Meine "fünf Pfennige" zum Thema "Frauen sind die besseren Autofahrer
Ich mache hier mal einen neuen Thread auf, damit das Material im Streit-Thread weiter unten nicht sang- und klanglos untergeht.
Was gäbe es aus meiner Sicht zu dem Thema fachlich zu sagen:
Die wichtigste Rechengröße wird bei dem Vorurteil vergessen
°
Bei dem Klischee handelt es sich um nichts weiter als ein positives Vorurteil. Hier haben wir es mit einem typischen Statistikproblem zu tun. Nur ein Faktor (Anzahl der Unfälle) wird berücksichtigt. Vergleichbar wird es aber erst dann, wenn dieser ins Verhältnis gesetzt wird zu einem zweiten Faktor, den gefahrenen Kilometern. Da Frauen sehr viel weniger fahren als Männer, tauchen sie logischerweise auch in der Unfallstatistik bedeutend weniger häufig auf.
Berechnungsgrundlagen, von denen mittlerweile viele Versicherungsunternehmen wieder Abstand genommen haben.
Um diesbezüglich nur mal eine einzige, dafür aber sehr aussagekräftige Zahl ins Spielfeld zu werfen: 2009 betrug der Anteil der Frauen, die im Verkehrszentralregister des Kraftfahrtbundesamtes in Deutschland am 1. Januar gemeldet waren, 21,7 Prozent.
°
°
°
Dazu eine wissenschaftliche Untersuchung
°
Um die Zeit der letzten Jahrhundertwende herum führte das Essener Institut für Automobil-Marktforschung und Kommunikation (IfA) eine Untersuchung zur Verkehrssicherheit in Deutschland unter geschlechterspezifischen Aspekten durch. 7000 Autofahrer und –fahrerinnen nahmen daran teil.
Neu für die damalige Zeit war die Vorgehensweise, auch den Aspekt der Kilometerfahrleistung beider Geschlechter mit einzubeziehen. Dies brachte Erstaunliches zutage. Und man gelangte zu dem Fazit: In Bezug auf seine Fahrleistung war das weibliche Geschlecht überproportional oft an Unfällen beteiligt.
Einige der Untersuchungsergebnisse:
°
°
Der weibliche Anteil an der Gesamtfahrleistung lag im Deutschland des Jahres 1998 bei nur 25,6 %. Dafür gingen 31,7 % der Unfälle mit Verletzungen auf das Konto von Frauen am Steuer. Ihr Unfallrisiko war damit um ein Viertel höher als ihr Anteil an der Gesamtfahrleistung.
°
°
Das Verletzungsrisiko von Frauen lag um fast zwei Drittel höher als der Anteil an den gefahrenen Gesamtkilometern. Die Gründe: Frauen fuhren häufiger innerorts (29,2 %) als Männer (22,5 %), dort ereigneten sich jedoch etwa 60 % der Unfälle mit Personenschaden. Außerdem hatten Frauen zu dem Zeitpunkt im Schnitt lediglich 18,6 Jahre Fahrpraxis. Beim durchschnittlichen Mann lag sie bei 25,7 Jahren.
°
°
°
Darüber hinaus stellte man noch das Folgende fest:
°
°
Frauen fuhren oft kleinere, weniger sichere Pkw's.
°
°
Nur 21 % der Frauen hatten ABS (Männer: 32 %).
°
°
45 % der Frauen hatten Servolenkung gegenüber 57 % der Männer.
°
°
46 % der Frauen hatten höhenverstellbare Sitze, bei den Männern waren es 59 %.
°
°
°
Seriöse Rechenformeln
Weiter unten ist eine Schweizer Studie zum Thema dieses Kapitels erwähnt. Im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit fanden sich auch zwei in Statistikerkreisen gebräuchliche Formeln. In ihnen werden die Häufigkeit der Verkehrsteilnahme und Unfallgefährdung zueinander in Relation gesetzt. Es sind dies die beiden Rechengrößen:
°
°
Unfallrisiko pro gefahrene Personenkilometer =
(Unfallbeteiligte Fahrer pro Jahr) : (durchschnittliche Tageskilometerleistung x 365 x Bevölkerung)
°
°
und
°
°
Unfallrisiko pro gefahrene Stunden =
(Unfallbeteiligte Fahrer pro Jahr) : (durchschnittliche Tageswegzeit x 365 x Bevölkerung).
°
°
(Quelle: Peter Moser, Statistisches Amt des Kantons Zürich: "Alter, Automobilität und Unfallrisiko. Eine Analyse von schweizerischen Daten des Mikrozensus Verkehr und der Unfallstatistik." Veröffentlicht in "statistik.info" 04/2004.)
°
°
°
Männer benötigen Kraftfahrzeuge aus beruflichen Gründen mehr
Hier einer der wesentlichsten Gründe, warum Männer ein höheres Unfallrisiko haben als Frauen. Die Wahrscheinlichkeit der fast ausschließlich männlichen Berufskraftfahrer, Service-Techniker, Handelsvertreter und allen anderen beruflich sehr mobilen Männer, in einen Unfall verwickelt zu werden, ist nun mal um ein Vielfaches höher als bei "normalen" Autofahrern.
°
°
°
Auch das Alter ist ein Statistikverzerrer
Mit den Einflüssen von nicht Auto fahrenden Frauen auf die Unfallstatistik befasste sich einmal eine empirische Erhebung aus der Schweiz. Die Daten bezogen sich zwar ausschließ-lich auf die Eidgenossenschaft, dürften jedoch überall in westlichen Industrienationen mehr oder weniger gleich sein:
°
°
"Die Möglichkeit zur Teilnahme am Verkehr als Autofahrer wird durch zwei Faktoren wesentlich beeinflusst: einerseits durch die Fahrberechtigung und andererseits durch die Verfügbarkeit eines Autos. Grafik 1 zeigt, dass der Besitz eines Führerausweises stark altersabhängig ist: Je höher das Alter, desto geringer werden die Anteile der Führerausweisbesitzer.
Ein wesentlicher Grund dafür ist aus Grafik 1 ebenfalls ersichtlich: Die niedrigeren Anteile in den oberen Altersklassen sind vor allem auch eine Folge der geringeren Führerausweisquote der Frauen. Beträgt der Anteilsunterschied bei den 25 – 34-Jährigen bloss 5 %, ist die Quote bei den 75 – 79-jährigen Frauen mit 25 % nur noch ein Drittel jener der Männer (75 %). Der Grund dafür liegt auf der Hand: Der Führerausweis wird meist in jungen Jahren erworben. In den 40er, 50er und Anfang der 60er Jahre, als die gegenwärtig Pensionierten jung waren, war das Autofahren noch weit mehr als heute Männersache, Frauen erwarben oft keinen Fahrausweis. Die Tatsache, dass der 'Abwärtsknick' in der Fahrausweisquote bei den Frauen etwa bei den Ende der 40er Jahre geborenen auftritt, legt nahe, dass Autofahren für (schweizerische) Frauen ab der zweiten Hälfte der 60er- und zu Beginn der 70er-Jahre zur Selbstverständlichkeit wurde."
(Quelle: Peter Moser, Statistisches Amt des Kantons Zürich: "Alter, Automobilität und Unfallrisiko. Eine Analyse von schweizerischen Daten des Mikrozensus Verkehr und der Unfallstatistik." Veröffentlicht in "statistik.info" 04/2004.)
°
°
°
Wird gerne "vermengt": Art des Unfalls
Aus Medienberichten, die Frauen als die sichereren Autofahrer preisen, erfährt man in der Regel nicht, welches Geschlecht in welchem Ausmaß an welchen Unfallschwere-Kategorien beteiligt ist. Also etwa, ob mehr Männer oder mehr Frauen an Unfällen mit Blechschaden beteiligt sind. Oder an Unfällen mit leichten Personenschäden. Oder Unfällen mit schweren Personenschäden.
Aus solchen Medienmeldungen erfährt man meistens nur eine ominöse Durchschnittszahl sämtlicher Verkehrsunfälle in einem bestimmten Zeitraum. Die einzige Spezifizierung, die erfolgt, ist wie erwähnt, die nach Geschlechtern. Worauf dann wieder einmal siegesgewiss verkündet wird, dass Frauen die besseren Autofahrer seien. Aber über die oben beschriebene weitere Zusammensetzung dieser Zahlen herrscht Schweigen im Walde ...
°
°
°
Kleine Versicherungsbetrügereien?
Auf einen interessanten Aspekt wies Www.wgvdl.com-Forumsteilnehmer Garfield hin:
°
°
"In vielen Familien ist das Auto auf den Mann angemeldet, weil er damit täglich zur Arbeit fährt. Um Beiträge für die Versicherung zu sparen, gibt man dann häufig an, dass nur der Halter, also der Mann, das Auto fährt. Tatsächlich fährt damit aber auch die Frau mal am Sonnabend zum Einkaufen. Wenn sie dabei einen Unfall mit leichtem Blechschaden baut, muss natürlich der Mann behaupten, dass er gefahren ist, damit es keinen Ärger mit der Versicherung gibt. Das lässt sich bei leichten Schäden meist auch problemlos machen."
Gruß, Kurti