Wie die Medien immer mehr verweiblichen - und so der Sache der Frauen schaden
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Sollte etwa alles umsonst gewesen sein, was die engagierten Vertreterinnen der Gleichberechtigung seit Jahrzehnten predigen? Ein Rundumblick in die Fernsehlandschaft scheint das zu bestätigen. SAT.1 bestätigt offiziell, daß es sich zielgruppentechnisch vor allem am Frauenpublikum 30 plus orientiere und daher Psychologie statt Gewalt anböte - "frauenaffines Family-Entertainment powered by Emotion" sozusagen. Bei RTL und VOX sorgte die neue Sender-Chefin Anke Schäferkordt seit ihrem Einstieg dafür, daß am Nachmittag Reality-Show-Harmonie herrscht: Unsere erste gemeinsame Wohnung, Mein Baby, Mein Garten hießen ihre ersten Erfolgsformate.
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Und auch bei RTL kam sehr schnell der Fernsehmüll wieder ins Programm: Am Nachmittag schlugen drei neuartige Formate ein wie eine Bombe, die alle demselben Prinzip gehorchen: "Scripted Reality", zu deutsch: Geschriebene Wirklichkeit. Das heißt, daß dem Zuschauer in einer wie eine Reportage gedrehten Geschichte Authentizität vermittelt wird, die in Wahrheit nicht existiert. Ob Betrugsfälle, Familien im Brennpunkt oder Die Schulermittler - alles ist erfunden, alles ist nach Drehbuch von Laiendarstellern gespielt. Obwohl die Handlung oft hanebüchen ist, die Schauspielerei dürftig und die Dramatik eher herbeigetextet denn inszeniert, verzeichnen diese neuen Sterne am Fernsehfirmament enorme Einschaltquoten. Bis zu 30 Prozent aller Zuschauer verfolgen dann das fiktive Schicksal von verkrachten Familien bis zum unausweichlichen Happy-End.
Das Paradoxe daran: Diese flachen Inhalte werden ganz überwiegend von Frauen erdacht. Denn es existieren wenige Felder, in denen der Frauenanteil so hoch ist wie in den Medien. Der Journalisten-Verband geht von 40 Prozent weiblichen Beschäftigen in der Branche aus. Dazu kommt noch der hohe Anteil von Nicht-Journalistinnen in der Film- und Fernsehproduktion.
Der seit den 1990er Jahren anhaltende Trend, "irgendwas in den Medien" zu werden, hatte zur Folge, daß sich Alphamännchen wie Frank Schirrmacher regelrecht in ihrer Existenz bedroht sahen. Der damalige Kultur-Chef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung brachte es in einem Brandartikel 2003 auf den Punkt: "Insgesamt sind fast achtzig Prozent der Bewußtseinsindustrie in weiblicher Hand. Eine Telefonistin, ein Kindermädchen … und eine Stewardess definieren das Land. Was einer heute denkt, läuft vorher über die Fließbänder dieser Frauen."
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Die Arbeit einer ganzen Generation von "starken Frauen", die sich auf Seminaren und Tagungen permanent gegenseitig ermutigen zu müssen glauben, scheint fruchtlos. Denn den wenigen Kämpferinnen steht eine träge Masse an Sofaschnecken gegenüber. Und die bestimmen, wie Frauenfernsehen heute aussieht - und das ist meilenweit entfernt von den Ansprüchen moderner, emanzipierter Frauen.
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Die Heldinnen des Bildschirms sind stets im sozialen Bereich tätig, helfen Kranken, verbinden verletzte Hamster, spenden gescheiterten Existenzen Trost und sind selbst als Kommissarinnen eher engagierte Sozialarbeiter als beinharte Ermittler - wie sich schon in den lautmalerischen Namen "Rosa Roth", "Bella Block", "Sarah Blum", "Lea Sommer", "Charlotte Lindholm" oder "Johanna Herz" (Iris Berben, Hannelore Hoger, Eva Mattes, Hannelore Elsner, Maria Furtwängler, Imogen Kogge) erahnen läßt, die allesamt auch die Titelseiten von Groschenromanen zieren könnten.
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Wie kommt es eigentlich, daß es Frauenliteratur gibt, die mitnichten die Sache der Frauen ergreift, sondern sich in albernen Flirt- und Schmusegeschichten ergeht und immer nur die Suche nach dem perfekten Mann in den Mittelpunkt stellt?
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Spätestens am Ende der Fernbedienung weiß der männliche Zuschauer: Das W in "W-Faktor" steht nicht nur für weiblich, sondern auch für Wahnsinn - und der strömt ungehemmt in die deutschen Wohnzimmer.
http://www.zuerst.de/archives/1037
Rainer
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Kazet heißt nach GULAG jetzt Guantánamo
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