Häusliche Gewalt: Wie Männerrechtler(innen) sich täuschen lassen
Der Zweite Periodische Sicherheitsbericht der deutschen Bundestregierung, veröffentlicht am 7. November 2006, äußert sich zur Frage der geschlechtlichen Verteilung häuslicher Gewalt durchaus widersprüchlich - und dies in einer für Desinformations-Strategien typischen Weise.
Einerseits nämlich wird - im Abschnitt 3.1.5.3.1, "Internationale Befunde" - der Forschungsstand durchaus sachlich diskutiert und u.a. mitgeteilt:
In einer sehr differenzierten Längsschnittstudie konnten Moffitt und Kollegen zeigen, dass die Prädiktoren der Gewalt in Partnerbeziehungen bei Frauen in vielfacher Hinsicht recht ähnlich sind wie bei Männern und dass die entsprechenden Täterraten der Frauen sogar etwas höher ausfielen als jene der Männer. (Seite 124 unten.)
Anderseits wird wenige Seiten später - im Abschnitt 3.1.6, "Erkenntnisse über die Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes" - behauptet:
Derzeit liegen Informationen aus zwei Forschungsvorhaben vor, in denen die Umsetzung und die Auswirkungen der Einführung des Gewaltschutzgesetzes analysiert wurden. Beide Untersuchungen kommen [...] übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass sich die Situation der von häuslicher Gewalt betroffenen Personen mit der Gesetzesänderung verbessert habe. (Seite 130)
Worin besteht nun diese "Verbesserung"? Fast 100% der Personen, die der Wohnung verwiesen werden, sind Männer. Letzteres wird, was ebenfalls merkwürdig ist, in dem Bericht nicht mitgeteilt. Es ergibt sich aber aus anderen regierungsamtlichen Mitteilungen und es wird auch jedem deutlich, der einmal für längere Zeit die einschlägigen Zeitungs- bzw. Polizeiberichte verfolgt. Die Polizei z.B. in Bonn bestätigt das sogar auf ihrer Webseite, antwortete aber nicht auf eine entsprechende Nachfrage.
Immerhin verrät der Sicherheitsbericht Folgendes:
Übereinstimmend stellen beide Studien weiter fest, dass trotz der geschlechtsneutralen Formulierung des Gesetzes die damit geschaffenen Schutz- und Interventionsmöglichkeiten in erster Linie von Frauen genutzt werden. (Seite 130)
Was heißt das - "von Frauen genutzt"? Am Ende der Seite wird das mit folgenden Worten erläutert:
Nach den Erkenntnissen von [...] handelt es sich in etwa 80 % der Fälle nicht um Selbstmelderinnen, sondern um Opfer, die erst durch aktive zugehende Beratung erreicht wurden.
Details erfahren wir dann auf Seite 131:
In verschiedenen Bundesländern wurden [...] proaktive[n] Beratungsstellen eingerichtet. Diese sind dadurch gekennzeichnet, dass die betroffenen Opfer von häuslicher Gewalt durch Beratungsstellen aktiv kontaktiert werden, nachdem die Daten der Opfer durch die Polizei - unabhängig von einer Einwilligung der Betroffenen - an die Beratungsstellen weitergeleitet wurden.
[...]zeigte sich, dass die betroffenen Opfer, nahezu ausschließlich Frauen, diese Art der direkten Ansprache und Unterstützung positiv bewerteten.
Anders gesagt: Weibliche Opfer - und nur sie! - werden von "Beratungsstellen", an die ihre Daten ohne ihre Einwilligung weitergeleitet wurden, "proaktiv kontaktiert", d.h. sie werden - gewissermaßen geheimdienstlich - dahingehend bearbeitet, der Deportation ihrer Männer und ihrer strafrechtlichen Verfolgung zuzustimmen. Das erinnert an gewisse Praktiken im Nationalsozialismus. Denn was ist eine Wohnungsverweisung anderes als eine Deportation? Daß die überrumpelten Frauen das letztlich "positiv" bewerten, ist wohl als Erfolgsmeldung zu verstehen, spricht allerdings nicht zu ihren Gunsten.
Das merkwürdige Spiel in der Informationspolitik der deutschen Regierung dürfte damit klargeworden sein. Zusammenfassend darstellen läßt es sich wie folgt: Ergebnisse bereits vorliegender internationaler Studien zur geschlechtlichen Verteilung häuslicher Gewalt werden nicht (mehr) verschwiegen, vielmehr sachlich referiert. Praktische Ergebnisse aus der Anwendung des Gewaltschutzgesetzes, die dazu in krassestem Widerspruch stehen, werden jedoch als "Verbesserung" (für wen? Für den Rechtsstaat?) bezeichnet.
Da die diesbezüglichen Mitteilungen in einem späteren Abschnitt stehen, tritt der Widerspruch freilich nicht offen zutage. Dies mag erklären, warum sogar maskulistische Netzseiten (siehe hier und hier) den Widerspruch übersehen und sich, bezugnehmend allein auf die weiter oben zitierten Passagen, zu euphorischen Meldungen haben hinreißen lassen. Sicher, die Regierung gibt zu, daß Frauen (mindestens) genauso häufig schlagen, aber sie zieht daraus gerade nicht die Konsequenzen, die man erwarten sollte. Und niemandem scheint das aufzufallen!
gesamter Thread:
- Häusliche Gewalt: Wie Männerrechtler(innen) sich täuschen lassen -
Gewaltiger,
10.10.2010, 17:00
- Häusliche Gewalt: Wie Männerrechtler(innen) sich täuschen lassen - Sachse, 10.10.2010, 18:51
- Häusliche Gewalt: Wie Männerrechtler(innen) sich täuschen lassen -
Manhood,
11.10.2010, 16:03
- Häusliche Gewalt: Wie Männerrechtler(innen) sich täuschen lassen - Gewaltiger, 11.10.2010, 16:41