Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Das Alles-Mir-Mega-Projekt

Garfield, Friday, 08.10.2010, 14:03 (vor 5577 Tagen) @ Hausmeister

Hallo Hausmeister!

Die SPD hat das Problem, daß ihr Wähler-Klientel traditionell mehr links als rechts orientiert ist.

Eine Kernforderung der Linken war und ist aber der Kampf gegen die negativen Auswüchse des Kapitalismus. Einige Linke wollen den Kapitalismus sogar ganz abschaffen, die wählen allerdings schon lange nicht mehr SPD, weshalb sie für die SPD weitgehend irrelevant sind.

Nun sitzen in Berlin etwa 5.000 Lobbyisten, die zum großen Teil von Wirtschaftsverbänden finanziert werden. Die sorgen mit "Spenden" dafür, daß die Interessen ihrer Auftraggeber stets Berücksichtigung finden; häufig schreiben sie sogar Gesetze, die dann von den Politikern nur noch abgenickt werden.

Wenn die SPD sich dem verweigert, dann kriegt sie keine Spenden mehr, der Finanz-Sumpf, von dem die hohen SPD-Funktionäre gut leben, trocknet aus, und große Wahlkampf-Aktionen sind auch schwer zu finanzieren.

Das zwingt die SPD schon seit Jahrzehnten zu einem Spaghat: Sie muß sich ihrem Wählerklientel gegenüber "klassenkämpferisch" geben, darf aber in ihrer Politik aus Rücksicht auf ihre Sponsoren keinen "Klassenkampf" betreiben.

Dieser Widerspruch fällt immer mehr ihrer Wähler auf, vor allem denjenigen, denen es eher schlecht geht. Die wählen dann bei der nächsten Wahl immer öfter die Grünen, die Linke oder gar nicht mehr.

Nun könnte die SPD natürlich ihre Politik den Wünschen ihrer Wähler anpassen. Dann verliert sie aber ihre Sponsoren und kriegt obendrein noch massiven Gegenwind aus den Massenmedien. Kein Berufspolitiker hat genug Rückgrat, um so ein Risiko einzugehen.

Also bleibt nur ein vermeintlicher Ausweg: Es müssen krampfhaft diejenigen Forderungen aus dem linken Lager aufgegriffen werden, die die Sponsoren aus der Wirtschaft nicht vor den Kopf stoßen. Die Grünen propagieren gern feministische Parolen, auch gern männerfeindliche, also äfft die SPD dies nach, in der Hoffnung, so Wähler halten zu können, die sonst zu den Grünen wechseln würden.

Natürlich wird das nicht funktionieren, denn auch bei den Grünen funktioniert das bislang nur, weil sie die Tatsache, daß sie sich auch nicht wirklich für das Volk einsetzen, damit begründen, daß sie ja bisher immer nur "Juniorpartner" in Koalitionen waren und sich deshalb nicht so richtig durchsetzen konnten. Wenn sie aber irgendwann mal die Mehrheit haben, werden die Wähler auch deutlich sehen, daß da außer heißer Luft und Lobbyismus nichts kommt. Manche sehen das jetzt schon, zumal ja auch ehemalige Spitzen-Politiker der Grünen mittlerweile auch gute Posten in großen Konzernen kriegen, woran man dann sieht, für wen sie sich in ihren Amtszeiten besonders eingesetzt haben.

CDU/CSU und FDP haben solche Probleme weniger, weil sie überwiegend von Menschen gewählt werden, denen es noch relativ gut geht. Deren Zahl vermindert sich allerdings, außerdem werden mittlerweile oft linke Parolen aufgegriffen, um damit Steuergeldverschwendungen zugunsten von Profithaien zu rechtfertigen, z.B. in der sogenannten "Umweltpolitik". CDU/CSU und FDP müssen dann dabei auch brav sekundieren, was manchen ihrer Wähler jetzt schon übel aufstößt - die beklagen schon einen "Linksruck" in der deutschen Politik. Das wird auch CDU/CSU und FDP in Zukunft immer schwerer zu schaffen machen.

Wir nähern uns also immer schneller den Zuständen in der Weimarer Republik. Bisher profitieren davon vor allem die Grünen und die Linke, weil rechte Parteien es aufgrund der deutschen Geschichte heute hierzulande schwer haben. Aber das hat letztendlich den Effekt, daß sowohl die Grünen als auch die Linke bald das Vertrauen ihrer Wähler verlieren werden, spätestens, wenn sie in vielen Landesparlamenten und auch im Bundestag in größeren Fraktionen vertreten sind und der einfache Bürger aber immer noch keinerlei Verbesserung feststellen kann, sondern nur sieht, daß er immer mehr abgezogen wird.

Das könnte letztendlich rechten Parteien und Organisationen, die sich von den Neonazis distanzieren, viel Zulauf bringen. Die Frage ist dann, wie die mit dem etablierten Lobbyisten-Filz umgehen.

Aber für die SPD sehe ich schwarz.

Freundliche Grüße
von Garfield


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