“. Der Hüttendirektor aber glaubt nicht an Wunder.
Und da stellte ich fest, dass sich Hans selbst erhängen wollte, mit seinem eigenen Leibriemen erhängen… Er hatte versucht, um irgendeinen kleinen Felsvorsprung den Riemen rumzuziehen, sich die Füße selbst wegzuziehen und sich dann zu erhängen.
(...)
Da begann der Eberhard mit seiner Phantasie. Aus was für einem Anlass, war für uns nicht festzustellen. Ob er irgendwas Fürchterliches geträumt hat, wissen wir nicht. Auf jeden Fall ist er aufgesprungen und ist halb aufgerichtet durch diesen kleinen Hohlraum gekrochen und hat gestrichen. Er hat seinen Zaun gestrichen! Das hat er wörtlich gesagt: „Er muss vorm Winter noch fertig sein. Da muss unbedingt noch Farbe drauf.“
Elf Bergleute leben noch. Die anderen 29 Vermissten sind tot oder müssen jetzt wohl endgültig für tot erklärt werden.
Mit einem Hubschrauber landet Bundeskanzler Ludwig Erhard, nimmt den Hut vom Kopf und begrüßt die elf übers Mikrofon: „Meine lieben deutschen Landsleute.“ Gute Nachrichten habe er mitgebracht, die Rettung stehe bevor.
„Seid mal stille, der Bundeskanzler ist oben, der Herr Dr. Erhard, und will mit uns sprechen.“(...)
Zum Abschied wünscht der Kanzler: „Glück auf.“ Vier Tage vergehen noch, bis die Rettung beginnen kann. Bernhard Wolter zwängt sich als Letzter der elf in die Dahlbuschbombe. Wolfgang, der mit den gebrochenen Beinen, ist von Gesteinsbrocken erschlagen worden. Seine Leiche bleibt unten liegen, wie die anderen Toten auch.
http://www.zeit.de/2003/43/A-Lengede
Hier in D als Beispiel Gruben-Unglücke auf „Minister Achenbach“
Schlagwetterexplosion- 13. Dezember 1902- fünf Verletzte
7. April 1906 erneut Schlagwetterexplosion- Ursache- beschädigte Benzin-Lampe. Zwei Tote
18. Dezember 1912- Schlagwetterexplosion 49 Bergleute tot
30. Januar 1914-Schlagwetterexplosion- 28 Tote
15. Oktober 1917- Schlagwetterexplosion 17 Bergleute tot
Grubenbrand 1923 fünf Männer tot
1947 starben neun Kumpel bei einer Schlagwetterexplosion mit anschließendem Grubenbrand.
4. Oktober 1968 kam es zu einer Schlagwetterexplosion auf der 4. Sohle der Schachtanlage 1/2 im Flöz Ida mit 17 Todesopfern.
1982 starben drei Bergleute bei einem Bruch im Bereich Streb-Streckenübergang des Flözes „Röttgersbank“ auf „Ickern 3“.
Auf der gleichen Anlage wurden ein Jahr später drei Schachthauer getötet, als sie mit dem Förderkorb in einem Blindschacht abstürzten.
Also über 120 bei der Arbeit getötete Männer.
Ich habe nicht das Gefühl, das irgend jemand über so etwas genauer nachdenkt
bzw. derer ge-denkt.
Jedenfalls keine jammernden Feministinnen.Die sind ja ständig damit beschäftigt, sich über zu kleine Frauenanteile in Führungspositionen zu beklagen und unterstellten/unterstellen arbeitenden Männern, nur deswegen
so viel zu arbeiten, um Frauen unten zu halten, zu unterdrücken und
Macht auszuüben.
Dabei bräuchte man nur mal diese Worte aus dem Artikel über Lengede lesen:
Eigentlich wollte der 28-jährige Hauer Wolter jetzt Urlaub nehmen.
Dann aber dachte er an seine fünf Monate alte Tochter und an das Weihnachtsfest, einen Gabentisch vor einem Christbaum, und Wolter sagte sich: „Wer jetzt im Oktober einen guten Durchschnittslohn erreicht, bekommt ein gutes Weihnachtsgeld.“ Als erster Arbeiter seiner Schicht zieht sich Bernhard Wolter in der Kaue um. Er hat keine Zeit zu verlieren, er möchte „pünktlich am Feierabend wieder nach Hause“.
Also für wen hat Wolter das Geld ausgeben wollen?
Und warum wollte er am Feierabend pünktlich nach Hause?
Um seine Frau pünkltlich zu verhau'n oder um mit Frau und Kind
gemeinsam zu essen?
Nur über diese alte Dame, die sich mit Bergbautoten beschäftigt,
bin ich gestolpert:
Opfer von Bergbauunglücken
Von Stefan Schaum | 20.08.2010, 17:35
Nordkreis. Die Aufgabe ist gewaltig. Und womöglich kann auch ihre Sammlung nie ganz vollständig sein. Doch dass sie die bisherigen Listen deutlich erweitern wird, steht für Veronika Leisten außer Frage.
Die ehemalige Standesbeamtin hat damit begonnen, die Namen aller bei Bergbauunglücken in der Region Getöteten zu erfassen. «Es gibt sehr viele, die bislang in keiner Liste auftauchen.> Diese Menschen endlich zu benennen, ist ihr eine Herzensangelegenheit.
Blick der Standesbeamtin
2004 wurde die Alsdorferin pensioniert. Dieser Tage besucht sie des öfteren ihre alte Wirkungsstätte und wälzt dort die Sterbebücher. Jede einzelne Urkunde schaut sie sich gründlich an, begonnen hat sie bei denen aus dem Jahr 1900.
Damals waren amtliche Schriftstücke in der Regel in Sütterlin- oder Deutscher Schrift verfasst. «Wer nicht oft mit solchen Texten zu tun hat, kann so etwas wohl kaum lesen>, sagt sie. Ihr jedoch fällt es relativ leicht. Dank ihrer beruflichen Erfahrung, die ihr jetzt die Türen öffnet. Denn nicht jeder darf einfach so die alten Akten zur Hand nehmen.
ist die engagierte Dame ein echter Glücksfall für den Bergbaumuseumsverein. Dort gibt es seit langem den Wunsch nach einer neuen, gründlichen Aufnahme möglichst aller Opfer des Bergbaus im Aachener Steinkohlerevier.(...)
Die Crux der bisherigen Listen: Es wurden nur diejenigen Bergleute erfasst, die unter Tage in direkter Folge eines Unglücks starben.(...)
Deshalb sei etwa die offizielle Zahl des großen Grubenunglücks auf Anna II in Alsdorf vom 21. Oktober 1930 mit Vorsicht zu genießen. Am 11. Dezember des Jahres hatte der Eschweiler Bergwerksverein (EBV) einen offiziellen Nachruf veröffentlicht: 271 Tote weist er aus.
(...)
Nicht nur den Opfern des schwersten Grubenunglücks der Region will sie Namen geben und dazu auch alte Kirchenbücher zu Rate ziehen. An jedes einzelne Opfer namentlich erinnern zu können - das ist ihr Ziel.
(...) Finde sie ein weiteres, ein «neues> Unglücksopfer, sei das auch ein wenig befreiend. «Wenn man die Namen der bei Bergbauunglücken zu Tode Gekommenen erfassen will, muss man alle erfassen. Sonst wird man dem Schicksal dieser Menschen nicht gerecht!>
http://www.az-web.de/sixcms/detail.php?template=az_detail&id=1383756&_wo=Lokales:Nordkreis
LG Donna A.
Staublunge
Rainer
, Friday, 15.10.2010, 00:54 (vor 5570 Tagen) @ Donna Amaretta
Der Begriff "Staublunge" zieht sich durch die Bergbaugeschichte. Er ist das Todesurteil vieler Bergmänner im Alter von etwa 50 Jahren. Staublunge - das war die Bezeichnung für Lungenkrebs. Verursacht durch jahrzehntelanges Einatmen des Staubes in den Gruben.
Rainer
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Kazet heißt nach GULAG jetzt Guantánamo