Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Feminismus: Bürgerlich und links kein Widerspruch?

Mus Lim ⌂, Wednesday, 22.09.2010, 04:48 (vor 5593 Tagen) @ Prometheus

Der Feminismus ist bürgerlichen Ursprungs, "links" war er nur, weil die
damalige (68iger) Zeit mit ihren Forderungen sich als sehr kompatibel
für die ureigenen feministischen Ziele erwies.


Mit bürgerlich meinst du wohl, dass er in der Mittelschicht entstanden
ist. Nun sind Mittelschicht und Links keinesfalls ein Widerspruch. ...

Widerspruch oder kein Widerspruch, das ist hier die Frage!

Tatsache ist, dass die linksintellektuellen Studenten der 68er aus der Bürgerschicht stammte und nicht aus der Arbeiterklasse, in der Sozialdemokratie und Kommunismus zu Hause war.
Tatsache ist auch, dass linksintellektuelle Studenten in die Fabriken marschiert sind, um den Arbeitern die Welt zu erklären und dort auf wenig Gegenliebe und Verständnis stießen.

Deshalb meine These 1:
Links ist nicht gleich links

Die aus dem Bürgertum stammenden Linksintellektuellen sind diametral etwas anderes als die linken Proletarier.

Der Feminismus stammt weder von Frauen der Arbeiter- und Bauernklasse noch von Frauen des Großbürgertums. Frauen der Arbeiter- und Bauernklasse hatten keine Zeit für die abstrusen Ideen des Feminismus und auch von einem Frauenwahlrecht keinen Vorteil. Frauen des Großbürgertums genossen alle Privilegien und Annehmlichkeiten, welche ihre Zeit bieten konnte. Für sie machte Feminismus auch keinen Sinn.

Meine These 2:
Der Feminismus stammt nicht aus dem Bürgertum, sondern allein von gelangweilten Frauen des Kleinbürgertums (und ggfs. des mittleren Bürgertums).

Der Feminismus ist aber trotzdem keine originäre Erfindung der bürgerlichen Frauen. Wenn man die "Bibel des Feminismus", das Buch "Das andere Geschlecht" von Simone de Beauvoir liest, dann erkennt man das Patchwork von Zitaten männlicher Autoren wie Marx, Engels, Bebel, Reich, Feuerbach und Freud. "Das andere Geschlecht" ist also im Prinzip ein Kompilat von männlichen Texten und Thesen, neu ist lediglich, dass sie mit der Unterschrift einer Frau versehen sind.

Meine These 3:
Der Feminismus ist die Adaption ideologischer Versatzstücke von linken Ideologen, schwärmerischer Idealisten (heute würde man Gutmenschen sagen) und frauenfreundlicher Gentlemen (heute würde man Lila Pudel sagen) durch bürgerliche Frauen.

Der Streit darüber, ob der Feminismus nun bürgerlich oder links sei, ist IMHO daher abwegig.

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