Kachelmann - nochmal ein Gutachter
Zentrales Gutachten spricht für Kachelmann
Mit einer neuen Expertise, bestellt vom Landgericht Mannheim, wachsen die Zweifel an der Ex-Geliebten, die den Wettermann schwer belastet.
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Bereits die Bremer Psychologin Luise Greuel war zum Schluss gekommen, die Schilderungen der Radiomoderatorin erfüllten «Mindestanforderungen> nicht. Logik, Details, Konstanz und Struktur fehlten. Zwar konnte Greuel daraus nicht eine Falschaussage ableiten, doch sie stellte – trotz glaubhafterer Stellen – «erhebliche Mängel> in den Aussagen fest.
Die sonderbaren Mängel erklären konnte der Therapeut der angeblichen Geschädigten. Der Traumatologe Günter Seidler von der Heidelberger Universität behauptete, die Erinnerungslücken seien auf eine Traumatisierung durch Kachelmanns Tat zurückzuführen. Er verwendet ein Erklärungsmuster, das Laien vielleicht einleuchtet, das aber unter Wissenschaftern höchst umstritten ist.
Seidenschal als Beweis
Professor Kröber hält die Traumatologen-Theorien gar für puren Unsinn und macht daraus in seinem Gutachten kein Geheimnis. Gemäss dem Sachverständigen aus der deutschen Hauptstadt lassen sich aus extremen oder sogar lebensbedrohlichen Situationen keine bestimmten, immer ähnlichen Folgen für Betroffene ableiten. Entsprechend kann Forensiker Kröber es nicht nachvollziehen, weshalb Therapeut Seidler in einem Seidenschal bei seiner Patientin und in wiederholten Griffen an den Hals fast schon einen Beweis sieht. Einen Beweis dafür, dass Kachelmann seiner Ex-Partnerin mit einem Messer an die Gurgel ging. Kröber schreibt, ebenso seien «bewusstes Hinlenken der Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Geschichte>, also Schauspiel Simones, oder «eine unbewusste Schutzgeste> denkbar.
Der Berliner Professor hält es auch für alles andere als wahrscheinlich, dass ausgerechnet während einer Vergewaltigung sich die Wahrnehmung beim Opfer ausschaltet. Erfahrungen aus Strafprozessen zeigten genau das Gegenteil: Würden Zeugen zu Situationen befragt, bei denen es um Leben und Tod ging, imponiere immer wieder, wie «klar und deutlich> sie sich an diese erinnerten.
«Manipulative Potenz>
Es finde, schreibt Kröber, eine «Fokussierung aufs Kerngeschehen> statt: auf die Bedrohung, auf die Waffe, auf den Angreifer. Die maximale Alarmierung, die höchste Aufmerksamkeit, sei dem menschlichen Selbsterhaltungswillen geschuldet. Panik und Angst würden reduziert, schmerzhafte Details würden sich bei Opfern ins Gehirn einbrennen.
Mit spitzer Feder unterstellt Kröber dem Heidelberger Seidler eine unprofessionelle und gar innige Beziehung zu seiner 37-jährigen Patientin aus dem Nachbarstädtchen: Der Kollege falle auf eine Frau mit «manipulativer Potenz> rein.
Showdown am 18. Oktober
Für Gutachter Kröber ist bei Simone keine posttraumatische Störung ersichtlich. Daraus kann er zwar unmöglich ableiten, dass das Geschehen, wie Kachelmanns Ex-Partnerin es darstellt, sich so nicht ereignet hat. Doch wenn das Gericht Kröbers Ausführungen folgt, müsste es die Erklärungen des Therapeuten zu den Mängeln in der Aussage Simones als absurd zurückweisen. Damit wäre die Anklage wichtiger Argumente beraubt.
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Was sollen das auch für Psychologen sein? Die angeblich Vergewaltigte sitzt im Gerichtssaal, hat sich bewusst einen Schal um den Hals geknotet und nestelt da öffentlichwirksam dran rum (um darauf hinzuweisen, dass ihr da angeblich ein Messer ran gehalten wurde) und diese manipulierbaren Deppen nehmen das als Beweis, dass eine Vergewaltigung statt gefunden hat.
Diese Frau will sich dafür rächen, dass sie sich 11 Jahre lang verarschen ließ - was bleibt ihr aus ihrer Sicht denn für eine Möglichkeit, außer einem falschen Vergewaltigungsvorwurf?
Und Traumatisierte haben nun mal auch kleinste Details des Geschehens präsent, das macht es für sie ja so belastend. In Todesangst schaltet sich das Hirn ja nicht aus, im Gegenteil - es wird mit Adrenalin geflutet, die Wahrnehmung läuft auf Hochtouren, da sind Gedächtnislücken nahezu ausgeschlossen.
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