Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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matthias-matussek.de zum Wulff-Islam

Oliver, Thursday, 07.10.2010, 19:28 (vor 5577 Tagen) @ Xrc

Matussek, uns gut bekannt für feminismuskritische Bücher etc:

Wulffs Religionskrieg

Daß Bundespräsident Christian Wulff zum 3.Oktober sagte „Auch der Islam gehört zu Deutschland“ ist so prima politisch korrekt wie gedankenlos dahingefestrednert. Da sprach sich multikulturelle Bequemlichkeit aus, der diese ganz Glaubenssache sowieso schnurz ist und eigentlich Gedöns.
Ich las von der Wulff-Rede in Oberammergau, wo die letzte Aufführung der Passion stattfand. Gerade hatte ich eine Revolution erlebt. In Jesus Geschichte werden die atavistischen Rechtsbegriffe des alten Testaments verabschiedet. Nicht mehr „Auge um Auge“ soll gelten, sondern „wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, so halte ihm auch die linke hin“.
Das ist die Revolution der christlichen
Botschaft. Sie sagt: „Liebe deine Feinde“.
Sie ist der islamischen diametral entgegengesetzt. Wer den Koran zur Hand nimmt, wird vergebens nach einem netten Wort für die Ungläubigen suchen. Statt dessen mindestens 300 Verse, die ihnen das Schlimmste androhen, auf Erden und im Jenseits.
Und da spricht unser Bundespräsident von Gleichrangigkeit aller drei monotheistischer Religionen?
Er hat die utopische Ringparabel Lessings im Kopf. Im günstigsten Falle. In Wahrheit aber hat er einen neuen Religionskrieg eröffnet – denn er zwingt uns darüber nachzudenken, was uns unterscheidet.
Jesus war Jude. Er war ein junger jüdischer Rebell. Deshalb können wir mit einigem Recht von den christlich-jüdischen Grundlagen unserer Wertegemeinschaft reden. Unsere Rechtsordnung bezieht sich auf ein Fundament, das der Dekalog gesetzt hat.
Kaum sind die Worte des Präsidenten verklungen, macht sich Ameneh Bahrami auf den Weg zur Frankfurter Buchmesse. Sie hat ein Buch geschrieben, in dem sie ihr Schicksal erzählt. Ihr Buch heißt „Auge um Auge“.
Ameneh, eine junge hübsche Elektrotechnik-Studentin, ist von dem jungen Mann Maschid in Teheran mit Säure geblendet worden, weil sie seinen Heiratsantrag zurückgewiesen hat. Sie klagte vor der 71.Teheraner Strafkammer. Die Rechtsprechung verläuft seit 1992 nach den Regeln der Scharia, die die persönliche Rache ausdrücklich legitimiert. Auge um Auge.
Ameneh erhielt Recht. Sie darf nun ihren Peiniger blenden.
Alle Versuche, sie umzustimmen, warebn bisher vergeblich. keine Barmherzigkeit. Justizchef Ayatollah Schahrudi hat es versucht. Die eigene Mutter hat es versucht. Ameneh Bahrami bleibt ungerührt.
Der besondere Twist der Geschichte: Sie wendet atavistisches Recht an, um der aufgeklärten Welt, in der Frauen Rechte haben wie Männer, zur Geltung zu verhelfen. Sie tue es nicht aus persönlichen Motiven, sagte sie, sie möchte ein Statement setzen. „Männer wie Maschid“, sagt sie, „müssen erzogen werden“. Viele Frauen hätten ihr geschrieben und sie beschworen, ihr Recht einzufordern. „Im Iran“, schrieb eine dieser Frauen, „kannst Du als Frau nicht normal leben.“
Das ist die Religion, das das Rechtsverständnis, das die geistige Kultur, von der Wulff behauptet, sie gehöre nach
Deutschland.
Wunderbar, wenn sich der Islam dem Grundgesetz anbequemt. Was aber, wenn er den heimlichen, ach was: den offen geäußerten Wunsch hegt, daß sich unser Rechtsverständnis der Scharia angleichen möge?

http://www.matthias-matussek.de/2010/10/wulffs-religionskrieg/#comments

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Liebe Grüße
Oliver


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