Amokläuferin ist in den Medien schon Opfer
Der krasse Absturz der Sabine R.
Das Einfamilienhaus steht idyllisch am Waldrand. Der Dorfbach plätschert ruhig vorbei. Rote Bastelherzen hängen in den Fenstern. Hier im kleinen Schwarzwaldort Häg-Ehrsberg war Sabine R. glücklich, doch das Glück zerbrach: Die 41-jährige Anwältin trennte sich im Juni von Mann und Kind und zog in die 30 Kilometer entfernte Stadt Lörrach. Dort hauste sie in ihrem Büro auf einer Matratze, war von den Nachbarn isoliert.
Unterschlupf in der Kanzlei
Sabine R. hatte sich in ihrer Lörracher Rechtsanwaltskanzlei, die sie im Dezember bezogen hatte, notdürftig ein Zimmer eingerichtet. Privater Raum war einzig eine Matratze...t.online.de
Opferdarstellung?
Mal eine Frage, wenn man in einem Artikel schreibt, dass die Anwältin geschieden war, das Sorgerecht für ihren Sohn nicht bekam, eine Fehlgeburt hatte und es auch dann mit ihrer Kanzlei langsam bergab ging, ist das dann schon eine Opferdarstellung? Oder sind das einfach nur nüchterne Fakten, die man da zusammengetragen hat?
Amokläufe entstehen ja nicht aus dem nichts. Bei den Tätern staut sich permanent etwas an. Das war auch bei den anderen Fällen nicht anders. Das Verbrecherosche ist so eine ausgedachte tat kaltblütig durchzuziehen und unschuldige Menschen zu töten. Wenn man dann von Motiven berichtet, dann sind das keine Entschuldigungen für Tat, sondern maximal der Versuch, eine unbegreifliche Tat mit rationalen Punkten zu beschreiben.
Dann ist das Abendland ja gerettet!
Der krasse Absturz der Sabine R.
Amokläuferin ist in den Medien schon Opfer
Dann ist das Abendland ja gerettet!
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Begründungen? Bei Männer reicht da meist ein Hinweis auf CS und Pimmel
- kein Text -
Darstellung der Täter in den Medien
Egal wie abscheulich die Taten mancher Menschen waren, man hat in den Medien immer auch angeführt, was einen Menschen zu so etwas gebracht hat. Genauso beim Amokläufer von Erfurt, der vom Gymnasium geflogen ist und dank der damaligen Regelung ohne Schulabschluss dastand und sich nicht traute, seinen Eltern zu berichten und eine Scheinwelt aufbaute.
geschmacklos
man erinnere sich an den gescheiterten Amoklauf des Bastian B., bei dem er selbst das einzige Todesopfer war. "Sein Motiv war Hass!" schrieb Bild, der Spiegel: "Sebastian B. war ein Außenseiter - und gefiel sich in dieser Rolle." - ein Jugendlicher, der auf youtube ein - nicht gewaltverherrlichendes - Erinnerungsvideo für Sebastian B. hochludt, bekam Besuch von der Polizei mit einem Durchsuchungsbefehl. Wer Mobbing als mögliche Ursache für die Tat nannte, wurde der Sympathie für Massenmörder verdächtigt.
Hier stehen jetzt Sätze wie "Rote Bastelherzen hängen in den Fenstern. Hier im kleinen Schwarzwaldort Häg-Ehrsberg war Sabine R. glücklich, doch das Glück zerbrach".
Ich finde die dämonisierende Berichterstattung wie bei Bastian B. im übrigen genauso geschmacklos wie diese Arztromansülze.
das ist inkorrekt
Egal wie abscheulich die Taten mancher Menschen waren, man hat in den
Medien immer auch angeführt, was einen Menschen zu so etwas gebracht hat.
Genauso beim Amokläufer von Erfurt, der vom Gymnasium geflogen ist und dank
der damaligen Regelung ohne Schulabschluss dastand und sich nicht traute,
seinen Eltern zu berichten und eine Scheinwelt aufbaute.
Einen Satz wie "Rote Bastelherzen hängen in den Fenstern. Hier im kleinen Schwarzwaldort Häg-Ehrsberg war Sabine R. glücklich, doch das Glück zerbrach" fandest du nicht in der Berichterstattung über Erfurt. Schon gar nicht:
"In mein Gebet schließe ich auch die Amokläuferin ein", sagt eine Lörracherin. "Die Frau, die so viel Leid über uns gebracht hat."
Stattdessen: "Gutenberg-Direktorin Christiane Alt spricht stattdessen von einem „kaltblütigen, von langer Hand geplanten Massenmord“ eines Ex-Schülers, der „mit seinem Leben nicht zurecht gekommen ist“."
"Die Mordakte ist ein Katalog des Grauens. Ein Dokument, das die Brutalität und Präzision, mit der Steinhäuser vorging, forensisch kühl schildert"
http://www.focus.de/panorama/welt/tid-9726/erfurt-massaker-moerderische-lektion_aid_297215.html
"Den Attentäter schließen die wenigsten Menschen in ihr Gedenken ein. Und wenn doch, dann nur im Sinne jenes Appells, den eine Opferfamilie kurz nach der Amoktat formulierte: „Bewahrt die Kinder vor solchem Hass.“"
nichts zu lesen von dieser Bastelherzenromantik. Einen ähnlich versöhnlichen Kitsch habe ich über Steinhäuser nie gelesen, oder hast du da ein Beispiel mit Quelle?
Es ist doch ganz logisch
daß eine Frau (Mann) mittleren Alters, die eine Familie hat und bisher als "integriert und liebevoll" galt andere Assoziationen bei den Menschen auslöst als die jugendlichen Amokläufer, bei denen zumeist gewaltverherrlichende Spiele /Bilder etc eine Rolle spielten. Dies bedienen die Medien. Natürlich ist die Tat an sich genauso brutal und verachtenswert. Aber die Lebensumgebung war doch eine andere (Häg-Ehrsberg ist übrigens tatsächlich Arztroman-idyllisch- hier ist die Welt noch in Ordnung- naja fast...;)
Du kannst doch niemand zum Vorwurf machen----
daß er sich nicht einen ähnlichen Nachbarn-O-Ton für Kretschmer oder Steinhäuser aus den Fingern gesogen hat. Die Wahrnehmung einer Familienmutter, die bislang angepaßt schien und problematischen Heranwachsenden mit Gewaltphantasien ist nunmal verschieden.
Und die beiden harten Jungs hätten sicher protestiert, wenn irgendeine alte Dame sie in ihr Gebet miteinbeziehen wollte oder sie mit Bastelherzen in Verbindung gebracht worden wären...
das ist inkorrekt
"In mein Gebet schließe ich auch die Amokläuferin ein", sagt eine
Lörracherin. "Die Frau, die so viel Leid über uns gebracht hat."
Der damalige Bundespräsident Rau sprach nach der entsetzlichen Tat, dass er auch dem Täter gedenke, denn egal was er getan hat, er bleibt ein Mensch. Über ihn gab es in den Medien genauso Berichte, dass er eigentlich ein normaler, netter, aber auch zurückgezogener Junge war.
Stattdessen: "Gutenberg-Direktorin Christiane Alt spricht stattdessen von
einem "kaltblütigen, von langer Hand geplanten Massenmord" eines
Ex-Schülers, der "mit seinem Leben nicht zurecht gekommen ist"."
"Die Mordakte ist ein Katalog des Grauens. Ein Dokument, das die
Brutalität und Präzision, mit der Steinhäuser vorging, forensisch kühl
schildert"
Klar war das ein kaltblütiger, von langer Hand geplanter Massenmord. Odee soll man das hinterher schönreden? Genauso wie die Tat der Frau ein kaltblütiger, von langer Hand geplanter Massenmord war. Darüber berichten auch die Medien. Aber das lässt sich nun mal nicht davon trennen, das hinter den Tätern trotzdem Menschen mit Gefühlen und Motiven stecken.
nichts zu lesen von dieser Bastelherzenromantik. Einen ähnlich
versöhnlichen Kitsch habe ich über Steinhäuser nie gelesen, oder hast du da
ein Beispiel mit Quelle?
Ja.
das ist inkorrekt
Der damalige Bundespräsident Rau sprach nach der entsetzlichen Tat, dass
er auch dem Täter gedenke, denn egal was er getan hat, er bleibt ein
Mensch.
von der Bundespräsidentenrede habe ich vor allem in Erinnerung, dass er sinngemäß gesagt hatte: wir dürfen nicht versuchen, diese Tat zu verstehen. Es war die Tat eines kranken Gehirnes...
"er bleibt ein Mensch" ist IMO ein Allgemeinplatz. Was denn sonst, war Robert S. ein Briefbeschwerer oder ein Glas Bier?
den Taz-Artikel finde ich in der Tat ein gutes Gegenbeispiel. Ist ja auch meine Rede, dass die "Linken" nicht der Ursprung allen Übels sind. Da wurde viel mit dem unmenschlichen Konkurrenzdruck an der Schule argumentiert, was sicher nicht ganz falsch ist.
Du kannst doch niemand zum Vorwurf machen----
daß er sich nicht einen ähnlichen Nachbarn-O-Ton für Kretschmer oder
Steinhäuser aus den Fingern gesogen hat. Die Wahrnehmung einer
Familienmutter, die bislang angepaßt schien und problematischen
Heranwachsenden mit Gewaltphantasien ist nunmal verschieden.
klar, aber um diese Wahrnehmung geht es ja. Vereinfacht: Mutter = gut (wie konnte sie das machen, sie muss Gründe gehabt haben)
junger Mann = gewalttätig (lebt seine hegemoniale Männlichkeit aus)
Und die beiden harten Jungs hätten sicher protestiert, wenn irgendeine
alte Dame sie in ihr Gebet miteinbeziehen wollte oder sie mit Bastelherzen
in Verbindung gebracht worden wären...
klar, die wären mit der Darstellung als eiskalte Killer sehr zufrieden gewesen. Die ganzen Waffen, Armeekleidung waren ja das Mittel, um sich nicht als die armen Würstchen / Verlierer präsentieren zu müssen, die sie eigentlich waren.
Wat? LOL!
Und die beiden harten Jungs hätten sicher protestiert, wenn irgendeine alte Dame sie in ihr Gebet miteinbeziehen wollte oder sie mit Bastelherzen in Verbindung gebracht worden wären...
es wird ja immer böser hier.
Du kannst doch niemand zum Vorwurf machen----
Da sind wir absolut d´accord.
Wat? LOL!
Ja aber nicht so böse wie die Sabine..
das ist inkorrekt
von der Bundespräsidentenrede habe ich vor allem in Erinnerung, dass er
sinngemäß gesagt hatte: wir dürfen nicht versuchen, diese Tat zu verstehen.
Es war die Tat eines kranken Gehirnes...
"er bleibt ein Mensch" ist IMO ein Allgemeinplatz.
An diese Äusserungen wiederum kann ich mich jetzt nicht erinnern. Habe mal gegoogelt, aber erstmal nichts entsprechendes dazu gefunden. Hast Du da eine Quelle?
Allgemeinplatz, ja, kann man so empfinden. Kann man aber auch bei Aussagen wie sie war eine Mutter und vorher ganz glücklich, ähnlich sehen.
"Amokläuferin von Lörrach mit 17 Schüssen getötet"
Seit gestern liest man überall diese Überschriften. Was wollen sie sagen? Die Polizei hat überreagiert. Man hätte die Frau zart bei der Hand nehmen und in ein Heim mit Psychologen stecken sollen. Da die Frau einmal in einem Sportschützenverein war, kam natürlich prompt wieder das Waffenverbot. Aktuell läuft auch gerade der Prozeß gegen den Vater des Winnender Amokläufers. Machen wir also klar Schiff. Die Täterin hat ihrem Sohn was auf den Kopf geschlagen. Alles, mit dem man auf den Kopf schlagen kann, verbieten! Dann hat sie ihn erstickt. Alles, mit dem jemand erstickt werden kann, also Plastiktüten zum Beispiel, verbieten. Dann hat sie ihren Mann erschossen. Pistolen verbieten! Hatten wir schon! Schließlich hat sie einen Pfleger erstochen. Alle Messer verbieten! Anwältin war sie auch. Alle Anwältinnen verbieten. Und sie war MenschIn. Weg mit den MenschInnen, nur noch politkorrekte rotgrüne Deppen, dann wird alles gut!
Amokläuferin ist in den Medien schon Opfer
Die 41-jährige Anwältin trennte sich im Juni von Mann und Kind
Und schon im September Amok?
Weichei. Tausende von Männern müssen jahrelang Demütigungen ertragen und laufen in den dafür geeigneten Stellen (z.B. Jugendamt) leider nicht Amok.
Es ist doch ganz logisch
Nein, das ist überhaupt nicht logisch. Es zeigt vielmehr das, wie immer in solchen, und anderen, Fällen mit zweierlei Maß gemessen wird. Auf der einen Seite eine 41 Jahre alte Frau, auf der anderen ein 17 jähriger Junge. Der 17 jährige wird stigmatisiert (Pornos, Gewaltspiele....), er wird postum verhöhnt (Außenseiter, keine schlag bei Frauen...) und niemand fragt so wirklich nach, was eigentlich vorgefallen ist, das er so ausrastet. Von der 41 jährigen erfahren wir sofort in welch schlimmer Situation (Trennung, kein Sorgerecht...) sie gesteckt hat, welche Schicksalsschläge (Fehlgeburt, Probleme im Beruf...) sie zu verarbeiten hatte, usw. Das unsere Gesellschaft einen 17jährigen in die Pflicht nimmt und bei einer 41 jährigen Akademikerin reflexartig nach Auslösern und Entschuldigungen für ihre Tat sucht, ist einfach nur erbärmlich, aber mittlerweile zur Normalität geworden. Lesen Sie mal bitte den Beitrag von Alice Schwarzer zum Amoklauf von Winnenden, da kann einem eigentlich nur übel werden,egal ob Mann, Frau, Feminst/in oder sonst was. Dann noch die Kommentare dazu lesen und mit den aktuellen vergleichen. Nach dieser Lektüre sollte eigentlich jedem klar sein was daran nicht logisch ist.
das ist inkorrekt
An diese Äusserungen wiederum kann ich mich jetzt nicht erinnern. Habe mal
gegoogelt, aber erstmal nichts entsprechendes dazu gefunden. Hast Du da
eine Quelle?
leider nein.
doch noch gefunden
von der Bundespräsidentenrede habe ich vor allem in Erinnerung, dass er
sinngemäß gesagt hatte: wir dürfen nicht versuchen, diese Tat zu
verstehen.
Es war die Tat eines kranken Gehirnes...
"er bleibt ein Mensch" ist IMO ein Allgemeinplatz.
An diese Äusserungen wiederum kann ich mich jetzt nicht erinnern. Habe mal
gegoogelt, aber erstmal nichts entsprechendes dazu gefunden. Hast Du da
eine Quelle?Allgemeinplatz, ja, kann man so empfinden. Kann man aber auch bei Aussagen
wie sie war eine Mutter und vorher ganz glücklich, ähnlich sehen.
http://www.bundespraesident.de/dokumente/-,2.78601/Rede/dokument.htm
"Wir sollten unsere Ratlosigkeit nicht zu überspielen versuchen mit scheinbar naheliegenden Erklärungen. Wir sollten uns eingestehen: Wir verstehen diese Tat nicht. Wir werden sie
- letzten Endes - auch nie völlig erklären können."
gut, das "kranke Gehirn" kommt nicht darin vor. Wohl aber das imperativische "wir verstehen diese Tat nicht... werden sie nie vollständig erklären können"
"Amokläuferin von Lörrach mit 17 Schüssen getötet"
Einen wesentlichen Unterschied zwischen Messern und Pistolen (z.T. halbautomatische) gibt es schon, mit letzteren kann man in kürzester Zeit auf Distanz mehr Schaden anrichten als mit einem Messer. Von daher halte ich es für gerechtfertigt, wenn man härtere Kriterien für Schusswaffen ansetzt.
Darstellung in den Medien
41 jährigen erfahren wir sofort in welch schlimmer Situation (Trennung,
kein Sorgerecht...) sie gesteckt hat, welche Schicksalsschläge (Fehlgeburt,
Probleme im Beruf...) sie zu verarbeiten hatte, usw.
Medien können in der Darstellung eines gesamten Menschenlebens nie gerecht sein. Weil man ein gesamtes Leben einfach nicht in zwei Zeitungsspalten zusammenfassen kann, ohne Dinge abzukürzen oder zu pauschalisieren.
Trotzdem war beispielsweise neben dem Entsetzen und Abscheu in den Medien auch differenzierte Töne zum Amokläufer von Erfurt zu hören, die die persönliche Seite betrafen. Ich hatte hier schon das Beispiel mit Film gebracht, die sich mit den gesellschaftlichen Ursachen der Tat von Robert Steinhäuser auseinandersetzte.
Die Frage wäre nun, wie müsste eine "neutrale" Berichterstattung in den Medien aussehen? Ich finde, wenn die Frau eine Fehlgeburt und Probleme im Beruf hatte, dann sollte man das auch schreiben, weil es zum Motiv so einer Tat gehört. Und das Motiv ist nie die Entschuldigung für so eine Tat. Aber wenn Du für beide Fälle (Erfurt und Lörrach) Kritierien hast, wie man darüber berichten soll, dann sag es ruhig.